Einzelbelichtungszeit vs. Gesamtbelichtungszeit

komposer

Aktives Mitglied
Hallo,

jetzt möchte ich das hier doch mal genauer diskutieren.
Häufig finde ich im Internet die Meinung: Es zählt nur die Gesamtbelichtungszeit
100 x 1 Sek. ist prinzipiell genauso gut wie 10 x 10 Sek.

Ich war da immer skeptisch z.B. auch durch meinen Plejaden-Frust: Plejaden EBV sehr schwierig
Bei den vielen guten Aufnahmen in der Bildergalerie lag die Einzelbelichtungszeit weit über 1 Min. teilweise sogar 3 Minuten.
Bei mir sind es durch die dürftige Nachführung nur 15 Sek.
Naja, es soll ja nur die Gesamtbelichtungszeit zählen also habe ich mehrere Stunden gesammelt, teilweise deutlich mehr Gesamtbelichtungszeit wie bei den tollen Beispielen aber ohne Erfolg.
Aber mein Equipment ist da ja auch dürftiger. Nun aber am 05.11.24, mehr durch Zufall, eine Bestätigung meiner Skepsis.

Ich habe den Orionkern mit dem 12" F5 Dobson aufgenommen.
Ich weiß die Einstellungen leider nicht mehr genau aber ich habe für die Trapezsterne ein Avi mit sehr kurzer Belichtungszeit (ca. 100ms) aufgenommen und anschließend nochmal mit ca. 1 Sek.

Kamera: Asi462mm (Extrem geringes Ausleserauschen, hohe Empfindlichkeit)
Gain ca. 200, Offset: 100
Aufnahmeformat: Avi (demnach wahrscheinlich 8bit)
Filter: IR Cut Sperrfilter

Hier jetzt die Summenbilder aus der Fitswork Stapelbearbeitung mit Methode Sigma addiert und etwas vorgestretcht und aufeinander angepasst:
1) 640x ca. 100ms
Zielbild-orionkern-mm-051124.jpg

2) 22 x 1s
Zielbild-orionkern-mm-051124hell.jpg


Ich wollte dann Bild Nr1 bearbeiten und wunderte mich über den harten Übergang vom hellen Nebel zum schwarzen Hintergrund.
Wo sind die feinen Nebel-Ausläufer ?

Eben habe ich erst die 22 hellen Lights gestackt und siehe da: Alles normal, feiner Nebel vorhanden.

Aber Wieso ?
Die Gesamtbelichtungszeit ist beim ersten Bild ja sogar höher.

Kann es sein, dass schwache Signale bei kürzerer Belichtunsgzeit doch nicht vom Sensor erkannt werden, obwohl der so empfindlich und rauscharm ist ?
Das würde auch meine Plejaden Ergebnisse erklären. Bei Gelegenheit würde ich da auch z.B. mal 60 Sek. belichten, nur um zu sehen ob dann mehr am Sensor ankommt.
Ob z.B. 1 x 60 Sek. doch mehr zeigt als 4 x 15 Sek.

Gruß,
Holger
 
Im Prinzip ist das doch klar. Jeder Sensor hat eine minimale Empfindlichkeit. Und die hat bei den kurzen Belichtungen und den schwachen Nebelausläufern noch nicht gereicht um im Sensor ein Signal auszulösen.
 
Danke für die Antwort,
genau das wäre auch meine logische Schlussfolgerung.

Wollte da noch etwas Schwarmwissen einholen.

Gruß,
Holger
 
Hi Holger,

ich sehe da das Problem eher woanders. Nachdem Du als 8 Bit Avi aufgezeichnet hast, hat die Kamera vermutlich sehr wohl ein Signal, das aber nicht gereicht hat, um die erste der 255 Helligkeitsstufen zu erreichen. Mit 16 Bit ( 65.536 Stufen) oder auch bereits 12 Bit (4096 Stufen) sähe der Vergleich vermutlich anders (recht gleich) aus.

LG Michael
 
Hallo Michael,

danke für den Hinweis. Da bin ich auch schon drüber gestolpert und unsicher wie viel das dann tatsächlich ausmacht.

