Einsteiger sucht Hilfe zur Teleskopwahl

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Hallo Bernd,

f/6 ist definitiv gutmütiger und das schon merklich wie ich finde, das macht bei den Einstiegsokularen schon eine Menge Geld aus, andererseits schadet es auch nicht an diesem Gerät sehr gute Okulare einzusetzen ;)

Zu den Geräten, das ist meistens eh das selbe in grün... Der Galaxy kommt mit einer vermeintlich intelligenteren Okularstaffelung die aber auch nur kurzzeitig befriedigen wird, eher gleich beim Kauf die Okulare gegen ein 2" Übersichtsokular und ein weiteres WW eintauschen (natürlich muss man einen Aufpreis einplanen). Bei den GSOs ist es wohl so, dass der Crayford den Aufpreis nicht wert sein soll, zumindest höre ich das immer wieder, das der alte Standardauszug fast besser sein soll, um etwas Optimierung kommst du bei keinem der Geräte herum...

Die Preisdifferenz der Okulare + des Suchers wird nicht allzuviel sein, vieleicht 50-60€. Lässt du dir stattdessen einen Peilsucher wie den Baader Skysurfer III, ein TSWA 32 und ein Speerswaler dazu geben, kannst du noch mal mit etwa 230€ Aufpreis rechnen... Nimmst du Telrad und günstigere Okulare wirst du wahrscheinlich im ähnlichen Bereich landen, aber das musst du mit dem jeweiligen Händler ausfechten ;)

CS Benny
 
Hallo Bernd,

ich lese so ein wenig heraus, dass es Dir bezüglich Fotografie eher auf Planeten/Mond>>>WebCam<<< ankommt und das geht auch schon sehr anspruchsvoll mit einem Dobson, spätestens auf EQ-Plattform sogar hervorragens.
Noch wichtiger ist, dass dann ein schnelles Öffnungsverhältnis wirklich fast bedeutungslos ist, da sehr lange (die Genauigkeit und Belastbarkeit einer Montierung extrem fordende) Belichtungen nicht gefordert sind. Ein schnelles Öffnungsverhältnis setzt die Belichtungszeit (für das selbe Ergebnis) drastisch herab und das ist der Sinn der Übung, ansonsten hat ein schnelles Öffnungsverhältnis bis auf das größere erreichbare Feld bei gleicher Öffnung und kürzerer Brennweite eigentlich nur Nachteile.

F/6 wäre also in dem vorausgesetzten Fall ein sehr guter Kompromiss.
Ein 8" F/6 Newton "verträgt" an Ausstattung alles was gut, besser und teuer ist, Okulare, Filter, pp.
Man kann aber auch noch sehr gut mit einem 2" Übersichtsokular aus der 100 € Klasse auskommen und darunter mit einem Dreiersatz "Goldkanten" schöne Beobachtungen machen. Zwischen dieser Minimalvariante und einem kompletten Satz Nagler gibt es viele sehr gute Optionen.

Die Lüfter, so wie ab Werk verbaut, gehören umgedreht, auf durch den Tubus (den Spiegel umströmend) saugende Wirkungsweise umgestellt, dazu muss der Tubus auch bis auf die Lüfteröffnung hinten dicht sein.
So wird Tubusseeing wirksam minimiert und der Spiegel gekühlt. Ohne der Pyrex-Geschichte wieder unnötig Gewicht zu geben möchte ich sagen, dass mir je nach Herkunft und Alternativmaterial das bessere (weniger "arbeitende") Trägermaterial doch einen Aufpreis wert ist, gleiche oder gar bessere Abbildungsleistung (Aufpreis) vorausgesetzt.
Ein wenig hängt das alles m.E. auch an der Frage, ob das nun Dein/ein endgültiger Newton werden soll oder ob er nach wenigen Wochen/Monaten wieder weichen muss.

CS
*entfernt*
 
Hallo Bernd,

hier ist es Zeit für einen "Lieblingshinweis". Meines Wissens gibt es derzeit im Bereich der günstigen Dobsons von der Stange kein Gerät, was mit einem brauchbar montierten Lüfter ausgeliefert wird.
Anstelle von Produktnamen usw nenne ich einfach mal die brauchbaren Lüfterkonzepte:

1. Das "Einfach-Konzept"
Der Lüfter wird hinter den Spiegel auf einer geschlossenen Rückwand montiert. Er saugt Luft durch die Teleskopöffnung an, und bläst diese nach Rückwärts aus. Je größer der Lüfter, desto besser (und laufruhiger), es spricht also viel für 120mm Lüfter. Tubusseeing wird so abgesaugt, in der Praxis ist diese Methode gut, auch wenn sie nicht als optimal gilt.

2. Seitlich blasend/saugend
Das von vielen für optimal gehaltene Konzept ist ein seitlich über den Spiegel blasender Lüfter, der gegenüber von einem saugenden Lüfter unterstützt werden kann. Damit soll die gesamte Spiegelfläche besser vom Luftstrom überstrichen werden. Warmluftschlieren werden flächendeckend beseitigt.

Dagegen sieht man häufig das Konzept, einen Lüfter "nackt" an der Spiegelzelle zu montieren. Der Lüfter bläst auf den Spiegel, was dazu führt, dass der Spiegel eher punktuell gekühlt wird (was eigentlich zu stärkeren Temperaturunterschieden der verschiedenen Oberflächenbereiche des Spiegels führen sollte). Hinzu kommt, dass diese Lüfter oft keinen ausreichenden Freiraum zwischen Lüfter und Spiegel bzw. Spiegelzelle haben, so dass kaum Luft gefördert wird - vielmehr wird einfach nur hinter dem Spiegel gequirlt.

Daher lautet mein Ratschlag, ein wie beschrieben eher schlechtes Lüfterkonzept nicht zu kaufen und stattdessen selbst nach Methode 1 oder 2 einen Selbstbau zu versuchen.

