Hallo Markus,
Du hast schon einige Hinweise bekommen und auch ein paar Fragen zu sehen bekommen. Ein paar Hinweise möchte ich noch anbringen.
Zunächst mal denke ich, dass ein Budget von 2000 Euro auch ein guter Grund sind, sich vor dem Kauf eine Weile zu vertiefen. Wo vertiefen? Zunächst sicher in den verschiedenen Einsteiger-Seiten im Web.
www.deepsky-brothers.de
http://www.svenwienstein.de/HTML/einsteiger-ecke.html
Außerdem wäre es hilfreich und sinnvoll, wenn Du Anschluss zu einer Gruppe Sternfreunde suchst, um bei einer gemeinsamen Beobachtung mal etwas Praxis und Eindrücke der verschiedenen Teleskope mitzunehmen.
Nun konkreter. Dein erster Vorschlag ETX 125 lässt mich befürchten, dass Du im Moment zu sehr auf das vertraust, was Prospekte, Anzeigen und Händlerseiten verkünden. Denn ein ETX 125 hat zwar Goto und diese recht unwichtige Level-North-Ausrichtung, aber fotografisch tauglich ist es nicht einfach so. Was sofort geht ist die Fotografie von Planeten mit einer Webcam plus Astro-Adapter. Langzeitbelichtung von Nebeln und Sternhaufen geht aber nicht, dazu fehlen zwei grundlegende Dinge:
1. Die Montierung muss parallaktisch sein, die Azimutachse muss zum Himmelspol ausgerichtet werden (und zwar GENAU), was sie zu eine Rektaszensionsachse macht. Sonst kommt es zu Bildfelddrehung, das heißt das Bild im Teleskop dreht sich während ein Objekt verfolgt wird, und zwar schnell genug, so dass es am Rand kleine Bananensterne gibt.
2. Zur Fotografie braucht man eine Kontrolle der Nachführung. Man kontrolliert mit einem Leitstern, ob die Montierung genau dem Himmel folgt. Die allermeisten Montierungen haben nämlich aus dem Getriebe heraus leichte Schwankungen in der Geschwindigkeit ("Schneckenfehler"). Zur Kontrolle benutzt man entweder ein 2. Fernrohr oder man spiegelt einen unbenutzten Bildteil des Hauptrohres heraus ("Off Axis Ansatz") und sucht darin einen Stern. Es wird dann entweder ein Fadenkreuz-Okular eingesetzt und man korrigiert von Hand mit den Stelltasten der Montierung, oder man hat eine zusätzliche Kamera und einen Autoguider, der das Bild der Kamera auswertet und die Montierung steuert.
Während man das ETX zwar noch mit einer Polhöhenwiege parallaktisch ausrichten kann (über deren Stabilität und Genauigkeit kann man dann diskutieren), fehlen einfach die Voraussetzungen für ein Leitrohr oder einen Off Axis Guider, und nebenbei bekommt man in der ETX-Gabelmontierung das Problem, dass die Kamera in bestimmten Teleskoppositionen auf dem Gehäuseboden anschlägt.
Ich beschreibe das so genau, damit Du Dich nicht von schönen Astro-Aufnahmen in irgendeiner Werbung zum Glauben verleiten lässt, man könne mit der angebotenen Kombination aus Teleskop und Montierung wirklich solche Fotos machen. Das muss man leider als Kunde selbst überprüfen, indem man schaut, ob eben Nachführung, Leitrohr, Kameramontage, usw. möglich sind.
Mehr dazu hier:
http://www.svenwienstein.de/HTML/einsteiger-astrofotografie.html
Wichtig ist dann auch die Frage, wie die Objekte im Teleskop aussehen. Das habe ich versucht, hier einmal darzustellen:
http://www.svenwienstein.de/HTML/was_sieht_man_im_teleskop_.html
Die Fotos verleiten ja dazu, zu glauben, dass der Orionnebel schön in bunten Knallfarben zu sehen ist. Leider falsch...
Was nun Deine Möglichkeiten angeht, da würde ich Dir raten, die visuelle Beobachtung und die Fotografie zu trennen. Sowohl was das Teleskop angeht, als auch, was die Montierung angeht. Das heißt ich würde ein visuell ausgelegtes Teleskop, ruhig mit großer Öffnung für Deine gewünschten Deepsky-Beobachtungen anschaffen, und dann parallel dazu ein leichtes, fotografisch gutes Teleskop und ein günstiges Leitfernrohr zur Fotografie anschaffen. Die fotografischen Anschaffungen können eventuell auch später kommen.
