Einsteiger Equipment - Meinung gefragt | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Einsteiger Equipment - Meinung gefragt

Hallo liebe Community,

meine Name ist Tobias, ich bin 24 Jahre jung und schon seit längere Zeit auf der Suche nach einem Einsteiger Teleskop (bzw. habe ich dafür gespart).
So wie es sich für einen Anfänger gehört möchte ich gerne hauptsächlich visuell einsteigen, erste Fotos und eine Basis für kommende Astrofotografie Abenteuer muss mein Einsteiger Set aber ermöglichen mithilfe einer dann erworbenen DSLR. Mit meinem Handy und einem Stativ habe ich bereits erste Fotos von Milchstraße und Andromeda gemacht, da will ich definitiv noch mehr rausholen :)
Aktuelles Budget ist ~2000 rein für Optik und Montierung, für Okulare, Filter etck kommt dann noch mehr hinzu das ist mir bewusst.

Ich wohne auf dem Land,
daheim beobachte ich auf einem großen offenen Balkon im 2.OG mit N/O/S Blick.
An meinem bevorzugten Beobachtungsort drauß im Walde(Ich beobachte bereits mit einem guten Fernglas) erreiche ich für Mitteleuropa sehr gute Dunkelheitswerte.

Stand jetzt habe ich mich wegen der Vorliebe zur visuellen Beobachtung für einen Newton entschieden, APO's sind mir noch zu teuer und einen einfachen Refraktor möchte ich aufgrund der Farbfehler nicht erwerben.

Aktuelles Setup meiner Wahl wäre der Skywatcher 8" Newton mit der Skywatcher HEQ-5 Pro Montierung.

Ich würde nun gerne eure Meinung dazu erfahren, vielleicht auch paar Erfahrungswerte hören.

Mit besten Grüßen und allzeit dunklem Himmel
 
Zuletzt bearbeitet:

Raumfisch

Mitglied
Hallo Tobias,

die HEQ5 Pro ist natürlich eine solide und verbreitete Montierung, welche du evtl. auch vom Balkon zu deinem Waldplätzchen mitnehmen kannst. Als Basis für spätere Astrophotografie ist sie selbstverständlich auch bestens geeignet.

Was ich ihr aber ungern antun würde ist der 8" Newton. Für Fotografie ist sie damit überfordert (Hebelwirkung) und ob sie das Schwingen für Visuell bei einem so großen Teleskop vernünftig abfängt wage ich auch zu bezweifeln.

Meine Empfehlung wäre daher der Skywatcher PDS150. 6 Zoll mit 750mm Brennweite stehen der HE5 Pro sehr gut und beobachten kannst du damit auch. Ein PDS ist auf Fotografie ausgelegt (z.B. Fangspiegelgröße), aber du kannst damit selbstverständlich auch wunderbar beobachten.

Der anfängliche Frustfaktor bei der Fotografie ist bei 6" definitiv auch nicht so groß wie bei 8"; 1000mm Brennweite wollen schon beherrscht werden.

Diese beiden Teile kannst du ohne Kompromisse später für die Fotografie aufrüsten (Autoguiding und KomaKorrektor).

Über Okulare, Barlow und Co. werden dir sicherlich die Spechtler mehr erzählen können.
 

fluthecrank

Mitglied
Hallo freshman,

Wenn du nachhaltig wirtschaften willst nehme die hochwertigste Montierung die du noch gut transportieren kannst. Das eigentliche Teleskop ist tendenziell das preiswerteste Teil.

CS Frank
 

mbba18

Mitglied
Hallo ?,

willkommen im Forum.

Ich schließe mich meinen beiden Vorschreibern an.
Spare nicht an der Montierung, so gut wie die HEQ-5 sein soll und wohl auch ist, einen 8" Newton in 1000mm oder 1200mm Brennweite wird schon rein visuell grenzwertig.
Fotografisch wird das noch extremer.
Habe selbst mal einen 200/1200 Newton auf meine EQ-6 R gepackt, fand ich nicht wirklich spannend.
Einblick recht hoch und durch den langen Tubus wirkt selbst auf der EQ-6 R ein guter Hebel, den sie nicht wirklich kompensieren kann.