Nun komme ich zu "Teleskoppaketen". Hier möchte ich Dir auch wieder ein Rezept an die Hand geben:
Man sieht vielfach das "Händler-Modell", ein Teleskop in unterschiedlicher Ausstattung anzubieten, entsprechend mit unterschiedlichem Preis.
Was nimmt man nun?
Hier gilt es einfach nur zu rechnen, und zwar:
1. Kaufpreis eines Pakets mit allen Teilen, die man haben will.
Das gilt es abzuwägen gegen
2. Kaufpreis eines "vorgefertigten" Pakets mit allen Teilen die man haben will und einem Stapel Zeug, das man nicht braucht, ins reine Geschrieben bezüglich eines Wiederverkaufswert von 50% des "Zeugs das man nicht braucht" mit dem großen Risiko, dass einiges Zeug das man nicht braucht auch von keinem sonst gebraucht wird (ergibt Wiederverkaufswert 0%).

Für ein 32mm Taiwan-Plössl findet man zum Beispiel immer einen Abnehmer, denn mit dem Okular lassen sich viele Teleskope mit 1,25" Auszug mit maximalem wahren Gesichtsfeld nutzen. Bei einem 26mm oder 25mm wird die Nachfrage schon dünner, denn erstens haben das viele mitgeliefert bekommen und zweitens würde man doch lieber ein 32er haben, um mehr übersicht zu bekommen, denn beide Brennweiten sind für 1,25" Teleskope typische "Aufsuchokulare". Das nur mal als Beispiel.

Zum Crayford habe ich mich schon geäussert, ich meine, visuell und an f/6 kann jeder mit Zahn und Trieb leben, und wer etwas Tuning möchte, kann sich unter www.pteng.de mal ansehen, wie Ekkehard den seinen mit Tesafilm deutlich aufgewertet hat.

Im Prinzip gilt, dass man eigentlich am besten auskommt, wenn man den "minimalen Teleskop Rohbau" kauft, der die eigenen Erwartungen an Optik (Spiegelmaterial) und Okularauszug erfüllt. Stellt man hier schon Sonderwünsche fest, sollte man sich gleich ein individuelles Teleskop bauen lassen (da gibt es eine Menge anbieter), anstatt mit einem Gerät von der Stange dauernd unzufrieden zu sein, oder ewig daran herumzubasteln (was in der Summe am Ende gut teurer sein kann).

Nun mal zu Okus und Zubehör. Ich fange mal mit Zubehör an:
Sucher: Ich komme bestens mit einem Leuchtpunktsucher aus. Das geht vielen so, auch (gerade?) Einsteigern. Der Grund: Der Leuchtpunktsucher hat keine Bildumkehr und kein eingeschränktes Gesichtsfeld (wenn man mit beiden Augen schaut). Die Edel-Version ist ein Telrad oder Rigel (in meinen Augen unnötig, auch für Anfängern, sehen andere deutlich anders.)
Optische Sucher werden interessant, wenn man darin Objekte erkennen will, die zum Beispiel weit ab von Orientierungssternen stehen, die man mit dem Leuchtpunktsucher braucht. Beispiel M3. Ideal ist die Kombi aus Leuchtpunktsucher und optischen Sucher.
Daraus resultiert allerdings, dass ein 6x30 ziemlich unsinnig ist, weil man darin nur wenige Objekte erkennt. Der 7x50 oder 8x50 Sucher zeigt die Objekte deutlich besser. 6x30 Fans arbeiten meist nur mit einem optischen Sucher und beklagen, dass die Vielzahl an Sternen in 8x50 verwirrend sein kann, wenn man sich per "Star-Hopping" an die Objekte herantastet.

Justage-Zubehör:
Auch hier gibt es wieder verschiedene Konzepte. An einem f/6 Newton ist man mit einem Chesire Justierokular (vielleicht auch eines mit Fadenkreuz) gut beraten. Geht man aber davon aus, dass die Grundjustage der Optik den Versand locker übersteht, dann kann auch Barlowed Laser ein schönes konzept sein, es kostet aber mehr. Beschreibung von Barlowed-Laser gibt es wieder bei www.pteng.de .

Sternkarten (ich schiebe die Okus mit Absicht auf):
Für den Einsteiger wird viel zu selten auf die Software Stellarium verwiesen, die mit ihrem realistischen Himmelsanblick dem Einsteiger bei der Orientierung hilft. Kostenloser Download!
Im Feld wird man ohne was gedrucktes eher nicht auskommen (finde ich). Wer sich für Deepsky interessiert, wird um "den Karkoschka" nicht drumrum kommen. Exakt: Erich Karkoschka, Atlas für Himmelsbeobachter, Kosmos Verlag - derweil mindestens 4. Auflage, oder 5. schon? Jedenfalls auch "Die Bibel" genannt.
Einen richtigen Sternatlas kann man kaufen (z.B. Sky Atlas 2000.0) oder selbst ausdrucken und vielleicht auch selbst laminieren:
http://www.cloudynights.com/item.php?item_id=1052
http://www.asahi-net.or.jp/~zs3t-tk/atlas_85/atlas_85.htm
Für den Anfang reicht aber der Karkoschka auch als Atlas, weil er eben auch Karten des gesamten Himmels enthält.
Deepsky für fortschreitende währe der Deepsky Reiseführer, aber das ist eigentlich schon eher ein Buch für später mal.
Rudimentär zur grundlegenden Orientierung: Eine Drehbare Sternkarte ("Sternscheibe") - gibt es von diversen Herstellern, ich nenne mal den Oculum Verlag.