Ein Beispiel:
Ein Teleskop mit 200mm Öffnung, das fotografisch genutzt werden soll, wird ein recht schnelles Öffnungsverhältnis haben. f/5 oder gar f/4, wobei ich einem f/5 den Vorzug geben würde aus vielerlei Gründen, die ich jetzt überspringe, aber gern erläutere, wenn f/4 oder f/5 für Dich zur konkreten Frage wird.
Das Teleskop soll auf eine parallaktische Montierung mit Goto. Eine CAM mit beleuchtetem Polsucher würde schon um die 1000 Euro kosten, aber einen 8 Zöller mit Leitrohr da aufzusetzen halte ich für gewagt. Das wird zu windanfällig. Warscheinlich etwas tragfähiger wäre eine HEQ-5 Skyscan, kostet nochmal 50 Euro mehr, ich hoffe der Polsucher ist für den Preis auch schon beleuchtet. Die ist aber mit einem 8 Zöller nebst Leitrohr auch schon ganz gut belastet.
Sicherer für die Zukunft wäre also eine EQ-6 Skyscan, die nun aber mit 1500 Euro zu Buche schlägt. Dann bleiben im Budget noch 500 Euro für den 8-Zöller, kein Geld für den fotografisch wichtigen Komakorrektor, kein Geld für Okulare, kein Geld für einen Leuchtpunktsucher, kein Geld für einen Justierlaser, kein Geld für einen guten Sternatlas...
Ui!?! Aber man kann dann fotografieren?
Äh - naja... da fehlt ja noch Leitfernrohr, Leitrohrschellen, Teleskop-Doppelplattform, Fadenkreuzokular oder Nachführkamera...
UIUIUIUI!?!?!
Und das gemeine dabei ist, dass man für so ein f/5 Teleskop auf lange Sicht recht teure Okulare anstreben möchte, weil f/5 bei den meisten Okularen am Rand Unschärfen verursacht. Bei f/4 wird das noch krasser. Man wird also mit typischen Einsteigerüberlegungen "100 Euro reserviere ich für Okulare" eine klatschende Bauchlandung machen.
Von daher würde ich folgende Überlegungen anregen wollen:
1. Foto und Beobachtung trennen. Je nachdem, welches Teleskop man dann zu Beobachtung anschafft, bewahrt einen das vielleicht nicht vor f/5 und teuren Okularen, aber man spart bis zu 1000 Euro bei der Montierung. Dafür hat man allerdings auch wieder andere Ausgaben, wobei man die eventuell auch verschiebt?
Man könnte ja zur Beobachtung einen Dobson anschaffen, und dazu dann eine kleine Foto-Optik. Da wäre ein 80mm ED Apo schon interessant. Der kann auf eine Montierung der GP-Klasse aufgesetzt werden, aber sogar auf einer Skyview hat man schon Möglichkeiten. Zu Anfang benutzt man den 80mm als Leitrohr und fotografiert mit Tele-Objektiven der Kamera. Später, wenn man diese Technik beherrscht, wird das Leitrohr nebst Leitrohrschellen usw. angeschafft und man fotografiert durch den ED.
Nebenbei steht der Dobson zur Beobachtung zur Verfügung, entweder echt parallel, wenn ein Autoguider die Nachführung übernimmt, oder auch ganz für sich, wenn ein Abend nicht lang genug für die Fotografie ist, oder vom Wetter her auch nicht recht taugt. Oder auch wenn der Mond stört, wobei der auch bei der Beobachtung schwacher Nebel ungeheuer stört.
2. Verzicht auf Goto
In der Rechnung oben stecken immer gut 500 Euro nur für Goto drin, wobei man beachten muss, dass HEQ-5 und EQ-6 ohne Goto schon mit Motoren kommen, die der EQ-6 allerdings sind noch nicht fototauglich, es gibt da Probleme, was mit den geänderten Motoren der "Star Trak" Ausführung behoben ist.
Das entspannt das Budget merklich, aber dann muss man eben seine Objekte selbst suchen.
Das geht ganz gut, wenn man es eben übt und sich am Himmel auskennt. Dafür wird aber erstmal einige Zeit draufgehen, die man zum lernen braucht, und während der Zeit wird man sich mit der Fotografie schwer tun. Alles auf einmal führt zur Bauchlandung.
Zuletzt noch folgende Überlegung:
"Einsteigerteleskop für max €2000" ist der Titel. Willst Du für das Geld wirklich ein Einsteigerteleskop und nach 2 Jahren kaufst Du dann ein richtiges? Oder soll für die 2000 Euro nicht eher eine Ausrüstung beschafft werden, mit der man 10 Jahre oder länger auskommen will? Ergänzen und verändern ist dabei ja nicht ausgeschlossen, aber fotografisch ist die Montierung wirklich die Basis der Ausrüstung und ein Wechsel hier ist üblicherweise das teuerste, was man sich antun kann.
Clear Skies
Sven