Parallaktische Montierung auf dem Balkon kann schon in sportliche Aktivitäten ausarten.
Kommt wirklich auf die Größe an.
Beim Newton brauchst Du nach Vorne und nach Hinten Platz.
Vorne, da da der Einblick ins Okular ist. Sich über die Brüstung hängenn... nun ja...
Hinten, da musst Du einfach ohne Komplikationen rumkommen, da der Okularauszug (OAZ) schon in recht ungewöhnliche Positionen wandern kann. Auch der hintere Teil des Tubus braucht Platz um sich auf einer parallaktischen Montierung bewegen zu können.

Die beste Kombi für einen Balkon ist, m.E., egal, na ja nicht ganz, wie groß, eine Alt/AZ Montierung mit einem Teleskop das einen rückwärtigen Einblick hat, also Refraktoren (FH, Apo), Schmidt-Cassegrain (SC) oder Maksutow-Cassegrain (MC).
Aber auch hier gilt, der Balkon kann nicht unbegrenzt klein sein.
Ich habe 150cm Tiefe, da geht ein Refraktor, auf Alt/AZ, mit 1000mm noch gut, da ich recht nah an die Brüstung kann. Das Teleskop kann ja ruhig rausschauen, Du beobachtest ja von hinten.
SCs und MCs gehen allemal.
Newton parallaktisch auf meinen Balkon, kein Spaß nich.

Was noch interessant wäre zu erfahren, was möchtest Du beobachten?
Wie ich Deiner Äußerung "Fotos von Milchstraße und Andromeda gemacht" entnehme ist die Tendenz zu DeepSky vorhanden.

P.S.
Bevor ich es vergesse, mit Alt/AZ Montierung ist mehr als Planetenvideos, einschließlich des ganzen drumherum, an Astrofotografie nicht viel mehr möglich.
 
Hallo, ich nochmal,

Also zu dem Balkon noch ein paar Worte, der hat Freifläche 4x4 also kann man da auch eine parallaktische Montierung noch gut bewegen.

Für die Beobachtung präferiere ich DeepSky Objekte.
 
Zuletzt bearbeitet:

lacrimosa

Mitglied
Hallo Tobias,

meine Name ist Tobias, ich bin 24 Jahre jung und schon seit längere Zeit auf der Suche nach einem Einsteiger Teleskop (bzw. habe ich dafür gespart).
So wie es sich für einen Anfänger gehört möchte ich gerne hauptsächlich visuell einsteigen, erste Fotos und eine Basis für kommende Astrofotografie Abenteuer muss mein Einsteiger Set aber ermöglichen mithilfe einer dann erworbenen DSLR.

ich würde visuell von der Fotografie trennen.
Für die Beobachtung wäre ein 200/1200er Dobson samt Zubehör eine Alternative zum parallaktisch montierten Newton.
Für die Fotografie würde zunächst eine parallaktische Montierung wie die HEQ-5 Pro reichen. Darauf könntest Du dann eine DSLR plus 200mm Fotoobjektiv anbringen.
Das hätte nebenbei den Vorteil, dass Du noch kein Autoguiding bräuchtest.
Was mit 200mm möglich ist, siehst Du hier:

Astrofotografie mit kleinen Brennweiten

Später könntest Du mit einem 130/650 PDS Newton in die Fotografie einsteigen.

Gruß
Ronald
 

mbba18

Mitglied
Hallo,

da hast Du recht. Mit einer Tiefe von 4m solltest Du sehr gut klar kommen.
Hmm... ist der Balkon denn an die Hauswand "drangepappt" oder hat er links und rechts Wände, eine Loggia,
Ich frage deshalb so genau, weil ich auch zu 80%, 90% vom Balkon beobachte.
Ich habe nämlich das Problem, auch wenn der Balkon "drangepappt" ist, nach Osten eine Trennwand zum Nachbar ist. Somit dann leider kein uneingeschränkter Blick nach Osten, irgendwann beobachte ich halt die Trennwand ;). Andere Seite, Westen, hab ich frei sich und das Teleskop kann parallel zur Brüstung ausgerichtet sein.

Bei der Loggia und 4m Tiefe gehst halt ein gutes Stück von der Brüstung weg um an den OAZ des Newton zu kommen, aber somit verkleinerst Du automatisch Dein Beobachtungsfeld, da Du, je weiter Du zurück musst, schneller auf die Wand schaust.

