Eine First-Light-Überraschung

Ursus corpulentus

Aktives Mitglied
Liebe Brillenträger,

nach wochenlangem Warten war es gestern Abend endlich wieder einmal soweit: es wurde langsam dunkel und der Himmel war nur zu circa einem Drittel bewölkt, aber relativ stationär, beziehungsweise nur sehr langsam ziehend. Dazu der Mond nur zu einem Drittel sichtbar und rundherum auch noch ein paar der hellen Sterne - ab auf's Dach!

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Mir gefällt die an den Nasa-Worm angelehnte Schrift.
Hat einen Hauch Star Trek ...


Vorher kurz (!) über das Luxusproblem "Welchen nehme ich nur?" nachgedacht und nach dem alten, neu eingetroffenen Apo gegriffen. Und ich fühle mich in dem Moment seltsam angekommen. Wie ein 14-Jähriger mit seiner ersten Zigarette in der Öffentlichkeit: "Seht her! - jetzt bin ich auch erwachsen!"
Oder so ähnlich.

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Vixen ED-81S aus japanischer Produktion.
So, finde ich, muss ein Refraktor aussehen.


Also ab auf die GP in der Kuppel damit, festgeschraubt und - siehe da! - stand auch schon die Mondsichel im Westen.
Es hat mich schon länger interessiert, wie sich die alten 4000er Meade UWAs gegen die aktuellen Explore Scientific 82° schlagen. Und gestern war der Abend dafür.
Der ED ist ein 81/625, f/7.7. Also ab an den Mond damit und mit einem alten zweizölligen 40 mm-Übersichtsokular von University angefangen.
Ja, nett, irgendwie mag ich das Okular ... aber hier war es überhaupt nicht überzeugend.

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Meade 4000er Ultra Wide Angle-Serie
- mit Kultstatus in der Oldie-Szene.


Ganz anders sah das mit dem 14er Meade 2'' aus, was einer Vergößerung von rund 45-fach entspricht. Trotz des bescheidenen Seeings waren das richtig gute Bilder, relativ warm und sehr kontrastreich auch bei flacheren Formationen.
Das 14er ES war ebenfalls sehr gut, farblich deutlich kälter und irgendwie "spitzer".
Und bei den anderen drei Okularen der Serie - den 8.8/71-fach; 6.7/93-fach und 4.7/133-fach - war es im großen und ganzen genauso, mal ein bisschen mehr oder weniger.

Als rein "Analoger" habe ich keine Bilder zum Zeigen, kann aber berichten, dass es eine besondere Stimmung war. Zumal ich das erste Mal einen Blick durch diesen wunderschönen (halb?-) Apo warf und grundsätzlich schon einmal tief beeindruckt war, dass (- bis zum bitteren Ende der international anerkannten Fahnenstange für Vergrößerungen -) keine Farbsäume zu sehen waren. Und dieses Ende war - völlig überzogen, doch das Bild war noch ziemlich gut erkennbar - immerhin 266-fache Vergrößerung.
Und selbst in dem Bereich hat mich das 4.7er Meade überzeugt.

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Explore Scientifc mit 82°
Gute, in Fernost gefertigte, mittelpreisige Okulare


Ziemlich sicher ist deshalb zunächst mal, dass die über 40 Jahre alten Meades den aktuellen ES 82° in keinem Fall unterlegen sind. Meine Einschätzung.
Die Entscheidung darüber, welches nun faktisch besser ist, bleibt letzendlich den persönlichen Präferenzen des jeweiligen Glasauges geschuldet. Mir hat das etwas wärmer Bild und die subjektiv nicht ganz so starke Schärfe viel besser gefallen. Aber das ist meine ganz persönliche Ansicht.

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Wer unbedingt meckern will: eine dritte Sicherungsschraube
an der 2''- Aufnahme für den Zenitspiegel wäre nett gewesen.



