BastiH
Aktives Mitglied
Hallo EQ8-Besitzer und Interessierte,
Zusammenfassung:
Problem: Blockieren der Nachführung in RA, dadurch b. Fotografie Strichspuren an Sternen
Ursache: Korrodierte Lager der RA-Schnecke, Verstellung Schneckenblock/-Spiel
Lösung: Entrosten und Fetten der Schneckenlager, Einstellung des Schneckenspiels (siehe unten)
Ausführlich:
In den letzten anderthalb Jahren machte meine EQ8 zunehmend Probleme; die Nachführung in RA blockierte westlich des Meridians häufig, das Problem ließ sich durch Verlagerung oder Verringerung der Gewichtsbelastung nicht nennenswert beeinflussen und äußerte sich fotografisch folgendermaßen:
Abb. 01 - die folgenden Abbildungen habe ich wegen des 4-Bilder-Limits zusammengefasst
Offensichtlich blockierte irgendetwas sporadisch die RA-Achse; der Autoguider schickte dann Korrekturimpulse, die Montierung reagierte jedoch nicht bis scheinbar irgendein Widerstand überwunden war, dann "sprang" sie über die Sollposition hinaus und ließ sich kurz darauf vom Autoguider zurückführen.
Da ich mit Mechanik wenig bis keine Erfahrung habe, die Montierung sich ob ihres Gewichtes nicht besonders gut verschicken lässt und mir in der näheren Umgebung keine Firmen bekannt waren, die eine Wartung hätten durchführen können, recherchierte ich im Internet nach möglichen Ursachen und Anleitungen zur Behebung. Dabei fiel mir auf, dass man (im Gegensatz zu EQ5 und EQ6) nur sehr wenige Informationen zur Reparatur und Wartung der EQ8 und wenige Fotos von ihren Einzelteilen findet.
Nach dem Lesen diverser Quellen zu (überwiegend anderen) äquatorialen Montierungen hielt ich schließlich gealtertes/fehlendes Fett oder eine Verstellung des Schneckenspiels für die wahrscheinlichste Ursache. Mangels greifbarer Alternativen entschied ich mich dazu, das Problem selbst anzugehen – nicht ohne Bedenken. Um alles rückgängig machen zu können, habe ich daher sämtliche Schritte, Änderungen und Einstellungen notiert, vermessen und fotografiert.
Zu meiner Freude war das Unterfangen dann auch tatsächlich von Erfolg gekrönt – und die vorliegende Problematik teilweise recht unerwartet; die (nicht frei liegenden) Lager der RA-Schnecke waren von innen korrodiert – obwohl die Montierung ansonsten, abgesehen von etwas Flugrost an Schraubenköpfen, keinerlei Schäden aufwies. Da das ein Hinweis auf einen generellen Schwachpunkt der Montierung sein könnte und insofern vielleicht auch Andere betroffen sind, poste ich die bei der Wartung gesammelten Informationen jetzt hier. Ich hoffe der Post kann zur Problemlösung an anderen EQ8 und ein wenig zur generellen Verfügbarkeit von Informationen über die Montierung beitragen.
Aber: alle Angaben ohne Gewähr, ich übernehme keine Verantwortung für Schäden, die beim Nachahmen dieser Vorgehensweise entstehen könnten.
Benutztes Material: Inbusschlüssel 2mm, 2,5mm und 4mm (letzterer lang), Messschieber, Alkohol (z.B. Ethanol), Rostlöser/Kriechöl (Caramba 70 oder WD40), Fett (LM-47), Kleenex
Zuerst erfolgt das Entfernen der Plastikverkleidungen von RA-Motor und -Schneckenblock. Eigentlich selbsterklärend, man muss nur später beim Wiederanschrauben aufpassen dass man die Schrauben (6 Stück 2mm, 1 Stück 2,5mm Innensechskant) nicht zu stark anzieht, sonst bricht das Plastik. Das Ganze sieht dann so aus:
(Abb. 02)

Da ich zu diesem Zeitpunkt noch davon ausging, die ganze Montierung zerlegen zu müssen um das RA-Schneckenrad zum Säubern und Fetten auszubauen, sind auf dem Bild auch die Schrauben der Aufnahme der Gegengewichtsstange entfernt.
Dann ausgiebige Sichtprüfung: Blick auf den Schneckenblock von der anderen Seite, zu sehen ist das dem Motor abgewandte Ende der Schnecke im zugehörigen Lager:
(Abb. 03)