Die Kamera kann 12bit, die Option in firecapture da ein Häkchen bei 16bit zu setzen macht da ja eigentlich ja keinen Sinn, oder ?
Ich hatte bisher Avi bevorzugt, da ich später immer mit virtualdub meine Bilder manuell aussortiert hatte.

Im Ser Format müsste ich wohl mit pipp alle Bilder als Tif speichern und dann die Bilder aussortieren.

Gruß,
Holger
 
Hallo Holger,

ich hatte mal einen Test gemacht, als ich beim Mond am Terminator zum Schwarz hin oft (immer?) eine sichtbare "Abrisskante" bemerkte, die auffällt, wenn man das Gamma hochdreht, ebenso bei dunklen Kraterschatten. Sie ist nach dem Schärfen häufig noch mit einem kleinen, hellen Rand verziert, der durch negative Komponenten der Dekonvolution entsteht. Als ich daraufhin mal in 16 bit aufgezeichnet habe, trat das Problem nicht auf. Meine Avis mache ich aber am Mond weiterhin in 8 Bit, weil ich da mit meiner ASI183mm auf die doppelte Framerate komme, was den Nachteil mehr als ausgleicht. Die 183mm hat auch nur einen 12 Bit ADC, aber das sind immerhin ja 16x mehr Stufen als 8 Bit. In den Mitteltönen macht sich das nicht bemerkbar, da beim Stacken das dort immer vorhandene Signal eh auf 16 Bit interpoliert wird, aber am Schwellenwert von 0 zu 1 macht es einen Unterschied. Deswegen ist es bei Planeten und anderem klassischem Lucky Imaging von hellen Targets kein Problem, da es ja nicht darum geht, schwächste Strukturen zu stacken, bei Deep Sky Lucky Imaging sieht es dann anders aus.
Interessant wären hierzu die Erfahrungen von Ralf, @003sec, der dazu sicher fundierter beitragen könnte als ich.
Forensisch nachgewiesen ist das von meiner Seite aber alles nicht, sondern nur meine Schlussfolgerung!

LG Michael
 
Also 8bit - 256 Stufen vs. 4.096 Stufen ist schon ein gewaltiger Unterschied und wäre auch meine Vermutung gerade an den dunklen, signalschwachen Übergängen.

Wenn du das Häkchen bei 16bit setzt werden alle Werte auf die 16bit Skala hochmultipliziert, ändert aber natürlich nichts am Signal oder dessen Auflösung. Macht es aber vielleicht dem ein oder anderen Programm leichter damit umzugehen und schafft möglicherweise Klarheit, je nachdem ob ein Bearbeitungsprogramm das intern hochskaliert oder mit der tatsächlichen Bitanzahl rechnet.

Grüße,
Alex
 
Danke Michael,

ich war auch gerade in der Garage am Rechner und habe einen kleinen Test gemacht.

Gain 200
5 x 1 Sek.
1. Avi
2. Ser
3. Ser mit Häkchen bei 16bit

Dateigrößen
1) 10364 KB
2) 10361 KB
3) 20722 KB

Dann mit Pipp in Tif´s umgewandelt und bei den Bildeigenschaften unter Details die Bittief angesehen.
1) 8 bit
2) 8 bit
3) 16bit

Die Kamera hat 12 bit das wird dann bei 3 wohl von der Software auf 16bit hochgerechnet ?

Interessant ist aber Ergebnis 2 !
Ohne Häkchen bei 16 bit werde die Bilder auch beim Ser Format in 8 bit geschrieben.
Dann gehen doch dabei aber 4 bit von den 12 bit verloren ?
Also ohne 16 bit zu aktivieren macht es keinen Unterschied ob Avi oder Ser aufgenommen wird.
Ist das generell so bei den Aufnahmeprogrammen ? ( ich verwende firecapture, z.B. sharpcap ? )
Können keine Zwischenwerte, also hier die von der Kamera gelieferten 12 bit im Ser Format geschrieben werden ?

Komisch, dass ich dazu bisher nichts im Internet gelesen habe. Das wäre doch wichtig zu wissen, dass man 16bit aktivieren muss damit die 12 bit nicht bei der Aufnahme auf 8 bit beschnitten werden.

