Re: Einsteiger Konfiguration bitte schaut mal dara
Hallo 7. Dimension,
was Sven schreibt, kann ich nur unterschreiben. Vergiß ernsthafte Fotoversuche mit einer Digicam am Dobson. Das kann erst Sinn machen, wenn Du den parallaktisierst.
Seltsam mutet Deine Überlegung mit dem seitenrichtigen Bild am Dobson an. Für Erdbeobachtung ist definitiv ein günstiger Feldstecher oder ein Spektiv geeigneter, da die Luftunruhe (z. B. Warmluftschlieren) tagsüber meist kaum über 30-50x zuläßt. Zudem sind Objekte häufig horizontnah oder gar darunter und da müsstest Du dich schon sozusagen auf den Boden setzen... Du müsstest am 200-f/6 eine Barlow vor ein Amici-Prisma setzen, dann hättest Du sozusagen flott ein 200-f/15 und könntest mit einem 32er Okular (max. Feldblende und damit Gesichtsfeld für 1,25-Zoll-Okus) gerade mal mit minimal rund 100x starten, das gibt die Luft tagsüber praktisch nie her. Allerdings würdest Du dank der großen Öffnung all das Luftgewaber (einschl im Gerät selbst) hochaufgelöst sehen... <img src="/phpapps/ubbthreads/images/graemlins/smile.gif" alt="" />
Dann noch: auch mit Pyrex/Quarz/Zerodur-Spiegel kannst Du erst dann mit voller Leistung hochvergrößern, wenn Spiegel und Tubus gut gut ausgekühlt sind, vorher stimmt zwar die Form schon besser, aber die aufsteigenden Luftwirbel im Rohr (Tubusseeing) machen dieses Plus wieder größtenteils zunichte. Hochleistungsambitionierte haben deshalb auch bei Zerodur-Spiegeln effiziente aktive Belüftung, um nicht Stunden zu warten bis man freudvoll hochvergrößern kann. Außerdem ist bei im Verlauf der Nacht weiter (häufig) sinkenden Temperaturen und auch überhaupt zur Koordinierung ("Laminierung") der Luftströmung im Tubus ein auf kleiner Stufe weiterlaufender Lüfter hilfreich.
Einen Winkelpeiler halte ich für eine weise Idee.
Dein Budget gibt ja schon einiges her, schaun wir mal:
Du schlägst eine "Luxusversion" des GSO vor. Wenn ich mir so anschaue, was da im Paket dabei ist, würde ich genau überlegen, ob ich in diese Optionen investieren sollte:
a) das Rollenlager ist eventuell noch mit variabel einstellbarem Filzbremser auszustatten=Bastelarbeit. Viele Dobsonianer haben mit günstigen, etwas größeren Teflon-Pads sehr gute Erfolge. Bei Rollenlagern ist eben leider nicht unbedingt gegeben, daß die Anlaufreibung = Rollreibung gilt (dann also auch leider Slip/Stick-Effekt, somit keine wirkliche Verbesserung.). M. E. ist das Höhenlager mit seinen zu kleinen Höhenrädern das viel größere Manko, doch auch dieses ist durch bessere Position und leichte Vergrößerung der Teflonstückchen zur vollen Zufriedenheit zu optimieren.
b) der Crayford-Auszug ist sicher ein ganz feines Teil. Ich habe nur den Standard-2"-Auszug, bin damit allerdings völlig zufrieden. Nichts wackelt/shiftet/bewegt sich auch bei großer Belastung von selbst. Für f/6 und visuell brauche ich auch keine Untersetzung. Ich persönlich finde, daß am Anfang das Geld vielleicht lieber in gute okularseitige Ausstattung investiert werden kann.
c) der von Sven schon angesprochene Lüfter ohne Platte. Ich habe einen sehr billigen Computerlüfter an eine sehr billige Hartschaumplatte (mit starker Schere zu schneiden) aus dem Baumarkt befestigt und treibe das mit billigen Diskounter-Akkus an. 10 Mignon-Zellen (12V bei Akkus) zum Startkühlen, und dann 4 Micro-Zellen (4,8V bei Akkus) zum Dauerkühlen. Dies ist klein, leicht, wetterfest, schwarz, kostensparend und hocheffizient.
d) das 42er WW: AP 7mm. Ich habe ein 2"-40er Erfle, welches bisher unter allen Himmeln, die ich hierzulande erlebt habe (Münsterland, Sauerland) einen hellgrauen Himmelshintergrund zeigte. Mein 2"-30-mm-UW (BW, 80 Grad!) hingegen mit seiner 5-mm-AP bereitet mir immer Freude, auch wenn die letzten paar Grad des riesigen Gesichtsfeldes nicht völlig scharfe Sterne zeigen. Jedenfalls sind Objekte wie Andromeda, die Plejaden oder h und Chi Persei in ihrer vollen Pracht ein Genuß darin und sie passen auch locker hinein.
