Hallo Christian,
hm, ich muss nochmal nachlegen, mache es diesmal im Thread.
Die Lichtstärke und das Lichtsammelvermögen sind nicht sehr groß, und das Bild erscheint dunkler als bei anderen Teleskoptypen. Ein Gerät mit 90 bis 100 Millimeter Öffnung zeigt bereits zahlreiche Deep Sky-Objekte. Geräte mit 60 Millimeter Öffnung zeigen unter dunklem bis sehr dunklem Himmel bei schwacher Vergrößerung bereits sehr gut ausgedehnte Gasnebel und Sternhaufen des Messier-Kataloges. Mit ihnen lässt sich bereits sehr schön Deep Sky-Fotografie betreiben, sofern sich die Kamera stabil am Okularauszug befestigen lässt.
Der Absatz steht unter klassische Achromate mit f/10 bis f/15.
Zunächst mal ist das Bild in so einem Teleskop keineswegs dunkler als in anderen Teleskoptypen! Das passiert nur, wenn man die Geräte in die Übervergrößerung treibt. Das sollte man sich allerdings ersparen, weil man damit nur wertvollen Kontrast aufgibt und letztendlich weniger sieht, als bei richtig gewählter Vergrößerung. Bitte bedenke einfach, dass der allgemein Nutzbare Vergrößerungsbereich eines Teleskopes zwischen D*2 und D/7 geht (in Millimetern gerechnet). Das ergibt für jedes Teleskop denselben Helligkeitsbereich, wobei die Frage eigentlich nur ist, ob man für D/7 oder manchmal auch für D*2 Okulare bekommt. Minimalvergrößerung D/7 bedeutet für viele lichtschwache Teleskope derartigen Tunnelblick, dass man passende Okulare nicht zu kaufen bekommt. Z.B. ein 70mm Okular für f/10 Geräte mit 1,25" Auszug (für 2" gibt es tatsächlich ein paar exotische Lösungen!). Und D*2 bedeutet bei f/4, dass man ein 2mm Okular braucht (oder eine Kombination mit "Barlow", bei der effektiv 2mm herauskommen). Dann such mal, in welcher Serie ein 2mm Okular gefertigt wird!
Weiterhin ist wichtig, dass man mit einem kleinen aber langsamen Refraktor mit den ausgedehnten Gasnebeln sehr auf Kriegsfuß stehen wird, weil man die nötige AP und das nötige Gesichtsfeld nicht erreichen können wird.
Refraktoren mit kleiner Öffnung können solche Widefield-Objekte gut zeigen, wenn sie eine große AP und ein großes wahres Gesichtsfeld erlauben, und das führt zu Teleskopen mit schnellem Öffnungsverhältnis, also z.B. f/5, und zwar egal ob als Achromat oder Apo oder auch Spiegel realisiert. Der typische 60mm f/13 Achromat jedenfalls wird diese Nebel nicht zufriedenstellend servieren und für einen Einsteiger praktisch überhaupt gar nicht!
Der Rest zu den langen Achromaten geht mit hmhmhmhm... so durch, also was die Krümmungen beim Farbfehler angeht, da steckt doch viel Potenzial für Missverständnisse und falsche Vorstellungen beim Einsteiger drin.
Auch so ein Potenzial steckt hier:
Lichtstarke Refraktoren sind vom Strahlengang und optischem Design her mit klassischen Achromaten identisch, ihre Lichtstärke beträgt jedoch nur ca. 1:5 bis 1:6
Jetzt könnte ein Einsteiger meinen (und sowas bleibt hängen), dass die Lichtstärke eines Teleskopes wächst, je größer die Zahl wird! Das solltest Du ändern, das Wort "nur" ist ein Problem.
Und in der Folge wird dieser Satz das Missverständnis weiter fördern:
Helle Sternhaufen und helle, ausgedehnte nebulöse Objekte und Kometen sind ihre Spezialgebiete.
Ob man mit diesen Geräten helle oder schwache Nebel beobachten kann, wird in erster Linie durch die Himmelsqualität entschieden. Wenn ein schwacher Nebel überhaupt mit einer gegebenen Öffnung wahrnehmbar ist, dann am ehesten mit einem schnellen Refraktor dank dessen guter Transmission und dem schnellen Öffnungsverhältnis, das erlaubt, eine große AP an den Start zu bringen, die den Nebel entsprechend hell zeigt. Dann muss eben nur noch der Himmel passen.
Weiter:
Es handelt sich also um Rich Field-Spezialisten, die Beobachtungen ermöglichen, die denen von Großferngläsern, wenn auch mit stärkerem Farbfehler, ähneln.
Auch wenn die Feldstecher-Freunde Schluckauf bekommen, beim Feldstecher wird auch nur mit Wasser gekocht, und ergo zeigen die meisten Feldstecher auch Farbfehler, selbst teure ED Feldstecher sind da je nach Fabrikat und Objekt nicht astrein! Ich wäre sehr vorsichtig zu behaupten, ein Achromat habe per se einen stärkeren Farbfehler, denn meistens steckt im Feldstecher genau das drin: Ein schneller Achromat!
