Erste lange Nacht mit dem Acuter

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Delyon

Aktives Mitglied
Beobachtungszeitraum: 21./22.9.2015, ca. 21-4 Uhr
Beobachtungsort: Bei Annaberg, Niederösterreich (ca. 1000m ü.Nn.)
Verwendetes Teleskop: Acuter 90/900 ED auf AZ-4
Verwendete Okulare und Filter: 32mm Erfle, Explore Scientific 14mm und 6,7mm, Astronomik UHC-Filter 2"

Mit dem Acuter hatte ich schon länger geliebäugelt, aber die neueren Diskussionen in den Astroforen, in denen ihm vollapo-mäßige Farbkorrektur bescheinigt wurde, gaben den Ausschlag, meinen bisherigen 80/600 ED zu verkaufen und durch den Acuter zu ersetzen, den ich gerade noch zum alten Preis von 430€ im Komplettset mit Koffer und Zubehör bekam (Wenige Tage später dann die drastische Preiserhöhung auf 580€). Abzüglich dessen, was ich mit dem Verkauf des 80er EDs erzielte, also nur ein kleiner Aufschlag für das Upgrade auf 10mm mehr Öffnung und noch bessere Farbkorrektur.

Da ich ja schon ausgiebige Erfahrung mit der Deep Sky-Beobachtung mit 80mm gemacht habe, wusste ich vorher schon ganz gut, was man in der Öffnungsklasse erwarten kann, es ging bei der Anschaffung des Acuters an eine moderate Verbesserung an Lichtausbeute und Bildästhetik, und um das Fazit der ersten langen Beobachtungsnacht vorwegzunehmen: Genau das habe ich mit dem Acuter auch bekommen - eine moderate Verbesserung dessen, wofür ich den 80er ED schon schätzengelernt habe mit etwas mehr Vergrößerungsspielraum für Mond, Planeten und kompakte Deep Sky-Objekte und dafür etwas weniger Weitfeldmöglichkeiten (Als ultrakompakten gehobenen Richfielder habe ich mir inzwischen noch einen gebrauchten 66er Equinox angeschafft).

Nun steht der Acuter schon eine Weile bei mir in der Wohnung, konnte wegen miesen Wetters und Zeitmangels aber bisher nur für ein bisschen Mond- und Planetenbeobachtung in der Stadt getestet werden, wo er schon mal eine ausgezeichnete Figur machte und bis einschließlich 191x sowohl am Mond wie auch an den Planeten knackig scharfe Eindrücke lieferte, bei denen auch vom visuell minimalen Restfarbfehler des 80er EDs nichts mehr erkennbar ist. CA ist, wenn mein Exemplar repräsentativ ist, mindestens für visuelle Beobachter beim Acuter wirklich kein Thema.
In der Nacht vom 21. zum 22. September trafen dann endlich mal wieder für den Ostalpenraum beste Wetterprognosen mit freier Zeit zusammen, sodass ich das neue Teleskop mit dem Postbus ins finstere Annaberg auf über 1000m Seehöhe ausführen und unter stockdunklem Himmel die Deep Sky-Qualitäten des Acuters ausgiebig erproben konnte. Vorab zwei technische Bemerkungen. Trotz seiner stattlichen Länge ist das Rohr mit leichter azimutaler Monti auch für autolose Beobachter noch transportabl, auch bei einem so komplizierten Weg in dunkle Gefilde wie bei mir: Erst zu Fuß zur Straßenbahn, dann mit Straßenbahn und U-Bahn zum Busbahnhof, zweieinhalb Stunden per Postbus von Wien in meine abgelegene dunkle Ecke der Alpen und von dort noch eine kleine Fußwanderung. Etwas anstrengend ist das schon, jedoch mit entsprechender Motivation durchaus noch machbar wegen des geringen Tubusgewichts von etwa 3 Kilo - das ist aber auch so etwa die Obergrenze an Teleskopgröße für halbwegs stressfreien Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Zweitens, zum Thema Montierung: Ich nutze den Acuter auf einer AZ-4, das ist keine optimale Lösung, aber für mich noch okay. Bei hohen Vergrößerungen gibt es schon spürbares Nachschwingen, aber auch nicht so stark, dass man nicht mehr sauber fokussieren könnte, und wenn man den optimalen Fokus mal gefunden hat, geht die Nachführung auch bei den von mir in dieser Nacht verwendeten 134x recht sanft und bequem, wenn man den Tubus richtig in den Rohrschellen balanciert. Eine stärkere Montierung wäre besser, aber für mich als auf niedriges Transportgewicht angewiesenen Beobachter ist die Kombination noch in Ordnung.

