Einfacher Planeten-Spiegel

#1
Nachdem ich vor einigen Tagen bereits ein paar Bildergebnisse vom Mond und von Jupiter im entsprechenden Foto-Forum gepostet hatte, möchte ich nun auch den mehr an der Technik interessierten Lesern mein neues Planeten-Teleskop vorstellen:



Da es keinen Sekundärspiegel besitzt, kann man es nicht als Newton-Teleskop bezeichnen. Der Aufbau ähnelt eher einer TV-Schüssel. Darum nenne ich es einfach "Schüssel"-Teleskop oder nur "Schüssel".

Die optischen Komponenten sind an einem stabilen Stahl-Trägerrohr befestigt, am unteren Ende ein parabolisch geschliffener 10" f/5 Spiegel von Bob Royce und oben eine Videokamera mit vorgeschalteter, komakorrigierender 2,2x Klee-Barlow. An der unteren Öffnung des Kameratubus lassen sich mittels einer Ringschwalbe Zubehörteile wie Farbfilter oder auch ein Sekundärspiegel mit Newton-Einblick anbringen.

Der offene Aufbau verhindert Tubus-Seeing, macht das Gerät hantierbar und spart Gewicht. Das ganze Teil wiegt 8,5 kg und ist mechanisch so robust, dass nachträgliche Justagen entfallen. Viel mehr ist zu dem Gerät im Moment nicht zu sagen. Ich hoffe nur, dass es bald wieder besseres Wetter gibt ...

Gruß, Jan
 
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#2
hallo Jan,

Gratuliere, das ist ja eine oberpfiffige Konstruktion!

Ein paar Fragen habe ich noch dazu: Wie ist denn der HS gelagert und wie erfolgt eine Justage? Die offene Bauweise verhindert Tubusseeing, aber erlaubt allen anderen Luftströmungen sich frei im Strahlengang auszutoben (z.B."Beobachterseeing" von der Körperwärme), wie sind deine Erfahrungen damit? Wo ist der Sucher? Die 2,2x Klee genügt dir für deine fantastischen Jupiterbilder, oder kommt da noch mehr in den Strahlengang?

Verrätst du uns noch ein paar Einzelheiten?

lg Tommy
 
#3
Hallo Tommy,

Dank für Deine freundliche Meldung - wir hatten uns ja schon am Jupiter getroffen ...

Zitat von tommy_nawratil:
Wie ist denn der HS gelagert und wie erfolgt eine Justage?
Der HS ist einfach mit einem zentralen 1/2-Zoll Nylonbolzen befestigt, den Bob Royce mitliefert. Für die Justage genügte einerseits die Winkelausrichtung des Spiegelträgers im Rahmen des Spiels der Befestigungsschrauben in den Bohrungen des Trägerrohrs. In der dazu senkrechten Ebene genügte sogar eine minimale Verringerung der Zugspannung an den beiden unteren Befestigungsschrauben des Auslegers. Da könnte man natürlich auch mit Beilagen - z.B. Papier - arbeiten.


Zitat von tommy_nawratil:
Die offene Bauweise verhindert Tubusseeing, aber erlaubt allen anderen Luftströmungen sich frei im Strahlengang auszutoben (z.B."Beobachterseeing" von der Körperwärme), wie sind deine Erfahrungen damit?
Das hat bisher nicht gestört, da ich ja beim Videografieren weit genug entfernt bin.


Zitat von tommy_nawratil:
Habe gestern zwei Klemm-Schuhe für einen schon vorhandenen 6x30 Fadenkreuz-Sucher bekommen, die ich auf den gegenüberliegenden Schmalseiten des Trägerrohrs anbringen will. Bei den ersten Aufnahmen habe ich mich mit einer Grob-Peilung durch das offene Trägerrohr und dem hier noch nicht gezeigten "Newton-Ausleger" mit Pergamentpapier im Newton-Fokus beholfen. Zur Strahlauslenkung benutze ich gegenwärtig noch einen Flipspiegel, den ich zurückklappen kann, um den Strahlengang für die Kamera freizugeben. Wenn das Objekt auf dem Kamerachip ist, nehme ich das Newtonteil ab.


Zitat von tommy_nawratil:
Die 2,2x Klee genügt dir für deine fantastischen Jupiterbilder, oder kommt da noch mehr in den Strahlengang?
Nein, mehr brauche ich nicht, außer ggf. Farbfilter.