Bei Planeten / Mond ist mir auch die fps wichtiger. Doppelte Dateimenge da ich 16 bit nehmen müsste obwohl die Kamera nur 12bit liefert ist mir da zu viel.

Gruß,
Holger
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi Holger,

ich glaube, mit dem Häkchen in Firecapture setzt Du den ADC der Kamera auf 8 bit. .Ser kann als Format 8 und 16 Bit, wenn dann 8 bit ankommen, speichert es 8 bit, wenn 12 bit ankommen, interpoliert es auf 16 Bit. So mein Verständnis. Deswegen ist meine 183er bei 8 Bit auch deutlich schneller, weil weniger Daten über USB transferiert werden müssen und auch beim Speichern keine Umrechnung stattfindet. Disclaimer: Zumindest wieder meine Vermutung!

LG Michael
 
Also 8bit - 256 Stufen vs. 4.096 Stufen ist schon ein gewaltiger Unterschied und wäre auch meine Vermutung gerade an den dunklen, signalschwachen Übergängen.
Danke Alex.
Vielleicht ist das auch mit ein Grund bei meinen 15 Sek. Plejaden Bildern.

Ich bin jetzt richtig motiviert das mal konkret auszutesten damit auch für andere etwas mehr Klarheit geschaffen wird.

Plejaden mit 135mm Objektiv abgeblendet auf F5.4:
15 Sek. / 60 Sek. Avi 8bit vs. 15 Sek / 60 Sek Ser 16 bit

Oder auch nochmal den Orionkern mit dem 12er Dobson.
Da vielleicht mit 0,1s & 1s

Gruß,
Holger
 
Zuletzt bearbeitet:
ich glaube, mit dem Häkchen in Firecapture setzt Du den ADC der Kamera auf 8 bit.
Nein, das habe ich ja gerade getestet. Normal habe ich da kein Häkchen bei 16bit gesetzt und es werden auch im Ser Format 8bit aufgenommen.
Als ich dann eben extra das Häkchen dort gesetzt hatte war dann auch das File doppelt so groß und die Bilder hatten 16bit.

Gruß,
Holger
 
SharpCap kann auch nur 8 oder 16bit.


Wenn man 8bit anwählt (bspw. Mono8), werden nur 8bit ausgelesen, wie Michael schon schreibt, was den USB-Traffic verringert. Wenn man 16bit auswählt (Mono16) wird die max. Bitzahl der Kamera verwendet und wenn nötig auf 16bit hochgerechnet. Dazwischen gibts nichts, was sich ja mit deinem Erfahrungen und Umwandlung in PIPP deckt.
 
Hi Holger,

da hatte ich mich wohl missverständlich ausgedrückt. Ich meinte: Häkchen an = ADC Kamera 16bit, Häkchen aus: ADC Kamera 8 bit.