Und der Vixen Refraktor an sich ist kleiner Traum. Ich bin völlig glücklich damit, nicht zuletzt auch wegen seiner wirklich guten Verarbeitung. Weil gut verarbeitete Dinge oft auch schöne Dinge sind - und umgekehrt. Von der Optik mal ganz zu schweigen, die wirklich gut korrigiert sein muss. Es war tatsächlich keine Farbe zu sehen - bei 266-facher Vergrößerung. Mit durchgehend guten Bildern.

Den einzigen "Makel", wenn man dann wirklich unbedingt einen finden muss, wäre vielleicht eine fehlende, dritte Schraube zum Sichern des zweizölligen Zenitprismas, auf das man gerne mal eine okulare Widefield-Handgranate steckt, mit entsprechendem Gewicht.
Aber das ist jammern auf hohem Niveau.
Zumal der OAZ beispielsweise so gut ist, dass man keinen Feintrieb vermisst. Ich zumindest nicht; doch ich bin weder Uhrmacher noch Hirnchirurg.

Fazit: Das Teil ist wirklich toll. Und es funktioniert mit den alten Meade Okularen beeindruckend gut.
Im Moment scheint es mir, wie wenn ich so etwas wie DIE Kombination für mich entdeckt hätte, das optimale Setup für den Rest der Zeit.

Mal sehen ... ich bin Teleskopiker.


- - CUT! - -


So, dachte ich, könnte der Bericht enden.
Und habe gestern Abend die Kuppel zugeklappt, die restlichen Lichter gelöscht - und dann den zarten Farbschein am Himmel bemerkt.

"War das jetzt gerade nicht wieder ...?!"
Ja. War es. Zweieinhalb Stunden Musik ohne Töne.

Diesmal nicht ganz so laut wie vor vier Wochen aber sichtbar. Und wunderschön.
Ganz ohne APOs auf GPs und UWAs auf Energy-Drinks, sondern vom Korbstuhl auf dem Dach in den Himmel gucken - und etwas Gras rauchen dabei. Weit weg vom Kindergarten, selbstverständlich.

;-)

Ursus Marley




Hinweis: Kann Spuren von THC enthalten
 
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Lieber Marley,

bei Deinen Berichten, wie hier, werden Teleskopwünsche bei mir generiert, die ich vorher nie hatte. Nach lesen suchte ich direkt nach Vixen ED Refraktoren im Netz. Schlimm. ;-)


Viel Spaß mit dem Gerät
Johannes
 
Hallo Tom,

ein toller Bericht, vielen Dank! Ich habe auch jene Nacht zum Okulartesten in der Hochvergrößerung am Mond verwendet, in meinem Fall mit einem 60mm F5,9 Refraktor. Ich wollte herausfinden, wie meine Okulare von 3 bis 5mm - es hat sich die beunruhigende Anzahl von acht Okulare in diesem Brennweitenbereich angesammelt - verhalten.

Als Nebeneffekt - nein, eigentlich Haupteffekt - gewann ich dabei eine ganz neue Nähe zum Kraterpaar Cleomedes/Tralles. Cleomedes ist ein alter Freund, aber mir war vorher nicht bewußt, wie Tralles Material in den nordwestlichen Rand von Cleomedes gedrückt hat.

Es gab echt Polarlichter? Da habe ich wohl zu früh eingepackt. Andererseits sind sie wohl ohnehin an meinem Standort in der Lichtglocke von Darmstadt/Frankfurt untergegangen.

Beste Grüße, Christopher
 
@saabo und @Schiefspiegler: habt vielen Dank für Eure freundlichen Worte!

Ja, das kenne ich auch - über etwas "stolpern" im Netz und eine Woche später ist die Teleskopliste um einen Posten länger. In der Tat ist so bis zu einem gewissen Grad auch mein Fundus entstanden.
Wie Du sagst, Johannes: Schlimm ... aber es macht einen Haufen Spaß!

Und ja, Christopher, sie waren wieder da, die Nordlichter. Kein Mensch hat was mitbekommen, weil sie nicht so stark waren, wie vor einigen Wochen. Aber durchaus sichtbar und ein Vergnügen zu beobachten.

Schöne Grüße schickt der,
Ursus
 
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Hallo Frank!