Bei den ersten Aufnahmen hatte ich an der spiegelseitigen Öffnung des Kameratubus mittels der Ringschwalbe ein Baader Ha35 Filter angeklemmt. Da kommt jetzt für schnelle Filterwechsel noch eine 1-1/4 Zoll Okularklemme hin. Ich hoffe dann bald schon RGB-Farbaufnahmen von Jupiter machen zu können.


Zitat von tommy_nawratil:
Verrätst du uns noch ein paar Einzelheiten?
Was interessiert Dich denn?

Gruß, Jan
 
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#4
Hallo Tommy!
Schau mal bei Bob Royce nach, da findest Du die Details der HS-Lagerung. Sehr interessante Sache, das komplett über die Mitte und ohne weitere Auflagepunkte zu lösen. Das scheint auch bis in höhere Größenklassen von 16" zu funktionieren.
http://www.rfroyce.com/conical/mount CFB.htm
http://www.rfroyce.com/conical/mount TCS.htm

Hätte ich nicht schon einen sehr guten 6" Newton-Spiegel, würde ich das glatt mal ausprobieren.
Bob Royce schreibt im Text, dass es die Conical Mirrors erst ab 8" gibt, aber in der Preisliste stehen auch 6" Conical Mirrors für 485$. Das ist preislich grob mit den "Research/Ultra Grade" Spiegeln von Orion UK vergleichbar.
Bei höheren US$-Summen schlagen dann halt Zoll und Steuer deutlicher zu ...

CS, Andreas
 
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#5
Hallo Jan !

Zunächst muss ich sagen, dass deine Idee super ist !

Ich habe versucht mit Hilfe der am Internett beschriebenen Methode von Herbert Zellbauer (http://www.zellix.de/newto.htm)
die Brennweite meines No-name Billigsdorfer Kaufhaus Newton 6" HS nachzuprüfen. Meine Testanordnung sah so ähnlich aus wie deine Konstruktion, jedoch nur viel primitiver mit Holzlatten zusammengezimmert. Ich habe die Brennweite von 750 mm mit Hilfe des Mondes der auf ein Stück Papier projiziert wurde, nachkontrollieren können. Ich kam aber nie auf den Gedanken anstatt des Papieres eine Kamera anzusetzen.

Meine Frage zum Strahlengang wäre, ob du dir selbst bei einer gewöhlichen Observation im Wege bist, also wenn du die Kamera mit einem Okular ersetzen würdest und dann von dort durchschauen würdest?

In den vorigen Beiträgen ist ja schon auf diverses mögliche Nachteile deines Schüsselteleskopes hingewiesen worden (u.a. möglicher Einfluss der Körperwärme im Strahlengang).

Mich würde interessieren, ob du ganz im Dunklen (soweit das überhaupt in unserer Zivilisation möglich ist) stehen musst. Was ist mit Licht von unseren beliebten Strassenlaternen oder von anderen unerwünschten Gartenleuchten etc.? Stören diese ?

Trage mich ernsthaft mit dem Gedanken, meinen Noname Newton HS wiederzuverwerten, so ähnlich wie du es gemacht hast. Vielleicht ist das die Rettung des Newton HS.

Grüsse
Theo








 
#6
Hallo Theo,

danke Dir für Deine freundliche Antwort und für Dein Interesse! - Ich will versuchen, Deine Fragen zu beantworten:

Zitat von Gucker14:
Meine Frage zum Strahlengang wäre, ob du dir selbst bei einer gewöhlichen Observation im Wege bist, also wenn du die Kamera mit einem Okular ersetzen würdest und dann von dort durchschauen würdest?
Wenn ich beobachten will, was eher selten vorkommt, benutze ich einen mittels der Ringschwalbe anklemmbaren Newton-Ausleger:



Da sitzt momentan ein 25 mm Plössl-Okular drin, mit dem ich ein sehr eindrucksvolles "Richfield"-Bild bei 50-facher Vergrößerung und 5 mm Austrittspupille habe. Mehr erwarte ich gar nicht, wenn ich bei Gelegenheit mal Deep Sky Objekte betrachten will. Bislang hatte ich - wetterbedingt - noch keine Gelegenheit dazu.


Zitat von Gucker14:
In den vorigen Beiträgen ist ja schon auf diverses mögliche Nachteile deines Schüsselteleskopes hingewiesen worden ...
??