Ich will Dir nicht den Balkon als Beobachtungsort vermiesen, man sollte nur um die Tücken wissen, die auftreten.
Ich beobachte gern vom Balkon, bringt einiges an Bequemlichkeit und Einfachheit mit.
Man muss sich aber mit dem ein oder anderen arrangieren.

Zu Deinen DeepSky-Ambitionen, da ist sicherlich der erwähnte Dobson nicht auszuschließen.
Fotografisch dann halt maximal Planetenvideos.

Wie auch schon von Ronald geschrieben, würde ich visuell und fotografisch trennen.
 
Zu Deinen DeepSky-Ambitionen, da ist sicherlich der erwähnte Dobson nicht auszuschließen.
Fotografisch dann halt maximal Planetenvideos.
Okay, also ist die Astrofotografie mit dem dobson gar nicht möglich? Ich meine damit Aufnahmen mit Kamera und Autoguiding und Nachführung natürlich.
Zu meinen Ambitionen um das nochmal kurz auszuführen: Mit dem Newton möchte so viel beobachten wie möglich, mit einer goto betrachte ich das eben als relativ bequem, auch um eben das jeweilige Objekt dann im Zentrum zu halten mittels Nachführung.
Für spätere und professionelle Foto-Abenteuer (mit leichteren und weniger hebellastigen Apos) wäre dann auch schon eine gute Montierung am Start (zwecks nachhaltiger Investition). Um dann stärker in die Fotografie einzutauchen braucht es dann einen APO das ist mir klar.
 
Zuletzt bearbeitet:

zuiop94

Mitglied
Hallo,
Okay, also ist die Astrofotografie mit dem dobson gar nicht möglich? Ich meine damit Aufnahmen mit Kamera und Autoguiding und Nachführung natürlich.
zur Begriffsabgrenzung: Dobson bezeichnet nur die Art der Montierung, der Tubus ist auch ein Newton und kann auch auf einer parallaktischen Montierung verwendet werden, mit allen genannten Möglichkeiten.
Als Dobson montiert ist Fotografie aber in der Tat nur sehr eingeschränkt möglich.

Ich betreibe selbst auch einen 200/1200 Newton auf eq6r fotografiisch. Das funktioniert mit Einschränkungen auch gut, aber visuell kommt keine Freude auf, der Einblick ist ständig in den unmöglichsten Positionen. Das ist der Kamera natürlich egal.
Bei Hochvergrößerung ist die Nachführung auch visuell praktisch, keine Frage.

Um dann stärker in die Fotografie einzutauchen braucht es dann einen APO das ist mir klar.
Das würde ich so nicht unterschreiben. Mit beiden Geräten kann man auf hohem Niveau arbeiten. Vor und Nachteile in beide Richtungen gibt es allerdings.
Preislich wird der Newton auch nicht unbedingt billiger, wenn man eine gewisse Qualität von Tubus und Zubehör möchte.
Der Tubus von meinem Skywatcher ist beispielsweise so weich, dass die Feinjustage kaum möglich ist bei viel Gewicht im OAZ.

Gruß
Thomas
 

mbba18

Mitglied
Hallo,

auch noch mal zum Dobson:
- wie Thomas sagt, Dobson, nach Herrn Dobson, ist die Montierung, auch RockerBox. Es ist eine Alt/AZ-Montierung; Alt = Altitude = hoch/runter, AZ = Azimuth = links/rechts; stabil, intuitiv zu bedienen; das Teleskop ist ein Newton; auf dem Balkon muss ein Unterbau her, um über die Brüstung zu kommen, da die RockerBox auf dem Boden zu stehen kommt. Es gibt Spezialisten die mit einem manuellen Dobson wirklich tolle Ergebnisse in der Planetenfotografie erzielen. Aber... viel Geschick, da in beiden Achsen händisch nachgeführt werden muss. Es gibt Möglichkeiten sich das mit einer EQ-Plattform zu vereinfachen.
DeepSky-Astrofotografie auf Grund der Gesichtsfelddrehung, die bei Planeten nicht so schwer wiegt, nicht möglich.
Dobson gibt es dann noch mit GoTo und PushTo und PushTo+. Preislich dann aber kaum noch ein Unterschied zu anderen Montierung.

