Delyon
Aktives Mitglied
Beobachtungszeitraum: 21./22.9.2015, ca. 21-4 Uhr
Beobachtungsort: Bei Annaberg, Niederösterreich (ca. 1000m ü.Nn.)
Verwendetes Teleskop: Acuter 90/900 ED auf AZ-4
Verwendete Okulare und Filter: 32mm Erfle, Explore Scientific 14mm und 6,7mm, Astronomik UHC-Filter 2"
Mit dem Acuter hatte ich schon länger geliebäugelt, aber die neueren Diskussionen in den Astroforen, in denen ihm vollapo-mäßige Farbkorrektur bescheinigt wurde, gaben den Ausschlag, meinen bisherigen 80/600 ED zu verkaufen und durch den Acuter zu ersetzen, den ich gerade noch zum alten Preis von 430€ im Komplettset mit Koffer und Zubehör bekam (Wenige Tage später dann die drastische Preiserhöhung auf 580€). Abzüglich dessen, was ich mit dem Verkauf des 80er EDs erzielte, also nur ein kleiner Aufschlag für das Upgrade auf 10mm mehr Öffnung und noch bessere Farbkorrektur.
Da ich ja schon ausgiebige Erfahrung mit der Deep Sky-Beobachtung mit 80mm gemacht habe, wusste ich vorher schon ganz gut, was man in der Öffnungsklasse erwarten kann, es ging bei der Anschaffung des Acuters an eine moderate Verbesserung an Lichtausbeute und Bildästhetik, und um das Fazit der ersten langen Beobachtungsnacht vorwegzunehmen: Genau das habe ich mit dem Acuter auch bekommen - eine moderate Verbesserung dessen, wofür ich den 80er ED schon schätzengelernt habe mit etwas mehr Vergrößerungsspielraum für Mond, Planeten und kompakte Deep Sky-Objekte und dafür etwas weniger Weitfeldmöglichkeiten (Als ultrakompakten gehobenen Richfielder habe ich mir inzwischen noch einen gebrauchten 66er Equinox angeschafft).
Nun steht der Acuter schon eine Weile bei mir in der Wohnung, konnte wegen miesen Wetters und Zeitmangels aber bisher nur für ein bisschen Mond- und Planetenbeobachtung in der Stadt getestet werden, wo er schon mal eine ausgezeichnete Figur machte und bis einschließlich 191x sowohl am Mond wie auch an den Planeten knackig scharfe Eindrücke lieferte, bei denen auch vom visuell minimalen Restfarbfehler des 80er EDs nichts mehr erkennbar ist. CA ist, wenn mein Exemplar repräsentativ ist, mindestens für visuelle Beobachter beim Acuter wirklich kein Thema.
In der Nacht vom 21. zum 22. September trafen dann endlich mal wieder für den Ostalpenraum beste Wetterprognosen mit freier Zeit zusammen, sodass ich das neue Teleskop mit dem Postbus ins finstere Annaberg auf über 1000m Seehöhe ausführen und unter stockdunklem Himmel die Deep Sky-Qualitäten des Acuters ausgiebig erproben konnte. Vorab zwei technische Bemerkungen. Trotz seiner stattlichen Länge ist das Rohr mit leichter azimutaler Monti auch für autolose Beobachter noch transportabl, auch bei einem so komplizierten Weg in dunkle Gefilde wie bei mir: Erst zu Fuß zur Straßenbahn, dann mit Straßenbahn und U-Bahn zum Busbahnhof, zweieinhalb Stunden per Postbus von Wien in meine abgelegene dunkle Ecke der Alpen und von dort noch eine kleine Fußwanderung. Etwas anstrengend ist das schon, jedoch mit entsprechender Motivation durchaus noch machbar wegen des geringen Tubusgewichts von etwa 3 Kilo - das ist aber auch so etwa die Obergrenze an Teleskopgröße für halbwegs stressfreien Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Zweitens, zum Thema Montierung: Ich nutze den Acuter auf einer AZ-4, das ist keine optimale Lösung, aber für mich noch okay. Bei hohen Vergrößerungen gibt es schon spürbares Nachschwingen, aber auch nicht so stark, dass man nicht mehr sauber fokussieren könnte, und wenn man den optimalen Fokus mal gefunden hat, geht die Nachführung auch bei den von mir in dieser Nacht verwendeten 134x recht sanft und bequem, wenn man den Tubus richtig in den Rohrschellen balanciert. Eine stärkere Montierung wäre besser, aber für mich als auf niedriges Transportgewicht angewiesenen Beobachter ist die Kombination noch in Ordnung.