Nun endlich optisches Zubehör:
Was braucht man an Okularen als Grundausstattung?
1. Übersichts/Aufsuchokular
Wer 2" hat und 2" Okus bezahlen kann, nehme auch ein solches. An f/6 bekommt man in der Preisklasse 70 bis 140 Euro einige Alternativen für erste Anschaffungen. Edel-Okus aus dieser Klasse ("gekauft für's Leben") gehen rauf bis 700 Euro!
Wer unter gutem Himmel steht wird auf ein Okular mit maximal 42mm Brennweite setzen, wer unter schlechtem Himmel steht bleibt eher bei 35mm bis 30mm. Grund: Der Himmelshintergrund wird bei stärkerer Vergrößerung dunkler und die Kontrastwahrnehmung des Auges ist vor dunklem Hintergrund besser - in hellem Himmelshintergrund saufen schwache Objekte ab.

2. "Mittelbereich"
Hier spielt es sich bei f/6 zwischen 17mm und 24mm ab. Je nachdem, wie die Entscheidung beim Übersichts Oku ausfiel, wird man sich hier für eine Brennweite entscheiden. Der Bereich ist noch ausgesprochen deepsky-lastig, so dass ein Weitwinkel-Okular weiterhin sinnvoll ist. Der Bereich ist nicht ganz unproblematisch, wenn man auf den Preis schaut. Ich würde hier das LVW 22 als "eine Bank" sehen, das möchten aber viele nicht bezahlen. Die Alternative Hyperion 21mm hat bei f/6 zwar von der Schärfe am Bildrand her kaum noch Probleme (besser als ein Pentax XL 21), aber es gibt da eine Randaufhellung durch Streulicht, die man schon als Nachteil sehen muss. Aber auch: Siehe Preisunterschied. Genaueres hier:
http://www.svenwienstein.de/HTML/baader_hyperion.html
http://www.svenwienstein.de/HTML/orion_stratus.html

Deepsky-Freunde würden nun noch auf ein Okular aus dem Bereich 10-14mm setzen (je nachdem, wo das vorherige Okular landet). Eventuell eine "eingeplante Lücke", die später geschlossen werden kann.

3. Hochvergrößerung
Um für Planeten, Kugelsternhaufen und kleine (eventuell helle) Nebel gerüstet zu sein, wird man auf den Bereich 9mm bis 6mm zielen. Das sinnvolle Maximum eines f/6ers liegt beim 4mm Okular, mehr Vergrößerung würde man nur für Sterntests oder Doppelsterntrennungen anstreben, und auch da erst nach "Vorüberlegungen".
Für den Anfang sollte man sich auf 6mm (200x) beschränken, weil man diese Vergrößerung erstmal bezüglich Wetter (Luftunruhe) und Optikjustage im Griff haben muss.

Eine "erschlagende Anschaffung" in diesem Bereich wäre das Speers Waler Zoom 5-8mm. Definitiv ein Okular, das mehr auf Deepsky-Beobachter zielt. Für Planetenbeobachtung (in den nächsten Jahren arg mau) taugt es zwar auch, aber es gibt bessere Lösungen ( schon wieder ein Link: http://www.svenwienstein.de/HTML/barlow-test.html )

So. Ende dieses Romans! ;)

Clear Skies
Sven
 
Hallo Bernd,

all das, was Sven hier aufgeschrieben hat, deckt sich nahezu 100% mit meinem ersten Thread ganz oben:
Du kannst Dir Dein Teleskop bei manchem Händler auch individuell zusammenstellen, jedenfalls bei ICS.

Das haben alle bei uns im Club so gemacht und am Astronomietag werden alle nebeneinander vor unserer Sternwarte stehen. Wird ein beeindruckendes Bild werden (8"-24" Öffnung, alle als Dobsons).

Ich denke, für den Anfang würde ein ICS Widefield 2" in 30mm sowie ein Hyperion 13 mm oder 8 mm ausreichen. Wenn das Buget ausreicht, alle drei. Zwischen Leuchtpunktsucher und Telrad möchte ich keinen Tip abgeben. Vielleicht solltest Du durchschauen. Ich zumindest bevorzuge den ...sucher. Da hat jeder seine eigenen Prämisse!

CS
Winfried
 
Hallo, Sternfreunde,

Vielen Dank für Eure Hilfe. Auf Grundlage Eurer Informationen habe ich mich im Internet auf die Suche gemacht. Lang hat's gedauert, vorallem wegen der Okulare, aber ich glaube, daß ich jetzt eine vernünftige Einkaufsliste zusammengestellt habe. Für alle, die's interessiert, hier das Ergebnis:

Teleskop
Ich hatte ich ja bereits drei Teleskope mit f/6 herausgesucht, und nach den Reaktionen zu urteilen, dürfte die Wahl bis auf einige Kleinigkeiten ganz in Ordnung sein.

Der Ratschlag, die herausgesuchten Teleskope wegen des eindeutig schlechten Lüfterkonzepts nicht zu kaufen, und stattdessen den Lüfter selbst dazuzubauen, hätte noch Nebenwirkungen wegen der sonstigen Ausstattung und käme nach meiner Rechnung teurer. Ich finde, daß sich die unzureichenden Lüftungskonzepte leicht gemäß Svens "Einfach-Konzept" umbauen lassen. An das Konzept "seitlich blasend/saugend" würde ich mich je nach Ausführung der Spiegelhalterung nicht heranwagen, weil ich befürchte, daß die benötigten seitlichen Ausschnitte im Tubus bei schlechter Ausführung auf Kosten der Stabilität gehen.

Es bleibt also bei einem der folgenden Teleskope:

GSO Dobson GSD 200c oder e - Öffnung 200mm - Brennweite 1200mm
GSO Dobson GSD 200BCR - Öffnung 200mm - Brennweite 1200mm
Galaxy D8-K-MC


Justierung
Ich würde ein Chesire nehmen, weil es ja sein könnte, daß die Grundjustage des Teleskops zwar den Versand übersteht, aber durch weitere Transporte zum Beobachtungsplatz allmählich verstellt wird. Laser und Barlowlinse kann ich ja später dazukaufen, falls ich mit der Genauigkeit des Chesire nicht zufrieden bin.


