Wenn die Begeisterung jetzt schon da ist, und das aus eigenem Antrieb, denn Papa teilt die ja nicht, wird die Kleine jetzt wohl schon viel über die Sternbilder und Planeten gelesen haben. Womöglich hat sie auch schon einige draußen aufgesucht oder kennt sich sogar schon grob am Himmel aus, dann wird das nächste ein Fernglas sein.
Ich weiß noch meinen Anfang. 1962, ein Lehrer hatte erzählt, dass die Sonne und wir in 400000 Jahren mit Wega kollidieren würden, nun wollte ich unbedingt Wega sehen. Die Neugier war somit geweckt und ließ mich nicht mehr los. Sie war sogar so groß, dass ich meine Angst im Dunkeln überwunden habe.
Vielleicht sollten alle Beteiligten erstmal einen Gang zurückschalten. Das erinnert an erbitterte Grabenkriege zwischen Spiegel und Linse von denen ich glucklicherweise lange nichts mehr lesen mußte.
Für mich ist das Thema auch weniger zwischen altmodisch und modern, sondern mehr wie Buch und Film.
Wenn ich zuerst das Buch gelesen habe, finde ich die meisten Filme viel zu einseitig zurechtgekürzt.
Habe ich zuerst den Film gesehen, ist mir das Buch danach viel zu langatmig.
Was ist jetzt besser : Buch oder Film?
Es sollte allerdings erlaubt sein, die Vorteile und Unterschiede von Buch oder Film auch dann zu benennen, wenn man sich das Eine oder das Andere schon besorgt hat...
Gruß Horst
Ich sehe hier weder Grabenkampf noch eine Notwendigkeit zu irgendwelchen Entscheidungen zu Lagern oder Zugehörigkeiten. Smart Teleskope sind schlussendlich eine Erweiterung der Möglichkeiten und etabliertes Werkzeug in der Hobby-Astronomie. Nicht mehr und nicht weniger. Die Zeiten haben sich eben geändert und digitale Gadgets sind Alltag. Es gibt vermutlich von den unter 50jährigen nur selten Menschen, die nicht zu jeder Zeit ein Smartphone bei sich haben. Die Notwendigkeit der Kenntnis der umfänglichen und detaillierten Orientierung am Himmel verschiebt sich im Regelfall also, da Apps wie Stellarium sogar ohne Internet jederzeit Orientierung bringen. Und auch ich nutze sie immer noch zur Sicherheit, auch wenn ich bei meinem Alignment mittlerweile sehr sicher am Himmel bin.
Das Gesagte zu Fantasie und den persönlichen Wegen und Erfahrungen in allen Ehren. Es geht hier auch nicht um einen Konflikt zwischen Jung und Alt, oder einem Duell der Systeme Digital versus Optisch-visuell. Es geht aus meiner Perspektive um einen gesamtheitlichen Blickwinkel zu Zugang, Verfügbarkeiten und Entwicklung. Die Wahrscheinlichkeit, dass heutzutage noch jemand unabhängig und abseits klassisch-externer Indoktrination mit einem Fernglas in astronomische Beobachtung startet, tendiert nahezu gegen null. Ich staune daher immer wieder, wie derartig aus der Zeit gefallenes hier angenommen oder gar empfohlen wird.
Mit Verfügbarkeit moderner Technik sind die Smart Teleskope Einstiegspräferenz Nummer eins. Dafür gibt es hier im Forum, in der allgemeinen Presse und schlussendlich alleine an den ableitbaren Verkaufszahlen dieser Geräte keine faktischen Zweifel. Kalkuliert man das, kann man davon ausgehen, dass 90% der Einsteiger mit dem Smart Teleskop starten. Vor allem ZWO Seestar und Dwarf haben hier aufgrund der Preisgestaltung alles verändert und der breiten Masse zugänglich gemacht. Die ehemalige Frage nach "welches Teleskop" ist mittlerweile beinahe durch die Frage "Seestar oder Dwarf" verdrängt. Das hat einen Grund: Zugänglichkeit, Zugänglichkeit und nochmal: Zugänglichkeit!
