Für Deine Bedingungen im Budget...
Hallo Holger,
wir haben also Landhimmel, Autotransport, Universalgerät, Montierungsweise (noch) indifferent, max. 350 € - weitere Okulare würden weiteres Budget erhalten.
Landhimmel ist schon mal prinzipiell gut, da Du da rein himmelskontrastmäßig zahllose auch flächenhelligkeitsschwächere DeepSky-Objekte erreichen kannst.
Südbalkon mit freier Sicht ist auch sehr gut, wichtig wäre noch so ungefähr die Breite (Tiefe) zu wissen. Grundsätze zur Balkonbeobachtung: 1. Balkontür bei Balkonbeobachtung geschlossen halten. 2. Aufheizung möglichst vermeiden (Abschatten über Tag). 3. Gerät rausstellen, sobald draußen kälter als Lagerbedingungen und fallende Temperatur draußen.
Im Budget lassen sich meines Wissens alle marktgängigen Geräte im Auto transportieren.
DER niederpreisige Allrounder mit sehr hoher Preisleistung ist heute ein 8"-f/6-Dobson.
Da habe ich neulich schon mal einiges zu geschrieben, daher hier nochmals einkopiert (und geringfügig geändert), so einiges wesentliches zum 8"-f/6-Dob für "Einsteiger, die mehr wissen wollen":
mit den unter allen Bedingungen bewährten, wirklich visuell allroundfähigen und kostenschonenden Dobsons 200/1200 (Achtzoll-f/6) gelingen freudvolle Beobachtungen, und kaum wird je jemand ein solches Instrument wegen Unzufriedenheit wieder dringend loswerden wollen (eher wegen weiterem Aufstieg nach Jahren). Ich habe selbst einen solchen und kenne so einige Sternfreunde, die auch voll zufrieden sind. Das Gerät bietet auch bei Bastelwillen Möglichkeiten zur Leistungssteigerung (Tuning), das sind aber nur Optionen, auch ohne ist es ein solides Leistungsgerät. Bis man wirklich alles, was damit möglich ist am Himmel gesehen hat, kann man schon Uropa werden...
Das Gerät hat im Vergleich zu vielen kleineren Geräten im Budgetrahmen einige Vorteile, die ich mal kurz aufführen möchte:
- viel Geld geht in die Optik, kaum etwas in die solide brauchbare Montierung (Rockerbox, sozusagen "Möbelstück")
- 200 mm Öffnung bieten ordentliche Auflösung und Vergrößerungspotential. (Bei anderen geringer öffnenden Geräten im Budget wird schnell das Ende der Fahnenstange erreicht.) Öffnungs-Preis-Leistung ungeschlagen.
- mit f/6 ist das Gerät a) okularunkritisch (auch niederpreisigere Okulare arbeiten gut), b) universell einsetzbar (von richtiger Geringvergrößerung bei großen Feldern bis zur Hoch- und Höchstvergrößerung geht alles; andere bes. kompakte Geräte können oft nicht so gut weite Felder; vollständig nutzbarer AP-Bereich im Vergleich zu vielen anderen Geräten im Budget von 7mm-0,8mm ca.) c) justierbar, relativ justierstabil und justierunkritisch (gegenüber "schnelleren" Geräten: f/5...f/4)
- durch den Zwei-Zoll-Okular-Auszug können weitwinklige Zwei-Zoll-Okulare verwendet werden, die sehr freudvolle Spaziergänge am Firmament ermöglichen.
All diese bekannten und gern genutzten Vorteile haben das Gerät heute zu DEM Allrounder für geringe Budgets in der Freizeitastronomieszene gemacht. Entsprechend groß ist auch die Konkurrenz, das Marktangebot, die Häufigkeit auf dem Gebrauchtmarkt, die sehr gute Preis-Leistung und überhaupt der relativ geringe Kostenrahmen.
Gegenüber praktisch allen kleineren Geräten im Budget, liegt der Dobson in einer ganz anderen Leistungsliga. Das Schöne: im Preise kaum!
Anmerkung zum Transport: Dobson: Rockerbox und Rohr, passt in jeden Kleinwagen. Parallaktischer Newton: Tubus, Montierungskopf, Gegengewichtsstange mit Gegengewicht, Stativ, (evtl. biegsame Wellen, Steuerung, Batteriepack). Im Vergleich tut sich nicht viel. Wenn man die jeweils fürs schwerste Teil rund 10 kg körpernah trägt, gibt es eigentlich keine Probleme.
Anmerkung zu Okularen: ganz unabhängig davon, welches Gerät es auch immer wird (am besten mit Sternfreunden vor Ort vergleichen!!) - Du wirst Okulare brauchen. Meist ist die Minimal-Anfangsausstattung: Ein Übersichtsokular (lange Okularbrennweite, geringe Vergrößerung, großes Feld am Himmel, große AP=Lichtmenge, wenn 2-Zoll geht, dann sehr gern), ein mittleres und eins für hohe Vergrößerung (geringe Okularbrennweite). Die letzteren können unter Umständen auch erstmal durch eins der marktgängigen sehr niederpreisigen und bewährten Zooms ersetzt werden, ein gutes, meist weitwinkliges Hoch-Höchstvergrößerungsokular ist dann zu überlegen. Wenn Du Dein Gerät gefunden hast (wie gesagt, am besten mit Sternfreunden unterm Himmel), auf jeden Fall schlauerweise noch hier klar eine Okularberatungs-Diskussion anregen, da gibt es viel zu beachten und Du kannst auch hier durch kluge Wahl für Dein Budget das Maximum rausholen. Häufig sind die Beiliege-Okulare eher überflüssig, wenn man schon genau (oder wenigstens brennweitenmäßig) weiß, welche man haben wird oder mitbestellt, so kann das Beiliege-Okular eventuell gewandelt werden. Wäre ja schade Geld dafür auszugeben, wenn man es nicht oder nur sehr sporadisch nutzt.