Setz' Dich doch hierhin ... nein, nicht auf den Hund. Das ist sein Stuhl.

Willkommen im Kreis, ich bin der Urs.
Also: Du hast ein Problem - toll! Möchtest Du heute vielleicht anfangen?


(Es wäre mal wieder an der Zeit für eine Folge "Teleskopiker" merke ich gerade)
 
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Oh .... Entschuldigung, ich dachte Canis Major wäre noch frei.
Ja, hallo Urs.
Weiß nicht so recht, wo ich anfangen soll.
Also irgendwann, ... irgendwann hat es angefangen sich zu verschieben. Also nicht so im Sinne von Verschieben, sondern mehr so von der Vorstellung das sich da etwas verschoben hat ...
Kannst Du das verstehen? Ist das hier auch der richtige Ort für so was?
 
Netter Bericht.
Hier ist offenbar jemand angekommen in der Welt der kleinen Apos :).
Wobei das "nur" ein 80er FPL53-Zweilinser ist...z. B. ein LOMO 80/600 Triplet wäre dann doch eine andere Welt (insbesondere bei extremen Hochvergrößerungen...;)).
Dennoch, passt schon...:cool:.
(Wir nutzen visuell nur noch high-end Apos ab 4"...frei nach Goethe: Das Leben ist zu kurz für schlechte Optiken)
 
Hallo Heilstein,

yeah, danke für die Blumen, Bruder!
Aber ich frage mich, wo bei einem Triplet noch weniger Farbe sein sollte ... es war einfach keine da.

Sind die alten TS "Photoline" Apos eigentlich Dreilinser? Ich glaube ja, oder?!. Mit so einem habe ich ein paar Nächte in Namibia 'rumgespielt (ich hatte ihn im Handgepäck). Das war wirklich ein Erlebnis! Ich müsste ihn mal parallel zu dem Vixen probieren - um herauszufinden, wie viel persönliche Präferenzen in Sachen Haptik, Design, Farbgebung, usw. in die vermeintlich (?) objektive und rein sachlich orientierte Frage nach der Optik eine Rolle spielen. Egal, wie gut oder gar besser der - in dem Fall - TS Apo gegenüber dem Vixen ist, werde ich den bei ähnlicher Leistung dem "Chinesen" immer vorziehen.
Genauso, werde ich einen "schönen" kleinen Refraktor einem großen Spiegel immer vorziehen. Viele mögen darüber lachen, die Wissenschaftler unter Euch sowieso. Aber das ist völlig okay. Bei mir läuft die Astronomie, bzw. deren Ausrichtung und Schwerpunkte eben in eine völlig andere Richung.

Denn isch bin Teleskopiker.

Yo, bro!
Urs
 
Hi Urs!

Nette Zeilen, mach nur weiter so! Ich kenne beide Optik-Sorten, die "alten" Vixen EDs (die bei diesem Gerät ja auch schon vom Design her seit knapp 20 Jahren gibt) und auch TS-PhotoLine mit drei Linsen (nutze ich aktuell hauptsächlich als solare Kalzium-Maschine) - machen beide auch bei hohen Vergrößerungen viel Spaß.
Für den visuellen Genießer waren und sind die zweilinsigen Vixen-Apo-Optiken nach wie vor auch bei Vergrößerungen jenseits der üblichen 2x-Grenze handhabbar, wenn denn das Objekt hell genug ist. Hinsichtlich Schärfe waren sie schon vor 30 Jahren den Fluorid-Zweilinsern ebenbürtig, nur in minimaler Hauch von Restfarbe machte da noch ein Unterschiedchen...

Viele Spaß mit dem Kleinen!

CS,
Stefan
 
Danke Stefan.
Es macht mir momentan, eigentlich schon seit ich vor zwei Jahren angefangen habe, einen Mordsspaß!

Und als Refraktor-Liebhaber endet man wahrscheinlich automatisch irgendwann beim Apo. Wobei die persönlichen Einkommensverhältnisse über dessen Durchmesser entscheiden.
Ich schätze, dass es für dieses Naturgesetz eine Konstante gibt. Rho oder My oder Lamda.
Also x >y = Z im Quadrat = Lamda; oder so ählich (in Mathe kam ich in der Schule zu keinem Zeitpunkt über eine Fünf hinaus. Ohne Schei$$!).

