Erstes Hallo und first Light | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Erstes Hallo und first Light

AstroTT

Mitglied
Hallo liebe Astro-Gemeinde,

da dies mein erster Forenbeitrag ist (sowohl hier als auch in einem Forum allgemein), möchte ich mich kurz vorstellen: Ich heiße Ingo und bin in der Südwestecke von Ba-Wü wohnhaft. Nachdem ich mich inzwischen etwa 40 Jahre an der visuellen Astronomie erfreut habe und mich der Astrofotographie wegen der teils enormen finanziellen, technischen und zeitlichen Aufwände zunächst erfolgreich verweigert hatte, habe ich vor gut zwei Jahren in einigem Übermut eine ohnehin vorhandene Kamera an eine ohnehin vorhandene Astro-Optik montiert. Ich hatte nämlich kurz zuvor bei der Lektüre eines Beitrags in diesem Forum den Eindruck gewonnen, als gäbe es eine Software, mit welcher man mehrere nicht allzu lang belichtete Digitalbilderzu einem einzelnen, deutlich kräftigeren und detailreicheren Bild addieren könne.
Das war der Deep Sky Stacker; und tatsächlich gab es dazu eine Anleitung, welche meine bestenfalls rudimentären EDV-Kenntnisse noch nicht überfordern sollte. Also habe ich einen Versuch an M42 gewagt - mit inzwischen vorhersehbarem Ergebnis: Das Summenbild war enttäuschend; kaum besser als ein jeweiliges Einzelbild (stretchen vergessen), quergestreift (dithern vergessen), recht unscharf mit radialstralig verzogenen Sternen (wieso Koma? Ich war doch bei vollem Bewusstsein) und auch noch in Schwarz-Weiß (debayern vergessen). Die Veranschaulichung der restlichen anderthalb Dutzend Anfängerfehler spare ich mir jetzt mal; ein paar davon gelingen mir bisweilen noch immer. Naja - der Vergleich zum Anblick in einem Dobson der Halbmeterklasse hat nicht wirklich begeistert und ich habe die Eskapade zunächst für mich behalten.
Gleichwohl hat dieser Dämpfer offenbar eine Art Demingkreislauf in Gang gesetzt, denn ich habe danach dieses Forum nach Erklärungen möglicher Fehler durchwühlt und Anregungen zu Prozess und Equipment versucht heraus zu destillieren. Also habe ich einige Zeit später M16 ebenfalls einige wenige Minuten Belichtungszeit angetan, inzwischen neu motiviert durch ein paar für mich neue Informationen zu Schwarz- und Graupunkt in Gimp. Nun - was soll ich sagen: Was ich dann auf diesem noch immer traurigen Bildchen habe sehen können, konnte ich zuvor in 40 Jahren visuell noch nie sehen! Nach sehr kurzer Inkubationszeit kam dann schließlich die Astrofotographie zum Ausbruch.
Da ich dieses Hobby weitestgehend allein ausübe und seine Ruhe als Ausgleich zum Arbeitsalltag sehr geniesse hat es weitere anderthalb Jahre gedauert (eine monatelange Covid-Erkrankung inklusive), bis es endlich ein First Light gab von etwas gab, was ich für mein Dafürhalten als ein Astrofoto bezeichnen würde.
Als ein kleines Dankeschön für all die tollen Infos und Anregungen hier aus diesem Forum möchte ich es mit euch teilen.

M13.jpg


Daten zum Bild:

Esprit 100 auf AZ-EQ6; ASI 294 MC pro bei 0°C
Evoguide 50 mit ASI 178mm
60 x 180 sec. lights
15 Darks
15 Flats
15 Flatdarks
PHD2; APT; Pixinsight; Gimp

Ganz ohne Zweifel gibt es reihenweise Verbesserungsmöglichkeiten; zum Beispiel eine Vervielfachung der Belichtungszeit. Aber welche all dieser noch notwendigen Korrekturen bringen am ehesten einen Qualitätsgewinn oder z. B. blau an Sternen, die blau sein sollten? Über ein paar spezifische Anregungen würde ich mich sehr freuen.

Clear Skies
Ingo
 

Optikus

Aktives Mitglied
Moin,

das nenn' ich Vorstellung, vielen Dank für's Outing in unserer Selbsthilfegruppe.

Also - das sieht schon sehr gut aus. In der EBV dürfte man noch mehr machen, aber da gibt es berufenere Münder als meinen, auf jeden Fall ist das als First Light aller Ehren wert!

Willkommen an Bord!

