Hallo Annette,
Du bist da komplett auf der richtigen Spur.
Die Aufnahmen sind ISO 400 bei Blende 6,3 gemacht, manueller Fokus mit einem Pentax 300mm f/4 Tele. Für den Mond habe ich 1/20s belichtet und für die Umgebung sogar 5 Sekunden.
Die beiden Fotos im DNG-Format (also kein JPG, sondern RAW) wurden in Affinity Photo importiert. Affinity ist das Werkzeug meiner Wahl, preiswert, kein Abo und kann alles was zumindest ich brauche (und viel mehr).
Das Bild mit dem korrekt belichteten Mond habe ich zunächst "entwickelt", wobei ich aber keine Einstellungen verändert habe. Anschließend geschärft mit einer unscharfen Maske. Ich bin da eher zurückhaltend und achte dabei immer darauf, das Rauschen kaum hervortreten zu lassen. Weil man nur den Mond braucht, wurde dieser dann mit einem runden Auswahlpinsel vorsichtig selektiert. Im ersten Versuch mit dem Komposit hatte ich dann beim Kopieren des ausgewählten Mondes zur Landschaft das Problem, dass um den Mond herum ein kleiner dunkler Saum entstanden war, wodurch das Bild unbrauchbar künstlich aussah. Also: die Auswahl mit einer entsprechenden Funktion minimal verkleinert und dann die Kontur der Auswahl geglättet. Das in Affinity einfacher als es hier zu beschreiben ;-)
Nun die Auswahl mit dem Mond per Copy&Paste in das entwickelte Landschaftsbild gesetzt. Wegen des im Landschaftsbild total überstrahlten Mondes ist der richtig belichtete Mond dann etwas zu klein und kann den hellen weißen Fleck an seiner Stelle nicht vollständig überdecken. Da man nicht vernünftig den weißen Fleck verkleinern kann, habe ich den Mond minimal größer gezogen - wobei man darauf achten muss, das Seitenverhältnis beizubehalten. Und passend hinschieben musst Du den Mond natürlich auch, denn zwischen den beiden Bildern ist schon ein kleiner Versatz entstanden.
Das schöne an der Bildbearbeitung ist nun, dass man die Landschaft mit einer Gradationskurve noch soweit verbessern kann, dass die Baumspitze in der unteren Ecke erkennbar wird, statt einfach im Dunkeln abzusaufen. Die Baumspitze ist für den Bildaufbau wichtig. Weil man nur die Ebene mit der Landschaft bearbeitet, hat die Änderung der Gradation beim Mond keinen Einfluss. Ich wollte den Mond ja so haben, wie die Kamera ihn eingefangen hat und nicht künstlich kontrast- oder farbverstärkt.
Früher haben mich solche Aufgaben auch erst mal ratlos dastehen lassen. Ich habe mir dann das Arbeiten mit Ebenen, Auswahlen und den Einstellungen sowie den Masken für Ebenen angeeignet, wobei ich mit "irdischen" Bildern geübt habe. Vom Hersteller der Software gibt es ein "Workbook", das ich großenteils durchgearbeitet habe. Da lernt man, wie sowas geht, sehr zu empfehlen!
Mir kam es nie auf reißerische Effekte an, meine Idee bei der Bearbeitung ist, dass das Ergebnis die Szene möglichst so wiedergeben soll, wie ich es gesehen habe. Weil unsere Augen extrem gut mit großen Kontrasten zurechtkommen, sind die meisten Einzelbilder enttäuschend, wenn man sehr kontrastreiche Motive aufgenommen hat. Dann hilft alles nichts: das Einzelbild führt nicht weiter. Und man kommt auf keinen grünen Zweig, wenn man sich nicht mit Ebenen und Masken beschäftigt. Gar nicht so schwer und es eröffnen sich neue Welten.
LG Tom