Zitat von Gucker14:
... (u.a. möglicher Einfluss der Körperwärme im Strahlengang).
Eigentlich ging es ja zunächst nur um diese Frage, die ich dort schon beantwortet hatte. Du hast jetzt aber noch eine Frage:


Zitat von Gucker14:
Mich würde interessieren, ob du ganz im Dunklen (soweit das überhaupt in unserer Zivilisation möglich ist) stehen musst. Was ist mit Licht von unseren beliebten Strassenlaternen oder von anderen unerwünschten Gartenleuchten etc.? Stören diese ?
Diese Frage habe ich des öfteren auch schon im Zusammenhang mit meinen offenen Faltrefraktoren gestellt bekommen und beantwortet: Streulichtquellen sind kein Problem, solange das störende Licht nicht unmittelbar am Rand des Spiegels hineinkommt. Weiter außerhalb gelegene Bereiche kann der Kamera-Chip gar nicht "sehen", und im Spiegel selbst sieht er - bis auf den geschwärzten Kamerateil - nur den Himmel.

Das Teleskop ist im übrigen gar nicht mal besonders "tagblind". Im Newton-Einblick hat man ein ähnlich kontrastreiches Bild wie im Feldstecher.


Zitat von Gucker14:
Trage mich ernsthaft mit dem Gedanken, meinen Noname Newton HS wiederzuverwerten, so ähnlich wie du es gemacht hast. Vielleicht ist das die Rettung des Newton HS.
Das ist eine sehr gute Idee - viel Erfolg bei dem Projekt!


Gruß, Jan
 
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#7
Hallo Jan !

Danke für deine Antworten !
Das Bild zeigt auch einige interessante Details u.a. wie du mit einem Flippspiegel die Kamera/Observationssituationen elegeant gelöst hast. Habe selbst beim Planetenvideofilmen den Flippspiegel ab und zu im Einsatz.

Heute nachmittags habe ich jedenfalls schon einmal von vorne schräg in meinen 6" No-name Newton hineingesehen und auf die Quellwolken am blauen Himmel mit einem 20 mm Okular fokusiert (sozusagen im Freiflug, ohne Fixierung des Okulares). Das wirkt sehr vielversprechend. Das Bild ist von hier aus um viele Klassen besser als bislang im Newton, trotz bester Justage. Vermutlich ist der Fangspiegel eine reine Katastrophe. Ich stehe jedenfalls dem Objekt nicht im Wege!

Ich denke, die Tage des Billigsdorfer-Newton sind gezählt....

Grüsse
Theo

 
#8
Hallo Jahn,

zu
Zitat von Jan_Fremerey:
Da es keinen Sekundärspiegel besitzt, kann man es nicht als Newton-Teleskop bezeichnen. Der Aufbau ähnelt eher einer TV-Schüssel. Darum nenne ich es einfach "Schüssel"-Teleskop oder nur "Schüssel".
fällt mir "Reflektor für die Benutzung im Primärfokus" ein. Kürzer könnte man ihn als "Primärfokusreflektor" bezeichnen.

Grüße

fquadrat
 
#9
Hallo "fquadrat",

vielen Dank für die Beisteuerung Deiner eher "wissenschaftlich" klingenden Vorschläge zur Bezeichnung des Teleskops. Unter die von Dir genannte Kategorie würden natürlich auch Schmidt-Kameras fallen. Die Bezeichnung "Schüssel" klingt zwar vergleichsweise "salopp", weist aber zusätzlich auf die spezielle, offene Bauweise hin.

Gruß, Jan
 
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#10
fällt mir "Reflektor für die Benutzung im Primärfokus" ein. Kürzer könnte man ihn als "Primärfokusreflektor" bezeichnen
Hmm, ob solche Bezeichnungen wirlich sinnvoll sind, würde ich bezweifeln. Die Bedeutung von "Primärfokus" bei astronomischen Optiken ist wohl nicht ganz eindeutig.

Die einen verstehen darunter ganz strikt nur den primären Fokus des Hauptspiegels oder Objekivs und schließen dabei jede weitere Ablenkung im Strahlengang aus, die anderen schließen triviale Umlenkungen mit einfachen Planspiegeln mit ein, im Gegensatz zu optischen Systemen wie z.B. beim Cassegrain, bei denen ein gekrümmter Sekundärspiegel einen Sekundärfokus mit ganz verschiedener Systembrennweite erzeugt.

Je nach Betrachtungsweise würde ein Newton oder auch ein Refraktor mit Zenitspiegel entweder nicht oder doch im Primärfokus arbeiten. Vielleicht hat auch die Angewohnheit, bei bestimmten gefalteten Strahlengängen vom Nasmyth oder Coudé Fokus zu reden, zu der Ansicht geführt, abgelenkten Foci grundsätzlich das Merkmal primär abzuerkennen. Da solche Systeme abgesehen von planen Umlenkspiegeln in der Regel immer auch gekrümmte Sekundärspiegel haben, taugen sie aber gar nicht zur Klärung der Begriffsverwirrung.

