Einstieg in die Deepsky-Astrofotografie - Guiding ja oder nein?

Einen schönen Sonntag in die Runde.
Nachdem ich mich jetzt schon seit vier Jahren mit der Astrofotografie der Planeten beschäftigt habe, denke ich mehr und mehr darüber nach, in die Deepsky-Fotografie einzusteigen und mir ein entsprechendes Equipment anzuschaffen. Ich habe bereits eine astromodifizierte Canon EOS 1000D, mit der ich auf La Palma ein paar gute erste Bilder machen konnte. Als Montierung schwebt mir die Skywatcher EQ6-R vor, da viele vom Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt sind. Beim Teleskop bin ich mir noch nicht sicher, welches es genau werden soll, aber mein Ziel wäre es, sowohl größere Objekte wie Orion-Nebel, Andromeda, Plejaden etc. als auch die kleineren Sternhaufen, Kugelsternhaufen und Galaxien des Messier-Katalogs abzulichten und 600mm Brennweite scheint da ein guter Kompromiss zu sein.
Die größte Frage bei der Zusammenstellung meines Sets liegt gerade beim Guiding. Ich belichte relativ kurz, meist zwischen 30 und 60 Sekunden. Ist bei solch kurzen Belichtungszeiten und der oben angestrebten Brennweite ein Guiding absolut notwendig oder führt die EQ6-R so fehlerfrei nach, dass ich auch ohne Guidingscope runde Sterne erwarten kann, eine präzise Einnordung natürlich vorausgesetzt. Ich versuche, mein Einsteigs-Equipment so kostengünstig und einfach wie möglich zu gestalten. Wenn jemand Erfahrung mit der oben genannten Montierung hat, würde ich gerne davon lesen.

Klare Nächte,
Christian
 
Hallo Christian,
ich habe zwar keine EQ6-R, aber ich kann mir nicht vorstellen, das man damit ein Instrument mit 600mm ohne aktives Guiding über 60 Sekunden fehlerfrei nachführen kann. Ein kleines Guidescope mit vielleicht 200mm Brennweite und eine einfache Guidekamera sind keine so große Investition und lohnen sich auf jeden Fall. Dann kannst Du auch deutlich länger belichten, was für Deepsky-Objekte durchaus auch von Vorteil wäre. Kannst dich ja auch einmal in der Gebrauchtbörse danach umschauen.

CS DIetmar
 
Hallo Christian,

so kürzer die Brennweite oder größer die Pixel umso „gröber“ ist der Abbildungsmaßstab.

In deiner Kombination, EOS 1000D und einem Teleskop mit 600 mm Brennweite kommst du laut dem FoV Calculator hier astronomy.tools

auf einen Abbildungsmaßstab von knapp 2 Bogensekunden pro Pixel. Das könnte/müsste bei 30-60s Belichtungszeit mit einer gut laufenden EQ6 ohne Guiding zu schaffen sein, aber wahrscheinlich zwischendurch immer auch immer ein paar Frames Ausschuss produzieren. Die EOS hat mit 5,7 μm recht große Pixel.

Sobald dann eventuell mal eine dezidierte Astrokamera mit den üblichen 3,76 μm großen Pixeln dazu kommt, siehts direkt anders aus.

Für guiding reicht auch ein kleines, preiswertes 30mm Guidescope oder umgebauter Sucher und eine kleine ASI120 oder Touptek Kamera mit kleinem Sensor als Guidingkamera. Mit welcher Kamera hast du bisher Planeten aufgenommen? Die kannst du möglicherweise direkt als Guidingkamera verwenden.

Mit 30-60 Sekunden Belichtungszeit kommst du nicht sehr weit/tief, außer bei sehr hellen Objekten.

Grüße,
Alex
 
Hallo Christian,

zum Guiden brauchst du natürlich auch die entsprechende Software. Die eigentliche Frage ist eher, worauf die laufen soll. Willst du auf lange Sicht einen Mini PC am Teleskop nutzen oder nicht?
Ich persönlich kann es mir gar nicht mehr anders vorstellen und will den Luxus von plate solving, Autofokus usw nicht mehr missen. Aber vielleicht genügt dir auch ein MGEN am Sucher oder du verzichtest ganz aufs Guiding und belichtest so kurz wie nötig.

Viele Grüße
Christoph
 
Hallo zusammen,
Vielen Dank für die Rückmeldungen. Ich werde auf jeden Fall ein Guidingsystem in mein Deepsky-Equipment mit einbeziehen. Meine erste Planetenkamera war die ZWO ASI224MC, ich habe bereits gehört, dass sie sich auch als Guidecam benutzen lässt, dann hätte ich diesen Teil bereits abgedeckt. Für einen Mini-PC ist es meiner Meinung nach noch etwas zu früh, so was hole ich mir glaube ich erst, wenn ich darüber nachdenke, eine spezielle Astrokamera mit Filterrad und Autofokus anzulegen. Bis dahin werde ich vermutlich eher mit einer MGEN-3 arbeiten.
Nochmals Danke an alle hier. Viele Grüße und klare Nächte

Christian
 
Da musst du Dir keine Sorgen machen.
Wenn vernünftig eingenortet wurde funktioniert eine gut laufende EQ6 bis weit über 1000 mm Brennweite und ungefähr 60 Sekunden Belichtungszeit.

Ich selbst guide nie und nutze 30s mit ungenauer Einnordung bei 650-780mm Brennweite.
Nur mit Polsucher eingenordet schaffe ich auch 1.30-145.

Ein C8 Mit 2000mm Brennweite läuft problemlos bei 39-45s Belichtungszeit.


Wichtig sind große Pixel.
Eventuelle Tracking -Ungwbaugkeiten bleiben dann innerhalb des Pixels versteckt.

Ausprobieren. Was kann passieren?
Ein Guidescope und Billige Kamera für das Guuding kosten am Ende nur 150- 250.- Euro
 
Hallo Christian,

hier ein möglicherweise ganz netter Beitrag, er wird gegen Ende immer besser... LINK

Ideal eingenordet benötigt man erfahrungsgemäss auch bei 1000 mm Brennweite nicht unbedingt Guiding. Je näher das anvisierte Objekt zu Polaris steht, um so einfacher...

Viele Grüsse

Markus


(Nachtrag: Bitte nur die Nachführung beachten, nicht unbedingt die EBV:))
 
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