Sternkarten
Stellarium habe ich heruntergeladen. Offenbar arbeiten die Entwickler teilweise bei ESO. Es ist tatsächlich eine schöne Software mit sehr realistischer Darstellung. Bei starkem Zoom kann man auch den Anblick im Fernrohr simulieren, z.B. sieht man die Lage der Saturn-Ringe. Ich werde mir für's Erste noch folgende Bücher kaufen:
  • Deep-Sky Reiseführer von Ronald Stoyan
  • Erich Karkoschka, Atlas für Himmelsbeobachter, Kosmos Verlag
  • Drehbare Sternkarte

Übersichtsokular
Nach der Auskunft von Sven ist bei gutem Himmel 42mm (entspr. der maximalen 7mm Austrittspupille) optimal, bei schlechterem Himmel eher 30mm-35mm, um den aufgehellten Himmel abzudunkeln. Bei mir kann beides vorkommen, also könnte ich mir eine Kompromiß-Brennweite aussuchen, oder ich nehme 42mm und gegen aufgehellten Himmel ein schwaches Graufilter (das es für 2" leider anscheinend nur mit 25% Transmission oder weniger gibt. Notfalls schwaches Farbfilter statt Graufilter).

Die Auswahl hat mir hier am meisten Kopfzerbrechen bereitet. Eigentlich wäre das TS WA 38 ein guter Kompromiß bzgl. Brennweite, aber laut Günther (*entfernt*GMS) soll es bei 8" f/6 deutlich schlechtere Randschärfe haben als das TS WA 32. Bei astro-okulare.de habe ich eine Vergleichsmessung zwischen TS WA 32 und TS WA 42 gefunden. Demnach sollte die Schärfe des TS WA 42 besser sein, obwohl es billiger ist. Die Angaben dieser Seiten zu Kontrast scheinen aber wenig aussagekräftig zu sein.

Baader Hyperion Aspheric werden, soweit ich feststellen kann, unterschiedlich beurteilt. Manche gehen soweit zu behaupten, die Schärfe sei schlechter als bei TS WA 32, trotz doppeltem Preis.

Über ICS Widefield habe ich nichts gefunden. Nagler sind mir zu teuer.

Ich würde demnach ein TS WA 42 als Übersichtsokular bevorzugen.


Okular für Mittenbereich
Hier würde ich mich dem Rat von Sven anschließen und das von ihm für optimal erachtete Vixen LVW22 verwenden, das offensichtlich noch mehr Amateur-Astronomen für gut befinden.


Deepsky-Okular
Trotz der leichten Randaufhellung und der schlechteren Randschärfe würde ich hier ein Hyperion 13mm nehmen. Laut Sven's Erfahrungsbericht wird das Problem mit der Randschärfe bei 13mm schon besser als bei den größeren Brennweiten. Ich würde noch einen Verlängerungsring HypRing 28 dazukaufen, was die zusätzliche Brennweite 9.2mm ergäbe.


Planeten-Okulare
Wenn ich Sven's Barlow/Planeten-Test richtig verstanden habe, wäre für die Planeten-Beobachtung ein Pentax-XO (ca. 340 EUR) oder TMB-Monocentric-Okular (150 EUR) die beste Lösung bezüglich Schärfe und Kontrast. Das TMB Mono hat allerdings nur 30° Gesichtsfeld und wird zum Rand hin unschärfer, sodaß sich wohl etwas weniger als 30° praktisch nutzen lassen. Mit einen Dobson sehe ich darin eine gewisse Herausforderung für den Anfang. Ich würde eher zu Baader Genuine Ortho 6mm tendieren, denn laut einem Erfahrungsbericht (astro - foren.de/archive/index.php/t-7217.html) soll deren Schärfe in Bildmitte nur minimal hinter der von TMB Mono zurückstehen, und die Abbildung soll bis zum Rand scharf und unverzerrt sein. Leider gelten die Aussagen anscheinend für f/10. Den Vorteil sehe ich in dem weiteren Gesichtsfeld von 40°. Über den Augenabstand habe ich nichts präzises herausgefunden.

Da laut Stellarium die nächsten guten Beobachtungsbedingungen für Planeten erst gegen Weihnachten (Mars) oder kurz danach (Saturn) sind, habe ich vor, das Planetenokular etwas später zu kaufen. Dann habe ich etwas Erfahrung mit dem Dobson und kann besser einschätzen, wie wichtig für mich ein großes Gesichtsfeld bei Planetenokularen ist. Sollte ich Schwierigkeiten mit dem Nachführen befürchten, kann ich als Alternative ein Antares Speers Waler 4.9mm (oder 7.2 plus Verlängerung -> ca. 4.8mm) mit ca. 82° Gesichtsfeld oder ein Baader Hyperion 5mm (oder 8mm plus Verlängerung -> 5.7mm) mit ca. 68° Gesichtsfeld anschaffen.


Teleskop-Kombinationen
Mit den herausgesuchten Teleskopen sehe ich folgende Kombinationen:

Alternative 1 - GSD200 BCR
  • Teleskop: GSD200 BCR Dobson plus Chesire. Fa. TS.
  • Auszug: GSO-"Crayford", 1:10, Enthalten.
  • Sucher: 8x50, Enthalten.
  • Justage: Chesire, Enthalten.
  • Übersichtsokular: TS WA 42, Enthalten.
  • Nicht benötigt: Mondfilter und Okular TS SP 12mm, Enthalten.
  • Leuchtpunkt-Sucher: Telrad (Alternativ: Sky Surfer 3?). Fa. TS od. ICS.
  • Mittelbereich-Okular: Vixen LVW22. Fa. ICS.
  • Deepsky-Okular: Hyperion 13mm plus Verlängerung HypRing 28 dazu (=> f=9.2mm). Fa. ICS, Ring: TS.
  • Planeten-Okular: Baader Genuine Ortho 6mm (später). Fa. TS.
  • Taschenlampe: Fahrrad-LED-Rücklicht, bereits vorhanden.
  • Karten: Deep-Sky Reiseführer von Ronald Stoyan; Erich Karkoschka, Atlas für Himmelsbeobachter; Drehbare Sternkarte. Fa. ICS od. TS.
  • Falls nötig: 2" Verlängerungshülse, 35mm opt. Weg. Notfalls nachkaufen. Fa. TS.
Summe: 1043.70 EUR plus Fahrtkosten/Versand.