Aber zur Beobachtungspraxis! In den ersten Nachtstunden störte die Helligkeit des Mondes noch merklich den Himmel, aber Mondbeobachtung selbst ging auch nicht, weil der Trabant von meinem Beobachtungsplatz aus von einem Berg verdeckt wurde. Mit Planeten sieht es im Moment auch mau aus, also heute eine reine Deep Sky-Nacht, die ich mit einigen hellen, unter dem Mondlicht nicht so sehr leidenden Objekten des sich verabschiedenden Sommerhimmels einleitete. Der Ringnebel M57 ist bei 64x auch bei direktem Sehen schon deutlich als hübscher Kringel erkennbar und bleibt auch bei 134x noch ausreichend hell, ihn im Detail zu studieren, wo dann schon ein paar leichte Unregelmäßigkeiten am Rand des Rauchrings sichtbar werden - schön. Weiter gehts zum Hantelnebel M27, der ebenfalls hell genug ist, mit der Vergrößerung bis 134x hochgehen zu können und sich dort wie eine auf beiden Seiten angenagte Birne aus Licht präsentiert mit diffusem Ausstrahlungen. Aber eigentlich ist der Hantelnebel ein Objekt, das ich im weiten Raum am Ästhetischsten finde, wenn er geisterhaft strahlend vor stenreichem weitem Hintergrund daherschwebt, darum genoss ich den Anblick lange bei 28x im Erfle. Mit seinen 900m Brennweite ist der Acuter natürlich kein Richfielder, aber mit dem 32mm Erfle komme ich immerhin schon auf komfortable 2,3 Grad Gesichtsfeld, und wenn ich mir mal noch ein 38mm Erfle zulege, sind sogar satte 3,2 Grad drin bei einer noch sehr toleranten AP.
Als nächstes war der Pracht-Kugelsternhaufen M13 im Herkules dran, bei 28x schon etwas krümelig am Rand, und bei 134x dann - wow! Jede Menge feiner aufgelöster Einzelsterne am Rand, und bis ins Zentrum hinein granulatartige Struktur, die den Charakter dieses Objekts schon gut erfassbar macht. Wunderbarer Anblick, und je länger man sich in den Haufen vertieft, desto deutlicher wird er zum Rand hin aufgelöst. Von da machte ich einen Abstecher zum kleinen Bruder M92, nicht ganz so spektakulär wie M13, aber bei 134x auch sehr schön: Im Gegensatz zu M13 bleibt das Zentrum zwar ein strukturloser heller Lichtklecks, der dafür aber von einem weiten Bereich dicht stehender schon gut erkennbarer Einzelsterne umgeben ist.
Mit tiefer sinkendem Mond wurde der Himmel immer besser und konnte man zu Extragalaktischem übergehen. Zuerst war natürlich ein Besuch in der Andromedagalaxie Pflicht. Im Erfle bei 28x schon mit hell und deutlich sichtbaren Begleitgalaxien M32 und M110 und weiten Ausläufern, wurde die so oft als langweilig beschriebene Andromedagalaxie bei einem späteren weiteren Blick nach Monduntergang wirklich spektakulär: So riesig ausgedehnt, dass ihr sichtbarer Bereich gar nicht mehr komplett ins Okular passt (Ja, ein 38er Erfle muss noch her!), und durch geschicktes indirektes Sehen wird das größte Staubband wahrnehmbar und kann man momentweise umrisshaft die Form der Gesamtgalaxie erahnen, wie man sie von Astrofotos kennt, während man immer noch darüber erstaunt, WIE verdammt groß das Ding unter passendem Himmel eigentlich ist. Für M110 ging ich dann auch noch auf 64x hoch, wo man schon sehr deutlich den hellen Kernbereich von den diffuseren Außenbereichen dieser interessanten Begleitgalaxie unterscheiden kann, die ja meistens als bloße Dreingabe zur Andromeda mitgenommen wird, aber auch ein wirklich schönes eigenes Beobachtungsobjekt ist.