Aber zur Beobachtungspraxis! In den ersten Nachtstunden störte die Helligkeit des Mondes noch merklich den Himmel, aber Mondbeobachtung selbst ging auch nicht, weil der Trabant von meinem Beobachtungsplatz aus von einem Berg verdeckt wurde. Mit Planeten sieht es im Moment auch mau aus, also heute eine reine Deep Sky-Nacht, die ich mit einigen hellen, unter dem Mondlicht nicht so sehr leidenden Objekten des sich verabschiedenden Sommerhimmels einleitete. Der Ringnebel M57 ist bei 64x auch bei direktem Sehen schon deutlich als hübscher Kringel erkennbar und bleibt auch bei 134x noch ausreichend hell, ihn im Detail zu studieren, wo dann schon ein paar leichte Unregelmäßigkeiten am Rand des Rauchrings sichtbar werden - schön. Weiter gehts zum Hantelnebel M27, der ebenfalls hell genug ist, mit der Vergrößerung bis 134x hochgehen zu können und sich dort wie eine auf beiden Seiten angenagte Birne aus Licht präsentiert mit diffusem Ausstrahlungen. Aber eigentlich ist der Hantelnebel ein Objekt, das ich im weiten Raum am Ästhetischsten finde, wenn er geisterhaft strahlend vor stenreichem weitem Hintergrund daherschwebt, darum genoss ich den Anblick lange bei 28x im Erfle. Mit seinen 900m Brennweite ist der Acuter natürlich kein Richfielder, aber mit dem 32mm Erfle komme ich immerhin schon auf komfortable 2,3 Grad Gesichtsfeld, und wenn ich mir mal noch ein 38mm Erfle zulege, sind sogar satte 3,2 Grad drin bei einer noch sehr toleranten AP.
Als nächstes war der Pracht-Kugelsternhaufen M13 im Herkules dran, bei 28x schon etwas krümelig am Rand, und bei 134x dann - wow! Jede Menge feiner aufgelöster Einzelsterne am Rand, und bis ins Zentrum hinein granulatartige Struktur, die den Charakter dieses Objekts schon gut erfassbar macht. Wunderbarer Anblick, und je länger man sich in den Haufen vertieft, desto deutlicher wird er zum Rand hin aufgelöst. Von da machte ich einen Abstecher zum kleinen Bruder M92, nicht ganz so spektakulär wie M13, aber bei 134x auch sehr schön: Im Gegensatz zu M13 bleibt das Zentrum zwar ein strukturloser heller Lichtklecks, der dafür aber von einem weiten Bereich dicht stehender schon gut erkennbarer Einzelsterne umgeben ist.

Mit tiefer sinkendem Mond wurde der Himmel immer besser und konnte man zu Extragalaktischem übergehen. Zuerst war natürlich ein Besuch in der Andromedagalaxie Pflicht. Im Erfle bei 28x schon mit hell und deutlich sichtbaren Begleitgalaxien M32 und M110 und weiten Ausläufern, wurde die so oft als langweilig beschriebene Andromedagalaxie bei einem späteren weiteren Blick nach Monduntergang wirklich spektakulär: So riesig ausgedehnt, dass ihr sichtbarer Bereich gar nicht mehr komplett ins Okular passt (Ja, ein 38er Erfle muss noch her!), und durch geschicktes indirektes Sehen wird das größte Staubband wahrnehmbar und kann man momentweise umrisshaft die Form der Gesamtgalaxie erahnen, wie man sie von Astrofotos kennt, während man immer noch darüber erstaunt, WIE verdammt groß das Ding unter passendem Himmel eigentlich ist. Für M110 ging ich dann auch noch auf 64x hoch, wo man schon sehr deutlich den hellen Kernbereich von den diffuseren Außenbereichen dieser interessanten Begleitgalaxie unterscheiden kann, die ja meistens als bloße Dreingabe zur Andromeda mitgenommen wird, aber auch ein wirklich schönes eigenes Beobachtungsobjekt ist.
Überhaupt wurde der Himmel nach Monduntergang phänomenal gut, mit reichlich strukturierter himmelsumspannender Milchstraße, schon mit bloßem Auge großer und heller Andromedagalaxie, und sogar die Dreiecksgalaxie M33 wurde als blasser Lichthauch sichtbar, wovon ich mich überzeugte, indem ich mit dem Leuchtpunktsucher genau diese Stelle anvisierte, und siehe da: Da ist die Galaxie im Okular, mein Auge hat mich also nicht getäuscht. Die Spiralstruktur von M33 war nicht klar erkennbar, aber die Galaxie blieb auch nicht ganz strukturlos. Zum einen hob sich der Zentralbereich fast punktförmig verdichtet besonders hell ab, zum anderen war schon zu erkennen, dass ein zarter Lichtarm am einen Ende aus dem Nebeloval der Galaxie herauswächst, ein Spiralarm ist also zumindest erahnbar und man hat den Eindruck, dass in diesem Gebilde "Bewegung drin ist".