Alternative 2 - GSD200c
  • Teleskop: GSD200c Dobson. Fa. TS.
  • Auszug: GSO-"Crayford" ohne 1:10, Enthalten.
  • Sucher: SU 8x50. Fa. TS
  • Justage: Chesire. Fa. TS.
  • Übersichtsokular: TS WA 42. Fa. TS.
  • Nicht benötigt: Sucher 6x30mm und Okular Plössl 25mm, Enthalten.
  • Rest wie Alternative 1.
Summe: 1065.70 EUR plus Fahrtkosten/Versand.

Alternative 3 - Galaxy D8-K-MC
  • Teleskop: Galaxy D8-K-MC Dobson. Fa. ICS.
  • Auszug: ICS-"Crayford", 1:10, Enthalten.
  • Sucher: 8x50. Enthalten.
  • Justage: Chesire. Enthalten.
  • Übersichtsokular: TS WA 42. Fa. TS.
  • Nicht benötigt: Mondfilter; Okulare: multivergütete Plössl, 32 + 9 mm. Enthalten.
  • Rest wie Alternative 1.
Summe: 1018.70 EUR plus Fahrtkosten/Versand.

In Alternative 2 sehe ich keinen Sinn, weil sie die teuerste ist und trotzdem keine 1:10-Untersetzung am Auszug hat.


Beim Kauf anschauen...
... werde ich:
  • Spiegelbelüftung: Kann Luft seitlich am Spiegel vorbeiströmen?
  • Okularauszug: Rutscht er nicht durch (im Fall von Crayford)?
  • Toleranz der Fokuslage fragen (vorallem Alternative 3).
  • Schutz für Tubusjustierung beim Abstellen?
  • Augenabstand bei Baader Genuine Ortho 6mm (evtl. gegen Papier ausprobieren).
  • Gewicht von Telrad und Skysurfer vergleichen. Falls Telrad zu schwer => Skysurfer.

Etwas zu Basteln...
... werde ich auch bekommen:
  • Spiegelbelüftung: abdichten; soll außerdem saugen statt blasen. Falls Spiegel hermetisch abschließt: seitlich 2 Lüfter anbringen (ungerne).
  • Ausbalancieren: z.B. Aquarium-Magnete.
  • Innenschwärzung mit Veloursfolie


Wenn ich nächste Woche zu den Händlern gehe, könnte ich bis zu meinem Geburtstag in eineinhalb Wochen alle Teile zusammen haben. Nachdem ich alles aufgebaut, justiert und erstmals ausprobiert habe, werde ich hier kurz über meine ersten Erfahrungen berichten.

Zu guter Letzt möchte ich allen danken, die in diesem Forum ihre Zeit aufgebracht haben, um mich so detailliert zu beraten. Ich bin auch beeindruckt, daß sich selbst erfahrene Astronomen nicht zu schade waren, sich mit meinen Anfängerfragen herumzuschlagen und aus ihrem Erfahrungsschatz mein noch nicht vorhandenes Praxiswissen soweit zu ergänzen, daß ich selbst urteilen kann.

Clear Skies

Bernd
 
Hallo Bernd,

soweit kann ich Deine Überlegungen nachvollziehen. Ein Detail: Ich denke, dass Du schon während der ersten praktischen Beobachtungen den Mondfilter umkategorisieren wirst aus "nicht benötigt" in "nice to have".
Mit dem Chesire solltest Du klar kommen, ich denke Du planst "Übungsstunden" ohnehin ein.
1:10 Untersetzung ist in meinen Augen unnötig, wenn auch nicht unkomfortabel. Ganz klar ein nice to have, und angesichts Deiner Preisaufstellungen nimmst Du das natürlich mit. Aber ohne Untersetzung komme ich auch an f/4 klar, und f/6 ist da eben noch um Faktor 1,5 entspannter. Aber definitiv, wenn man die Untersetzung hat, freut man sich über den Komfort.
Beim Bastelbereich könnte auch eine Verbesserung der Gleiteigenschaften stehen, aber erstmal selbst ausprobieren.

Zu den Okularen noch folgendes: Ich bin etwas bange, wenn Du quasi sofort auf die Planeten-Okus aus meinem Bericht anspringst. Der Grund ist, dass man einige Zeit an Beobachtungserfahrung braucht, ehe man den Leistungsgewinn solcher Okulare wirklich erkennen kann. (Normalerweise jedenfalls.) Planeten zeigen schwache Kontraste (bzw. bei den harten Kontrasten am Mond-Terminator, dem Saturnring und der Phase von Venus und Merkur kommt's wenig auf's Okular an, weil das die einzigen knallharten Kontraste sind). Wer aber das erste Mal Mars sieht, der hat erstmal nur einen (eventuell grellen) orangerosanen Ball vor sich. Man muss sich konzentrieren, ehe sich aus dem vom Seeing wabernden Matsch Oberflächenkonturen herausschälen, Bereiche wo die Oberfläche dunkler ist. Jupiters Haupt-Wolkenbänder fallen eigentlich leicht ins Auge, aber bis man dazwischen Details sieht...)
Kalkuliere also ein, dass Du vielleicht bei einem direkten Vergleich solcher Okulare die Unterschiede marginal oder sogar nicht nachvollziehbar findest, man weiß die Unterschiede vielleicht erst nach einigen Jahren zu erkennen und zu schätzen. Von daher muss man überlegen, welche Anschaffungen sich jetzt lohnen, wobei ich die Genuine da vom Preis her ganz OK finde, die sind eine Bank und lassen sich bei guter Pflege auch gebraucht verkaufen, falls man sich ganz anders orientiert.