Bei diesen Geräten fällt mir ein, dass man unter Sternfreunden allgemein von einer spürbaren Qualitätsstreuung ausgeht, jedenfalls bei günstigen Geräten. Astigmatismus scheint des öfteren aufzutreten. Ob man es erwähnen sollte ist eine andere Sache, denn dann müsste man bei den anderen Klassen auch anfangen.
Dann wäre als Kleinigkeit noch der Tippfehler "une" statt "und" zu erwähnen.
Nun zu den Maks:
Die Bildschärfe und der Kontrast von Maksutov-Teleskopen ist sehr gut.
Ich wäre sehr vorsichtig, das so pauschal zu behaupten. Mir fällt mit dem "Deepsky Mak" auch sofort ein Gegenbeispiel ein. Wenn das Gregory-Design überzogen wird, geht die Abbildungsqualität drastisch in den Keller. Ist beim Gregory-Mak rein rechnerisch die Abbildung gerade noch beugungsbegrenzt muss ja der kleinste Justierfehler genauso wie die normalste Produktionstoleranz das Ding als nicht beugungsbegrenzt in die Gurkenecke stellen.
Ansonsten sind hier meine Anmerkungen schön umgesetzt und auch die Sache mit Großfeld und AP kommt gut verständlich rüber. Dunkle Deepsky-Objekte wegen kleiner AP ist dann ja auch eine exakte Beschreibung.
Bei den Newtons dann:
Diese Newtons haben von allen Spiegelteleskopen die beste Abbildungsqualität, da hier nur zwei optische Flächen vorliegen: eine aktive (Hauptspiegel) und eine passive (Fangspiegel).
Hier ist aus meiner Anmerkung irgendwie ein total verkorkstes Ding geworden. Die beste Abbildungsqualität von allen Spiegelteleskopen kann man einem Newton nun wirklich nicht bescheinigen. Das was ich anmerkte kann man nunmal nicht in einen Satz reinpressen, sonst kommt solcher Murks dabei raus. Worum es geht: Ein Newton lässt sich mit langsamem Öffnungsverhältnis und kleinem Fangspiegel bauen, so dass bei sehr guter Qualität der beiden Spiegel eine hervorragende, kontraststarke Abbildung herauskommt, die wirklich durch andere Spiegelteleskope nicht leicht zu toppen ist. Es spielen dann Spezialfähigkeiten eine Rolle, zum Beispiel kann der Schiefspiegler wegen fehlender Obstruktion auf der Achse kontrastreicher sein, wenn die vielen Spiegel richtig gut sind, aber im Feld fallen die Schiefspiegler meist schnell ab (ich wüsste jedenfalls keinen Schiefspiegler mit einer wirklich guten Feldkorrektur, bin da aber auch kein Experte, denn die Teile sind Exoten).
Die Feldkorrektur bekommt man aber mit anderen Systemen deutlich besser hin, sei es man nimmt sowas wie das von Rutten und van Venrooij vorgestellte asphärische Cassegrain (entspricht etwa dem ACF), oder man nimmt noch andere Systeme wie Astrografen. Auch ein Newton mit z.B. Wynne-Korrektor spielt mit denen mit, aber sie alle haben wieder größere Obstruktion, was bei Höchstvergrößerung den Kontrast drückt.
Weshalb man den Newton einfach nicht in einem Satz beschreiben kann ist, dass man ihn in jeder Richtung bauen kann: Als Planetennewton, als Richfielder, als Fotokanone oder eben als Allrounder.
Geht man vom f/6 Allrounder aus, worauf Dein Absatz ja eigentlich zielt, kann man sagen, dass die Abbildung über's Feld in Ordnung ist, wenn man die richtigen Okulare verwendet, und auf der Achse ist die Abbildung wirklich sehr gut und kontrastreich. Dabei gilt aber: Der Newton muss gut beherrscht werden, sonst wird schnell ein Mittelmaß-Teleskop daraus, je nachdem, wie empfindlich die jeweilige Variante des Newtons ist.
In den nächsten Absätzen geht es gut weiter.
Was den Koma Korrektor angeht, bei hoher Vergrößerung würde ich sagen, wird er "nicht unbedingt" gebraucht. Wenn ich M13 bei 1200mm mit 3,5mm Oku beobachte, sehe ich am Rand des Haufens die Nachlassende Bildqualität, wenn der Komakorrektor fehlt. Je nach Korrektortyp: Choose your poison - Schärfe auf der Achse, Schärfe im Feld oder beides und noch mehr Obstruktion!
So... nun wäre ich tatsächlich durch. Die Erweiterung des Linkangebots, die ja doch mal die durchaus noch verhandene Vielfalt des Marktes anreisst, halte ich für gut. Eine Anmerkung, die man in heutigen Zeiten noch anbringen könnte: Da die Geräte vielfach je nach Händler unter anderem Label vom gleichen Band fallen, sollte man vielleicht einige typische Beispiele von Ähnlichkeiten oder gar Baugleichheiten aufzeigen. Es gibt da etliche Beispiele.
Soweit meine neuen Anmerkungen, ich hoffe, der Nachschlag frustriert Dich nicht, aber mit dem ersten Kapitel bist Du ja auch klar gekommen!
Clear Skies
Sven