Der großartige Gebirgshimmel lud dazu ein, zum Sommerabschied auch den großen Nebeln im Schwan noch einen Besuch abzustatten, ehe sie zu tief sinken. Zuerst zum Cirrusnebel. Ohne Nebelfilter im Erfle zwar deutlich erkennbar, aber nicht sonderlich spektakulär, eben ein mehr oder weniger strukturloser, an den Enden gebogenes Stück Licht. Der dann eingeschraubte UHC-Filter änderte den Anblick drastisch, nun waren herrliche Filamente und reizvollere Abstufungeren zwischen hellerem und dunklerem Grau erkennbar, allein dafür lohnt sich eigentlich schon der teure Filter. In einem früheren Beobachtungsbericht habe ich den Anblick des Cirrusnebels mit einem im Wind flatternden Kleid aus Licht verglichen, und daran erinnert er mich auch jetzt wieder. Andererseits kann man mit ein wenig Phantasie auch eine in den Raum ausgreifende Geisterhand sehen. Der schwächere Teil des Cirrusnebels, NGC 6960, ist zwar ebenfalls deutlich und recht hell sichtbar, aber nicht so aufregend. Reizvoll allerdings der helle Hintergrundstern etwa in der Mitte des Nebels, sodass es ein bisschen wie eine Kerze aussieht, von der nach beiden Seiten hin Rauchschleier aufsteigen.
Weiter ging es zum Nordamerikanebel, der noch halbwegs ins Gesichtsfeld des 32er Erfles passt. Viel größer und heller als der Cirrusnebel, finde ich den Nordamerikanebel trotzdem nicht ganz so interessant, da bei Weitem nicht so fein strukturiert. "Mexiko" ist besonders hell und deutlich, erinnert mich aber fast noch mehr an einen aus den Wolken kriechenden Tornadorüssel. "Florida" ist gerade so erkennbar, aber nur ein schwacher Lichthauch. Schließlich noch ein Blick in Richtung Pelikannebel. Ohne Filter ist an dieser Stelle nichts Besonderes wahrnehmbar. Mit UHC-Filter wird dann jedoch erkennbar, dass der Himmelshintergrund dort etwas heller ist als ringsum, aber diese etwas erhöhte Helligkeit ist auch alles, was man vom Pelikannebel erkennt.