Bei simplen Ablenkungen wie beim Newton oder Refraktor mit Zenitspiegel erscheint mir die Differenzierung von Primär- und Sekundärfokus jedenfalls von der optischen Theorie her nicht besonders sinnvoll. Sowas kennzeichnet dann allenfalls technische Konstruktionsdetails, die aber für die optischen Eigenschaften nur von zweitrangiger Bedeutung sind.

Meine fünf Cent dazu ...

Mit freundlichen Grüßen,
Peter



 
#11
Hallo Jan,
hatte letzte Woche eine ähnliche Idee, allerdings zu einem
Volltubus, aber optisch gleich.
Habe einen 12"f5 , den ich zu 98 % für Fotos verwende.
Vorteil wäre m.E., daß ich nur die Kamera in den Focus
bringen muß(natürlich mit Filtereinschub und Korrektor.
Diese Einheit ist aber leichter zu justieren ,als über
Fangspiegel. Das könnte man mit helikalem Focuser lösen.
Da ich kein Optikfachmann bin ,gibt es wahrscheinlich einiges,
daß die Sache erschwert.
LG Jochen
 
#12
Hi Jan!

Zitat von Jan_Fremerey:
Unter die von Dir genannte Kategorie würden natürlich auch Schmidt-Kameras fallen. Die Bezeichnung "Schüssel" klingt zwar vergleichsweise "salopp", weist aber zusätzlich auf die spezielle, offene Bauweise hin.
Es gibt auch Schmidtkameras ohne Schmidtplatte, bei denen nur die Eintrittsblendenlage nach Schmidt ausgenutzt wird. Die sind natürlich vorne auch offen, wenn auch nicht an den Seiten.

Wenn ein Tubus nicht vollständig oder gar gleich rudimentär vorhanden ist, ändert das an der Bezeichnung für das System übrigens nichts, siehe z.B. in: Hans Rohr, "Das Fernrohr für Jedermann" für "rudimentär" oder viele Profiteleskope für "nicht vollständig".

Grüße

fquadrat (Anführungsstriche nicht nötig, und f^2 geht auch)

 
#13
Hallo Jochen,

Klar, mit Tubus wird das auch gehen. Da kann natürlich Tubus-Seeing auftreten. Einen Schnecken-Fokussierer hatte ich auch schon eingeplant. Vorläufig reicht mir die preisgünstigere Click-Lock-Klemme, die ebenfalls eine Feinfokussierung bietet. Ohne Fangspiegel ist die Justierung des Systems insgesamt einfacher und jedenfalls stabiler. Mit der Stahlschiene muss ich überhaupt nicht nachjustieren, und die Temperaturabhängigkeit der Fokuslage ist gering, d.h. nur etwa 10 µm /°C.

Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Umbau und bin gespannt auf Deine ersten Ergebnisse!

Gruß, Jan
 
#14
Moin Peter,

bei Großteleskopen in Reflektorbauweise habe ich die Bezeichnung "Primärfokus" nur dann gefunden, wenn der Brennpunkt wirklich nicht per Planspiegel abgelenkt wird. Das einzige größere Teleskop, bei dem mir eine solche Ablenkung bekannt ist, ist der Hooker-Reflektor auf dem Mount Wilson, und dieser Brennpunkt wird üblichweise als Newtonfokus bezeichnet.

Bei Refraktoren ist mir in der Literatur nie die Verwendung des Wortes "Primärfokus" aufgefallen, während man bei den Bauarten schon etwas von Schaer-, Fagott- oder Coudérefraktor lesen kann.

Deiner Feststellung, daß man beim Newton nicht sinnvoll zwischen Primär- und Sekundärfokus differenzieren kann, stimme ich zu. Meines Erachtens kann man den Newtonfokus als "seitlichen Primärfokus" bezeichnen, wie man auch den Nasmythfokus oft als "seitlichen Cassegrainfokus" bezeichnet.

Nennt man ein Teleskop mit "seitlichem Primärfokus" nun Newton und eines mit seitlichem Cassegrainfokus Nasmyth, so erscheint es mir konsequent, als Bezeichnung für die Konstruktionen ohne den Ablenkspiegel in beiden Fällen den Namen von der Grundform abzuleiten, nicht nur bei Nasmyth/Cassegrain. Da weder "Primär" noch "Primärfokus" wirklich passend erscheinen (erstere Bezeichnung zu diffus, letztere bereits besetzt), wäre "Primärfokusreflektor" eine Möglichkeit.

