Re: Erste Eindrücke -> grau ist alle Theorie...
Was ich nicht nachvollziehen kann ist die durch Manfred geschilderte Tatsache, das im VMC nicht annähernd die Details zu erkennen waren wie im TMB (Mond).
Hallo Manfred & Leo,
fernab aller theoretischen Überlegungen (Öffnung, Strehl, Seeinganfälligkeit,
Obstruktion usw usw.) die unten in diesem Monsterthread unnötigerweise immer
wieder kolportiert werden kann ich Manfreds Beobachtungen aus der meiner Praxis
bestätigen.
Egal ob ich nun in den letzten Jahren einen 7" MN APM Deluxe gegen einen 6" LK
Fluorit mit 96% Strehl verglichen habe, 6" AP APO gegen 20" Galaxy Dob oder ein
sehr guter 8" GSO-Newton gegen einen Vixen ED 114 SS antrat (um nur einige
Begebenheiten zu nennen):
- in ausnahmslos ALLEN Fällen gewann der Refraktor
visuell
das Rennen um das ruhigere und schärfere Planetenbild (Extremfall letzten August
-> Vixen 60L gewann gegen C14)
- in ausnahmslos ALLEN Fällen gewann der Reflektor mit der
Webcam das Rennen um das höheraufgelöste Planetenbild
(Mein Favorit bisher C14)
- sofern die Qualität der optischen Komponenten vergleichbar ist waren die
DeepSky-Bilder in der grösseren Optik auch IMMER heller zu sehen
*******
Also warum schneidet der Refraktor visuell so gut an Planeten ab aber versagt
bei Webcam-Aufnahmen?
Die Gründe hierfür sind ziemlich simpel und leicht auszuprobieren:
1. Halte mal Deine warme Hand kurz an den ausgekülten Alu-Tubus eines APOs und
beobachte die Wärmeschlieren im defokussierten Sternscheibchen und nun mache
dasselbe beim Alutubus eines Newtons... und man sieht sofort, dass beim APO kaum
etwas passiert und er sich schnell beruhigt, der Newton ist aber eine ganze
Weile (ich hab das schon über Minuten verfolgen können) mit dem Geblubber
beschäftigt.
Ist ja auch klar, denn im Refraktortubus bildet sich schnell ein
radialsymmetrischer Wärmegradient aus, der Lichtkegel durchläuft kurz nach der
Linse nur noch die inneren Bereiche des Tubus wo ja praktisch eine konstante
Temperatur herrscht, die Wandbereiche mit der turbulenten Wärmekonvektion
(Austausch Tubus<->Umgebungsluft) sind sehr fern.
(Übrigens deswegen zeigt auch ein 4" Vixen mit dickem Tubus weniger Seeing als
ein 4" Borg mit schmalem Tubus)
Im Spiegelsystem läuft das Licht leider 2x durch die turbulenten Randbereiche um
erst dann durch die Mitte zu laufen. Sofern der Tubus nicht vorne geschlossen
ist (SC, MN oder MC) kann sich auch kein stabiler Temperaturgradient ausbilden
2. Beobachte mal das Auskühlverhalten eines Newtons gegen einen Refraktor an
einem Abend mit Windstille gegen einen Abend mit leichtem Luftzug.
Wie schon Kurt Schreckling durch Messungen nachgewiesen hat beeinflusst der Wind
in nicht unerheblichem Maße das Auskühlverhalten (Kovektion)eines offenen
Spiegelsystems => Die Folge ist ein chaotische Blubberverhalten <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/smirk.gif" alt="" />
Der Refraktor dagegen kühlt nahezu nur durch Wärmestrahlung aus => laminare
Strömungen entwickeln sich viel leichter (obwohl auch diese durch Kältebrücken
wie z.B. Blenden gestört werden können)
3. Nachdem beide Systeme optimal ausgekühlt sind beobachte mal das
Blubberverhalten (defok. Stern) eines Newtons bei Wind noch detaillierter und Du
wirst sehen, dass der Newton - weil bauartbedingt - wie ein Schornstein wirkt.
D.h. wärmere/kältere Luft wird durch den Wind hineingedrückt/herausgesogen.
Ergo selbst im ausgekühlten Zustand wird das offene System ständig durch die
Umgebungsluft gestört. Das dem so ist SIEHT man, wenn dies an verschiedenen
Abenden vergleicht!
AAAABER wenn man eine Webcam in den Newton steckt kehrt sich alles um, denn mit
den kurzen Belichtungszeiten der Webcam von typ. 1/30s oder 1/50s kombiniert mit
einer raffinierten Auswertesoftware wie Giotto oder Registax schlägt man dem
Seeing (auch dem Tubusseeing) ein Schnippchen. Was dann nur noch zählt ist
Licht+Auflösungsvermögen und das nicht zu wenige, am besten 16" oder mehr
<img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> .
Unser eigenes Auge ist dafür leider zu träge daher die "visual more pleasing
appearance" von Planeten im APO (Allerdings schaffen es geübte
Planetenbeobachter auch kurze blitzartige Momente guten Seeings in grösseren
Spiegelsystemen zu erhaschen).
***********
Als Fazit kann man - wieder mal - festhalten, dass es nicht DAS Teleskop für
alles gibt, sondern man muss immer sehr fein differenzieren ob man nun z.B.
Planeten primär mit Auge oder Webcam machen möchte.
Und nun an die Adresse der anderen vermeintlichen Meinungsbildner dieses Boards:
Da hat der Manfred
...ihr wisst was ich meine. Ich wollte bloss meine Eindrücke vermitteln.
einfach freudig überrascht seine
Beobachtungen (nicht Vermutungen wohlgemerkt!) gepostet und wird von einer
halben Tonnen Mails mit wilden Vermutungen und Anschuldigungen zugeschissen
(sorry). Und dann wird wieder tage- und wochenlang
gezetert und gezerrt von allem möglichen Leuten "Ich hab zwar noch nie durch ein
X geschaut aber trotzdem eine Meinung" oder von Händlern gnadenlos auf Y
eingedroschen und von anderen wiederum das Feuer geschürt wegen Z.....
Aber hat mal wirklich einer einen 115 TMB APO z.B. neben einem 5" Synta stehen
gehabt (ich schon) oder einen 115 TMB neben einem VMC200 (Manfred schon).
Daher sind in meinen Augen die allermeisten der Antworten dieses Threads irrelevant und leider einfach nur ermüdend <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/confused.gif" alt="" />
Also PROBIERT ES EINFACH MAL SELBER AUS Leute, nicht so labern sondern substantiell was ausprobieren und dann erst posten !!!
Cheers, Christian
(Member of LISTE)
P.S Es darf dreimal geraten werden, warum der Anteil derjenigen Hobbyastronomen die edle Optiken besitzen und auf astronomie.de posten so viel geringer ist als in der Realität auf lokalen Treffen vermutet werden kann. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/ooo.gif" alt="" />