Da ich zu solchen langen Beobachtungsnächten unter erstklassigem Himmel auch nicht so oft komme, will ich in jeder von ihnen auch ein paar bisher noch nie beobachtete Objekte erwischen. Zuerst mache ich mich auf die Jagd nach der rund 30 Millionen Lichtjahre entfernten riesigen Spiralgalaxie NGC 891, ein Objekt, nach dem ich schon oft gesucht, das ich aber noch nie gefunden habe. Heute klappt es auf Anhieb: Da ist sie als recht schwacher, aber auch bei 64x noch deutlicher länglicher Nebel, der Charakter als Edge on-Galaxie ist gut erkennbar, wenn man auch nichts vom berühmten Staubband sieht. Nächstes erstmals beobachtetes Objekt: Der "kleine Hantelnebel" M76. Im Übersichtsokular sieht dieser planetarischer Nebel noch fast wie ein verwaschener Stern aus, bei 64x und 134x werden dann aber deutlich seine zwei Komponenten unterscheidbar, sehr hübscher Anblick. Weitere Stationen waren dann die ca. 50 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie NGC 7331 im Pegasus, mit sehr hellem, gut vom Randbereich unterscheidbaren Kern, auch zum ersten mal beobachtet, wenn ich mich nicht irre. In der Nähe wäre Stephans Quintett, aber das muss man mit 90mm Öffnung gar nicht erst versuchen. Weiter ging das Programm mit den drei Parade-Sternhaufen M36, M37 und M38 im Fuhrmann, glitzernde Sternjuwelenkästchen vor pechschwarzem Hintergrund, bei denen besonders M37 mit seinem enormen Sternenreichtum beeindruckt, der noch bis einschließlich 134x immer mehr Sterne offenbart. H&Chi darf bei der Sternhaufenparade auch nicht fehlen, wobei ich besonders auf die in den beiden Haufen versteckten roten Sterne achtete, von denen schon eine ganze Menge auszumachen sind und die wie Rubine herausstechen. Ein Blick noch auf die Plejaden und auf das herrliche Galaxienpaar M81/82, M81 mit ausgedehntem hellem Halo, und in M82 meinte ich, andeutungsweise eine dunkle Staubstruktur in der Galaxie zu erspähen. Die Galaxie NGC 1023 im Perseus konnte ich nicht finden. Schließlich, ehe ich zusammenräumte, um rechtzeitig zum Frühbus im Dorf zurück zu sein, die erste Orionnebel-Sichtung in dieser Saison, wundervoll, schön aufgelöstes Trapez, weit ausgedehnte Adlerschwingen, ordentlich hell und detailreich auch noch bei 134x. Die gleißend helle Venus grüßte mich noch auf dem Rückweg, aber für ihre Beobachtung im Acuter werden sich noch andere Gelegenheiten finde.

CS,
Fabian
 
Hallo Fabian,
ich bewundere immer wieder deine Motivation aber auch die Art und Weise, dass beobachtete zu beschreiben und sehr interessant zu verfassen. Da ich selber seit viel Jahren mit einem 100mm Refraktor beobachte, ist es sehr angenehm hier Berichte von Beobachtungen zu lesen, die mit vergleibarem Gerät erzielt wurden.

Bitte mehr davon!

CS Holger
 
Hallo Fabian,

ich stimme Holger voll und ganz zu. Weiter so Fabian.

Zu M 31. Bislang war das für mich auch eher ein Objekt für kleine Optiken und mir hat die Galaxie nur in Ferngläsern gut gefallen. Aber wenn der Himmel stimmt, dann macht diese Galaxie aber auch in großen Teleskopen Spaß. Das habe ich zuletzt beim HTT erleben dürfen. Wir hatten Rückseitenwetterlage und M 31 stand im Zenit. Dem beharrlichen Drängeln eines Mitbeobachters nachgebend habe ich M 31 widerwillig ins Okular meines 12,5"-Teleskopes gestellt. Uns gingen die Augen über, so detailreich und ausgedehnt war die Galaxie zu sehen. Die Dunkelbänder waren sehr eindrucksvoll und wirkten fast schon plastisch. M 32 stand inmitten des schwachen Leuchtens von M 31.

Bei M 33 kannst du das nächste Mal versuchen, die Sternentstehungs-Region NGC 604 im nördlichen Arm zu erhaschen. Das sollte mit Deiner Öffnung gehen.

Bei M 38 fallen mir noch spontan zwei Objekte in unmittelbarer Nähe ein, auf die Du nächstes Mal achten könntest. Knapp südlich steht ein schwächerer Sternhaufen NGC 1907, der einen schönesn Kontrastprogramm zum mächtigen M 38 darstellt. Ebenfalls südlich findest Du auch ein schönes Sternmuster mit deutlicher Ausdehnung von gut 3° - die Grinsekatze. Acht Sterne 5. bis 7. Größenklasse bilden zwei Augen und einen breiten Mund. Ein ideales Objekt für Ferngläser und Refraktoren mit Gesichtfeldern von mindestens 4°.