Wenn jemand, der diesen Thread liest, mal ein professionelles Observatorium besucht, bei dem ein Teleskop im Primärfokus betrieben wird, kann er ja mal beim dortigen Personal nachfragen, wie man es zu dem Zeitpunkt nennt. Könnte interessant werden ... ;)

Grüße

fquadrat
 
#16
Hallo Jan,

mit
Zitat von Jan_Fremerey:
f^2 - ist das die Kurzfassung Deiner Initialien?
liegst Du schon ganz richtig. Allerdings müßten meine Initialen, zu denen übrigens genaugenommen noch ein "H" in der Mitte hinzukommen müßte, natürlich in Majuskeln geschrieben werden. F^2/F² wird aber schon z.B. von Frank Fleischmann (OES GmbH) verwendet, und bevor es Verwirrung gibt, nehme ich in diesem Forum halt die Minuskelform. Schreibweisen mit Majuskeln sind natürlich auch richtig. :)

Grüße

f^2
 

**DONOTDELETE**

#17
Hallo Jan,

gratuliere zu deinem interessanten Teleskop.
Ich freue mich daß du deinen Plan mit der Klee Barlow umgesetzt hast.
Kannst du anhand deiner photographischen Ergebnisse sagen wie groß
die Bildfeldwölbung des kompletten Syswtems iat?
Diese Frage konnten wir seinerzeit ja leider nicht klären.

Die von dir vorgestellten Bilder finde ich großartig!
Vor allem das Mondbild.
Es scheint als würde ein großer Teil des Gesichtsfeldes mit
hoher Bildgüte abgebildet, das spricht für die komakompensierende Barlow.

Viele Grüße, Karsten
 
#19
Hallo Karsten,

schön, dass Du Dich hier meldest und vielen Dank für die anerkennenden Worte zu Teleskop und Bildern. Bin allerdings der Meinung, dass man Mondbilder in vergleichbarer Qualität öfter zu sehen bekommt als einen gut durchgezeichneten Jupiter.

Zitat von KaStern:
Kannst du anhand deiner photographischen Ergebnisse sagen wie groß die Bildfeldwölbung des kompletten Syswtems iat? Diese Frage konnten wir seinerzeit ja leider nicht klären.
Hatten wir denn auch über Bildfeldwölbung gesprochen? Mir ist da in erster Linie die Koma in Erinnerung, und von der fällt mir in den Bildern nichts auf. Leider habe ich z.Z. keine Vergleichsmöglichkeit. Denn, um mit dem Kamerachip in die von Klee offensichtlich vorgesehene Ebene zu kommen, habe ich die Barlow ausgangsseitig um das CS-Auflagemaß von 12,5 mm gekürzt. Entsprechendes möchte ich nun nicht so gerne auch mit anderen Barlows veranstalten.

Was genau erwartest Du denn bezüglich der Bildfeldwölbung? Zusammen mit der Barlow habe ich eine Systembrennweite von 2,8 m, und der Kamera-Chip misst nur 1/3". Dieses Größenverhältnis erscheint mir relativ unkritisch.

Gruß, Jan
 
#20
hallo Jan,

noch eine Sachfrage habe ich:

jetzt, wo die feuchtkalte Jahreszeit sich nähert, eine naheliegende Frage: Sobald der Spiegel temperiert ist, müsste er eigentlich auch schon zutauen. Das ist ja einer der Nachteile eines komplett offenen Teleskopes - hast du da schon was bemerkt, bzw wie vermeidest du das denn?

lg Tommy
 

**DONOTDELETE**

#21
Hallo Jan,

ja, wir hatten das Thema Bildfeldwölbung auch thematisiert.
Leider konnte ich dazu keine Angaben machen.
Dein Sensor ist ja klein, so daß du wohl keine probleme mit
der Bildfeldwölbung haben wirst. Vielleicht kannst du ja bei
Gelegenheit ein Sternfeld photographieren, ich denke dann
sieht man ob die Bildfeldwölbung eine Rolle spielt?!

Bei 2800mm effektiver Brennweite ist 1° Feld in der Bildebene
immerhin 48,8mm groß. Ein drittel Zoll sind dagegen nur 7,6mm groß.

Die Komakorrektur durch die Klee Barlow wurde ja gerade in
amerikanischen Foren vegement dementiert. Das ging soweit
daß manche Teinehmer meinten, es sei prinzipiell unmöglich
die Koma mittels einer speziell gerechneten Barlow zu kompensieren :totlach2:

deshalb freut es mich besonders daß du die Komakompensation
der Klee Barlow auch photographisch bestätigst,
nachdem ich sie ja schon visuell bestätigen konnte.

