Moin,
generell kann ich von der Verbindung von PC-Kompaktnetzteilen und anderen elektronischen Komponenten nur abraten. Nach Auffälligkeiten mit mehreren Laptops ("Zwirbeln" wenn man zwei gleichzeitig berührt) habe ich mehrere (HP, Lenovo) gegeneinander und gegen Erde vermessen. Zwar halten alle die VDE-Regeln betreffend Schutzisolation ein (daher auch der Eurostecker), aber DC-seitig lassen sich mehrere 10V Potenzialunterschied zwischen den einzelnen Netzteilen gegeneinander und gegen Erde feststellen. Das tritt nur bei Netzbetrieb auf. Durch die hohen Taktfrequenzen der Schaltnetzteile werden Spannungen über die galvanische Trennung hinweg gekoppelt, zwar nur mit kleinsten Leistungen, aber für empfindliche Computerchips reicht das, am Unterarm kribbelt es lediglich ...
Da z.B. USB oder RS232C-Stecker ihre Masse auf das Chassis des Rechners beziehen, anders versorgte Geräte aber auf ihre eigene Masse, z.B. die der 12V-Versorgung, können hier schädliche Potenzialunterschiede auftreten, die durchaus elektronische Bauteile zerstören können.
Daher:
Batteriepack laden, ohne angeschlossene Verbraucher.
Mit dem Netz direkt verbundene Geräte nicht via Datenleitungen mit fremdversorgten Geräten verbinden, es sei denn über eine galvanisch getrennte Verbindung (Glasfaserstrecke) oder das netzbetriebene Gerät am Trenntransformator (also erdfrei).
Alle 12V-Verbraucher, ggf. mit Spannungswandler,
- aus einer Quelle versorgen,
- pinibel auf die richtige Verkabelung achten,
- nur sternförmig versorgen,
- keine Schleifen!
- ausreichende Querschnitte und gute Stecker.
Insofern sind die zentralen Versorgungsgeräte die sich immer mehr verbreiten eine gute Sache, Wenn man dann noch 12V-Masse mit dem Teleskop verbindet ist man final auf der sicheren Seite.
Das war immer die Maxime zu meiner Zeit im Messdienst in der Versuchsanstalt München der DB, quasi das erste was man von den Messmeistern eingebläut bekam. So vermeidet man Einkoppelungen und Fremdspannungsschäden an den teuren Geräten.
Der Hinweis, dass die Ladeschlußspannungen einfacher Ladegeräte deutlich über den max. 13,8 / 14,2V liegen, die sie haben sollten, kommt hinzu!
CS
Jörg
Hi Joerg,
Im Prinzip stimme Ich die zu 90% zu.
Bei mir haengen alle Verbraucher auch alle an einem guten 12V 10A Netzteil, dass nur mit 5A Spitzenstrom ausgereizt wird.
Mit einer Ausnahme: Der Montierung.
Ich habe schlechte Erfahrungen damit gemacht, die Montierung und die restliche Elektronik (speziell die Kameras) am selben DC-Schaltnetzteil zu betreiben.
Viele Montierungen sind sehr uebel entstoert und bringen viel Mist auf die Stromversorgung. Gerade Stepper-Treiber haben es in sich: Manchmal reicht es selbst bei getrennten Netzteilen ein USB3 Kabel nur nahe genug am Stepper-Motorkabel entlang zu fuehren und der gesammte USB3 Bus geht bei einem Slew in den Brownout. Das hat mich vor 3-4 Jahren einmal an paranormale Vorgaenge glauben lassen, bis da eine naechtelande Suche mit Oszi Klarheit geschafft hat.
Inzwischen sind auf allen meinen Motor-Kabeln mit Steppern Mantelwellensperren.
Weiterhin laufen viele Montierungen (muss natuerlich explizit im zugelassenen Spannungsbereich sein) mit 16-24V wesentlich besser (insbesondere mit Steppern), weil mehr Drehmoment bei i.d.R. kleineren Dauerstroemen.
Nochmal Klartext zur Sicherheit: Muss natuerlich explizit darauf ausgelegt sein.
Daher kommt man oft kaum darum herum, eine 12V "Astroelektronik" Versorgung und z.B. eine 24V Montierungs-Versorgung zu betreiben und diese ueber die USB-Masse galvanisch zusammenzufuehren. Aber auch hier gilt: USB-Kabel zur Montierung hat (oder bekommt) Mantelwellensperren.
Bisher hatte Ich damit in den verschiedensten Konstellationen damit noch keine groesseren Probleme.
Ansonsten stimme Ich deinen Verkabelungstipps voll zu, keine Netze, Schleifen, Loops, und Querverkabeltes Gedoens, insbesondere nicht mit USB (wegen gemeinsamer Masse), sondern saubere Baumverkabelung in Sternform.
Ein ganz grosses Uebel sind diese meterlangen USB-Verlaengerungen, wo dann mit "USB-Ueberlandleitungen" das Erdmassepotential des Wohnhauses (computer im Warmen) mit dem des Geraeteschuppens gekoppelt werden, an dem dann die Montierung haengt.
Bei mir geht inzwischen hoch zum Teleskop nur noch ein Ethernetkabel (Ethernet ist inhaerent galvanisch getrennt) und eine 12V Leitung, und das war's. Die Montierung wird dann "unten" ueber Ethernet (und nicht USB) galvanisch getrennt angesteuert und ist an einer eigenen Stromversorgung angehangen. Inzwischen fuer mich der Koenigsweg. Geht natuerlich mit der EQ6R-Pro nicht ueber Kabel, aber bei den neueren Modellen ueber Wifi.
Darueberhinaus moechte Ich eine gemeinhin eher unterschaetzte Quelle kaputter Montierungsplatinen ergaenzen:
Im Magnetfeld der Spulen eines laufenden Steppers steckt schon einiges an Energie, die i.d.R. wieder glimpflich "irgendwo hin muss".
(I) Gerade Steppertreiber moegen es i.d.R. ueberhaupt nicht, wenn man unter Last (z.B. voller GoTo-Slew) den Stecker zu den Motoren knallhart abzieht. Der letzte noch verbundene Pin bekommt die Gegeninduktion ab...
Manche Montierungsplatinen haben zwar ESD-Dioden (die dann diese Energie in einem hoffentlich grosszuegig bemessenen Kondensator abladen koennen....), aber selbst damit sollte man das tunlichst lassen. Schon gar nicht sollte man sich den beherzten Griff zu den Motor Kabeln als "Notaus" im Falle einer Kollision angewoehnen.
(II) Je nach Treiberchip ist es auch keine gute Idee unter voller Last (z.B. voller GoTo-Slew mit Schmackes) die 240->12V Versorgung abrupt zu unterbrechen, wenn noch voller Strom durch die Spulen der Motoren geht. Hier ist zwar "Zack Stecker raus" beim Schwenken nicht so kritisch wie (I), aber auch das sollte eine Ausnahme bleiben und nicht die Regelwerden.
(III) Bei angeschlossenem Motor-Kabeln zur Stepper-Treiberplatine im Rahmen von Wartungsarbeiten oder haendischen-Kurbelgoto-Experimenten mit flexibler Welle irgendwie die Steppermotoren von Hand zu drehen. Sind keine ESD-Dioden vorm Treiber, dann war's das i.d.R. ganz schnell.
Montierung parken, alles steht still und dann ausschalten ist der sichere Weg.
MfG & CS