Rings um das Lager ist eine eine rötliche Substanz sichtbar, nach Farbe und Konsistenz zu urteilen eine Mischung aus Fett und Rost.
Das untere Ende des DEC-Achsengehäuses von oben betrachtet; in den rechts und links außen liegenden Lochpaaren sitzen die vier Halteschrauben (4mm Innensechkant) des RA-Schneckenblocks – etwa 8 cm tief, daher die Notwendigkeit eines langen Inbusschlüssels:
(Abb. 04)

Steht die Montierung länger in einem Schuppen oder unter ähnlich luftigen Bedingungen, so empfiehlt es sich, die Öffnungen zu verschließen. Im Sommer 2018 hatte offensichtlich ein kleines Wildbienenvolk in der Montierung genistet, weshalb ich erstmal einiges an Lehm(?) und toten Bienen aus den erstaunlich geräumigen Hohlräumen hinter den Schraubenöffnungen heraussaugen musste.
Der RA-Schneckenblock (hier von unten) soll nun zur Inspektion von Schnecke und Schneckenrad entfernt werden:
(Abb. 05)

Den dort sitzenden Encoder (sitzt auf der anderen Seite der kleinen grünen Platine) möchte ich nicht so gerne vom Block abschrauben, wer weiß ob ich seine Position hinterher ausreichend genau reproduzieren kann. Daher entscheide ich mich dazu, das Kabel des Encoders zu ziehen (vorsichtig, damit die Buchse nicht von ihrer Platine bricht) und die Abdeckung der RA-Encoderscheibe (schwarzer Ring mit "Warning..."-Aufdruck) zu lösen. Letztere wird von sechs 2mm-Innensechskantschrauben gehalten, eines der Löcher ist unterhalb des Zahnriemens zu sehen.
Zur Feststellung etwaiger Ungleichmässigkeiten und um im Fall eines Misserfolgs wenigstens zum teilweise funktionierenden Ist-Zustand zurückkehren zu können, messe ich die Position des Schneckenblocks relativ zum Gehäuse mittels Messschieber (Blick von der Basisplatte der Montierung aus nach oben):
(Abb. 06)

Dabei zeigt sich, dass der Block nicht symmetrisch zum Gehäuse sitzt (Abstand zur unteren Gehäusekante links 4,25mm, rechts 4,8mm)...verdächtig.
Nach dem Vermessen seiner Position löse ich den Schneckenblock durch das Entfernen der 4 Befestigungsschrauben (in den Löchern, siehe Abb. 04 (Anhang) – UND NUR DIE, denn die im Block selbst sichbaren Schrauben dienen zur Einstellung des Schneckenspiels, mehr dazu später). Dabei stellt sich widerum heraus, dass die Schraube links unten (Abb. 04, Anhang) locker ist, während die anderen drei sehr fest sitzen. Nun zeigen sich Schneckenblock:
(Abb. 07)

..und Schneckenrad (die blanke Scheibe darunter ist die RA-Encoderscheibe):
(Abb. 08)

Das Schneckenrad ist in puncto Fett offensichtlich noch ganz gut versorgt. Ziemlich unerfreulich: dort wo der Block auf dem Gehäuse aufgelegen hat, sind Wassertröpfchen zu sehen, offensichtlich kann sich eingedrungene Feuchtigkeit dort sehr lange halten.
Die Schnecke ist im Block beidseitig kugelgelagert, an beiden Lagern sind die rostroten Verfärbungen zu sehen:
(Abb. 09)