Gruß, Karsten
 
#22
Zitat von tommy_nawratil:
Sobald der Spiegel temperiert ist, müsste er eigentlich auch schon zutauen. Das ist ja einer der Nachteile eines komplett offenen Teleskopes - hast du da schon was bemerkt, bzw wie vermeidest du das denn?
Hallo Tommy,

das ist eine sehr gute Frage! Dazu kann ich Dir nach zwei Beobachtungsnächten im Moment nur eine verblüffende Antwort geben: Obwohl während meiner Jupiteraufnahmen die komplette Mechanik betaut war, und insbesondere auch der Filzbelag des Objektivdeckels regelrecht nass war, blieb die Spiegelfläche selbst klar und beschlug erst, nachdem das Teleskop wieder im Haus stand.

Bislang habe ich noch keine plausible Erklärung, kann mir allenfalls vorstellen, dass es mit der Verspiegelung und dem damit verbundenen, besonderen Strahlungsaustausch etwas zu tun hat.

Vergleichbare Erfahrungen anderer Beobachter dürften wohl eher selten sein, da Newtonspiegel ohnehin in zumindest kurzen Tuben montiert werden, und das Betauen eher als offensichtliches Problem bei außenliegenden, unverspiegelten Glasflächen bekannt ist.

Über jeden Hinweis zu dieser Frage würde ich mich natürlich freuen.

Vorgesehen hatte ich aber jedenfalls ein kurzes, offenes Schutzrohr aus dünnem Blech, welches mit einfachen Mitteln - z.B. mit Haftmagneten - schnell und abnehmbar an den Schmalseiten des Trägerrohrs befestigt werden kann. Glücklicherweise haben ja nun ausgerechnet die ersten beiden Beobachtungsnächte auch ohne Schutzrohr sehr zufriedenstellende Ergebnisse gebracht.

Gruß, Jan
 
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#23
Zitat von KaStern:
Vielleicht kannst du ja bei Gelegenheit ein Sternfeld photographieren, ich denke dann sieht man ob die Bildfeldwölbung eine Rolle spielt?!
Hallo Karsten,

das will ich gerne bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit versuchen!


Zitat von KaStern:
... deshalb freut es mich besonders daß du die Komakompensation der Klee Barlow auch photographisch bestätigst, nachdem ich sie ja schon visuell bestätigen konnte.
Das kann ich noch nicht als Bestätigung werten, da ich keinen unmittelbaren Vergleich ohne Koma-Korrektur habe. Ich hatte nur mal überschlägig gerechnet, dass sich die Koma selbst bei einem so kleinen Kamerachip bemerkbar machen müsste, wenn man an der Auflösungsgrenze des Teleskops arbeitet.


Dank und Gruß, Jan
 
#24
hallo Jan,

dass der mächtige HS-Block ein guter Wärmespeicher ist und als letztes zutaut, wundert mich gar nicht. Mit der Verspiegelung wird es nicht viel zu tun haben, denn meine Newton-FS sind ohne Taukappe immer bald komplett angelaufen bei diesem Wetter.

Reziprok könnte man also fragen: Wenn der HS noch in der Wärmetauschphase ist, dann müsste über seiner Oberfläche ja Konvektion stattfinden mit all ihrer bildzerstörenden Wirkung. Wieso machst du dann so gute Fotos ;-))) ?

Wir machen ja mit einer künstlich induzierten laminaren Luftströmung in unseren Newtonröhren ganz gute Erfahrungen hinsichtlich Tubusseeing. Was da und wie das bei dir läuft, ist hochinteressant - ich wünsche dir jedenfalls dass es weiter so gut läuft.

lg Tommy
 
#25
Hallo Jan,

aus welchem Material ist der Spiegel gefertigt? Wenn Royce eine Glaskeramik verwendet hat, die keine Verspannungen beim Temperaturangleich zeigt, wäre ein Tubus eher hinderlich und könnte sogar ein Tauproblem produzieren, da der Spiegel dann von der Umgebungsluft abgeschnitten ist, die Taubildung durchaus verhindern/verzögern kann.

Ich habe meinen 150er Spiegel in einem HP Tubus mit knapp 200 mm Durchmesser und ausreichend langen Überhängen eingebaut. Gute Isolation und Lüftung. Da gibt es keinen Taubeschlag auf den Spiegeln, auch wenn Wasser innen und außen den Tubus herunter läuft. Kürzlich hatte ich den Lüfter zwecks Justierung entfernt und dann eine länger Pause eingelegt. Nach 20 Minuten waren FS und HS zugetaut.