CS
Jörg
 

Peter H.

Aktives Mitglied
Hallo Ingo,

auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum. Finde Deinen M 13 für den Einstieg auch sehr gelungen, Das Rauschen und das von Dir bemängelte fehlende Blau ist wie schon von Jörg angesprochen, zumindest teilweise eine Frage der Bildbearbeitung.
Da ich auch über Jahrzehnte mal mehr, mal weniger nur visuell unterwegs war und jetzt kurz vor dem Rentenalter von der Astrofotografie angefixt wurde und ähnlich wie Du im Lernprozess bin, kann ich Dir leider keine kompetenten Tipps geben, aber die wirst Du mit Sicherheit hier bekommen.

Von daher viel Spaß hier und cs,
Peter
 

h.kothe

Aktives Mitglied
Hallo Ingo,
willkommen. Die Schärfe hast du schon getroffen. Bis in die Ecken punktförmige Sterne. Soweit alles gut. Das etwas heftige Farbrauschen bekommst du mit mehr Belichtung und einer Entrauschungssoftware in den Griff. Letztere eher sparsam einsetzen. Die Farben ergeben sich bei längerer Belichtung auch von allein, darüber hinaus kannst du in der Software die Farben skalieren. Das müsste schon deutliche Verbesserung bringen.
Weiter viel Motivation und Erfolg. CS Harald
 

Frank_Slotosch

Aktives Mitglied
Hallo Ingo
Der erste Schritt ist gemacht.
Du hast alles richtig gemacht.
Mir gefällt dein Bild sehr gut für die Belichtungszeit.
Das ist der einzige Punkt den du ändern solltest.
Einfach länger belichten und deine Bilder werden automatisch besser.
Die Feinheiten erlernt man mit der Zeit.

Gruß Frank
 

Gerrit Erdt

Aktives Mitglied
Auch von mir, willkommen im Forum!

Ich schließe mich meinen Vorrednern an, das ist ein sehr anständiges Ergebnis geworden, das sich kräftig sehen lassen kann. Da hast du jede Menge richtig gemacht. Sterne passen (sogar sehr gut), ein gut gewählter Bildausschnitt, ein sehr sauberer Hintergrund. Bei mir lief früher jede Menge mehr schief ;)

Was am auffälligsten ist, und bereits oft angesprochen wurde, ist das Rauschen. Im Gegensatz zu den anderen hier vermute ich da aber nicht nur zu wenig Belichtungszeit als Ursache. Klar, mehr Zeit hilft natürlich immer, auch hier. Aber bei drei Stunden für einen Sternhaufen hätte ich deutlich weniger Rauschen erwartet.

Was mir als erstes einfällt: Du hast keine Bias verwendet. An sich muss das kein Problem sein, allerdings könnte es dir unter Umständen Vorteile bieten. Sofern du beim Kalibrieren Darks und Bias verwendest können die Darks so optimiert werden, dass sie das Rauschen bzw. Hotpixel ideal eliminieren. Stichwort Dark Optimierung. Das wäre zumindest einen Versuch wert, wobei das bei einer gekühlten Kamera nicht den größten Effekt haben sollte.

Ansonsten hast du geschrieben, dass du einen Guider verwendest. Ditherst du auch? Das wird dir in jedem Fall sehr helfen, das rauschen weiter zu reduzieren. Speziell wenn du beim stacken eine Art Pixel Rejection wie Sigma Clipping oder ähnliches verwendest.

Die Farben der Sterne kannst du ganz leicht erhöhen, indem du die Sättigung erhöht. In Pixinsight zum Beispiel mittels des Tools Curves Transformation (dazu unten S für saturation auswählen und dann die Kurve anpassen).

Wenn du noch ein paar Worte zur Bearbeitung schreibst kann man da vielleicht auch noch ein paar Tipps geben.

Das Bild ist auf jeden Fall sehr gut geworden und die Kritik ist auf hohem Niveau.

Sollte etwas unklar sein oder wenn du weitere Fragen hast, dann melde dich einfach!

