Re: Erfahrungsberichte (Achromat 100/600mm v. Orio
Hi!
Ich hab zwar keinen Achromat, sondern einen 80/600-ED-Apo, bei dem wegen der teureren Optik kein Farbfehler stört, aber zumindest zu Brennweiten- und Vergrößerungsbereich kann ich was sagen. Über 120x vergrößer ich mit dem Gerät eigentlich nie, auch wegen den Okularen: Ich hab ein hochwertiges 5mm-Okular (Hyperion, 120x) mal mit einem günstigen 3,6mm (166x) verglichen und praktisch keinen Mehrgewinn an Saturn festgestellt. Da bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich bei 120x Schluss machen kann. Die Vergrößerung ist für Planeten mager, auch wenn schon einiges geht. Die Spezialität dieser Brennweite ist in der Tat Weitfeld-Beobachtung. Die imposanten Ziele des Messier-Katalogs gehen mit 80 mm schon ganz gut, mehr Öffnung lohnt aber auf jeden Fall.
Was den Farbfehler des Orion angeht, kann ich leider nichts sagen, und die EQ3 kenne ich auch nicht aus eigener Erfahrung. Besser als die Powerseeker-Montierungen scheint sie aber auf jeden Fall zu sein - allerdings reagiere ich mittlerweile allergisch auf Alu-Stative, ich hab noch keins gefunden, das wirklich stabil wäre - nicht ohne Tuning wie Gewinchte drunter oder Sand in den Rohren.
Zu diesem kurzbrennweitigen Gerät würde ich jedenfalls zwei Warnungen geben:
1) hoch vergrößern ist nicht, von daher dürfte irgendwann der Wunsch nach einem längerbrennweitigen Gerät kommen - ob das jetzt ein ordentlicher ca. 90/1000-Refraktor oder ein Mak mit mehr Öffnung ist, ist grad egal. Die vielen tollen Bilder, die's heute gibt, wecken leider hohe Erwartungen - da hatten Einsteiger vor 50 Jahren es einfacher

2) "Deep Sky fängt ab 8 Zoll Öffnung an" ist zwar etwas abgedroschen, stimmt aber vor allem für Einsteiger. Ich bin mit 80 mm Öffnung hochzufrieden - allerdings habe ich die meisten Ziele auch schon mit 14" gesehen und mich "sattgesehen", sodass jetzt die Herausforderungen kommen können. Zum Beobachten lernen sind 8" besser, und das läuft dann auf den viel beschworenen 8"-Dobson raus, den Tommy schon angesprochen hat. Selbst wenn er nicht optimal justiert ist, stellt sich eher ein Erfolgserlebnis ein als mit kleiner Öffnung - und ordentliche Justage ist kein Hexenwerk. Der ED80 ist durchaus ein Teleskop für's Leben, aber gerade als erstes Teleskop zeigt er am Deep SKy doch eher wenig. Die Leistung kann man erst mit Erfahrung schätzen, und dann ist man auch so weit, dass man den Aufpreis für (ED-)-Apo-Optik zu zahlen bereit ist - günstige Angebote gibt's auf dem Gebrauchtmarkt auch immer wieder.
Als Richfielder für niedrige Vergrößerungen ist der Orion bestimmt nicht schlecht, und der Farbfehler dürfte vor allem dann störend werden, wenn Du durch mehrere Teleskope geschaut hast. Als erstes Teleskop dürfte jedoch ein 8"-Dobson mehr Sinn machen, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis besser ist und mit ihm leichter Erfolge zu erzielen sind. Da werden dann nicht nur die helleren Kugelsternhaufen langsam aufgelöst, sondern zeigen richtig Sterne.
Welcher Dobson letztlich was taugt, dazu kann ich nichts sagen, da ich - trotz des Tipps - keinen besitze. Ich hab mit 8"-Schmidt-Cassegrains und einem 15-cm-Refraktor der örtlichen Sternwarte angefangen, und 20 cm Öffnung lohnen sich schon, sind parallaktisch montiert aber weit oberhalb deiner Preisgrenze.
Ich hoffe, das hilft Dir weiter,
Alex