Clear Skies
Sven
 
Hallo Bernd,

ich beschäftige mich erst seit kurzer Zeit mit Astronomie und habe mir auch einen Dobson f/6; 8" zugelegt.

Da waren 2 SP Okulare dabei und zwar 25mm und 10mm. Zuerst habe ich nur mit diesen beobachtet, was natürlich auch sehr gut geht. Nach einiger Zeit habe ich festgestellt, dass das 25er zum Aufsuchen und entspannten Beobachten nicht so toll ist. Ich habe mir dann ein 2" 30mm LV von Vixen besorgt und bin sehr zufrieden damit. Ein 40er Okular steht momentan nicht an, da andere Abstufungen für mich wichtiger sind. Als nächste Stufe werde ich mir kein 22mm Okular besorgen, sondern ein 13mm Weitwinkel. Dann aber gleich ein richtiges Gutes.

Was Planetenbeobachtungen und höhere Vergrößerung angeht, habe ich mir ein 5mm Hyperion besorgt. Das Okular hat aber nicht unbedingt das gebracht, was ich mir erwartet habe. Das Seeing für diese Vergrößerung 240fach muss dann schon sehr gut sein, um Planeten (zur Zeit meist Jupiter) gut beobachten zu können. Am Mond und an einigen Deep-Sky Objekte ist es natürlich super! Dennoch - mit dem jetzigen Wissen, hätte ich mir erst einmal ein sehr gutes 7 oder 8 mm Okular gekauft.

Auch solltest du dir überlegen, ob du dir ein OIII oder ein UHC Filter besorgen solltest. Für das 2" Okular habe ich mir gleich das 2" Filter OIII von Baader besorgt. Nur damit bin ich in der Lage z.B. den Zirrusnebel zu beobachten. Ohne Filter sehe ich den gar nicht.

Die drehbare Sternenkarte benutze ich nicht mehr, seit dem ich den Deep-Sky Reiseführer von Ronald Stoyan habe. Dieser wird mich die nächste Zeit voll und ganz auslasten. Vorne im Buch sind Sternenkarten mit den Objekten abgebildet. Diese habe ich kopiert und in Klarsichthüllen rein gesteckt. Zum Auffinden der Objekte nutze ich nur noch diese Karten und komme sehr gut damit zurecht.

Wenn du den Mond beobachten willst, brauchst du auf jeden Fall einen Mondfilter, da der Mond einen ganz schön blenden kann. Mir geht`s auf jeden Fall so. Ob das Filter, welches dem Teleskop beiliegt, ausreicht, steht vielleicht zur Frage.

Grüße Claus
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Anmerkung zu Sven:

Basteln:
Den Gleitlagerset zu montieren verstehe ich noch nicht unter Basteln. Den bekommt man zwischenzeitlich ja überall von jedem Händler fertig für diverse Dobsons. Ebony-Scheibe einlegen, Teflon-Pads anschrauben, fertig. - Das kann sogar ich mit meinen beiden linken Händen.

Tubus auskleiden ist da schon "e weng" diffizieler. Da hätte ich mehr Falten beim Einkleben als sonst was...

Zum Crayford 1:10
Da bin ich eigentlich sehr froh darüber, gerade bei Okus ab 8mm stellt man die Schärfe doch sehr viel feinfühliger ein. Ich sehe das, da mein 8" den "normalen", der 12" den 1:10 hat.
Wenn man ihn hat, möchte man ihn nicht mehr missen. Nur fest anziehen muß man ihn, es sind halt keine absoluten Präzisionsauszüge, dafür sind sie Preiswert.

Okulare:
Gebe ich Dir absolut recht, aber warum nicht gleich das richtige kaufen? Später wird wieder verkauft und man fährt Verluste ein. Dann doch lieber gleich richtig. Übung macht den Meister und nach einiger Zeit der Beobachtung freut man sich dann doch, gleich die richtigen Okulare gekauft zu haben.

CS
Winfried
 
Hallo Winfried,

solange die Antwort auf "was ist richtig" nicht gegeben werden kann, besteht bei teuren Okularen eben Geldversenkungsrisiko.
Manche nennen das Lehrgeld, ich würde lieber den Aufwand, zu gemeinsamen Beobachtungen mit anderen zu fahren als Lehrgeld rechnen. Ist eben effizienter.

Clear Skies
Sven
 
Hi Sven,

nicht richtig!
Bei anderen durchschauen, auf einer Sternwarte oder in einem Astroclub, ist "Lehrgeld einheimsen"...

Zumindest ist das die beste Info, die man jemandem geben kann. Erst wenn man diese Lichtkübel mal vor sich sieht und bedient hat, weiß man, was auf einem zukommt.

- Wurde zwar immer wieder schon gesagt und geschrieben, aber nicht jeder kann alles lesen. Daher also nochmals dieser alte Tip.

CS
Winfried

P.S.: wer in der Nähe von WÜ oder TBB wohnt: Am Samstag ist unsere Sternwarte ab 10 Uhr offen, open End. Am Nachmittag finden in Großrinderfeld, Turnhalle, mehrere Vorträge statt.
 
Hallo Winfried,

Zitat von Berberich:
P.S.: wer in der Nähe von WÜ oder TBB wohnt: Am Samstag ist unsere Sternwarte ab 10 Uhr offen, open End. Am Nachmittag finden in Großrinderfeld, Turnhalle, mehrere Vorträge statt.