LG Michael

Edit: Alex war schneller
 
Hallo Holger,
dein Problem bei den Plejaden ist doch längst geklärt. Du hast 25 mm Öffnung, da kommt ganz einfach nicht viel rein.
Was die Kurzbelichtungen angeht, so muss man eine "Schwelle" überschreiten. Nicht den ersten Grauwert von 256, sondern die Hintergrundlimitierung. Der Sensor hat ja schon einen Offset. Wird oft als Helligkeit übersetzt, aber das ist eine "Vorspannung"und sollte nicht auf "0" stehen. Wo jetzt genau die Hintergrundlimitierung anfängt, darüber gibt es versch. Meinungen. Wenn ich in meinem Summenbild einen Staubflecken sehe, dann bin ich m.M.n. hintergrundlimitiert, oder, wenn die Ecken dunkler werden, etc. Das kann nur jeder für sich selbst ermitteln. 100 ms sind aber definitiv zu wenig. Ich habe bei meinem 16er (viel Licht !!) und ohne jeden Filter, bei Bortle 5-6 eine Limitierung (Streulicht aus der Stadt) bei 250 ms. Bei 8" sind das dann vermutlich schon 1000 ms mit Filter das doppelte, bei Schmalband des 10-fache, ganz grob. Bei Bortle 4-5 kommt die Limitierung noch mal später. Wenn man eine Reihe macht, 1000 x 500 ms , 500 x 1 s , 250 x 2 s usw., dann kann man sehr gut den Übergang sehen, ab dem die Photonen auch wirklich ankommen bzw. detektiert werden. Alle Bilder auf den gleichen Rauschwert bringen und das Signal beurteilen.
Mit 8 oder 16 Bit hat das m.M.n. nichts zu tun. Wenn wir den Gain hoch eingestellt haben, dann liegt die Full-Well-Kapazität ja nur bei einigen 100 bis 1000 Photonen. Bei der ASI715 sind das bei maximalem Gain 12 (!!) Photonen, die kann ich gut mit 8 Bit auslesen. Etwas anders sieht da bei Gain "0" aus und viel Licht, da machen 16 Bit (12 Bit) schon Sinn. Bei der Sonne mache ich das z.B. Echte Astrokameras haben eine sehr hohe FW-Kapazität, da machen 16 Bit bei langen Belichtungen sehr viel mehr Sinn.
Richtig kompliziert wird das bei ISO-invarianten Kameras. Also auch vielen ASIs. Da gibt es eine Schwelle, die man mit dem Gain überschreiten muss, damit das alles Sinn macht.
Und dann ist da noch die Sache mit dem Ausleserauschen. Bei 1000 Bildern addiert sich das natürlich gegenüber 1-mal auslesen. Die Werte sind zwar heute sehr klein ~ 0,7 bis 2,5 Elektonen, aber mal 1000, .... mal 10000 .... Kleinvieh macht auch Mist. Das ganze macht aber dennoch Sinn, weil die (hoffentlich) höhere Schärfe, wieder zu einem besseren Signal-Rausch-Abstand führt, also letztendlich die Aufnahme tiefer wird, wenn die Details nicht auf 5x5 Px verschmiert werden, sondern vlt. nur auf 3x3. Mehr Licht also für jedes Pixel.
Viele Grüße
ralf
 
Danke Ralf für die auführliche Erklärung.

Das mit 16 bit eher bei gain 0 hatte ich auch schon mal gehört.
Hier hatte ich aber 200, also eher hoch. Laut Datenblatt schaltet sich der HCG Mode automatisch ab gain 80 ein.
Darüber würde ich also immer gehen, da es dort einen Sprung beim Ausleserauschen gibt.

Ja richtig. Ich wollte die Trapezsterne nicht überbelichten, hätte da aber besser den Gainwert von 200 auf z.B. 100 reduzieren sollen um die Belichtungszeit dann erhöhen zu können.

Theorie hin oder her, ich bin jetzt irgendwie angestachelt das in der Praxis zu testen / zu vergleichen.
Natürlich ist jetzt wieder alles dicht aber bei der nächsten Gelegenheit werde ich wahrscheinlich die oben genannte Testreihe durchziehen.

Gruß,
Holger
 
Hallo Holger,

dass man mit kürzeren Belichtungszeiten in den tiefen Bereichen weniger sieht, liegt einfach daran, dass man das Kamerarauschen bei jedem Bild mit addiert. Das reduziert das Signal-Rausch-Verhältnis, das ausschlaggebend ist, ob man eine Struktur wahrnehmen kann oder nicht. Rauschen ist ein statistischer Prozess. In dem Fall ist das Rauschen einfach die Wurzel des Signals. Das kann man also einfach alles selbst berechnen.

Ich mache mal ein einfaches Beispiel: ich habe diese Woche NGC 7331 aufgenommen mit einer Kamera mit einem IMX571 Chip, der 1,4e- Ausleserauschen hat. Die Kamera ist gekühlt, also tritt kein zusätzliches thermisches Rauschen auf. Aufgenommen habe ich Luminanz mit 60s pro Frame. Der Median im Himmelshintergrund lag bei 118e-. , das Rauschsignal der Kamera bei 1,4^2 also ungefähr 2e-. Also liefert mir mein lausiger 20,8mag Himmel in 60s ein Signal von 116e- pro Pixel.