CS Gerrit
 

AstroTT

Mitglied
Hallo Leute,

vielen lieben Dank für das herzliche Willkommen hier im Forum. Ganz besonders freue ich mich natürlich auch darüber, dass es euch nicht zuviel ist, mein Bildchen mit ein paar konstruktiven Kommentaren zu adeln.
Ihr habt natürlich Recht mit der Vermutung, dass ich mich bei der Bildbearbeitung nicht verausgabt habe. Wobei - tatsächlich ging die EBV noch deutlich weiter; mit Star Mask und Multiscale Linear Transform; Topas wurde im Nachkommabereich modifiziert eingesetzt und auch in Gimp wurde unscharf rummaskiert. Zumindest soweit meine Kenntnisse dahinter einen fruchtbaren Effekt vermutet hatten. Nur leider war der Effekt furchtbar, nicht fruchtbar. Ihr seht demnach eine halbfertige Aufnahme, denn die sieht am wenigsten schlimm aus.
Was also nehmen ich für mich mit? Zunächst einmal muss mehr Belichtungszeit ran; auch bei einem Sternhaufen. Das habt ihr alle angemerkt und demnach soll es so sein. Ist bei M13 nicht ganz so einfach denn die Nächte sind kurz wenn der kulminiert. Da ich mobil aufnehme und bei uns im Nordstau der Alpen das Wetter nicht ganz so oft gute Nächte beschert, muss ich mir eine mehr"nächtige" Unternehmung im Sommer mal überlegen.
Aber durch Gerrit habe ich mich an etwas während der Bearbeitung des Bildes erinnert. Ja, ich dithere immer; bei vorliegendem Bild um 15 Pixel nach jedem Light (wegen inzwischen ausnahmslos gerissenener Settle-Time nur noch nach jedem zweiten; schätze, die Mechanik der Montierung bedarf allmählich ein wenig Zuwendung). Auch habe ich standardmäßig das Winsorised Sigma Clipping bei der Integration sowohl von Masterdark als auch Masterflat in Anwendung; bei den Light Frames sowieso. Debayert habe ich Bilinear. Aber durch die Kalibrierung mit dem Flat wurde das Rohsummenbild völlig orange. Das wurde erst nach der Photometric Color Calibration wieder "normal"; inzwischen hatte ich in der STF die RGB Channels unlinked, damit das was gleich sieht. Beim Anheben der Color Saturation um etwa 30% wurde dann alles bunt wie eine Konfettiparty: Die kleine Galaxie, die orangefarbenen Sterne, das Rauschen; nur die blauen Sterne wurden erst blau, als ich sie soweit gequält hatte, dass man von Hämatomen ausgehen musste.
Ich denke, ein neuer Satz Kalibrierbilder muss her und am Besten auch ein Motiv, bei dem ich mir für den Anfang etwas leichter tue. Bei M13 lande ich regelmäßig bei hässlichen Artefakten in den Sternscheibchen und im Zentrum des Sternhaufens. Dennoch werde ich ihn mit neuen Flats nochmal malträtieren. Wenn's eine Veränderung zum Besseren gibt, stelle ich das Bild nochmal vor.
Nochmals Danke für eure Anregungen.

Clear Skies
Ingo
 

Gerrit Erdt

Aktives Mitglied
Hallo Ingo,


Das klingt ja bereits nach einer sehr ausgereiften Technik bei dir!

Dass die Flats die Farbe verfälschen kann vorkommen, die haben oft einen Farbstich. Soweit ist das auch nicht schlimm, die Software kann das ja ausgleichen.

Was mich aber echt zum stutzen bringt: Du hast aus dem Alpenbereich mit einer gekühlten Kamera drei Stunden aufgenommen.
Eigentlich sollte in der Gegend ja recht wenig Lichtverschmutzung sein.
Das verstärkt bei mir den Eindruck, dass für die Daten zum Bild eigentlich deutlich weniger Rauschen da sein sollte.
Nimm es bitte nicht falsch auf, aber ich nehme unter Bortle 6 aus der Stadt wesentlich dunklere Galaxien in 2 Stunden auf. Und das rauscht nicht so.
Irgendwie habe ich da also noch eine andere Ursache im Verdacht.

Ich kenne zwar nur DSLRs selbst, bin also nicht so der CMOS Profi, aber kann es sein, dass du einen sehr niedrigen Gain verwendet hast? Das bringt zwar Dynamik, aber eben auch viel Ausleserauschen, was gerade bei dem vermutlich dunklen Himmel eben auch wieder schadet. Das wäre zumindest mal eine Vermutung von mir.

Was du zur Bearbeitung geschrieven hast wirkt schon recht gut. Vor allem die Verwendung von Masken ist wichtig.

Das schärfen ist Geschmackssache. Ich persönlich lasse es lieber etwas Unschärfer, dafür aber mit weniger rauschen. Letzteres wird beim schärfen immer erhöht. Vielleicht wäre das hier einen Versuch wert.

Wegen der Sättigung: hast du das im linearen Bild angepasst? Da muss man die Anpassung besonders feinfühlig machen, ich mache das selbst immer nach dem Strecken.