Wobei natürlich auch bei den Apos das Auge mitißt ...

Apropos essen: Jetzt wird es Zeit für einen Wurstsalat in der "Schutterzeller Mühle".

Schönen Abend noch,
Urs
 
Ganz recht!

Der visuelle Perfektionist endet ohnehin bei einem 5"-6" Triplet aus Japan, den USA, Russland oder Deutschland (Jena oder Lindelbach...).
(Und kocht dann am Sonntag stattdessen Spaghetti-Pesto plus Salat für 3 EUR pro Nase...:p; ich hatte in Mathe idR eine 2, öfters auch mal eine 1 :cool:).
Trotzdem, guten Appetit!
 
Zuletzt bearbeitet:
Also…ich bin nicht (ausschließlich) beim 5“-6“ Triplett gelandet und dennoch nicht weniger Perfektionist. ;)

Bei mir hält es sich die Waage: 2:2, und ich weiß schon warum es sich mit diesem Refraktor zu Spiegelverhältnis gut leben läßt.:giggle:

Viele Grüße
Werner
 
Zuletzt bearbeitet:
Perfeckion ist langweilik.
 
Feines Teil. Aber das mit der dritten Schraube resp. dem Gewicht des Prisma mit nem Zweizollbrummer ist wirklich nicht zu unterschätzen - ich hab ein Baader 2"-Glasklotz, und wenn da noch ein 35er PanO dran hängt wiegt das ganze locker 1370g. Die zwei Schräubchen halten das vmtl., aber ich würde mal schauen, ob es an dem Auszugende (also vor den Schräubchen) noch ein Gewinde gibt, und dann bei Baader nach nem flachen 2"-Clicklock o.ä. mit Ringklemmung stöbern.

csm
 
Und kocht dann am Sonntag stattdessen Spaghetti-Pesto plus Salat für 3 EUR pro Nase...:p
Butterbrot statt Schnitzel kauen,
durch Apo statt durch Spiegel schauen...

Ich bin an einem rustikalen russischen Katadiopter hängen geblieben dann braucht es (kleinere) Apos nur als Ergänzung und größere kann ich mir eh nicht leisten _affeaugen:


Viele Grüße Felix
 
Butterbrot statt Schnitzel kauen,
durch Apo statt durch Spiegel schauen...

Ich bin an einem rustikalen russischen Katadiopter hängen geblieben dann braucht es (kleinere) Apos nur als Ergänzung und größere kann ich mir eh nicht leisten _affeaugen:


Viele Grüße Felix
Hallo,

die € 3,- fürs Mittagessen toppe ich regelmäßig. Ich wühle immer in der Rentner Rettungskiste (redzierte Lebensmittel nahe dem Verfallsdatum) und hebe trotzdem nur einen einzigen ED 120/900 als "Apo". Also schaue ich auch regelmäßig durch Spiegel (z.B. meinen Kosmos N 110) und bin dabei verdächtig zufrieden.

CS von S aus H, der lieber anonym bleibt
 
Hallo anonymer Schmitti,

...Also schaue ich auch regelmäßig durch Spiegel (z.B. meinen Kosmos N 110) und bin dabei verdächtig zufrieden.

so isses, mein Apo ist auch keiner einer Edelmarke sondern ein 125mm SD Apo von TS also letztlich ziemlich vergleichbar wenn man keine Polystrehlpunkte sammelt. Ein Teleskop ist ja immer irgendwie ein Kompromiss die Summe der Eigenschaften muß halt sinnvoll nutzbar sein da kann ein unscheinbares Gerät durchaus perfekt für manchen Einsatz passen.

Deshalb wird mein kleiner 127/1900 Bresser Mak viel öfter genutzt als der dicke Intes...ist halt so wunderbar handlich der lütte Mak das kann ich vom dicken nicht sagen.

Viele Grüße Felix
 
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