Setz das doch noch ins Treffpunkt-Forum! Ich hab leider keine Zeit zu kommen. Wenn mein Vater nicht Geburtstag hätte, hätte ich meine Frau überredet, zu ihrer Mutter nach Eisingen zu fahren. So ganz ohne Hinergedanken :/

Ciao
Martin

Nachtrag: So, nu isses auch im Treffpunkt, allerdings schreibst Du oben vom Samstag, ich bin vom 22. ausgegangen.. Der 29. ist bei mir terminlich auch nicht besser :(
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Hallo, Sternfreunde,

Ich habe inzwischen meine erste Ausrüstung gekauft und auch schon an drei Abenden in München ausprobieren können. Jetzt also wie versprochen ein erster Erfahrungsbericht.

Da sich meine Oma und meine Eltern unerwartet beteiligen wollten (womit sie gleich ein Geburtstagsgeschenk hatten), aber nur unter der Bedingung, daß ich dafür ein besseres Teleskop kaufe, habe ich mich für ein 250mm/1250mm f/5-Teleskop entschieden. Als Folge habe ich das Übersichtsokular auf 32mm Brennweite reduziert (=> AP 6.4mm). Die restlichen Okulare, die ich ursprünglich herausgesucht hatte, sollten auch noch mit f/5 zurechtkommen.

Seit einer Woche bin ich also stolzer Besitzer folgender Teleskopausstattung:
  • Teleskop: GSO: GSD250BCR - Dobson 250mm/1250mm mit 1:10 Crayford.
  • 8x50 Sucher mit Fadenkreuz-Okular (enthalten).
  • Okular TS WA 32: 2", 32mm, 67°. => 39x, AP6.4mm. Statt mitgeliefertem TS WA 30 und Plössl.
  • Okular Vixen LVW 22mm: 1.25", 65°. => 57x, AP4.4mm.
  • Okular Baader Hyperion 13mm: 1.25", 68°. => 96x, AP2.6mm.
  • Verlängerungsring 28mm => f=9.22mm: 136x, AP1.8mm.
  • Planetenokular(e) kaufe ich noch.
  • Mondfilter (enthalten)
  • Adapterringe von Hyperion auf M49 und M52 (Foto)
  • Telrad Finder (zwar schwerer als Skysurfer, aber nicht viel).
  • Chesire Justierokular
  • R. Stoyan: Deep Sky Reiseführer
  • M. Feiler, Ph. Noack: Deep Sky Reiseatlas
  • Stellarium
  • Der Brockhaus - Astronomie (Geschenk)
  • Tragetasche für das Teleskop
  • Baader Sonnenfilterfolie
Das Planetenokular habe ich noch nicht gekauft, weil ich vorher ausprobieren wollte, wie gut ich mit dem Nachführen des Dobson zurechtkomme. Ich habe damit bei 136x/68° (?) keinerlei Probleme, ebensowenig beim Okularwechsel, und ich schätze, daß das bei 208x/40° auch noch ganz gut gehen würde, weshalb ein Genuine Ortho 6mm unproblematisch wäre. Daß ich als Anfänger den Unterschied vielleicht noch nicht sehen kann, wäre für mich kein Hinderungsgrund, denn ich hoffe, daß ich nicht ewig Anfänger bleibe. Andererseits habe ich aber gemerkt, daß ein großes Gesichtsfeld und ein großer Augenabstand vorteilhaft ist, wenn meine kleinen Neffen durch das Teleskop schauen. Das würde eher für Hyperion sprechen. Kommentar meines Bruders: "Kauf beides, Du hast ja genug Geld". Er muß es ja auch nicht bezahlen. Ich werde mir trotzdem fürs erste ein 5mm Hyperion und einen 14mm-Ring kaufen, weil ich damit auf einmal 4 zusätzliche Brennweiten bekomme: 8.06mm, 5mm, 4.05mm, 3.55mm und 3.1mm. Damit könnte ich erst einmal ausprobieren, welche Vergrößerung das Seeing üblicherweise noch zuläßt. Ein Genuine Ortho möchte ich mir danach aber schon noch anschaffen. Welche Brennweite genau - das werde ich dann sehen. Nach meinen bisherigen Erfahrungen vermute ich, daß es weniger als 6mm sein könnte.

Den Sonnenfilter habe ich nach Anleitung von Baader gebaut, aber etwas modifiziert, damit der Wind weniger Angriffsfläche hat (Ecken abgeschnitten) und damit er besser hält (innen einen zusätzlichen Kartonring eingeklebt).

Die weiteren Umbauten wie Lüfter und Innenauskleidung habe ich noch nicht gemacht, ich wollte erst einmal etwas im Teleskop sehen. Bisher ist noch nichteinmal der Telrad montiert, weil er knapp nicht zwischen Sucher und Okularauszug paßt und ich erst überlegen muß, wo ich ihn hinsetze.

Der Lüfterumbau wird doch etwas schwieriger, weil der Lüfter von der Spiegelseite aus verschraubt ist. Ohne Ausbau des Spiegels geht also nichts. Einen flacheren und größeren Lüfter für den Umbau habe ich schon.

Der Crayford-Auszug rutscht in der Einstellung, in der er ausgeliefert wird, tatsächlich leicht durch. Dafür gibt es aber eine Justierschraube, mit der man offenbar den Anpreßdruck der Fokussier-Achse einstellen kann. Zieht man sie an, hat der Auszug mehr Kraft und rutscht nicht mehr so leicht durch, aber die Betätigung geht schwerer. Das finde ich aber dank 1:10-Untersetzung nicht so schlimm.

Bisher habe ich an einigen Objekten das Auffinden geübt, und auch schon einiges gesehen, bis jetzt aber nur vor der Haustür in München:

Sonne:
Klar, das ist einfach. Die wenigen Sonnenflecken waren gestochen scharf, aber klein. Mit etwas Phantasie konnte man auch die Blasenstruktur der Sonnenoberfläche erahnen. Seeing habe ich zwar bei genauem Hinsehen bemerkt, es war aber weit davon entfernt, zu stören. Eine höhere Vergrößerung würde also auch bei der Sonne Sinn machen.