CS Gerrit
 

AstroTT

Mitglied
Hallo Gerrit,

danke für die Blumen aber leider klingt die Technik nur ausgereift; die Ergebnisse zeitigen einen anderen Eindruck. Der Voralpenraum ist mit Alpenhimmel nicht zu vergleichen; zumindest dort wo ich wohne und von wo aus ich (noch) fotographiere befinden sich in einem ca. 15-Km-Radius 5 Städte mit je über 50.000 Einwohnern gleichmäßig über die Himmelsrichtungen verteilt; die im Westen hat einen internationalen Flughafen und begrenzt den nutzbaren Himmelsausschnitt somit von ca. 35° über Osthorizont bis zum Zenit. Trotzdem hat die DBE mit den Gradienten jede Menge zu tun.
Bei der ASI 294 arbeite ich mit Gain 121; im Sommer bei 0°C Chiptemperatur und im Winter bei -10°C. Die Sättigung hebe ich im linearen Bild relativ kräftig an damit mir beim Strecken die Farben nicht komplett abhanden kommen. Aber du hast Recht - das rauscht echt wie verrückt. Werde mir die Rohdaten nochmal anschauen. Wahrscheinlich aber mache ich da noch irgendwo ziemlich was falsch - meine Kenntnisse stammen schließlich fast ausschließlich aus Youtube-Videos. Und auch wenn die von Frank Sackenheim stammen ist es denkbar, dass ich da was falsch verstanden habe.

Clear Skies
Ingo
 

Optikus

Aktives Mitglied
Moin,

auf jeden Fall nimm nicht einfach einen "Entrauscher" und druff - das bringt nix außer dass alles aussieht wie weichgespült ...

Aber ich denke Du findest das raus, dazu hast Du zu gut angefangen.

CS
Jörg
 

AstroTT

Mitglied
Hallo Jörg,

eine solche Erfahrung habe ich mit Topas bereits gemacht. Selbst in Nuancen angewendet wird der Hintergrund fleckig wie ein Leoprdenfell und die Sterne zeigen im Nu Artefakte wie z. B. kleine zentrische Pünktchen. Darum habe ich das Bild hier nicht gezeigt - dann schon lieber Rauschen. Ich werde mal was anderes fotografieren solange der Mond sich noch rar macht und dann eure Ideen einfließen lassen, so gut ich kann. Mal sehen, was sich da im Cepheus so anbietet...

Clear Skies
Ingo
 

Gerrit Erdt

Aktives Mitglied
Ich bin gespannt, was du als nächstes präsentierst!

Der Kepheus bietet da jede Menge tolle Möglichkeiten. Aber da sind auch jede Menge dunkle Objekte dabei...

Machst du dein Preprocessing eigentloch in Pixinsight oder in APP?

CS Gerrit
 

AstroTT

Mitglied
Hallo Gerrit,

ich mache das Pre-Processing ebenfalls in PixInsight.
Allerdings nutze ich nicht das dort angebotene Script. Herr Sackenheim hatte das in einem seiner Videos vorgestellt und auch plausibel erläutert, aber ich habe damit keine vernünftigen Ergebnisse zustande gebracht. Wenn es denn überhaupt mal durchgelaufen ist ohne büschelweise Fehlermeldungen auszugeben. Also mache ich jeden Schritt separat; beginnend mit dem Subframe selector und immer wieder mit Blink dazwischen um zu schauen, was inzwischen alles schief gelaufen ist. Das führt dann irgendwann zu einem Bild wie dem oben gezeigten; zumindest ist das mein gedanklicher Ansatz. Dann allerdings geht's für mich nicht mehr weiter; zumindest noch nicht. Das werde ich wohl demnächst in einem anderen Forenbereich vertiefen; für mein Dafürhalten habe ich hier bereits genug mit meinen Anfängerproblemen gelangweilt.
Mein NGC 7032 von letzter Nacht ist übrigens nichts geworden. Wir haben in der Region zur Zeit derart viel Feuchtigkeit in der Luft, dass die Sterne trotz brauchbarem Seeing Bierdeckelformat erreicht haben und das Bild eigentlich nur aus Gradienten besteht. Ich habe nach drei Stunden aufgegeben, denn da kam auch noch hohe Schleierbewölkung dazu. Sobald ich wieder ein Bild hinbekomme, dass eure Bemühungen nicht konterkariert, stelle ich es zur Beurteilung vor.

Clear Skies
Ingo
 
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