DeepSky-Astrofotografie setzt parallaktische Montierung voraus, mit den von Dir angegebenen Zugaben.

Zum GoTo:
- bitte nicht mit Vollautomatismus verwechseln. GoTo, gehe zu, ist eine elektronische Auffindhilfe, nicht mehr und nicht weniger. Damit das sauber läuft, muss man sich schon a weng damit beschäftigen.
Nichts gegen GoTo, ich mag es nicht mehr missen, weder bei Alt/AZ- noch bei parallaktischer Montierung.
Was richtig ist, GoTo bringt Nachführung mit.
Nachführung muss aber nicht zwingend mit GoTo einhergehen. Je nach Montierung kann ich die beiden Achsen, bei parallaktisch, mit Einzel-Motoren ausrüsten.
Bitte auch beachten, GoTo braucht Strom, ohne geht gar nichts. Balkon nicht so das Problem, aber draußen auf dem Acker, Stichwort Powerpack.

Was bei Dir dazu kommt, wenn ich Dich richtig verstanden habe, möchtest Du auch öfter mal raus fahren.
Dann wäre noch die Transportabilität zu beachten.
Mein EQ-6 R schleppe ich nicht mehr durchs Treppenhaus zum Auto. Das Teil ist mir einfach zu schwer. Dann kommt noch der Tubus dazu, Stativ und das ganze andere Geraffel. Man unterschätze bitte nicht was da so alles für den Transport anfällt und bei Astrofotografie noch mehr.
Da schnappe ich mir lieber meine Alt/AZ, die nur ein viertel der EQ-6 R wiegt.

Ich persönlich würde erst mal rein visuell anfangen.
Das erworbene Equipment kennenlernen, Erfahrungen sammeln. Das Beobachten lernen, den Himmel kennenlernen, da wirst Du bei GoTo nicht von erlöst.
 

Raumfisch

Mitglied
Du kannst bei deinem Budget und deiner Vorstellung in beide Schwerpunkte reinschnuppern ohne große Einbußen.

Ich werf dir mal eine alternative Idee vor die Nase:

Die Montierung kannst du für Fotografie als EQ betreiben und für visuell als AZ. Darüberhinaus finde ich sie ein Stückchen besser als die HEQ5Pro, weil sie bereits einen Riemenantrieb hat.

Trennen wirst du die Schwerpunkte letztendlich aber müssen und auch wollen!
 
So also erstmal vielen Dank euch allen für die tatkräftige Hilfe und Beratung.

Ich habe noch eine Nacht drüber geschlafen und konnte mich jetzt schlussendlich dafür entscheiden bereits zu Beginn visuell von Fotografie zu trennen.
Aus diesen Gründen möchte ich nun einen 10" Dobson erwerben, folgende Produkte habe ich auserkoren zu vergleichen und ich möchte euch kurz bitten mir zu sagen welches Teleskop ihr empfehlen könnt:

1. Den 10" Dobson von Omega
Omegon 254/1250 Dobson
Vorteil gegenüber der zweiten Variante ist der
Lüfter nehme ich an

2. 10" Dobson von skywatcher
Skywatcher Dobson Teleskop N 254/1200 Pyrex Skyliner Classic DOB

Ein gitterdobson fällt erstmal aus da ich auf dem Balkon auch relativ viel Streulicht habe und nicht gleich so einen Sack drüberstülpen möchte.

Preislicher Unterschied sind nur wenige Euronen(599/610) . Ich würde mich freuen wenn ihr mich bei der Auswahl unterstützen könntet.

Mit besten Grüßen
 

Hallo Tobias!


Dass ein 8 Zoll Newton auf einer HEQ5 fotografisch nicht gut ist, da stimme ich zu.

Warum das visuell nicht gehen soll, leuchtet mir nicht sein, es sei denn, man ist grobmotorisch veranlagt, wemmst ständig gegen den Tubus, knallt mit dem Auge dagegen, ein Uhu landet ständig auf dem Tubus und frisst darauf ´nen Hasen oder jemand hat ´nen nervösen Fuss, der immer gegen das Stativ knallt.
Oder die Monti steht im Moor und alles versinkt.

