Hallo Bernd,
hier ist es Zeit für einen "Lieblingshinweis". Meines Wissens gibt es derzeit im Bereich der günstigen Dobsons von der Stange kein Gerät, was mit einem brauchbar montierten Lüfter ausgeliefert wird.
Anstelle von Produktnamen usw nenne ich einfach mal die brauchbaren Lüfterkonzepte:
1. Das "Einfach-Konzept"
Der Lüfter wird hinter den Spiegel auf einer geschlossenen Rückwand montiert. Er saugt Luft durch die Teleskopöffnung an, und bläst diese nach Rückwärts aus. Je größer der Lüfter, desto besser (und laufruhiger), es spricht also viel für 120mm Lüfter. Tubusseeing wird so abgesaugt, in der Praxis ist diese Methode gut, auch wenn sie nicht als optimal gilt.
2. Seitlich blasend/saugend
Das von vielen für optimal gehaltene Konzept ist ein seitlich über den Spiegel blasender Lüfter, der gegenüber von einem saugenden Lüfter unterstützt werden kann. Damit soll die gesamte Spiegelfläche besser vom Luftstrom überstrichen werden. Warmluftschlieren werden flächendeckend beseitigt.
Dagegen sieht man häufig das Konzept, einen Lüfter "nackt" an der Spiegelzelle zu montieren. Der Lüfter bläst auf den Spiegel, was dazu führt, dass der Spiegel eher punktuell gekühlt wird (was eigentlich zu stärkeren Temperaturunterschieden der verschiedenen Oberflächenbereiche des Spiegels führen sollte). Hinzu kommt, dass diese Lüfter oft keinen ausreichenden Freiraum zwischen Lüfter und Spiegel bzw. Spiegelzelle haben, so dass kaum Luft gefördert wird - vielmehr wird einfach nur hinter dem Spiegel gequirlt.
Daher lautet mein Ratschlag, ein wie beschrieben eher schlechtes Lüfterkonzept nicht zu kaufen und stattdessen selbst nach Methode 1 oder 2 einen Selbstbau zu versuchen.
Nun komme ich zu "Teleskoppaketen". Hier möchte ich Dir auch wieder ein Rezept an die Hand geben:
Man sieht vielfach das "Händler-Modell", ein Teleskop in unterschiedlicher Ausstattung anzubieten, entsprechend mit unterschiedlichem Preis.
Was nimmt man nun?
Hier gilt es einfach nur zu rechnen, und zwar:
1. Kaufpreis eines Pakets mit allen Teilen, die man haben will.
Das gilt es abzuwägen gegen
2. Kaufpreis eines "vorgefertigten" Pakets mit allen Teilen die man haben will und einem Stapel Zeug, das man nicht braucht, ins reine Geschrieben bezüglich eines Wiederverkaufswert von 50% des "Zeugs das man nicht braucht" mit dem großen Risiko, dass einiges Zeug das man nicht braucht auch von keinem sonst gebraucht wird (ergibt Wiederverkaufswert 0%).
Für ein 32mm Taiwan-Plössl findet man zum Beispiel immer einen Abnehmer, denn mit dem Okular lassen sich viele Teleskope mit 1,25" Auszug mit maximalem wahren Gesichtsfeld nutzen. Bei einem 26mm oder 25mm wird die Nachfrage schon dünner, denn erstens haben das viele mitgeliefert bekommen und zweitens würde man doch lieber ein 32er haben, um mehr übersicht zu bekommen, denn beide Brennweiten sind für 1,25" Teleskope typische "Aufsuchokulare". Das nur mal als Beispiel.
Zum Crayford habe ich mich schon geäussert, ich meine, visuell und an f/6 kann jeder mit Zahn und Trieb leben, und wer etwas Tuning möchte, kann sich unter
www.pteng.de mal ansehen, wie Ekkehard den seinen mit Tesafilm deutlich aufgewertet hat.
Im Prinzip gilt, dass man eigentlich am besten auskommt, wenn man den "minimalen Teleskop Rohbau" kauft, der die eigenen Erwartungen an Optik (Spiegelmaterial) und Okularauszug erfüllt. Stellt man hier schon Sonderwünsche fest, sollte man sich gleich ein individuelles Teleskop bauen lassen (da gibt es eine Menge anbieter), anstatt mit einem Gerät von der Stange dauernd unzufrieden zu sein, oder ewig daran herumzubasteln (was in der Summe am Ende gut teurer sein kann).
Nun mal zu Okus und Zubehör. Ich fange mal mit Zubehör an:
Sucher: Ich komme bestens mit einem Leuchtpunktsucher aus. Das geht vielen so, auch (gerade?) Einsteigern. Der Grund: Der Leuchtpunktsucher hat keine Bildumkehr und kein eingeschränktes Gesichtsfeld (wenn man mit beiden Augen schaut). Die Edel-Version ist ein Telrad oder Rigel (in meinen Augen unnötig, auch für Anfängern, sehen andere deutlich anders.)
Optische Sucher werden interessant, wenn man darin Objekte erkennen will, die zum Beispiel weit ab von Orientierungssternen stehen, die man mit dem Leuchtpunktsucher braucht. Beispiel M3. Ideal ist die Kombi aus Leuchtpunktsucher und optischen Sucher.