Überhaupt wurde der Himmel nach Monduntergang phänomenal gut, mit reichlich strukturierter himmelsumspannender Milchstraße, schon mit bloßem Auge großer und heller Andromedagalaxie, und sogar die Dreiecksgalaxie M33 wurde als blasser Lichthauch sichtbar, wovon ich mich überzeugte, indem ich mit dem Leuchtpunktsucher genau diese Stelle anvisierte, und siehe da: Da ist die Galaxie im Okular, mein Auge hat mich also nicht getäuscht. Die Spiralstruktur von M33 war nicht klar erkennbar, aber die Galaxie blieb auch nicht ganz strukturlos. Zum einen hob sich der Zentralbereich fast punktförmig verdichtet besonders hell ab, zum anderen war schon zu erkennen, dass ein zarter Lichtarm am einen Ende aus dem Nebeloval der Galaxie herauswächst, ein Spiralarm ist also zumindest erahnbar und man hat den Eindruck, dass in diesem Gebilde "Bewegung drin ist".
Der großartige Gebirgshimmel lud dazu ein, zum Sommerabschied auch den großen Nebeln im Schwan noch einen Besuch abzustatten, ehe sie zu tief sinken. Zuerst zum Cirrusnebel. Ohne Nebelfilter im Erfle zwar deutlich erkennbar, aber nicht sonderlich spektakulär, eben ein mehr oder weniger strukturloser, an den Enden gebogenes Stück Licht. Der dann eingeschraubte UHC-Filter änderte den Anblick drastisch, nun waren herrliche Filamente und reizvollere Abstufungeren zwischen hellerem und dunklerem Grau erkennbar, allein dafür lohnt sich eigentlich schon der teure Filter. In einem früheren Beobachtungsbericht habe ich den Anblick des Cirrusnebels mit einem im Wind flatternden Kleid aus Licht verglichen, und daran erinnert er mich auch jetzt wieder. Andererseits kann man mit ein wenig Phantasie auch eine in den Raum ausgreifende Geisterhand sehen. Der schwächere Teil des Cirrusnebels, NGC 6960, ist zwar ebenfalls deutlich und recht hell sichtbar, aber nicht so aufregend. Reizvoll allerdings der helle Hintergrundstern etwa in der Mitte des Nebels, sodass es ein bisschen wie eine Kerze aussieht, von der nach beiden Seiten hin Rauchschleier aufsteigen.
Weiter ging es zum Nordamerikanebel, der noch halbwegs ins Gesichtsfeld des 32er Erfles passt. Viel größer und heller als der Cirrusnebel, finde ich den Nordamerikanebel trotzdem nicht ganz so interessant, da bei Weitem nicht so fein strukturiert. "Mexiko" ist besonders hell und deutlich, erinnert mich aber fast noch mehr an einen aus den Wolken kriechenden Tornadorüssel. "Florida" ist gerade so erkennbar, aber nur ein schwacher Lichthauch. Schließlich noch ein Blick in Richtung Pelikannebel. Ohne Filter ist an dieser Stelle nichts Besonderes wahrnehmbar. Mit UHC-Filter wird dann jedoch erkennbar, dass der Himmelshintergrund dort etwas heller ist als ringsum, aber diese etwas erhöhte Helligkeit ist auch alles, was man vom Pelikannebel erkennt.