Beim Drehen der Schnecke fällt sofort auf, dass sie ungleichmässig läuft; im Verlauf einer ganzen Umdrehung treten mehrere "Haker" auf, ähnlich dem Gefühl beim händischen Drehen der Welle eines Elektromotors. Die Schnecke leistet dem Zahnriemen also innerhalb einer Umdrehung mehrfach Widerstand, der sich plötzlich löst, wenn der Blockadepunkt überwunden ist. Das passt zu dem Blockieren und dann wieder zur Sollposition zurückspringen, welches sich an den fotografierten Sternen gezeigt hat (Abb. 01).
Ich stelle die Schnecke nun hochkant (Zahnriemenrad nach oben), gebe einige Tropfen Caramba 70 auf die jeweils oben liegenden Seiten der Lager und drehe die Schnecke, bis an den Unterseiten der Lager eine rostrote Flüssigkeit austritt. Diese nehme ich, während ich die Schnecke weiter drehe, mit Kleenex auf. Das Ganze wiederhole ich etwa 10x wobei die Schnecke mit jedem Durchgang leichtgängiger wird, die Blockade scheint sich zu lösen. Als die unten austretende Flüssigkeit nur noch blaßrot ist, schmiere ich Fett (LM-47, vom darin enthaltenen Molybdändisulfid erhoffe ich mir, dass es die korrosionsbedingten Unebenheiten in den Lagern etwas ausgleicht) auf die Oberseiten der Lager und drehe die Schnecke wieder eine Weile. Dann gebe ich Alkohol auf die Oberseiten und drehe wieder. Der Alkohol dringt ins Lager ein, löst das zuvor eingebrachte Fett und mit ihm eine ganze Menge Rost, beides tritt als dunkelrote Paste an der Unterseite der Lager aus. Schließlich lasse ich den Alkohol weg und wiederhole den Ablauf von Schmieren, Drehen und Abwischen bis an den Unterseiten der Lager kein vom Alkohol verflüssigtes oder rötliches, sondern nur noch "normales" schwarzes Fett sichtbar ist. Die Schnecke ist jetzt wieder wesentlich gleichmäßiger und leichtgängiger drehbar.
Im Anschluss schraube ich den Block wieder an das Gehäuse, die Halteschrauben des Blocks ziehe ich dabei erstmal nur lose an, da der Block zur Einstellung des Schneckenspiels ja noch beweglich sein muss.
Dies sind die Schrauben zur Einstellung des Schneckenspiels, außen die größeren Zugschrauben, in der Mitte die Druckschraube, eine kleine Madenschraube:
(Abb. 10)