Was ich zwangsweise mit dem Lüfter erreiche, könnte bei Dir die absolut ungehinderte Strömung der Umgebungsluft bewirken. Das ist nur eine Idee, basierend auf Deiner Schilderung, dass alle anderen Bauteile ebenfalls Tau anziehen und klatschnass werden.

Gruß
Günther

PS: Mein Lüfter läuft im Dauerbetrieb sehr langsam und erzeugt einen kaum spürbaren Luftstrom durch den Tubus.
 
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#26
Hallo Tommy,

Zitat von tommy_nawratil:
Mit der Verspiegelung wird es nicht viel zu tun haben, denn meine Newton-FS sind ohne Taukappe immer bald komplett angelaufen bei diesem Wetter.
kann man meiner Meinung nach nicht unbedingt sagen. Der Fangspiegels hängt nämlich auf einem Halter, und der hat eine Rückseite, die zum Himmel zeigt und meistens schwarz ist. Das strahlt ganz schön Wärme ab. Die Verspiegelung strahlt dagegen deutlich weniger ab, denn die Reflektivität von Aluminium nimmt im mittleren IR nur wenig ab.

Die große Masse und größere Dicke des Hauptspiegels sollte allerdings tatsächlich viel Wärme speichern und sie nur langsam wieder abgeben.

Grüße

fquadrat
 
#27
Hallo Tommy,

am Samstag war das Seeing schlecht und ich habe nur vergeblich versucht zu fokussieren. - Nach einiger Zeit taute die nach unten gerichtete Fläche des Ha35-Filters zu, welches sich in einem 15 mm überstehenden Rohrstück am unteren Ende des Kamera-Tubus befindet, aber der Spiegel war immer noch völlig blank. Mag sein, dass es etwas mit der Wärmekapazität zu tun hat - aber auch noch nach mehreren Stunden?

Bin wirklich gespannt auf die nächsten Runden und danke Dir für Deine guten Wünsche.

Gruß, Jan
 
#28
Wenn jemand, der diesen Thread liest, mal ein professionelles Observatorium besucht, bei dem ein Teleskop im Primärfokus betrieben wird, kann er ja mal beim dortigen Personal nachfragen, wie man es zu dem Zeitpunkt nennt. Könnte interessant werden.
Hallo fquadrat,

Jetzt willst Du also hören, dass diese allesamt als "Primärfokus" bezeichnet werden, q.e.d.

Berühmtestes Beispiel:



























Photocredit: www.sandiegohistory.org

Habe ich selber mal vor langer Zeit besichtigen können. In den "Prime Focus Cage" haben sie mich damals zwar nicht reigelassen, stattdessen durfte ich aber in den Coudé-Spektrometerraum ...

Anderes Beispiel:

Isaac Newton Telescope

Es gibt aber nur relativ wenige Großteleskope, die überhaupt im Primärfokus betrieben werden können. Dass dabei niemals ein Umlenkspiegel wie bei einem gewöhnlichen Newton Teleskop verwendet wird, ist auch logisch: erstens sind solche Großteleskope nicht zum Spechteln da, und zweitens müsste ein derartiger Umlenkspiegel bei dem Öffnungsverhältnis des Hauptspiegels von f/3.3 unpraktisch groß sein, so dass eine Umrüstung zwischen Newton- und Cassegrain-Modus sehr aufwändig wäre.

Es gibt also so gut wie gar keine Großteleskope vom Newton-Typ. Nicht einmal das Isaac-Newton-Telescope ist ein Newton! Insofern können wir von daher auch keine Hinweise zu der Frage erwarten, ob denn nun ein umgelenkter Primärfokus beim Newton weiterhin ein Primärfokus oder ein Sekundärfokus ist.

Das beste wird wohl sein, den Fokus hinter dem Umlenkspiegel, wenn denn ein solcher existiert, als Newton-Fokus zu bezeichnen. Womit dann der primäre Fokus des Hauptspiegels der einzige und wahre "Primärfokus" ist ...

Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
#29
Hallo Peter, mit

Zitat von P_E_T_E_R:
Jetzt willst Du also hören, dass diese allesamt als "Primärfokus" bezeichnet werden, q.e.d.
liegst Du falsch. Ich würde gerne lesen, wie Profiastronomen ihre Geräte nenne, wenn es um den Typ geht. Zu vermuten wäre allerdings, daß sie die Teile einfach nach Namen oder Öffnung bezeichnen; mir entgegenkommen würde, wenn sie dazu noch die augenblicklich verwendete Betriebsart nennen: "Das ist das Mayall-Teleskop, betrieben als RC" oder "das ist unser 2,54-m-Reflektor, zur Zeit im Coudé-Fokus eingesetzt".