Beste Grüße

Rene
 
Hallo Fabian,

auch ich bewundere deine Motivation und dein Durchhaltevermögen. Ich wohne auf einem Bauernhof im Münsterland, habe keine Laternen und keine Nachbarhäuser. Meine Freiluststernwarte ist daher nur 30 m vom Haus entfernt.

Am liebsten beobachte ich mit 3" - 5" Refraktoren. Man kann mit ihnen 20 Jahre beobachten und hat noch nicht mal alles einmal gesehen. Darüber hinaus enttäuschen sie einen nie.

Vor ca. zwei Tagen hatte ich ein tolles Erlebnis. Ich habe ich Milchstraße so klar gesehen, dass ich im ersten Moment dachte: "Es müssen Wolken sein". Seit Jahren habe ich keine so schöne Milchstraße gesehen. Natürlich habe ich sofort alles "abgeklappert" und unvergessene Beobachtungserlebnisse gesammelt. Mir fehlt aber der Nerv, das hier auszubreiten.

Gruß Klaus
 
Hallo Fabian,

auch von mir ein herzliches Dankeschön für Deine tollen Beiträge, die ich stets gerne lese.

Wenn Du zu so einer dunklen Beobachtungsnacht hinausfährst, bei der Du ja immer nur eines Deiner Teleskope mitnehmen kannst, welches hat Dir bisher am besten gefallen, am meisten gezeigt, welches nimmst Du am liebsten mit? Ich frage deshalb, weil in einem anderen Thread jemand zu der Einschätzung kam, der 120er F5 Skywatcher zeige zwar trotz des Farbfehlers etwa dieselben Details an Planeten wie z.B. ein 80er Apo, aber ihm gefalle das Bild dabei nicht. Wenn man aber mal die Ästhetik hintanstellt, und es nur im Hinblick auf gesteigerte Wahrnehmung/Bildinformation betrachtet, und wenn dabei der Beobachtungsschwerpunkt wie bei Dir mehr auf DeepSky liegt, wäre dann im Grunde der "bunte" dickere FH nicht in jedem Fall vorzuziehen? Bei DeepSky zeigt er mehr als ein kleiner Apo, und am Planeten, die ja oft auch von zu Hause aus gehen, im Prinzip dasselbe, nur leider weniger schön.

Sieht Du das auch so? Mich würde da Deine persönliche Einschätzung als erfahrener Visueller interessieren.

Gruß,
Mathias
 
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Hallo Mathias,

ich würde nicht sagen, dass mein Beobachtungssschwerpunkt auf Deep Sky liegt. Als Großstadtbeobachter ohne Auto nutze ich meine Teleskope wohl am Häufigsten dafür, spontan mit der Straßenbahn an den Stadtrand zu fahren und etwas Mond und Planeten zu schauen, aber über eine Stunde Mondgucken schreibe ich halt keinen Beobachtungsbericht ;) Zu langen Deep Sky-Nächten komme ich gar nicht soo oft: Bei Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn man bis zum ersten Bus um 6 Uhr morgens draußen bleiben muss, kommen Deep Sky-Exkursionen ins Gebirge nur in Nächten in Frage, in denen man mit annähernder Sicherheit davon ausgehen kann, dass es die komplette Nacht wolkenfrei bleiben wird, dazu muss noch die Mondphase stimmen und ich muss am nächsten Tag frei haben - so oft kommt das alles in Mitteleuropa nicht zusammen, wenn ich jeden Monat eine lange Deep Sky-Nacht in den Alpen habe, bin ich schon zufrieden.