Für die - ich glaube rund - 200 € Preisdifferenz zuzüglich der Kosten des angedachten 9er SWMs würde ich sofort zum 5-8-Speers-Waler-Zoom greifen. 80 Grad qualitativ hochwertiges Gesichtsfeld am Dobson bei Hochvergrößerung (da laufen die Objekte schnell raus) ist einfach wundervoll.
Für Planeten - die allerdings ab Jahresende erstmal etwas "abtauchen" für unsere Breiten auf der Nordhalbkugel - kann ich ein Bino nur empfehlen. Ich nutze am Standard-GSO-Dob-200/1200 mit einer vorgeschalteten TS-2"-2x-Barlow (wirkt wg. Abstand etwa 2,5-2,7x)ein Niederpreis-Bino mit 15er SWM-Okularen, erreiche somit etwa 5-6mm effektive Okularbrennweite und muß sagen, das ist DER Genuß. Bequem dauernd reinschauen ohne zu ermüden, die besten Luftruhebedingungen abwarten und dann die hirngeleistete vielleicht 25%-Zusatzwirkvergrößerung auskosten. Da brauchts auch nicht unbedingt einen Filter (Hochvergrößerung, Verluste, Zweiteilung). So besehen könnte sogar eventuell vom SW-Zoom abgesehen werden, allerdings hätte das zur Folge dann a) 8mm als Oku-Brennweitenstufe fehlen, b) für schwache Objekte sehr wenig Licht ankommt und c) für 2"-Barlow, Binoansatz und Okularpaar wohl mehr zu berappen wäre. Leider gehts am Newton mit Bino-Ansatz nicht ohne Barlow/Wegkorrektor.
Ich hoffe, ich habe den einen oder anderen Hinweis geben können. Du wirst Deine Entscheidung sicher besonnen treffen, schreib mal, wenn Du magst, wie Du Dich entschieden hast, wenn erste Beobachtungen unterm Sternenzelt erfolgt sind.
Vielleicht kannst Du ja mal Sternfreunde in der Nähe treffen und beim gemeinsamen Beobachten noch einiges ansprechen.
Schließen möchte ich mit allgemeinen Tipps:
1. warme Kleidung (Polar, Jäger, Angler; bes. Stiefel!)
2. Karkoschka-Himmelsatlas
3. Fahrrad-LED-Leuchte
4. das kleine Einmaleins der optimalen Newton-Nutzung:
a) kühl trocken lagern
b) früh offen zenitausgerichtet aufbauen
c) aktiv ventilieren
d) Sucher/Peiler an Polaris ausrichten (läuft nicht raus)
e) bei kaltem Spiegel justieren (Stern, evtl. vorher mit Laser; oft nur Justagekontrolle)
f) zenitale Objekte bevorzugen
g) von lichtschwach nach flächenhell, wenn möglich (am Planeten geht die Dunkeladaption flöten)
5. das kleine Einmaleins des Dobson-Tunings:
a) Tubusschwärzung optimieren, falls nötig (Schwarzvelours/Filz Tubus und OAZ für besseren Kontrast)
b) Mittenmarkierung anbringen (zur Justagekontrolle/Laser)
c) gewissenhafte Justage am Stern mit Geduld (braucht gutes Seeing)
d) Tubus bei Bedarf verlängern (leicht konisch auseinanderlaufend gegen Streulicht v. a. bei Restmond, Tiefschwarz)
e) Tubus aktiv belüften (unten aus dem Tubus Luft absaugen und bodenwärts pusten lassen bei senkrechtem Instrument)
f) Teflon-Stück-Größe und -Position optimieren
g) billige Heizkörpertapete zur Außenisolation mit Riemen/Klett/Gummi/alten Gürteln anbringen
6. Auch ein Bogen Sonnenfilterfolie für visuell (für die volle Öffnung! NICHT OKULARSEITIG - erblinden droht!!!) ist eine interessante Option.
Viel Spaß beim Wiedereinstieg in diese schöne Freizeitbeschäftigung wünscht neben
klaren Himmeln und Top-Bedingungen
Matthias.