Mond:
Ebenfalls perfekt scharf und kaum Seeing. Mit mehr Vergrößerung hätte man die Krater noch deutlicher erkennen können. Der Mondfilter macht tatsächlich Sinn. Ich habe es zum Vergleich auch ohne Filter versucht: da war in der Mitte des Bildfeldes eine leichte Abdunklung zu sehen, vermutlich wegen der verkleinerten Augenpupille. Außerdem lief ich danach einige Zeit mit einem hell- und einem dunkeladaptierten Auge herum, was gewöhnungsbedürftig ist.

Wenn ich mit eingesetztem Hyperion-Okular neben den Mond zielte, sah ich am Rand ganz schwach die oft beschriebene Aufhellung, die ich aber nicht als störend empfand, weil die Bildmitte dunkel blieb (soweit man das von Münchens Stadthimmel überhaupt behaupten kann).

Jupiter:
zeigte etwas Farbsaum, vermutlich wegen Brechung in der Atmosphäre, weil er sehr tief stand. Luftunruhe störte nicht. Jupiter war sehr klein, aber scharf, und hätte sicher etwas mehr Vergrößerung vertragen. An den Monden glaubte ich Koma zu erkennen. Da mir das aber bei Sternbeobachtungen nicht auffiel, nehme ich an, daß der Spiegel noch nicht ausgekühlt war: ich hatte das Teleskop in aller Eile auf den Balkon gestellt, bevor Jupiter hinter den Bäumen verschwand.

Andromeda-Nebel M31:
Schwerer zu finden als gedacht, weil man in München mit bloßem Auge weder M31, noch µ AND, noch ny AND sieht. Beim zweiten Versuch ein paar Tage später ging's aber viel schneller. Erstaunlicherweise kann man M31 im Sucher und im Fernrohr tatsächlich schwach erkennen, obwohl es ein flächiges Objekt ist, dessen Kontrast zum Himmel durch Vergrößerung nicht besser wird. Vielleicht liegt es daran, daß ich 4.4mm AP benutzt habe. Die damit verbundene Abdunklung hat vielleicht den Himmel näher an die Wahrnehmungsschwelle des Auges gebracht.

Katzenaugen-Nebel NGC6543:
bis jetzt mein schwierigstes Objekt, weil man in München einige Sterne des Drachen nicht mit bloßem Auge sehen kann und weil NGC6543 weit vom nächsten sichtbaren Stern entfernt liegt. Der Nebel erschien ziemlich hell, aber sehr klein und hätte mehr Vergrößerung vertragen. Die Sichtbarkeit variierte ständig, und manchmal war der Nebel kurz verschwunden. Gleiches gilt in geringeren Ausmaß für einen daneben stehenden Stern. Zwar konnte ich keine Wolken sehen, dennoch sind leichte Schleierwolken die einzige Erklärung, die ich dafür habe.

Sternhaufen H und Chi Persei, NGC869 und NGC884:
In München mit bloßem Auge nicht zu sehen. Auch eta PER war nur mit viel Phantasie erkennbar. Daher bin ich nicht 100% sicher, ob ich die richtigen Sternhaufen erwischt habe, ich glaube aber schon. Im Teleskop waren beide scharf und deutlich erkennbar, auch die Farben. Einer der beiden Haufen enthielt einige rötliche Sterne. Um beide Haufen gleichzeitig sehen zu können, habe ich die Vergrößerung auf 57x reduziert.

Nach den bisherigen Erfahrungen meine ich, daß sich der Fadenkreuz-Sucher eindeutig gelohnt hat. Bei richtiger Justierung kann ich ein Objekt im Sucher so einstellen, daß es bei 136x Vergrößerung auf Anhieb fast genau in der Mitte des Okulars erscheint. Ich brauche also nicht erst mit schwächeren Vergrößerungen anzufangen. Das spart Okularwechsel.

Da es in München große Bereiche am Himmel gibt, wo mit bloßem Auge überhaupt kein Stern zu sehen ist (mit Sucher aber schon), habe ich heute selbstentworfene Grad-Skalen an Azimut und Höhenräder gebastelt. Damit hoffe ich, in Kombination mit den Koordinaten aus Stellarium auch Objekte in "sternlosen" Gegenden finden zu können. Ich bin aber noch nicht dazugekommen, das in der Praxis auszuprobieren. Leider soll in den nächsten Tagen das Wetter wieder schlechter werden.

Soweit ich bisher beurteilen kann, glaube ich, kein schlechtes Teleskop gekauft zu haben. Abgesehen von den bekannten leichten Randaufhellungen habe ich noch keine Abbildungsfehler gesehen, die eindeutig auf das Teleskop zurückzuführen gewesen wären. Soweit der Spiegel betroffen ist, wäre es allerdings bei den bisher benutzten geringen Vergrößerungen auch ein schlechtes Zeugnis für das Teleskop gewesen, wenn ich hier Fehler bemerkt hätte.

In den nächsten Tagen werde ich noch ein kurzbrennweitiges Okular und evtl. Nebelfilter kaufen, insbes. OIII und H-alpha (auch für Sonne). Außerdem möchte ich auch mal unter gutem Sternenhimmel beobachten, d.h. ich werde bei entsprechendem Wetter aufs Land fahren.


Clear Skies,

Bernd
 
Hallo Bernd,

das Katzenauge ist schonmal nicht das einfachste Objekt, was das Aufsuchen angeht. Von daher Respekt, für die ersten Beobachtungen klingt das alles sehr vielversprechend.
Die Randaufhellungen im Bild sind meist eher Sache des Okulars.

Clear Skies
Sven
 
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