Zum 120er Achro: Die Einschätzung, man sehe dabei an Mond und Planeten dieselben Details wie in einem kleineren (Halb)Apo, kann ich nicht teilen. Mein alter 80er ED und jetzt der noch farbreinere 90er erst recht schlagen den 120er-Kurzachro an Planeten um Längen. Da ist einmal die beim Achro grauenhafte Bildästhetik bei Jupiter, Venus und Mars - das ist kein kleiner Schönheitsfehler, sondern besonders Jupiter ertrinkt schon bei mittleren Vergrößerungen förmlich in Farbsuppe, das macht nur wenig Spaß. Auch sehe ich an Jupiter viel weniger Details als selbst früher im 80er ED: Die zwei Hauptwolkenbänder, das wars im Grunde. Der ED zeigte schon drei bis vier Wolkenbänder, den Großen Roten Fleck und manchmal schon Ausfransungen am Rand der Wolkenbänder, und das in schönen natürlichen Farben. Saturn geht im Achro etwas eher, zeigt weniger Farbe, ist aber auch weichgezeichneter als im ED, zeigt zwar halbwegs die Cassiniteilung, aber im Gegensatz zum kleineren ED kein Wolkenband auf dem Planeten. Der Mond ist bei mittleren Vergrößerungen im Achro noch recht schön, aber ab etwa 90x stört auch hier der Farbfehler.
Bei Vergrößerungen über etwa 70-90x knickt die Abbildung des Achro einfach merklich ein, das gilt auch für die Sternabbildung, die bei höheren Vergrößerungen keine Nadelpunkte mehr sind wie in meinen EDs, sondern nicht mehr ganz scharf zu bekommende Kügelchen werden, das mindert spürbar die Bildästhetik bei Sternhaufen, und bei Kugelsternhaufen behindert es auch die Auflösung von Einzelsternen - ich würde sagen, dass der 120er Achro und der 90/900 ED bspw. an M13 etwa gleich viele Einzelsterne auflösen, trotz der 30mm Öffnungsunterschied. Der 80er ED dagegen hatte eine vorzüglich, visuell annähernd farbreine Abbildung bis etwa 150x, mit dem Acuter sah ich testweise noch bei knapp 200x knackscharfe Bilder und an Mond und Jupiter keinen wahrnehmbaren Farbfehler (In der Praxis nutze ich so hohe Vergrößerungen aber aus Montierungsgründen eh nicht). Schließlich stört mich auch ein wenig, dass der Achro helle Sterne nicht in ihren natürlichen Farben abbildet.

Der 120er Achro ist trotzdem ein schönes Gerät, aber eben eine recht spezielle Ergänzung nur für Deep Sky bei geringen und mittleren Vergrößerungen. Große Nebel, aber durchaus auch Galaxien sind damit wunderbar, unter Alpenhimmel zeigen fünf Zoll Öffnung schon verdammt viel bis hin zu Struktur in einer Menge Galaxien, die ein 80er oder 90er ED aus Lichtmangel nicht schafft. Aber Mond, Planeten, Sternhaufen und Doppelsterne sind im (Halb)Apo wesentlich schöner, sie sind damit einfach universellere Geräte, mit denen man im Rahmen des mit der Öffnung Möglichen alle Objektklassen gleichermaßen gut beobachten kann. Würde ich mich entscheiden müssen, ob ich nur den dickeren FH oder einen kleineren ED/Apo behalten wollte, wäre es zweiterer. Der Achro ist dazu halt die DS-Ergänzung für Objekte, denen bei 90 oder 80mm das Licht ausgeht.

CS,
Fabian
 
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Hallo Fabian,

vielen Dank für den wieder einmal tollen Beobachtungsbericht. Deine Einschätzungen zu dem 120/600 kann ich voll und ganz unterschreiben. Meine Erfahrungen beruhen auf dem Vergleich von eben jenem 120/600 sowie einem 102/710 ED Zweilinser und einem 72/430 ED Zweilinser. Am Mond zeigte der 72er ab ca. 60-70 fach mehr (!) Details als der 120er. Bei Deepsky gewinnt der 102er den Grenzgrößenvergleich mit dem 120er locker (man braucht dazu eben zusätzlich zur Öffnung auch Vergrößerung). Die Paradedisziplin des 120er ist das Beobachten mit 30facher Vergrößerung und 100° SGF. Ich zoome aber gern auch mal in ein Objekt hinein (80-100fach). Und genau das kann der 120er nur sehr beschränkt (m.E. bis AP=2mm). Deshalb habe ich meinen 120er wieder verkauft.
 