Geschätzte Verkaufszahlen anhand Umsätzen oder evaluierbarer Verkaufszahlen:
Seestar: etwa 160000 -180000 Geräte/Jahr
DWARF: etwa 40000 Geräte/Jahr
Vaonis: etwa 20000 Geräte/Jahr
Unistellar: etwa 15000 Geräte/Jahr
Vergleicht man diese Zahlen mit der industriellen Produktion klassischer Teleskopsysteme, kann man vor allem einen wesentlichen Aspekt ableiten: Die Nachfrage nach den Smart Teleskopen ist gigantisch. Und zwar so gigantisch, dass vermutlich solche Margen von klassischen Teleskop-Produzenten aufgrund eines so gewaltigen Nachfrage-Gaps gar nicht bedient werden könnten!
Und genau an diesem Punkt steigt der klassische Hobby-Astronom scheinbar entweder gedanklich aus, fühlt sich verdrängt, diskreditiert oder denkt einfach nicht ausreichend weiter, weil er sich nicht in die Lage, noch - und das ist der wirklich relevante Punkt - in die völlig andere Lernkurve sowie digitale Affinität jüngerer Generationen hineinversetzen kann. Denn mit dem Kauf des Smart Teleskop ist die Geschichte ja sehr häufig nicht zu Ende.
Die Realität sieht nicht selten so aus, dass mit dem Smart Teleskop mit höchster Zuverlässigkeit einfach und schnell sehr gute Ergebnisse ohne wesentliche Vorkenntnisse erreicht werden. Das passiert zudem zu überschaubaren Investment. Mit 400-500€ ist man inklusive allem Zubehör dabei. Die visuelle Erfahrung eines Teleskops als optisches Instrument kennt der Einsteiger entweder nicht, oder sie sind in diesem Preissegment mit den niedrigschwelligen Ergebnissen des Smart Teleskops nicht konkurrenzfähig - zumindest anfangs - bis sich ein Verständnis für die Unterschiede etabliert.
Wo führt das ganze aber hin? In eine Abkehr von den klassischen Teleskopen? Mitnichten. Sicher, ein Teil der Smart-Teleskop-Nutzer wird das Interesse verlieren, verkauft es, lässt es verstauben - wie bei klassischen Teleskopen auch, die aber bei weitem nicht so niedrigschwellig bedienbar sind. Aber alleine aus der enorm großen Nutzerzahl generiert sich ein enormer Zustrom an Hobby-Astronomen - und damit auch eine nicht unerhebliche Gruppe die mehr wollen, in EAA einsteigen oder parallel visuell starten!
Nicht nur ich, auch "Ionisierter Wasserstoff" sind nur wenige, Foren-aktive User, die den Zugang reinweg über Smart Teleskope gefunden haben. Ich vermute, die Liste ist bedeutend länger, nur schreibt der Großteil das hier nicht. Und ja, die Lernkurve ist anders, nach dem "Smartie" in der Überlegung deutlich steiler - eben weil einem anfangs viel abgenommen wird. Deshalb aber nicht unmotivierend oder gar frustran, das Smart Teleskop ist ja immer noch da und generiert weiter einfach tolle Ergebnisse. Bei mir mündete das in einen EAA und in einen visuelles Setup, und dabei wird es nicht bleiben.
Wie man aber letztendlich beim Thema Smart Teleskop hier im Forum "empfangen" wird, wie hartnäckig sich nicht mehr zeitgemäße Überzeugungen mit Nachdruck halten, wie viel Ablehnung hier für digitale Medien und Geräte besteht, das finde ich in Teilen immer wieder arg bedenklich. Das wird in Summe locker von vielen anderen, tollen Mitforisten kompensiert - keine Frage! Etwas mehr Akzeptanz, Selbstreflexion zur eigenen Geschichte - und vielleicht auch hier und da die sehr deutliche Einsicht, dass der eigene Erfahrungsweg aus einer Zeit stammt, der heute aufgrund viel breiterer Möglichkeiten kaum, oder nur noch unter Akzeptanz - zeitgemäß ausgedrückt - unnötigen Herausforderungen - gegangen wird.
Bevor man also wieder mal sein Unverständnis zu Smart Teleskopen zum Besten gibt, sollte man ganz klassisch mal zum Himmel danken, dass diese Geräte unserem Hobby einen nie dagewesenen Zustrom und Zuspruch ermöglichen. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Thread hier, ich glaube Antares hat mich immer noch auf seiner Liste, weil ich seines Erachtens die Differenziertheit von Teleskopen nicht ausreichend verstanden hatte. Im Nachhinein muss ich schon schmunzeln, verstanden hatte ich es schon, aber nicht wie heute. Den Grundsatz was er mir nahelegen wollte, verfechte ich heute aber genauso. Ich habe mich eben nur von einer komplett anderen Seite angenähert.
CS
Thomas