Das eigentliche Einstellen des Schneckenspiels funktioniert nun so – aber vorweg:
1. Die Halteschrauben des Schneckenblocks dürfen dabei nicht fest angezogen sein!
2. VORSICHT: die Einstellung des Schneckenspiels ist extrem sensibel, Zehntelmillimeter entscheiden darüber ob das Getriebe beim Anlaufen schlimmstenfalls blockiert und beschädigt wird!
3. Es ist dringend zu empfehlen beim Verstellen der Druck- und Zugschrauben maximal mit Viertelumdrehungen zu arbeiten da die Toleranzen wie gesagt sehr gering sind. Das Ergebnis (Verschiebung des Schneckenblocks, siehe Abb. 06) kann mit dem Messschieber gemessen werden, das ist auch eine gute Möglichkeit um zu verhindern dass die Veränderungen zu groß ausfallen.
VERRINGERN DES SPIELS (Block samt Schnecke wird zum Schneckenrad hin verschoben):
Die Druckschraube wird durch Drehen gegen den Uhrzeigersinn ein wenig gelöst, dann werden die Zugschrauben ein wenig angezogen (Abb. 10). Anschließend werden die vier Befestigungsschrauben des Schneckenblocks (Abb. 04) wieder fest angezogen.
VERGRÖSSERN DES SPIELS (Block samt Schnecke wird vom Schneckenrad weg verschoben):
Die Zugschrauben werden durch Drehen gegen den Uhrzeigersinn ein wenig gelöst, dann wird die Druckschraube ein wenig angezogen (Abb. 10). Anschließend werden die vier Befestigungsschrauben des Schneckenblocks (Abb. 04) wieder fest angezogen.
Nach jedem Verstellen des Spiels sollte man testen, wie die Montierung läuft; ob der Lauf gleichmäßig ist, schleifende Geräusche auftreten etc. Hierzu bei offener Plastikverkleidung die Montierung zunächst LANGSAM (Rate 1 oder 2 im Synscan, KEIN Auto-Homeposition denn das rast dann mit Rate 9 los) anfahren und beobachten, ob sich das Zahnriemenrad der Schnecke gleichmäßig dreht. Sollte es stocken ( = wahrscheinlich viel zu wenig Spiel), sofort abbrechen und das Spiel vergrößern damit sich Schnecke und Schneckenrad nicht ineinander verkeilen und beschädigen. Wenn nichts blockiert, Geschwindigkeit schrittweise bis aufs Maximum erhöhen und Montierung um 360 Grad fahren lassen, dabei auf auffällige Geräusche (Schleifen oder Mahlen = zu wenig Spiel oder Fett) achten.
Ist das Schneckenspiel zu groß, so äußert sich das durch verzögerte Reaktion der Montierung auf Befehle der RA-Richtungstasten (bzw. einer Taste wenn eine Seite der Nutzlast leichtes Übergewicht hat). Das ist am deutlichsten beim Blick durchs Okular oder auf das Kameradisplay (LiveView) feststellbar. Da es beim Herumbasteln an der Montierung ziemlich unpraktisch sein kann, ein Teleskop montiert zu haben und die feinen Bewegungen an den Achsen mit bloßem Auge schwer zu erkennen sind, kann es hilfreich sein, ein Brett in die Aufnahme für die Prismenschiene zu klemmen, an dessen Enden lassen sich die Bewegungen bzw. mögliche Verzögerungen leichter beobachten. Noch genauer wird es wenn man einen Laserpointer am Ende des Bretts befestigt und die Bewegung anhand von dessen Lichtpunkt z.B. an einer Wand verfolgt.
Ein absolut verzögerungsfreies Ansprechen in beide Richtungen ist praktisch nicht erreichbar, das Getriebe benötigt Spiel um Fertigungstoleranzen und temperaturbedingte Verformungen kompensieren zu können. Wenn sich dies störend auswirkt, ist es am besten über ein leichtes Ungleichgewicht der Nutzlast (Übergewicht auf einer Seite des Tubus) auszugleichen.
Nach der Einstellung des Schneckenspiels und dem Anziehen der Befestigungsschrauben liegt der Schneckenblock nun symmetrisch zur Unterkante des Gehäuses (Abb. 06), die beiden vorher ungleichen Abstände (4,25 und 4,8 mm) betragen jetzt etwa 4,4 mm. Die ganze Aktion hat in meinem Fall bewirkt dass die Montierung wieder einwandfrei läuft. Westlich des Meridian lag mein Ausschuss vorher bei etwa 70% der Rohbilder, nun liegt er bei etwa zwei Prozent.
Allen Betroffenen viel Erfolg bei der Problemsuche und Behebung.
...und Korrekturen, Ergänzungen, Anmerkungen – immer her damit, auf dass sich die Informationslage bzgl. EQ8 verbessere.
Clear Skies
Basti
Zusammenfassung:
Problem: Blockieren der Nachführung in RA, dadurch b. Fotografie Strichspuren an Sternen
Ursache: Korrodierte Lager der RA-Schnecke, Verstellung Schneckenblock/-Spiel
Lösung: Entrosten und Fetten der Schneckenlager, Einstellung des Schneckenspiels (siehe unten)
Ausführlich:
In den letzten anderthalb Jahren machte meine EQ8 zunehmend Probleme; die Nachführung in RA blockierte westlich des Meridians häufig, das Problem ließ sich durch Verlagerung oder Verringerung der Gewichtsbelastung nicht nennenswert beeinflussen und äußerte sich fotografisch folgendermaßen:
Abb. 01 - die folgenden Abbildungen habe ich wegen des 4-Bilder-Limits zusammengefasst
Offensichtlich blockierte irgendetwas sporadisch die RA-Achse; der Autoguider schickte dann Korrekturimpulse, die Montierung reagierte jedoch nicht bis scheinbar irgendein Widerstand überwunden war, dann "sprang" sie über die Sollposition hinaus und ließ sich kurz darauf vom Autoguider zurückführen.
Da ich mit Mechanik wenig bis keine Erfahrung habe, die Montierung sich ob ihres Gewichtes nicht besonders gut verschicken lässt und mir in der näheren Umgebung keine Firmen bekannt waren, die eine Wartung hätten durchführen können, recherchierte ich im Internet nach möglichen Ursachen und Anleitungen zur Behebung. Dabei fiel mir auf, dass man (im Gegensatz zu EQ5 und EQ6) nur sehr wenige Informationen zur Reparatur und Wartung der EQ8 und wenige Fotos von ihren Einzelteilen findet.
Nach dem Lesen diverser Quellen zu (überwiegend anderen) äquatorialen Montierungen hielt ich schließlich gealtertes/fehlendes Fett oder eine Verstellung des Schneckenspiels für die wahrscheinlichste Ursache. Mangels greifbarer Alternativen entschied ich mich dazu, das Problem selbst anzugehen – nicht ohne Bedenken. Um alles rückgängig machen zu können, habe ich daher sämtliche Schritte, Änderungen und Einstellungen notiert, vermessen und fotografiert.
Zu meiner Freude war das Unterfangen dann auch tatsächlich von Erfolg gekrönt – und die vorliegende Problematik teilweise recht unerwartet; die (nicht frei liegenden) Lager der RA-Schnecke waren von innen korrodiert – obwohl die Montierung ansonsten, abgesehen von etwas Flugrost an Schraubenköpfen, keinerlei Schäden aufwies. Da das ein Hinweis auf einen generellen Schwachpunkt der Montierung sein könnte und insofern vielleicht auch Andere betroffen sind, poste ich die bei der Wartung gesammelten Informationen jetzt hier. Ich hoffe der Post kann zur Problemlösung an anderen EQ8 und ein wenig zur generellen Verfügbarkeit von Informationen über die Montierung beitragen.
Aber: alle Angaben ohne Gewähr, ich übernehme keine Verantwortung für Schäden, die beim Nachahmen dieser Vorgehensweise entstehen könnten.
Benutztes Material: Inbusschlüssel 2mm, 2,5mm und 4mm (letzterer lang), Messschieber, Alkohol (z.B. Ethanol), Rostlöser/Kriechöl (Caramba 70 oder WD40), Fett (LM-47), Kleenex
Zuerst erfolgt das Entfernen der Plastikverkleidungen von RA-Motor und -Schneckenblock. Eigentlich selbsterklärend, man muss nur später beim Wiederanschrauben aufpassen dass man die Schrauben (6 Stück 2mm, 1 Stück 2,5mm Innensechskant) nicht zu stark anzieht, sonst bricht das Plastik. Das Ganze sieht dann so aus:
(Abb. 02)