Ich mache seit 20 Jahren visuelle Astronomie, habe viele Optiken und auch etliche Montierungen gehabt, und auch ein Teleskop gebaut. Und ich kenne seit 20 Jahren die Kombinationen von Kollegen und durfte sie testen, so "in echt".
Es gab Kombinationen von "10 Zoll Leichtbau-Newton auf EQ5", die waren echt gar nicht gut.
Es war nicht ganz unmöglich, damit zu gucken, aber es war nicht gut.
Derselbe Tubus auf einer EQ6 (damals noch in schwarz) war dagegen eine tolle Kombi.
Habe ich selbst besessen.
Heute würde es wieder heissen: "Waaas, ein 10-Zoll-Newton auf einer EQ6? Das geht GAR nicht, da brauchst Du mindestens eine EQ8 oder EQ23 oder EQ106,3 für."

Komisch, früher ging das.
Heute geht das nicht mehr.
Woran mag das liegen
Gravitationsanomalien?
Raumkrümmungen?
Plötzliche Veränderungen des E-Moduls von Stahl und Alu?

Seit einigen Jahren beobachte ich eine Tendenz in Foren und Facebookgruppen, die mich stört, weil sie Einsteigern nicht wirklich hilft, sondern nur abschreckt. Ich bin davon "damals" verschont geblieben.

Es ist der "Rat zum Maximum".

Da werden Empfehlungen ausgesprochen zu überdimensionierter Ausrüstung.
Ich weiß nicht, woran das liegt, aber es ist im Bereich Optiken so, bei Montierungen (es scheint keine anderen Montierungen ausser der EQ6-Klasse mehr zu geben....) und bei Kameras ist das auch so.

Das mag damit zusammenhängen, dass heute viele Leute ihre Ausrüstung im Netz präsentieren, á la "mein Haus, meine Yacht, meine Montierung, mein Carbon-Teleskop". Die Foren und Facebook sind ein idealer Platz dafür.
Ausrüstungsonanie.
Da muss man natürlich was auffahren, wie sieht das denn aus, wenn man KEINE EQ6-R hat?
Dann gehört man nicht zum Club der Ernstgenommenen und darf nicht mitmachen.
Biste raus.
Zack, rubbeldiekatz
Hallo Tobias!


Dass ein 8 Zoll Newton auf einer HEQ5 fotografisch nicht gut ist, da stimme ich zu.
Warum das visuell nicht gehen soll, leuchtet mir nicht sein, es sei denn, man ist grobmotorisch veranlagt, wemmst ständig gegen den Tubus, knallt mit dem Auge dagegen, ein Uhu landet ständig auf dem Tubus und frisst darauf ´nen Hasen oder jemand hat ´nen nervösen Fuss, der immer gegen das Stativ knallt.
Oder die Monti steht im Moor.

Ich mache seit 20 Jahren visuelle Astronomie, habe viele Optiken und auch etliche Montierungen gehabt, und auch ein Teleskop gebaut. Und ich kenne seit 20 Jahren die Kombinationen von Kollegen und durfte sie testen, so "in echt".
Es gab Kombinationen von "10 Zoll Leichtbau-Newton auf EQ5", die waren echt nicht gut.
Es war nicht ganz unmöglich, damit zu gucken, aber es war nicht gut.
Derselbe Tubus auf einer EQ6 (damals noch in schwarz) war dagegen eine tolle Kombi.
Heute würde es wieder heissen: "Waaas, ein 10-Zoll-Newton auf einer EQ6? Das geht GAR nicht, da brauchst Du mindestens eine EQ8 oder EQ23 oder EQ106,3 für."

Komisch, früher ging das.
Heute geht das nicht mehr.
Gravitationsanomalien?
Raumkrümmungen?

Seit einigen Jahren beobachte ich eine Tendenz in Foren und Facebookgruppen, die mich stört, weil sie Einsteigern nicht wirklich hilft, sondern nur abschreckt.

Es ist der "Rat zum Maximum".

Da werden Empfehlungen ausgesprochen zu völlig überdimensionierter Ausrüstung.
Ich weiß nicht, woran das liegt, aber es ist im Bereich Optiken so, bei Montierungen (es scheint keine anderen Montierungen ausser der EQ6-Klasse mehr zu geben) und bei Kameras ist das auch so.