Da ich zu solchen langen Beobachtungsnächten unter erstklassigem Himmel auch nicht so oft komme, will ich in jeder von ihnen auch ein paar bisher noch nie beobachtete Objekte erwischen. Zuerst mache ich mich auf die Jagd nach der rund 30 Millionen Lichtjahre entfernten riesigen Spiralgalaxie NGC 891, ein Objekt, nach dem ich schon oft gesucht, das ich aber noch nie gefunden habe. Heute klappt es auf Anhieb: Da ist sie als recht schwacher, aber auch bei 64x noch deutlicher länglicher Nebel, der Charakter als Edge on-Galaxie ist gut erkennbar, wenn man auch nichts vom berühmten Staubband sieht. Nächstes erstmals beobachtetes Objekt: Der "kleine Hantelnebel" M76. Im Übersichtsokular sieht dieser planetarischer Nebel noch fast wie ein verwaschener Stern aus, bei 64x und 134x werden dann aber deutlich seine zwei Komponenten unterscheidbar, sehr hübscher Anblick. Weitere Stationen waren dann die ca. 50 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie NGC 7331 im Pegasus, mit sehr hellem, gut vom Randbereich unterscheidbaren Kern, auch zum ersten mal beobachtet, wenn ich mich nicht irre. In der Nähe wäre Stephans Quintett, aber das muss man mit 90mm Öffnung gar nicht erst versuchen. Weiter ging das Programm mit den drei Parade-Sternhaufen M36, M37 und M38 im Fuhrmann, glitzernde Sternjuwelenkästchen vor pechschwarzem Hintergrund, bei denen besonders M37 mit seinem enormen Sternenreichtum beeindruckt, der noch bis einschließlich 134x immer mehr Sterne offenbart. H&Chi darf bei der Sternhaufenparade auch nicht fehlen, wobei ich besonders auf die in den beiden Haufen versteckten roten Sterne achtete, von denen schon eine ganze Menge auszumachen sind und die wie Rubine herausstechen. Ein Blick noch auf die Plejaden und auf das herrliche Galaxienpaar M81/82, M81 mit ausgedehntem hellem Halo, und in M82 meinte ich, andeutungsweise eine dunkle Staubstruktur in der Galaxie zu erspähen. Die Galaxie NGC 1023 im Perseus konnte ich nicht finden. Schließlich, ehe ich zusammenräumte, um rechtzeitig zum Frühbus im Dorf zurück zu sein, die erste Orionnebel-Sichtung in dieser Saison, wundervoll, schön aufgelöstes Trapez, weit ausgedehnte Adlerschwingen, ordentlich hell und detailreich auch noch bei 134x. Die gleißend helle Venus grüßte mich noch auf dem Rückweg, aber für ihre Beobachtung im Acuter werden sich noch andere Gelegenheiten finde.
CS,
Fabian
Beobachtungsort: Bei Annaberg, Niederösterreich (ca. 1000m ü.Nn.)
Verwendetes Teleskop: Acuter 90/900 ED auf AZ-4
Verwendete Okulare und Filter: 32mm Erfle, Explore Scientific 14mm und 6,7mm, Astronomik UHC-Filter 2"
Mit dem Acuter hatte ich schon länger geliebäugelt, aber die neueren Diskussionen in den Astroforen, in denen ihm vollapo-mäßige Farbkorrektur bescheinigt wurde, gaben den Ausschlag, meinen bisherigen 80/600 ED zu verkaufen und durch den Acuter zu ersetzen, den ich gerade noch zum alten Preis von 430€ im Komplettset mit Koffer und Zubehör bekam (Wenige Tage später dann die drastische Preiserhöhung auf 580€). Abzüglich dessen, was ich mit dem Verkauf des 80er EDs erzielte, also nur ein kleiner Aufschlag für das Upgrade auf 10mm mehr Öffnung und noch bessere Farbkorrektur.
Da ich ja schon ausgiebige Erfahrung mit der Deep Sky-Beobachtung mit 80mm gemacht habe, wusste ich vorher schon ganz gut, was man in der Öffnungsklasse erwarten kann, es ging bei der Anschaffung des Acuters an eine moderate Verbesserung an Lichtausbeute und Bildästhetik, und um das Fazit der ersten langen Beobachtungsnacht vorwegzunehmen: Genau das habe ich mit dem Acuter auch bekommen - eine moderate Verbesserung dessen, wofür ich den 80er ED schon schätzengelernt habe mit etwas mehr Vergrößerungsspielraum für Mond, Planeten und kompakte Deep Sky-Objekte und dafür etwas weniger Weitfeldmöglichkeiten (Als ultrakompakten gehobenen Richfielder habe ich mir inzwischen noch einen gebrauchten 66er Equinox angeschafft).
