Hi Zusammen,
völlig korrekt, was Nepomuk schreibt.
Allerdings, "Fotos bei 500x" das kann man so nicht sagen. Die Vergrößerung ergibt sich ja beim Foto eigentlich erst dann, wenn man es betrachtet und ist selbst dann noch von Bildgrößer und Augenabstand des Bildes/Monitors/etc abhängig.
Also spricht man von Effektivbrennweite. Beim Kleinbildformat hatte eigentlich auch jeder Fotograf so einigermassen im Kopf, welche Effektivbrennweite welche Abbildungsmaßstäbe bedeutete. Also z.B. 2m= Sonne und Mond füllen kleine Achse des KB-Formates mit ein wenig Rand.
Kann man aber für die Digiknipsen alles in die Tonne hauen, denn erstmal sind die Chips unterschiedlich groß, dann haben die Pixel unterschiedliche Größen...
Und zum Schluß kommt der wichtigste Effekt, daß die Kamera-Optik fest Montiert ist und deshalb ihre eigene Rolle bei der dann notwendigen afokalen Fotografie spielt.
Weiter im Text. Als Beispiel mal ein chemisches Bild vom Mond:
Mare Nectaris, ca 100K
Das Bild habe ich vor gut 4-5 Jahren an einem 12" F/5 Newton gemacht, chemisch in Okularprojektion. Das hätte noch etwas schärfer sein können (mit Brille + Kamerasucher Dioptrienausgleich fokussiert <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smirk.gif" alt="" /> ). Aber, das war ein Abend mit Ausnahmeseeing. Viel mehr geht chemisch nicht. Digital hat man zwar kürzere Belichtungszeiten, aber wenn man afokal arbeitet, also zwischen Teleskop und CCD-Chip noch Okular und Kamera-Objektiv hat, dann kann das negative Einflüsse auf Kontrast und schließlich die Schärfe/Auflösung haben.
Hinzu kommt, daß so große Dobsons meist zwischen f/4 und f/5 liegen und das solche Optiken in "Planetenqualität" recht teuer sind. Mehr ärger gibt es mit der Fokussiererei, die Dobsons sind nicht für Fotografie gedacht und deshalb bieten sie oft nicht genügend Spielraum, um die Kamera in den Fokus zu bekommen. Wobei das auch sehr vom verwendeten Okular abhängt.
Zum Schluß kommt noch die Frage, wie sich denn die Kamera am Okular befestigen lässt. Es gibt nur für ein paar Digiknipsen "artgerechte" Teleskophalterungen. Da müsstest Du mal die Suchfunktion der entsprechenden Boards (am besten Kameratyp als Suchwort) durchackern.
Zum Schluß dann die herumdobserei. Bei der von Dir angestrebten Vergrößerung wird es arg schwierig, einen bestimmten Ausschnitt ins Bild zu holen. Der Mond wandert verflixt schnell.
Wenn Du in dieser Größenklasse eine Lösung willst, dann würde ich eine EQ-6 druntersetzen, die ist für Planetenfotografie wirklich gut.
Alles in allem eine Menge Probleme. Keine unlösbaren, aber der Schritt vom 76/700 zum 10" nur mit dem Ziel "Mondfotografie" erscheint mir doch sehr gewagt. Da kann man leicht eine Stange Geld in den Sand setzen.
Ich denke, wenn es um Planetenfotografie geht, dann wäre für wenig Geld und dennoch mit dem Anspruch "hohe Auflösung" ein 8" F/6 Newton auf einer motorisierten, parallaktischen Montierung (ich denke EQ-6, HEQ-5 halte ich für überfordert) ein gangbarer Weg.
Man sollte sich aber vor dem Kauf vergewissern, ob man bei afokaler Fotografie mit der Digiknipse in den Fokus kommt.
Zum Schluß trotzdem nochmal die Warnung: Sollte man wirklich nur für dieses eine Ziel Mondfotografie ein Teleskop kaufen? Will man damit nicht noch andere Dinge beobachten und fotografieren? Wenn nein wäre das ein teurer Spaß der womöglich schnell langweilig wird, weil die Fotografie immer einen verflixten Kampf mit Material und Wetter bedeutet.
Ein gutes Astrofoto, ob Mond oder Jupiter oder Hantelnebel oder... bedeutet immer Routine!
Und zwar Routine, damit man in der einen Nacht mit guter Durchsicht, gutem Seeing und einer freien Nacht im Terminkalender die Aufnahme ohne Fehler in den Kasten bekommt.
Bis man die Routine hat wird man viel mit dem Equipment herumprobieren, sich über die Kamera ärgern, und und und...
Es gibt da so eine Anekdote:
In finsterster Nacht mit besten Bedingungen kommt ein Nachtwanderer an zwei großen Kuppeln vorbei. In der ersten Kuppel hört er schwärmende Stimmen visueller Beobachter "Kontrast ohne Ende, ui die Filamente, hast Du das gesehen...?" Wie er weiter geht, kommt er zur nächsten Kuppel und hört Fluchen "[zensiert] Schneckenfehler, Mist, ich finde den Fokus nicht, ohje die Batterie vom Fadenkreuz ist alle..." denn die Fotografen hadern mit der Technik. Und hinter der 2. Kuppel steht ein Dobsonaut und alle 20 Sekunden hört man ein zischendes "Mist, wieder raus!".
Also, überlegt Dir gut, was Du da tust. Ich würde das so ad hoc nicht wagen. Such Dir besser eine Truppe Hobbyastronomen in Deiner Nähe (Volkssternwarte, etc., gibt's auf jeden Fall, das Ruhrgebiet ist voll davon) und beginne mit denen einen Erfahrungsaustausch. Das bringt viel mehr, als wir hier auf dem Board an Beratung in die Tastatur hacken können. Astrofotografie ist ein kompliziertes Ding.
Clear Skies
Sven