Wenn ich einen 60s Frame mache, rauscht mein Hintergrund also mit Wurzel aus 116=10,8e-, meine Kamera mit 1,4e-. Zusammen rauscht mein 60s Bild mit 10,86e-. Das Kamerarauschen macht also praktisch keinen Unterschied. Angenommen ich habe irgendwo im Bild ein Objekt mit Signal-Rauschverhältnis von 1:1. Also das Objektsignal liegt bei 10,86e- über dem Hintergrund. Das kann man noch gut wahrnehmen und herausarbeiten. Da ist es egal ob der Hintergrund nun mit 10,8 oder 10,86e- rauscht. Man sieht nicht ob mein SNR 1:1 oder 1:1,06 ist.

Jetzt nehme ich mal 60 Frames mit 1s auf. In dem Fall liefert mir der Hintergrund noch 2e-, also genauso viel wie die Kamera. Das Rauschen von Hintergrund und Kamera ist gleich bei 1,4e-. Insgesamt rauscht mein Hintergrund nun mit 2e- und erzeugt ein Signal von 4e-. Wenn ich das nun stacke, liegt mein Hintergrundsignal nicht mehr bei 118e-, sondern bei 240e-. Und das Rauschen liegt nun bei 15,5e-, nicht mehr bei 10,86e-. Das SNR ist nun nicht mehr 1:1, sondern 1:1,42. Um auf das selbe SNR zu kommen wie mit dem 60s Frame müsste ich in Summe doppelt so lange mit 1s belichten, wenn der Himmelshintergrund genauso stark rauscht wie die Kamera.

Ob nun 1:1 oder 1:1,42, mein Objekt würde man noch wahrnehmen können, wenn auch nicht mehr so gut. Wenn ich nun 600 Frames mit 0,1s aufnehmen würde, käme ich auf ein SNR von nur noch 1:3,3. Da wäre das dann schon grenzwertig, ob man da noch was sieht oder nicht.

Wenn ich jetzt länger als 60s belichten würde, würde das im Endeffekt mein SNR im Resultat nicht mehr groß beeinflussen, da das Rauschen der Kamera so wenig beiträgt, dass es keinen wahrnehmbaren Unterschied mehr macht. Generell sagt man, dass ab einem Verhältnis Kamerarauschen zu Himmelshintergrundrauschen von 1:3 im Resultat kein wahrnehmbarer Unterschied mehr festzustellen ist. In meinem Fall habe ich mit 60s viel länger belichtet als notwendig. Das Verhältnis war hier 1:7,75. Um auf die 1:3 Faustregel zu kommen hätte ich nur etwa 9s belichten müssen.

Der Kern des Orionnebels ist aber so hell, dass der bei mir nach 30s schon in die Sättigung geht. D.h. bloß weil dein SNR wegen der kurzen Belichtungen vielleicht ein Drittel schlechter ist als es sein könnte, heißt nicht, dass da gar nichts mehr zu sehen ist. Ich vermute daher, dass das eher von der 8-bit Aufnahme kommt. 8-Bit liefert eigentlich nur dann verlustfreie Resultate, wenn du dein Gain so hoch drehst, dass deine Farbtiefe unter 256 ADU geht. Darüber hast du grad in den schwachen Bereiche massive Quantisierungsverluste. Wenn deine Farbtiefe bzw. dein Fullwell bei 1000 ADU liegt, wird dein Signal durch 4 dividiert und gerundet. Ich würde also eher darauf tippen.

Grüße,
Joachim
 
Danke Joachim,

wieder etwas dazugelernt. Die 100ms waren natürlich extrem niedrig, jetzt kann ich besser nachvollziehen, dass sich da dann auch das geringe Ausleserauschen der Asi462mm bei über 600 Frames bemerkbar machen kann.
Mit 8bit / 16 bit bin ich immer noch nicht sicher. Gain war mit 200 schon sehr hoch eingestellt.
Wenn ich nur mit Sperrfilter aufnehme gehe ich da aber meist auf 100-150 runter.

Den Test werde ich wahrscheinlich bei gain 150 oder 200 machen.

Gruß,
Holger
 
Bei Gain 200 bist du bei der 462 bei einer Farbtiefe von ca. 1000 ADU wie in meinem Beispiel. Da lohnt sich 16bit auf jeden Fall noch.