Nun steht der Acuter schon eine Weile bei mir in der Wohnung, konnte wegen miesen Wetters und Zeitmangels aber bisher nur für ein bisschen Mond- und Planetenbeobachtung in der Stadt getestet werden, wo er schon mal eine ausgezeichnete Figur machte und bis einschließlich 191x sowohl am Mond wie auch an den Planeten knackig scharfe Eindrücke lieferte, bei denen auch vom visuell minimalen Restfarbfehler des 80er EDs nichts mehr erkennbar ist. CA ist, wenn mein Exemplar repräsentativ ist, mindestens für visuelle Beobachter beim Acuter wirklich kein Thema.
In der Nacht vom 21. zum 22. September trafen dann endlich mal wieder für den Ostalpenraum beste Wetterprognosen mit freier Zeit zusammen, sodass ich das neue Teleskop mit dem Postbus ins finstere Annaberg auf über 1000m Seehöhe ausführen und unter stockdunklem Himmel die Deep Sky-Qualitäten des Acuters ausgiebig erproben konnte. Vorab zwei technische Bemerkungen. Trotz seiner stattlichen Länge ist das Rohr mit leichter azimutaler Monti auch für autolose Beobachter noch transportabl, auch bei einem so komplizierten Weg in dunkle Gefilde wie bei mir: Erst zu Fuß zur Straßenbahn, dann mit Straßenbahn und U-Bahn zum Busbahnhof, zweieinhalb Stunden per Postbus von Wien in meine abgelegene dunkle Ecke der Alpen und von dort noch eine kleine Fußwanderung. Etwas anstrengend ist das schon, jedoch mit entsprechender Motivation durchaus noch machbar wegen des geringen Tubusgewichts von etwa 3 Kilo - das ist aber auch so etwa die Obergrenze an Teleskopgröße für halbwegs stressfreien Transport mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Zweitens, zum Thema Montierung: Ich nutze den Acuter auf einer AZ-4, das ist keine optimale Lösung, aber für mich noch okay. Bei hohen Vergrößerungen gibt es schon spürbares Nachschwingen, aber auch nicht so stark, dass man nicht mehr sauber fokussieren könnte, und wenn man den optimalen Fokus mal gefunden hat, geht die Nachführung auch bei den von mir in dieser Nacht verwendeten 134x recht sanft und bequem, wenn man den Tubus richtig in den Rohrschellen balanciert. Eine stärkere Montierung wäre besser, aber für mich als auf niedriges Transportgewicht angewiesenen Beobachter ist die Kombination noch in Ordnung.
Aber zur Beobachtungspraxis! In den ersten Nachtstunden störte die Helligkeit des Mondes noch merklich den Himmel, aber Mondbeobachtung selbst ging auch nicht, weil der Trabant von meinem Beobachtungsplatz aus von einem Berg verdeckt wurde. Mit Planeten sieht es im Moment auch mau aus, also heute eine reine Deep Sky-Nacht, die ich mit einigen hellen, unter dem Mondlicht nicht so sehr leidenden Objekten des sich verabschiedenden Sommerhimmels einleitete. Der Ringnebel M57 ist bei 64x auch bei direktem Sehen schon deutlich als hübscher Kringel erkennbar und bleibt auch bei 134x noch ausreichend hell, ihn im Detail zu studieren, wo dann schon ein paar leichte Unregelmäßigkeiten am Rand des Rauchrings sichtbar werden - schön. Weiter gehts zum Hantelnebel M27, der ebenfalls hell genug ist, mit der Vergrößerung bis 134x hochgehen zu können und sich dort wie eine auf beiden Seiten angenagte Birne aus Licht präsentiert mit diffusem Ausstrahlungen. Aber eigentlich ist der Hantelnebel ein Objekt, das ich im weiten Raum am Ästhetischsten finde, wenn er geisterhaft strahlend vor stenreichem weitem Hintergrund daherschwebt, darum genoss ich den Anblick lange bei 28x im Erfle. Mit seinen 900m Brennweite ist der Acuter natürlich kein Richfielder, aber mit dem 32mm Erfle komme ich immerhin schon auf komfortable 2,3 Grad Gesichtsfeld, und wenn ich mir mal noch ein 38mm Erfle zulege, sind sogar satte 3,2 Grad drin bei einer noch sehr toleranten AP.