Habe ich selber mal vor langer Zeit besichtigen können. In den "Prime Focus Cage" haben sie mich damals zwar nicht reigelassen, stattdessen durfte ich aber in den Coudé-Spektrometerraum ...
Neid! :-9~

Es gibt aber nur relativ wenige Großteleskope, die überhaupt im Primärfokus betrieben werden können.
Da habe ich aber einige gefunden: 5,08-m (Palomar Mountain), 2,64-m (Krim), 4,0-m (Cerro Tololo), 4,0-m (Kitt Peak), 2,6-m (Byurakan), 3,9-m (Siding Spring), 3,6-m (Cerro La Silla), 6,0-m (Zelenchuk), 3,6-m (Mauna Kea) und 3,5-m (Calar Alto). Der 3,04-m des Lick-Observatoriums dürfte auch im Primärfokus zu betreiben sein, da Krim und Byurakan ziemlich nach Nachbauten aussehen, wenngleich sie nicht so elegant daherkommen.

Dass dabei niemals ein Umlenkspiegel wie bei einem gewöhnlichen Newton Teleskop verwendet wird, ist auch logisch: erstens sind solche Großteleskope nicht zum Spechteln da, und zweitens müsste ein derartiger Umlenkspiegel bei dem Öffnungsverhältnis des Hauptspiegels von f/3.3 unpraktisch groß sein, so dass eine Umrüstung zwischen Newton- und Cassegrain-Modus sehr aufwändig wäre.
Das Auswechseln des Umlenkspiegels von Cassegrain nach Newton dürfte auch nicht aufwendiger sein als das Auswechseln von Cassegrain nach RC (2,7-m in Fort Davis, 3,9-m in Siding Spring) oder Aus- und Einbau des Cassegrain-/RC-Fangspiegels, wie er bei allen genannten Teelskopen mit Zugriff auf den Primärfokus möglich ist.

Ich denke eher, daß der Newtonfokus deshalb unbeliebt ist, weil man schwer drankommt und die angebauten Instrumente den Tubus aus dem Gleichgewicht bringen.

Es gibt also so gut wie gar keine Großteleskope vom Newton-Typ.
Mit fällt auch nur der Hooker-Reflektor ein. Seine anderen Foki sind Cassegrain und Coudé.

Das beste wird wohl sein, den Fokus hinter dem Umlenkspiegel, wenn denn ein solcher existiert
... und das Licht um 90° ablenkt ...
, als Newton-Fokus zu bezeichnen. Womit dann der primäre Fokus des Hauptspiegels der einzige und wahre "Primärfokus" ist ...
Schon klar, aber erstens kann man den Newtonfokus mit dem gleichen Recht als "seitlichen Primärfokus" bezeichenen, nach dem der Naysmyth-Fokus auch "seitlicher Cassegrain-Fokus" genannt wird.

Und zweitens bleibt noch immer die Frage auf, wie man ein im Primärfokus betriebenes Teleskop nennt, wenn man die momentane Bauart berücksichtigen möchte. Ein "das ist das AAT, zur Zeit betrieben als Cassegrain" ist genauso normal wie "das ist der Hooker-Reflektor, zur Zeit als Newton betrieben". Beim Betrieb im Primärfokus existiert eine solche Zusatzbezeichnung dagegen anscheinend nicht.

Grüße

fquadrat
 
#30
Zitat von fquadrat:
zu
Zitat von Jan_Fremerey:
Da es keinen Sekundärspiegel besitzt, kann man es nicht als Newton-Teleskop bezeichnen. Der Aufbau ähnelt eher einer TV-Schüssel. Darum nenne ich es einfach "Schüssel"-Teleskop oder nur "Schüssel".
fällt mir "Reflektor für die Benutzung im Primärfokus" ein. Kürzer könnte man ihn als "Primärfokusreflektor" bezeichnen.
Hallo fquadrat,

was mir erst in diesem Moment klar wird: Das "Schüssel"-Teleskop ist definitiv KEIN Reflektor der von Dir vorgeschlagenen Art, denn vor dem Arbeitsfokus befindet sich auslegungsgemäß (!) eine komakorrigierende Barlow-Linse.

Gruß, Jan
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:

Neustes Astronomie Foto

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