Das mag damit zusammenhängen, dass heute viele Leute ihre Ausrüstung im Netz präsentieren, á la "mein Haus, meine Yacht, meine Montierung, mein Carbon-Teleskop". Die Foren und Facebook sind ein idealer Platz dafür.
Da muss natürlich was auffahren, wie sieht das denn aus, wenn man KEINE EQ6-R hat?
Dann gehört man nicht zum Club der Ernstgenommenen und darf nicht mitmachen.
Biste raus.
Zack rubbeldiekatz´ geht das.

Nur für den Einsteiger ist das nicht gut.
Das ist so, als sucht einer ´nen VW-Bus für seine Familie und fragt, ob er jetzt den kleineren oder den großen Diesel nehmen soll, und bekommt als Antwort: "Nein, einen VW-Bus kannst Du nicht nehmen, das muss schon mindestens ein Sprinter sein ein, am besten einer in Überlänge. Könnte ja sein, dass Du noch 6 Kinder bekommst."
Genau.
Könnte, könnte, Kugellager.

Der Einsteiger ist dann ob der Fachkompetenz entweder schwer beeindruckt, oder abgeschreckt, weil er plötzlich Preise vor Augen hat, mit denen er nicht gerechnet hat.
Sowas ist unnötig, weil er noch nicht weiß, ob der überhaupt bei der Stange bleibt.


Also:
Visuell geht ein 8-Zoll-Newton auf einer HEQ5, ein f5 auf jeden Fall. Ich habe diese Montierung, und ich kann das abschätzen.
Fotografisch würde ich auf 6" runtergehen, weil solche Dinge wie Windanfälligkeit da eine Rolle spielen.
Habe ich auch gemacht.


Viele Grüße
Thomas
 

Demokrat

Aktives Mitglied
Komisch, früher ging das.
Heute geht das nicht mehr.
Gravitationsanomalien?
Raumkrümmungen?

:D es liegt am Medium "Forum". Aber das wissen wir. Ohne "Forum" wüsste man ja gar nicht, was nicht geht... :LOL:

Seit einigen Jahren beobachte ich eine Tendenz in Foren und Facebookgruppen, die mich stört, weil sie Einsteigern nicht wirklich hilft, sondern nur abschreckt.

Es ist der "Rat zum Maximum".

Natürlich. Es gibt auch diesen "Pauschalantwort-Reflex". Egal, ob jemand einen Refraktor oder einen Mak oder einen Newton kaufen möchte, im Forum bekommt er einen uniformativen 8" Dobson oder er ist selbst schuld, wenn er weniger Leistung um mehr Geld kauft und bekommt wegen vorsätzlicher Dummheit einen roten Aufkleber. "Selbst schuld und verdient es daher nicht besser."

Die gruppendynamischen Wirkmechanismen in formellen Gruppen verhindern oft die Vorherrschaft der Schwarmintelligenz. Das Problem ist, dass der User selbst alle Meinungen mitteln muss. Von "mach doch was Du willst" bis "tu das jaaaa nicht!"
Diesen Schritt vergessen die meisten Beratenen und stehen dann einsamen in der Wüste, als zuvor. :coffee:

Das mag damit zusammenhängen, dass heute viele Leute ihre Ausrüstung im Netz präsentieren, á la "mein Haus, meine Yacht, meine Montierung, mein Carbon-Teleskop". Die Foren und Facebook sind ein idealer Platz dafür.

Mittlerweile präsentiert man sich eher durch Understatement. Oooch, nen kleinen Dritt-Epsi für die Reise habe man sich gekauft, hier nur ein kleines Bildchen von gestern bei miesem Seeing und mit der alten Kamera ohne Scharfstellen... :ROFLMAO:

Im Übrigen hast Du mit allem recht.
Aber es dauert eine Weile, bis man das weiß. :sleep:

lg
Niki
 
Zuletzt bearbeitet:

Ehemaliges Mitglied (32090)

@Thomas Stelzmann

"mein Haus, meine Yacht, meine Montierung, mein Carbon-Teleskop".