Daraus resultiert allerdings, dass ein 6x30 ziemlich unsinnig ist, weil man darin nur wenige Objekte erkennt. Der 7x50 oder 8x50 Sucher zeigt die Objekte deutlich besser. 6x30 Fans arbeiten meist nur mit einem optischen Sucher und beklagen, dass die Vielzahl an Sternen in 8x50 verwirrend sein kann, wenn man sich per "Star-Hopping" an die Objekte herantastet.
Justage-Zubehör:
Auch hier gibt es wieder verschiedene Konzepte. An einem f/6 Newton ist man mit einem Chesire Justierokular (vielleicht auch eines mit Fadenkreuz) gut beraten. Geht man aber davon aus, dass die Grundjustage der Optik den Versand locker übersteht, dann kann auch Barlowed Laser ein schönes konzept sein, es kostet aber mehr. Beschreibung von Barlowed-Laser gibt es wieder bei
www.pteng.de .
Sternkarten (ich schiebe die Okus mit Absicht auf):
Für den Einsteiger wird viel zu selten auf die Software Stellarium verwiesen, die mit ihrem realistischen Himmelsanblick dem Einsteiger bei der Orientierung hilft. Kostenloser Download!
Im Feld wird man ohne was gedrucktes eher nicht auskommen (finde ich). Wer sich für Deepsky interessiert, wird um "den Karkoschka" nicht drumrum kommen. Exakt: Erich Karkoschka, Atlas für Himmelsbeobachter, Kosmos Verlag - derweil mindestens 4. Auflage, oder 5. schon? Jedenfalls auch "Die Bibel" genannt.
Einen richtigen Sternatlas kann man kaufen (z.B. Sky Atlas 2000.0) oder selbst ausdrucken und vielleicht auch selbst laminieren:
http://www.cloudynights.com/item.php?item_id=1052
http://www.asahi-net.or.jp/~zs3t-tk/atlas_85/atlas_85.htm
Für den Anfang reicht aber der Karkoschka auch als Atlas, weil er eben auch Karten des gesamten Himmels enthält.
Deepsky für fortschreitende währe der Deepsky Reiseführer, aber das ist eigentlich schon eher ein Buch für später mal.
Rudimentär zur grundlegenden Orientierung: Eine Drehbare Sternkarte ("Sternscheibe") - gibt es von diversen Herstellern, ich nenne mal den Oculum Verlag.
Nun endlich optisches Zubehör:
Was braucht man an Okularen als Grundausstattung?
1. Übersichts/Aufsuchokular
Wer 2" hat und 2" Okus bezahlen kann, nehme auch ein solches. An f/6 bekommt man in der Preisklasse 70 bis 140 Euro einige Alternativen für erste Anschaffungen. Edel-Okus aus dieser Klasse ("gekauft für's Leben") gehen rauf bis 700 Euro!
Wer unter gutem Himmel steht wird auf ein Okular mit maximal 42mm Brennweite setzen, wer unter schlechtem Himmel steht bleibt eher bei 35mm bis 30mm. Grund: Der Himmelshintergrund wird bei stärkerer Vergrößerung dunkler und die Kontrastwahrnehmung des Auges ist vor dunklem Hintergrund besser - in hellem Himmelshintergrund saufen schwache Objekte ab.
2. "Mittelbereich"
Hier spielt es sich bei f/6 zwischen 17mm und 24mm ab. Je nachdem, wie die Entscheidung beim Übersichts Oku ausfiel, wird man sich hier für eine Brennweite entscheiden. Der Bereich ist noch ausgesprochen deepsky-lastig, so dass ein Weitwinkel-Okular weiterhin sinnvoll ist. Der Bereich ist nicht ganz unproblematisch, wenn man auf den Preis schaut. Ich würde hier das LVW 22 als "eine Bank" sehen, das möchten aber viele nicht bezahlen. Die Alternative Hyperion 21mm hat bei f/6 zwar von der Schärfe am Bildrand her kaum noch Probleme (besser als ein Pentax XL 21), aber es gibt da eine Randaufhellung durch Streulicht, die man schon als Nachteil sehen muss. Aber auch: Siehe Preisunterschied. Genaueres hier:
http://www.svenwienstein.de/HTML/baader_hyperion.html
http://www.svenwienstein.de/HTML/orion_stratus.html
Deepsky-Freunde würden nun noch auf ein Okular aus dem Bereich 10-14mm setzen (je nachdem, wo das vorherige Okular landet). Eventuell eine "eingeplante Lücke", die später geschlossen werden kann.
3. Hochvergrößerung
Um für Planeten, Kugelsternhaufen und kleine (eventuell helle) Nebel gerüstet zu sein, wird man auf den Bereich 9mm bis 6mm zielen. Das sinnvolle Maximum eines f/6ers liegt beim 4mm Okular, mehr Vergrößerung würde man nur für Sterntests oder Doppelsterntrennungen anstreben, und auch da erst nach "Vorüberlegungen".
Für den Anfang sollte man sich auf 6mm (200x) beschränken, weil man diese Vergrößerung erstmal bezüglich Wetter (Luftunruhe) und Optikjustage im Griff haben muss.
Eine "erschlagende Anschaffung" in diesem Bereich wäre das Speers Waler Zoom 5-8mm. Definitiv ein Okular, das mehr auf Deepsky-Beobachter zielt. Für Planetenbeobachtung (in den nächsten Jahren arg mau) taugt es zwar auch, aber es gibt bessere Lösungen ( schon wieder ein Link:
http://www.svenwienstein.de/HTML/barlow-test.html )
So. Ende dieses Romans!
Clear Skies
Sven