Da ich zu diesem Zeitpunkt noch davon ausging, die ganze Montierung zerlegen zu müssen um das RA-Schneckenrad zum Säubern und Fetten auszubauen, sind auf dem Bild auch die Schrauben der Aufnahme der Gegengewichtsstange entfernt.
Dann ausgiebige Sichtprüfung: Blick auf den Schneckenblock von der anderen Seite, zu sehen ist das dem Motor abgewandte Ende der Schnecke im zugehörigen Lager:
(Abb. 03)

Rings um das Lager ist eine eine rötliche Substanz sichtbar, nach Farbe und Konsistenz zu urteilen eine Mischung aus Fett und Rost.
Das untere Ende des DEC-Achsengehäuses von oben betrachtet; in den rechts und links außen liegenden Lochpaaren sitzen die vier Halteschrauben (4mm Innensechkant) des RA-Schneckenblocks – etwa 8 cm tief, daher die Notwendigkeit eines langen Inbusschlüssels:
(Abb. 04)

Steht die Montierung länger in einem Schuppen oder unter ähnlich luftigen Bedingungen, so empfiehlt es sich, die Öffnungen zu verschließen. Im Sommer 2018 hatte offensichtlich ein kleines Wildbienenvolk in der Montierung genistet, weshalb ich erstmal einiges an Lehm(?) und toten Bienen aus den erstaunlich geräumigen Hohlräumen hinter den Schraubenöffnungen heraussaugen musste.
Der RA-Schneckenblock (hier von unten) soll nun zur Inspektion von Schnecke und Schneckenrad entfernt werden:
(Abb. 05)

Den dort sitzenden Encoder (sitzt auf der anderen Seite der kleinen grünen Platine) möchte ich nicht so gerne vom Block abschrauben, wer weiß ob ich seine Position hinterher ausreichend genau reproduzieren kann. Daher entscheide ich mich dazu, das Kabel des Encoders zu ziehen (vorsichtig, damit die Buchse nicht von ihrer Platine bricht) und die Abdeckung der RA-Encoderscheibe (schwarzer Ring mit "Warning..."-Aufdruck) zu lösen. Letztere wird von sechs 2mm-Innensechskantschrauben gehalten, eines der Löcher ist unterhalb des Zahnriemens zu sehen.
Zur Feststellung etwaiger Ungleichmässigkeiten und um im Fall eines Misserfolgs wenigstens zum teilweise funktionierenden Ist-Zustand zurückkehren zu können, messe ich die Position des Schneckenblocks relativ zum Gehäuse mittels Messschieber (Blick von der Basisplatte der Montierung aus nach oben):
(Abb. 06)