Hallo Fabian,

ich habe nur den kleinen Bruder, aber deine Beurteilung trifft auch hier voll zu. Jupiter ist so häßlich, dass ich dieses Bild gar nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Es prägen sich leider unschöne neben den vielen schönen Bilder sehr ein. Die Richfielder sind gut bei niedriger Vergrößerung, großem Feld und wo die Objekte nicht allzu hell sind. Ein schönreden hilft wenig. Der Farbfehler und die damit verbunden Matschigkeit des Bildes bei größerer werdender Vergrößerung (< AP 2mm) sind die Schwachpunkte. Schön sind ausgedehnte Nebel (mit Filter), Galaxien, einige offene Sternhaufen und rumsurfen bei niedriger Vergrößerung. Dunkler Himmel ist hierbei notwendig. Ich würde mir heute das Gerät nicht mehr kaufen, sondern z.B. einen kleinen ED, da dieser einfach universeller einsetzbar ist (bis hin zur Photographie).

Viele Grüße
Matthias
 
Hallo Jochen,

AP von 2mm als Maximum scheint mir aber doch ein bisschen zu pessimistisch: Mit einem 6,7mm ES, also 89-facher Vergrößerung und 1,3mm AP finde ich die Abbildung des 120er Achros noch ganz in Ordnung - sicher, die Planeten werden da schon ungenießbar, der Mond zeigt schon einen deutlichen Farbsaum, und die Sternabbildung ist nicht mehr so schön, aber bei Deep Sky, bei Galaxien, planetarischen Nebeln und Kugelsternhaufen, geht das noch sehr gut. Insbesondere bei Galaxien hat er gegenüber meinem aktuellen 90mm (Halb)Apo und dem vorherigen 80er ED ganz klar die Nase vorn, da macht sich der schiere Lichtgewinn bemerkbar, und M82, M51 oder M33 zeigen bei 89x unter Alpenhimmel im Achro schon Strukturen, bei denen farbreinere 80 oder 90mm nicht mitkommen. Dafür behalte ich den Achro dann auch: Als größte Deep Sky-Öffnung, die ich noch gut transportieren kann (Der 130er Newton wird ja etwas weniger Licht sammeln als eine 120er Linse, für einen gewissen Lichtgewinn müsste ich also mindestens zum 150er Newton greifen, der mir für den Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln schon zu groß und schwer ist).

CS,
Fabian
 
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Hallo Fabian,

Deine Beobachtungen seien Dir unbenommen. Möglicherweise ist Dein Achro auch besser als meiner (war). Ich habe den Vergrößerungsvergleich mit dem 102 ED (ja, der sammelt natürlich mehr Licht als Dein 90er) an M82 gemacht. Der ED hat klar mehr gezeigt, sowohl an Strukturen als auch an Grenzgröße. Der ED ist allerdings auch ein sehr guter (Strehl >0,9). Ich kann mir vorstellen, dass ein besonders gutes Exemplar der Richfielder auch zu etwas mehr als AP=2mm taugt. So ein 110/700 ED Zweilinser in sehr guter Qualität, das wäre was (35x mit 100°...).
 
Hallo Fabian,

ein toller Bericht, den ich aus meiner Erfahrung (ich habe das Gerät selber auf der N-EQ3 Skyscan) voll und ganz unterschreiben kann.
Es ist immer wieder erstaunlich, was das Gerät an Deep sky leistet und vorallem ist es mit f/10 sehr okularfreundlioh, so dass auch die 70°-Billigweitwinkelklasse wunderbar funktioniert.

An Mond und Planeten ist der Acuter eh ein Genuss.

Viele Grüße

Markus



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Quidquid agis, agas prudenter et respice finem!
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Juniper Hill Observatory

Markus A. R. Langlotz
Dr.-Bruno-Sahliger-Str. 8
D-93096 Köfering

Die Astroseite: www.N-T-L.de
Die Sternwarte: sternwarte.N-T-L.de
Die Mailadresse: ntl.observatory (at) freenet.de

 
Hallo Fabian,

wunderschöner Bericht. Erstaunlich was mit dieser relativ kleinen Öffnung alles geht, wenn man nur den richtigen Beobachtungsstandort aufsucht. Mit meinem 90mm Achromaten konnte ich bisher jedenfalls keien Adlerschwingen am Orionnebel ausmachen, M31 ist ein einziger Klecks. Und leider ist bei mir kein höheres Gebirge vor der Haustür.

Meinst du die wesentlich bessere Erkennung hat auch mit der Farbreinheit deines Instrumentes zu tun oder ist es nur der vielgelobte dunkle und klare Berghimmel?

Beste Grüße
Klaus
 
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