Das mit 16 bit eher bei gain 0 hatte ich auch schon mal gehört.
Das gilt nur, wenn man hintergrundlimitiert belichtet. Denn dann hat man den maximalen Dynamikumfang nutzen. Wenn man kurz belichten muss, nimmt man sich die Belichtungszeit, die man erreichen kann und regelt entsprechend das Gain soweit hoch, bis die ersten Sterne in die Sättigung gehen oder man in einen Bereich kommt, wo man das Offset schon auf Maximum hat und trotz dem noch Null-Pixel im Bias auftreten. In der Regel ist das in etwa das, was der Händler aus als Lowest Readnoise Gain angibt.

Ich mache das bei mir auch so ähnlich. Deswegen belichte ich unter anderem auch länger als notwendig. Ein anderer Grund ist einfach, dass ich nicht so viel Datensalat habe. Da zieht immer mal eine Wolke durch und das muss man dann alles sichten vor der Bearbeitung. Ich lasse das ja automatisch über die ganze Nacht laufen. Das läuft dann halt auch wenn mal ein Kondensstreifen durchzieht.
 
Hallo,

ich fasse meine Rückschlüsse mal etwas zusammen.
Wahrscheinlich spielen da bei mir mehrere Faktoren mit rein.

Ich bin durch meine alte EQ2 mit Selbstbaumotor in der Belichtunsgzeit begrenzt. Bei 135mm liegt die z.B. bei 15 Sek. um eine Verwendungsrate von über 80 % zu gewährleisten.
Kürzere Belichtungszeiten sorgen für mehr Lights und damit wird auch mehr Ausleserauschen addiert.
Außerdem kommt in weniger Belichtungszeit weniger Signal am Sensor an und da ist der 8bit Modus nochmal problematischer.

Allerdings gehe ich je nach Sitaution mit dem Gain Wert hoch, damit ich überhaupt etwas vom Objekt sehen kann.
Full well geht dabei in den Keller und helle Sterne brennen schneller aus.
Dafür sinkt das Ausleserauschen.

Ist alles nicht so einfach.
Eine Änderung ist aber auf jeden Fall leicht umzusetzen: 16bit Ser Format anstatt 8bit Avi.
Noch zur Info: Offset habe ich auf 100 gesetzt, kenne mich damit aber nicht aus, hatte nur gehört, dass man nicht 0 nehmen soll.

Gruß,
Holger
 
Ich bin durch meine alte EQ2 mit Selbstbaumotor in der Belichtunsgzeit begrenzt. Bei 135mm liegt die z.B. bei 15 Sek. um eine Verwendungsrate von über 80 % zu gewährleisten.
Bei 15s und den f/5,4 deines Objektivs bist du mit deiner Kamera in der Luminanz sehr wahrscheinlich schon hintergrundlimitiert. Da ist es dann egal, ob im Forum Aufnahmen mit 3min oder mehr sind. Das macht keinen Unterschied. Du hast einfach nur mehr Daten zu verarbeiten.

Viele nehmen auch mit älteren DSLRs auf, die viel stärker rauschen, weniger empfindlich sind und zusätzlich noch eine Bayermatrix haben. Da muss man auch länger belichten. Ich selbst habe meine Belichtungszeit weniger wegen der hintergrundlimitierung gewählt. Das ist mit den aktuellen Kameras sowieso kein Problem mehr. Bei mir sind das eher praktische Gründe.

Theoretisch könnte ich mit meinem Setup auch die 2000s aufnehmen, die die Kamera als maximale Belichtungszeit erlaubt und hätte trotzdem noch runde Sterne. Runde Sterne oder Hintergrundlimitierung ist also nicht das Problem. Mit 2000s kriege ich halt keine 12 brauchen Frames pro Kanal zusammen. Da ist dann mal ein Kondensstreifen drin oder das Wetter spielt nicht lange genug mit.

Mit meiner EQ Plattform ist das dann wieder anders. Da habe ich zwar nach 10s auch noch akzeptabel runde Sterne, aber irgendwie überträgt sich da eine Vibration, die die Sterne aufbläht. Mit einer Sekunde läuft das ganz gut, mit zwei Sekunden habe ich schon einen gewissen Ausschuss. Das sind aber auch 1,5m Brennweite. Wenn ich auf die Plattform einfach ein Fotostativ stelle und 50mm Brennweite aufnehme, könnte ich vermutlich auch hintergrundlimitiert arbeiten.