Als nächstes war der Pracht-Kugelsternhaufen M13 im Herkules dran, bei 28x schon etwas krümelig am Rand, und bei 134x dann - wow! Jede Menge feiner aufgelöster Einzelsterne am Rand, und bis ins Zentrum hinein granulatartige Struktur, die den Charakter dieses Objekts schon gut erfassbar macht. Wunderbarer Anblick, und je länger man sich in den Haufen vertieft, desto deutlicher wird er zum Rand hin aufgelöst. Von da machte ich einen Abstecher zum kleinen Bruder M92, nicht ganz so spektakulär wie M13, aber bei 134x auch sehr schön: Im Gegensatz zu M13 bleibt das Zentrum zwar ein strukturloser heller Lichtklecks, der dafür aber von einem weiten Bereich dicht stehender schon gut erkennbarer Einzelsterne umgeben ist.
Mit tiefer sinkendem Mond wurde der Himmel immer besser und konnte man zu Extragalaktischem übergehen. Zuerst war natürlich ein Besuch in der Andromedagalaxie Pflicht. Im Erfle bei 28x schon mit hell und deutlich sichtbaren Begleitgalaxien M32 und M110 und weiten Ausläufern, wurde die so oft als langweilig beschriebene Andromedagalaxie bei einem späteren weiteren Blick nach Monduntergang wirklich spektakulär: So riesig ausgedehnt, dass ihr sichtbarer Bereich gar nicht mehr komplett ins Okular passt (Ja, ein 38er Erfle muss noch her!), und durch geschicktes indirektes Sehen wird das größte Staubband wahrnehmbar und kann man momentweise umrisshaft die Form der Gesamtgalaxie erahnen, wie man sie von Astrofotos kennt, während man immer noch darüber erstaunt, WIE verdammt groß das Ding unter passendem Himmel eigentlich ist. Für M110 ging ich dann auch noch auf 64x hoch, wo man schon sehr deutlich den hellen Kernbereich von den diffuseren Außenbereichen dieser interessanten Begleitgalaxie unterscheiden kann, die ja meistens als bloße Dreingabe zur Andromeda mitgenommen wird, aber auch ein wirklich schönes eigenes Beobachtungsobjekt ist.
Überhaupt wurde der Himmel nach Monduntergang phänomenal gut, mit reichlich strukturierter himmelsumspannender Milchstraße, schon mit bloßem Auge großer und heller Andromedagalaxie, und sogar die Dreiecksgalaxie M33 wurde als blasser Lichthauch sichtbar, wovon ich mich überzeugte, indem ich mit dem Leuchtpunktsucher genau diese Stelle anvisierte, und siehe da: Da ist die Galaxie im Okular, mein Auge hat mich also nicht getäuscht. Die Spiralstruktur von M33 war nicht klar erkennbar, aber die Galaxie blieb auch nicht ganz strukturlos. Zum einen hob sich der Zentralbereich fast punktförmig verdichtet besonders hell ab, zum anderen war schon zu erkennen, dass ein zarter Lichtarm am einen Ende aus dem Nebeloval der Galaxie herauswächst, ein Spiralarm ist also zumindest erahnbar und man hat den Eindruck, dass in diesem Gebilde "Bewegung drin ist".
Der großartige Gebirgshimmel lud dazu ein, zum Sommerabschied auch den großen Nebeln im Schwan noch einen Besuch abzustatten, ehe sie zu tief sinken. Zuerst zum Cirrusnebel. Ohne Nebelfilter im Erfle zwar deutlich erkennbar, aber nicht sonderlich spektakulär, eben ein mehr oder weniger strukturloser, an den Enden gebogenes Stück Licht. Der dann eingeschraubte UHC-Filter änderte den Anblick drastisch, nun waren herrliche Filamente und reizvollere Abstufungeren zwischen hellerem und dunklerem Grau erkennbar, allein dafür lohnt sich eigentlich schon der teure Filter. In einem früheren Beobachtungsbericht habe ich den Anblick des Cirrusnebels mit einem im Wind flatternden Kleid aus Licht verglichen, und daran erinnert er mich auch jetzt wieder. Andererseits kann man mit ein wenig Phantasie auch eine in den Raum ausgreifende Geisterhand sehen. Der schwächere Teil des Cirrusnebels, NGC 6960, ist zwar ebenfalls deutlich und recht hell sichtbar, aber nicht so aufregend. Reizvoll allerdings der helle Hintergrundstern etwa in der Mitte des Nebels, sodass es ein bisschen wie eine Kerze aussieht, von der nach beiden Seiten hin Rauchschleier aufsteigen.