Anmerkung zum Kauf: Pakete (=Scope plus Okulare z. B.) bringen gewöhnlich Vergünstigungen, Messen, Aktionen und Teleskoptreffs sind auch typische Gelegenheiten nochmals einen Zusatznachlaß zu erzielen, direkt vor Ort (Messe, T-Treff) fallen auch keine Porto-Kosten an.
Anmerkung zu Tuningmöglichkeiten bei gewissem Bastelwillen:
die zum typischen "Tuning" geforderten Arbeiten sind abschrauben und anschrauben, kleben und schneiden. Mit 2-3 Schraubendrehern und einer starken Schere ist die nötige Werkzeugausstattung schon komplett. Am Dobson umfaßt das typische Tuning einige Dinge,
die ich hier in einem längeren Beitrag mal detaillierter aufgeführt habe.
Mit diesen Maßnahmen ist die Leistung jedwelchen Newton-Geräts, gleich ob Dobson oder parallaktisch nochmals deutlich höher, wenn er nicht bereits so sein sollte (im High-End-Bereich durchaus möglich). Gerade für budgetlimitierte Einsteiger kann so nochmals kostenschonend ein Leistungsschub erzielt werden. Aber auch ohne solches Tuning ist die Leistung des 8"-Dobs schon beeindruckend hoch. All solche Bastelarbeiten kommen mit Schrauben, Kleben und Schneiden aus, so daß weder ein Maschinenpark noch sonstwelche Fachfertigkeiten nötig sind. Die Materialien sind niederpreisig und gut verfügbar. Die einzelnen Maßnahmen sind auf vielen Homepages von Mitgliedern dokumentiert und genau beschrieben. Auch ist es gang und gäbe, sich dabei unter Sternfreunden zu helfen. Fast alle Maßnahmen sind spurenlos abnehmbar. Falls also - entgegen den Erwartungen - doch einmal ein Weiterverkauf anstehen sollte oder beim Basteln etwas nicht perfekt gelingt, macht das dem Gerät selbst nichts. Der für Anfänger als problematischst anzusehende Knackpunkt ist vielleicht die Grundjustage nach dem Velours-Tuning, hier sollte man sich vielleicht einen bewanderten Sternfreund zu einladen, oder die Justage bei einer gemeinsamen Beobachtung unterm Firmament mit diesem zusammen machen. Die Kenntnis um die Justage brauchst Du sowieso, so daß auch dies relativiert zu sehen ist.
Nochmal ganz ganz knapp zum 200/1200: kann visuell alles (weitwinklig Weitfeld bis Planet, riesiger Arbeitsbereich), alles sehr ordentlich (Licht, Auflösung), Okulare nieder-midpreisig wunderbar einsetzbar, Reichweite (Objektzahl) vergleichsweise groß. Während ein Erstgerät mit geringer Öffnung häufig nach Monaten bis Jahren um ein anderes ergänzt wird, ist eine 200er Öffnung in aller Regel ein Gerät für lange Zeiten.
Schließlich: über Motorisierung (entweder 2achsig hoch/runter-rechts/links oder EQ-Plattform) ist sogar hoher Beobachtungskomfort im Sinne einer Nachführung für visuell nachrüstbar - vielleicht für Hochvergrößerungsfans von gewisser Bedeutung. Hier würde der Mond als beliebtes Objekt im Winter wegen hohem Stand über dem Horizont eine Rolle spielen, die Planeten auch, da ist aber für einige Jahre nicht so viel drin, weil die leider erstmal eher unattraktiver sind: Saturns Ringöffnung wird immer geringer, Mars bleibt bei seinen 2jährigen Oppositionen leider recht klein, Jupiter bis etwa 2011 für uns hier im horizontnahen Dunst, Dreck und in der höheren Luftunruhe dort. Aber bei guter Einstellung der Gängigkeit und Verwendung von weitwinkligen Okularen für Hochvergrößerung ist eine Motorisierung auch beileibe keine Pflicht, sondern nur Option. Bei guter Verstellbarkeit macht auch Hochvergrößerung Spaß - so wie das Gerät vom Anbieter kommt.
Am besten wäre es, wenn Du ein solches Gerät mal bei Sternfreunden in der Nähe ausprobieren könntest. Sollte es Dir gefallen - bes. würde ich vergleichen mit parallaktisch montierten Geräten im Budgetrahmen - könnte man über Okulare sprechen. Ich habe den 200/1200-Dobson schon neu für rund 250 € gesehen, solltest Du Dich (nach Ausprobieren!!) dafür entscheiden, würde ich wohl das beiliegende Okular wandeln wollen und ein 2"-WW als Anfangsanschaffung andenken. Aber da will ich jetzt nicht ausholen, erstmal mußt Du - am besten auf Probiererfahrung beruhend - entscheiden, welches Teleskop es nun für Dich werden kann.
Ich wünsche Dir Kontakte zu Kollegen in der Nähe, eine besonnene Teleskopwahl und klare Himmel mit Top-Bedingungen,
Matthias.