Diesen Trend beobachte ich auch schon lange und halte mich deshalb weitgehend aus solchen Diskussionen raus. Auch in anderen Foren (habe einfach zu viele Hobbies) kann ich diesen Trend zur Kommerzialisierung erkennen. Kraft Geldbeutel kauft man sich gleich einmal eine "Angeber" Ausrüstung und lässt sich dann feiern. Dank einer geringe Aufmerksamkeitsspanne müssen sehr schnell Ergebnisse her und die Enttäuschung ist vorprogrammiert, wenn ich dann z.B. die visuelle Beobachtung mit 8 Zoll von heute Nacht, in der Mars, Jupiter und Saturn schon enteilt sind, mit den schönen Internet Bildern vergleiche oder enttäuscht bin, weil Venus keine Oberflächendetails zeigt.

Was mir dabei fehlt ist die Hingabe an dieses neue Hobby, die ich in manchen alten Berichten von "schon länger Beobachtenden (Merkel-Speech):affeohren:_affeaugen::affemund:" entdecken kann, die sich vom Fernglass über kleine Teleskope ein profundes Wissen, sowohl am Nachthimmel, als auch in Sachen Optik und Technik angeeignet haben und sich Ihr Hobby schrittweise erobern.

just my five cents

cs

*entfernt*
 

DocHighCo

Mitglied
Mittlerweile präsentiert man sich eher durch Understatement. Oooch, nen kleinen Dritt-Epsi für die Reise habe man sich gekauft, hier nur ein kleines Bildchen von gestern bei miesem Seeing und mit der alten Kamera ohne Scharfstellen... :ROFLMAO:

Ich geb's zu. Ich bin schuldig. Ich habe immer mit dem Firstscope kokettiert, dabei hatte ich einen Pluto/s auf einer EQ3-1 daneben stehen. Wollte es nur nicht zugeben, wie maßlos ich bin ... :ROFLMAO::LOL:

Heiko
 

Demokrat

Aktives Mitglied
die sich vom Fernglass über kleine Teleskope ein profundes Wissen, sowohl am Nachthimmel, als auch in Sachen Optik und Technik angeeignet haben und sich Ihr Hobby schrittweise erobern.

Die Verökonomisierung und die Marktwirtschaft lehrten uns: "mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel zu erzielen".
Da das Teuerste heute ZEIT ist, muss man in KÜRZESTER Zeit den meisten PROFIT erzielen, also EPSI auf eine 10micron, ein paar Videos von Astrofotocologne (erinnert mich immer eher an Parfum) reinziehen, ein kurzer Post in einem Forum, um ein paar unterstützende Bewunderer zu lukrieren und los gehts, ja, ich habe PixInsight installiert. Warum sehen meine Fotos anders aus, aber ok, das krieg ich auch noch hin.

Wir leben im Wettbewerb.
Ich hab nicht soviel Zeit wie KOMPOSER und hab weniger Ahnung als OREOLUNA, aber - hey - da gabs doch so ein KI-Dings, da brauch ich das alles vielleicht nicht...

Ein paar likes und die Welt ist in Ordnung.
Und morgen kaufen wir einen Hybrid-Porsche, den können wir allen in facebook zeigen.

Die Selbstvermarktung als Online-Wettbewerb. :coffee:

Ja, kenn ich. Meine Indoktrinierung entstand am Tag der offenen Tür auf der Universitäts-Sternwarte in Wien, wo ein paar Freiwillige ihre Teleskope abseits des Uni-Refraktors auf der Terrasse aufgebaut hatten. Neben dem dicken Dobson stand unanfechtbar und mit grenzenlosem Selbstbewusstsein ein älterer Herr mit einer dicken Montierung und einem glänzenden Takahashi drauf, zu allem Unbill rauchte er leicht schmunzelnd eine treue Pfeife und gestattete mir, durch sein TeleVue zu gucken. Ich sagte leise zu meiner Begleiterin: "Mann, guck, Televue und Takahashi, poww."

Sie nickte verständnisvoll - obgleich sie die Marken nicht kennt - und der ältere Herr schloss wissend und vergebend kurz die Augen und nickte unmerklich und wohlwollend. Aus der Pfeife kam ein dünner Rauchkringel und aus dem Mund des Erhabenen entstieg ein Wölkchen Amsterdamer, vanillig und rund wie er sein soll...

Damit war alles klar.
WENN ich jemals... ja, genau.
Genau so.
Genau das.
Nur halt ohne Pfeife.
Aber den Rest genau SO.

Tja.

lg
Niki
 
Zuletzt bearbeitet:
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