Weiter ging es zum Nordamerikanebel, der noch halbwegs ins Gesichtsfeld des 32er Erfles passt. Viel größer und heller als der Cirrusnebel, finde ich den Nordamerikanebel trotzdem nicht ganz so interessant, da bei Weitem nicht so fein strukturiert. "Mexiko" ist besonders hell und deutlich, erinnert mich aber fast noch mehr an einen aus den Wolken kriechenden Tornadorüssel. "Florida" ist gerade so erkennbar, aber nur ein schwacher Lichthauch. Schließlich noch ein Blick in Richtung Pelikannebel. Ohne Filter ist an dieser Stelle nichts Besonderes wahrnehmbar. Mit UHC-Filter wird dann jedoch erkennbar, dass der Himmelshintergrund dort etwas heller ist als ringsum, aber diese etwas erhöhte Helligkeit ist auch alles, was man vom Pelikannebel erkennt.
Da ich zu solchen langen Beobachtungsnächten unter erstklassigem Himmel auch nicht so oft komme, will ich in jeder von ihnen auch ein paar bisher noch nie beobachtete Objekte erwischen. Zuerst mache ich mich auf die Jagd nach der rund 30 Millionen Lichtjahre entfernten riesigen Spiralgalaxie NGC 891, ein Objekt, nach dem ich schon oft gesucht, das ich aber noch nie gefunden habe. Heute klappt es auf Anhieb: Da ist sie als recht schwacher, aber auch bei 64x noch deutlicher länglicher Nebel, der Charakter als Edge on-Galaxie ist gut erkennbar, wenn man auch nichts vom berühmten Staubband sieht. Nächstes erstmals beobachtetes Objekt: Der "kleine Hantelnebel" M76. Im Übersichtsokular sieht dieser planetarischer Nebel noch fast wie ein verwaschener Stern aus, bei 64x und 134x werden dann aber deutlich seine zwei Komponenten unterscheidbar, sehr hübscher Anblick. Weitere Stationen waren dann die ca. 50 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie NGC 7331 im Pegasus, mit sehr hellem, gut vom Randbereich unterscheidbaren Kern, auch zum ersten mal beobachtet, wenn ich mich nicht irre. In der Nähe wäre Stephans Quintett, aber das muss man mit 90mm Öffnung gar nicht erst versuchen. Weiter ging das Programm mit den drei Parade-Sternhaufen M36, M37 und M38 im Fuhrmann, glitzernde Sternjuwelenkästchen vor pechschwarzem Hintergrund, bei denen besonders M37 mit seinem enormen Sternenreichtum beeindruckt, der noch bis einschließlich 134x immer mehr Sterne offenbart. H&Chi darf bei der Sternhaufenparade auch nicht fehlen, wobei ich besonders auf die in den beiden Haufen versteckten roten Sterne achtete, von denen schon eine ganze Menge auszumachen sind und die wie Rubine herausstechen. Ein Blick noch auf die Plejaden und auf das herrliche Galaxienpaar M81/82, M81 mit ausgedehntem hellem Halo, und in M82 meinte ich, andeutungsweise eine dunkle Staubstruktur in der Galaxie zu erspähen. Die Galaxie NGC 1023 im Perseus konnte ich nicht finden. Schließlich, ehe ich zusammenräumte, um rechtzeitig zum Frühbus im Dorf zurück zu sein, die erste Orionnebel-Sichtung in dieser Saison, wundervoll, schön aufgelöstes Trapez, weit ausgedehnte Adlerschwingen, ordentlich hell und detailreich auch noch bei 134x. Die gleißend helle Venus grüßte mich noch auf dem Rückweg, aber für ihre Beobachtung im Acuter werden sich noch andere Gelegenheiten finde.
CS,
Fabian