Das würde ich mir an deiner Stelle überlegen. Da du ja eh schon den EQ1 Motor hast, brauchst du eigentlich nur eine PVC Zahnstange und ein passendes Zahnrad. Die Plattform läuft dann wahrscheinlich besser als deine Fischertechniknachführung. Du musst halt dann nur alle Stunde neu ausrichten.

Noch zur Info: Offset habe ich auf 100 gesetzt, kenne mich damit aber nicht aus, hatte nur gehört, dass man nicht 0 nehmen soll.
Das kann man eigentlich super einfach einstellen. Geht auch aus dem Wohnzimmer. Einfach sein gewünschtes Gain einstellen und Bias machen. Dann das Offset solange erhöhen bis in der Statistik keine Nullpixel mehr angezeigt werden. Das ist dein Offset. Das muss man einmal machen für jedes Gain. Danach kann man den Wert einfach immer wieder übernehmen. Am besten nimmst du dafür NINA. Das liefert dir die Anzahl der Nullpixel direkt in der Statistik der aktuellen Aufnahme.

Bei hintergrundlimitierter Belichtung spielt das meiner Meinung keine Rolle, ob das genau passt oder nicht. Da ist der Hintergrund ohnehin so hell, dass da prinzipiell keine Nullpixel mehr entstehen können. Die Nullpixel kommen ja aus dem Auslesevorgang. Dort kann das Rauschen Ausreißer enthalten, die einen Wert unter null liefern und im Resultat zu einem Nullpixel führen.

Interessant ist das eher bei höheren Gains und kurzen Belichtungszeiten, wo der Hintergrund mehr oder weniger dem Bias entspricht. Speziell bei sehr hohen Gains sollte man das genau einstellen oder muss sogar Kompromisse eingehen, da man sonst spürbar Dynamikumfang einbüßt. Ansonsten ist das aber eher unkritisch. Selbst bei hohen Gains ist das nicht so der Gamechanger. Da hat man so viele Bilder, dass die Nullpixel in der Summe wenig Unterschied machen. Die sind ja immer an einer anderen Stelle und so viele sind da auch bei Offset null nicht. Ist halt ein weiterer Baustein, den man optimieren kann. Die einzelnen Bausteine wirken sich aber weniger aus. Die Bausteine in der Summe machen den Unterschied.
 
Hallo,

Da du ja eh schon den EQ1 Motor hast, brauchst du eigentlich nur eine PVC Zahnstange und ein passendes Zahnrad. Die Plattform läuft dann wahrscheinlich besser als deine Fischertechniknachführung.
Nein habe ich nicht. Ich habe mir für die alte EQ2 ein Getriebe gebastelt und dazu einen kleinen Getriebemotor für ca. 7 Euro gekauft.
Hier einmal ein aktuelles Bild von heute:
antrieb-2seiten-071124c.jpg

Ich war mir unsicher welcher aktuelle Schrittmotor bei der alten EQ2 passt. Mit dem Netzteil kann ich die Drehzahl sehr gut einstellen.

motor-071124.jpg

Mini Getriebemotor N20 RC 3D-Druck 3-12V, 15-1000 RPM (6V 15RPM)

Ich bin damit aktuell sehr zufrieden, läuft wirklich gut. Viel längere Belichtunsgzeiten werden neben dem Motor bestimmt auch mit der alten EQ2 und dem Schneckenspiel nicht so einfach möglich sein.