Dabei zeigt sich, dass der Block nicht symmetrisch zum Gehäuse sitzt (Abstand zur unteren Gehäusekante links 4,25mm, rechts 4,8mm)...verdächtig.
Nach dem Vermessen seiner Position löse ich den Schneckenblock durch das Entfernen der 4 Befestigungsschrauben (in den Löchern, siehe Abb. 04 (Anhang) – UND NUR DIE, denn die im Block selbst sichbaren Schrauben dienen zur Einstellung des Schneckenspiels, mehr dazu später). Dabei stellt sich widerum heraus, dass die Schraube links unten (Abb. 04, Anhang) locker ist, während die anderen drei sehr fest sitzen. Nun zeigen sich Schneckenblock:
(Abb. 07)

..und Schneckenrad (die blanke Scheibe darunter ist die RA-Encoderscheibe):
(Abb. 08)

Das Schneckenrad ist in puncto Fett offensichtlich noch ganz gut versorgt. Ziemlich unerfreulich: dort wo der Block auf dem Gehäuse aufgelegen hat, sind Wassertröpfchen zu sehen, offensichtlich kann sich eingedrungene Feuchtigkeit dort sehr lange halten.
Die Schnecke ist im Block beidseitig kugelgelagert, an beiden Lagern sind die rostroten Verfärbungen zu sehen:
(Abb. 09)

Beim Drehen der Schnecke fällt sofort auf, dass sie ungleichmässig läuft; im Verlauf einer ganzen Umdrehung treten mehrere "Haker" auf, ähnlich dem Gefühl beim händischen Drehen der Welle eines Elektromotors. Die Schnecke leistet dem Zahnriemen also innerhalb einer Umdrehung mehrfach Widerstand, der sich plötzlich löst, wenn der Blockadepunkt überwunden ist. Das passt zu dem Blockieren und dann wieder zur Sollposition zurückspringen, welches sich an den fotografierten Sternen gezeigt hat (Abb. 01).
Ich stelle die Schnecke nun hochkant (Zahnriemenrad nach oben), gebe einige Tropfen Caramba 70 auf die jeweils oben liegenden Seiten der Lager und drehe die Schnecke, bis an den Unterseiten der Lager eine rostrote Flüssigkeit austritt. Diese nehme ich, während ich die Schnecke weiter drehe, mit Kleenex auf. Das Ganze wiederhole ich etwa 10x wobei die Schnecke mit jedem Durchgang leichtgängiger wird, die Blockade scheint sich zu lösen. Als die unten austretende Flüssigkeit nur noch blaßrot ist, schmiere ich Fett (LM-47, vom darin enthaltenen Molybdändisulfid erhoffe ich mir, dass es die korrosionsbedingten Unebenheiten in den Lagern etwas ausgleicht) auf die Oberseiten der Lager und drehe die Schnecke wieder eine Weile. Dann gebe ich Alkohol auf die Oberseiten und drehe wieder. Der Alkohol dringt ins Lager ein, löst das zuvor eingebrachte Fett und mit ihm eine ganze Menge Rost, beides tritt als dunkelrote Paste an der Unterseite der Lager aus. Schließlich lasse ich den Alkohol weg und wiederhole den Ablauf von Schmieren, Drehen und Abwischen bis an den Unterseiten der Lager kein vom Alkohol verflüssigtes oder rötliches, sondern nur noch "normales" schwarzes Fett sichtbar ist. Die Schnecke ist jetzt wieder wesentlich gleichmäßiger und leichtgängiger drehbar.
Im Anschluss schraube ich den Block wieder an das Gehäuse, die Halteschrauben des Blocks ziehe ich dabei erstmal nur lose an, da der Block zur Einstellung des Schneckenspiels ja noch beweglich sein muss.
Dies sind die Schrauben zur Einstellung des Schneckenspiels, außen die größeren Zugschrauben, in der Mitte die Druckschraube, eine kleine Madenschraube:
(Abb. 10)