Die Plattform ist mir für einen Antrieb einfach zu dürftig gebaut:
plattform-071124c.jpg

Ich hätte damals beim Bau niemals gedacht, dass ich damit auch 1-2 Sek. Deepsky aufnehmen kann.
Ich ziehe halt den Dobson / die Plattform mit dem Hebel langsam zur Seite und kann so konstant nachführen.
Das läuft erstaunlich gut und ruckelfrei.
Beim 12" F5 Dobson ist übrigens schon bei 1 Sek. viel mehr Nebel im Livebild zu erkennen aber das hat Ralf ganz gut erklärt.
Nicht nur das Öffnungsverhältnis zählt sondern auch die Öffnung selbst. Ich dachte da immer, dass dies nur mehr Auflösungsvermögen bringt.
Aber mit der 25mm Öffnung des abgeblendeten 135mm Objektivs kann ich anscheinend nicht so viel Signal einfangen wie mit 300mm Öffnung bei 1500mm Brennweite. (F5,4 zu F5 ist ja ungefähr gleich)

Bei 15s und den f/5,4 deines Objektivs bist du mit deiner Kamera in der Luminanz sehr wahrscheinlich schon hintergrundlimitiert.
Also wohl kein Unterschied zwischen z.B. 4x15 Sek zu 1x 60 Sek zu erwarten.
Ob da dann bei 15 Sek 8bit zu 15sek 16bit ein Unterschied zu sehen sein wird ?

Ein Praxistest mit den 135mm Objektiv an den Plejaden wird es hoffentlich zeigen.

Gruß,
Holger
 
Hallo Holger, hallo Joachim,
im Grunde wird ja die Bittiefe bei jedem zusätzlich gestackten Bild um 1 Bit erhöht. Ich habe zwischen 8 und 16 (bzw.10/12) im Summenbild (Deep-Sky) noch nie Unterschiede gesehen.
Etwas anderes, nur um es nicht deiner Nachführung anzulasten, Holger:
Deine Sterne in M42 sind etwas eirig. Ich bin fast sicher, dass das nicht deine Montierung schuld ist, sondern die Refraktion der Lufthülle. Und ganz nebenbei, das Bild enthält noch eine Menge Information. Ich konnte das JPG noch schärfen und fand viele spannende Dinge ;-) Wenn dich also die kurzen und ultrakurzen Belichtungen angefixt haben, dann mach da weiter.
VG ralf
 
Hallo Ralf,

Ich konnte das JPG noch schärfen und fand viele spannende Dinge ;-) Wenn dich also die kurzen und ultrakurzen Belichtungen angefixt haben, dann mach da weiter.
Weiß ich, hatte das nicht komplett bearbeitet.
Hier z.B. das Farbbild mit der Asi120mc bearbeitet:
orionkern-mc-051124c.jpg

Oder im IR Bereich mit den Protosternen:
orionkern-ir-051124c.jpg

Durch die Korrektur der eirigen Sterne sind noch Artefakte drin. Das war auch nur ein Test. Orion stand noch sehr tief, Seeing auch schlecht.
Wenn dich also die kurzen und ultrakurzen Belichtungen angefixt haben, dann mach da weiter.
Das mache ich ja schon länger.
Den Orionkern hatte ich auch schon einmal aufgenommen, da stand er auch höher im Süden:

Gruß,
Holger
 
Plejaden mit 135mm Objektiv abgeblendet auf F5.4:
15 Sek. / 60 Sek. Avi 8bit vs. 15 Sek / 60 Sek Ser 16 bit
So heute konnte ich das endlich testen.
Hier die Einzelbilder:
15s 8bit
Deepsky_291124_183934_f01.jpg

15s 16bit
Deepsky_291124_184456_f01.jpg

60s 8bit
Deepsky_291124_185724_f4.jpg

60s 16bit
Deepsky_291124_190228_f1.jpg


Summenbilder: 20 x 15s und 5x60 Sek. = jeweils 5 Minuten Gesamtbelichtungszeit.
Leider war bei den 60sek Lights jeweils ein verwackeltes dabei, habe das aber dennoch gestackt.
Für einen besseren Vergleich habe ich die Summenbilder aufeinander angepasst also ähnlich hell gestretcht.
Hier das Ergebnis:
plejaden-test-291124.gif


Tja, mein Fazit: Alles egal, kein Vorteil von 16bit zu 8bit und auch nicht bei 15s vs 60s.

Gruß,
Holger
 
Hallo,

ich habe gestern ja weitere Aufnahmen gemacht, diesmal in SER Format mit 16bit aber auch da kann ich keine Vorteile erkennen.
Ich werde wahrscheinlich wieder in Avi aufnehmen, kleinere Dateien und ich kann die Avis wieder in virtualdub öffnen.

Gruß,
Holger
 
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