Das eigentliche Einstellen des Schneckenspiels funktioniert nun so – aber vorweg:
1. Die Halteschrauben des Schneckenblocks dürfen dabei nicht fest angezogen sein!
2. VORSICHT: die Einstellung des Schneckenspiels ist extrem sensibel, Zehntelmillimeter entscheiden darüber ob das Getriebe beim Anlaufen schlimmstenfalls blockiert und beschädigt wird!
3. Es ist dringend zu empfehlen beim Verstellen der Druck- und Zugschrauben maximal mit Viertelumdrehungen zu arbeiten da die Toleranzen wie gesagt sehr gering sind. Das Ergebnis (Verschiebung des Schneckenblocks, siehe Abb. 06) kann mit dem Messschieber gemessen werden, das ist auch eine gute Möglichkeit um zu verhindern dass die Veränderungen zu groß ausfallen.
VERRINGERN DES SPIELS (Block samt Schnecke wird zum Schneckenrad hin verschoben):
Die Druckschraube wird durch Drehen gegen den Uhrzeigersinn ein wenig gelöst, dann werden die Zugschrauben ein wenig angezogen (Abb. 10). Anschließend werden die vier Befestigungsschrauben des Schneckenblocks (Abb. 04) wieder fest angezogen.
VERGRÖSSERN DES SPIELS (Block samt Schnecke wird vom Schneckenrad weg verschoben):
Die Zugschrauben werden durch Drehen gegen den Uhrzeigersinn ein wenig gelöst, dann wird die Druckschraube ein wenig angezogen (Abb. 10). Anschließend werden die vier Befestigungsschrauben des Schneckenblocks (Abb. 04) wieder fest angezogen.
Nach jedem Verstellen des Spiels sollte man testen, wie die Montierung läuft; ob der Lauf gleichmäßig ist, schleifende Geräusche auftreten etc. Hierzu bei offener Plastikverkleidung die Montierung zunächst LANGSAM (Rate 1 oder 2 im Synscan, KEIN Auto-Homeposition denn das rast dann mit Rate 9 los) anfahren und beobachten, ob sich das Zahnriemenrad der Schnecke gleichmäßig dreht. Sollte es stocken ( = wahrscheinlich viel zu wenig Spiel), sofort abbrechen und das Spiel vergrößern damit sich Schnecke und Schneckenrad nicht ineinander verkeilen und beschädigen. Wenn nichts blockiert, Geschwindigkeit schrittweise bis aufs Maximum erhöhen und Montierung um 360 Grad fahren lassen, dabei auf auffällige Geräusche (Schleifen oder Mahlen = zu wenig Spiel oder Fett) achten.
Ist das Schneckenspiel zu groß, so äußert sich das durch verzögerte Reaktion der Montierung auf Befehle der RA-Richtungstasten (bzw. einer Taste wenn eine Seite der Nutzlast leichtes Übergewicht hat). Das ist am deutlichsten beim Blick durchs Okular oder auf das Kameradisplay (LiveView) feststellbar. Da es beim Herumbasteln an der Montierung ziemlich unpraktisch sein kann, ein Teleskop montiert zu haben und die feinen Bewegungen an den Achsen mit bloßem Auge schwer zu erkennen sind, kann es hilfreich sein, ein Brett in die Aufnahme für die Prismenschiene zu klemmen, an dessen Enden lassen sich die Bewegungen bzw. mögliche Verzögerungen leichter beobachten. Noch genauer wird es wenn man einen Laserpointer am Ende des Bretts befestigt und die Bewegung anhand von dessen Lichtpunkt z.B. an einer Wand verfolgt.
Ein absolut verzögerungsfreies Ansprechen in beide Richtungen ist praktisch nicht erreichbar, das Getriebe benötigt Spiel um Fertigungstoleranzen und temperaturbedingte Verformungen kompensieren zu können. Wenn sich dies störend auswirkt, ist es am besten über ein leichtes Ungleichgewicht der Nutzlast (Übergewicht auf einer Seite des Tubus) auszugleichen.
Nach der Einstellung des Schneckenspiels und dem Anziehen der Befestigungsschrauben liegt der Schneckenblock nun symmetrisch zur Unterkante des Gehäuses (Abb. 06), die beiden vorher ungleichen Abstände (4,25 und 4,8 mm) betragen jetzt etwa 4,4 mm. Die ganze Aktion hat in meinem Fall bewirkt dass die Montierung wieder einwandfrei läuft. Westlich des Meridian lag mein Ausschuss vorher bei etwa 70% der Rohbilder, nun liegt er bei etwa zwei Prozent.
Allen Betroffenen viel Erfolg bei der Problemsuche und Behebung.
...und Korrekturen, Ergänzungen, Anmerkungen – immer her damit, auf dass sich die Informationslage bzgl. EQ8 verbessere.
Clear Skies
Basti