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steve11

Aktives Mitglied
Hallo,

nachdem ich mit Fernglas und 85 mm Spektiv (20-60 fache Vergrößerung) reichlich Erfahrungen am Sternenhimmel gesammelt habe, kommt jetzt allmählich das Bedürfnis auf, mehr zu sehen - wesentlich mehr. Meine Interessenschwerpunkte liegen (in dieser Reihenfolge) bei Deep Sky, Planeten, Mond. Nicht ganz so wichtig, aber schon interessant wäre außerdem die Möglichkeit, das Teleskop auch für Tagesbeobachtung nutzen zu können - hat aber die geringste Priorität. Fotografie jetzt noch nicht, vielleicht aber später. Mein Budget: ca. 1000 Euro inklusiv Okulare und Montierung. Nach der Lektüre dieses Forums scheint mir zunächst ein Dobson Teleskop am geeignetsten. Doch ich habe ein Platzproblem. Ich habe keine Möglichkeit, ein zu sperriges Teleskop samt Montierung halbwegs griffbereit zu lagern. Nach dem, was ich hier so gelesen habe, kommt dann wohl ein katadioptrisches System am ehesten in Frage. Ich brauche keine Go-to Elektronik, denn ich glaube, dass so etwas die Entdeckerfreuden schmälert. Das Suchen und Finden auch schwieriger Objekte macht für mich einen Teil des Reizes der astronomischen Beobachtung aus. Eine motorisierte Nachführung wäre aber sicher nicht schlecht.
Was würdet Ihr mir unter diesen Umständen empfehlen?

Ach so: ich beobachte unter Vorstadtbedingungen, habe aber einen guten Landhimmel in Reichweite (ca. 20 Min Autofahrt).

Gruß

Steve
 
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Hi Steve,

hmmm...wenn deine hierarchische Auflistung also mit Deepsky beginnt und Du 1 Kiloeurone für Teleskop, Okulare und Zubehör zur Verfügung hast, wirst Du an einem Dobson-Teleskop wohl kaum vorbeikommen!

Durch fehlenden Platz würde ich folgendes vorschlagen:

Teleskop: GSO 680 oder Galaxy D8 (Okular weglassen - Preisminderung)
Okulare: Ein TSWA 32mm, ein TSWA 15mm, und ein Speers Waler 5-8mm Zoom.
Kollimator: VTSB-Laser

Die Okulare sind alle hochwertig, besonders natürlich das hervorragende Speers Zoom.
Für den Anfang ist auch die Abstufung OK.
Später kannst Du dann immer noch ein 20er und evtl ein 10er dazunehmen.

So, es wären ca. 850,- Euronen, wie oben gelistet.
Mit ein wenig freundlich feilschen wird´s noch billiger!
Den Rest wirst Du für Literatur und Zubehör brauchen!
 
Hallo Steve,

Deinem Bedürfnis nach "mehr zu sehen - wesentlich mehr" kannst Du eigentlich nur auf zwei Wegen nachkommen:

1. Du kaufst Dir eine möglichst große Öffnung. Da kommt bei 1000 Euro wohl nur ein Dobson infrage.

2. Du kaufst Dir eine deutlich größere Öffnung wie die des Zeiss Spektivs. Dabei muß die Öffnung nicht unbedingt sooooooo groß wie beim Dobson sein. Eine etwas kleinere Variante, dafür aber mit sehr guter Optik wäre auch eine gute Wahl. Hier könnte man sich zum Beispiel einen 6" Newton oder einen Maksutov aus Russland anschauen.

Die Vor- und Nachteile der beiden Varianten liegen auf der Hand.

Der Dobson mit beispielsweise 8" Öffnung muß in azimutaler Fahrweise den Himmelsobjekten hinterhergeschubst werden. Das ist nicht jedermanns Geschmack. Alternativ könnte man einen Newton auf parallaktischer Montierung wählen, aber dann wird das ganze wohl noch sperriger. Dafür hast Du beim 8" Newton/Dobson natürlich schön viel Öffnung für Deep-Sky mit ausreichend großer Austrittspupille. Ob Du das in der Nähe von Hamburg sinnvoll nutzen kannst, ist eine andere Frage.

Ein 6" Newton oder ein Maksutov-Cassegrain von Intes oder Intes-Micro wären deutlich kompakter in den Abmessungen. Dazu kommen aber eine Montierung und das Stativ, was den geringeren Platzbedarf in der heimischen Wohnung wieder relativiert. Welche Montierung und welches Stativ nötig sind, hängt von der Größe des Newton oder Maksutov ab. Ein Intes-Micro Alter M 500 in 5" Öffnung begnügt sich schon mit einer Sky-View oder EQ-3. Bei einem 6" Newton (1:5) könnte man auch mit einer vergleichbaren Montierung um die Runden kommen. Die nächste Nummer, also ein 6" Mak, stellt größere Anforderungen. Hier wären wahrscheinlich eine Vixen GP oder so eine China EQ-5 die geeignete Lösung.

Was den Platzbedarf betrifft, so solltest Du Dir unbedingt live ein Bild machen. Welche Händler gibt es denn in der Nähe von Hamburg? Du mußt Dir einfach mal einen 8" Dobson und einen 6" Mak auf parallaktischer Montierung im realen Leben ansehen. Deine Wohnung und Dein Auto kennst Du ja, so daß Du gut abschätzen kannst, was eine "tragbare" Variante ist. Die kompakteste Version wäre sicher der Intes-Micro 5" Mak auf einer nicht zu großen parallaktischen Montierung. Nur stellt sich hier die Frage, ob der Gewinn bei 5" Öffnung groß genug ist. Man muß halt einen Kompromiss zwischen dem Wunsch nach möglichst viel Öffnung und dem praktischen Handling eines solchen Teleskops finden. Diesen Kompromiss kannst Du nur allein schließen und das am besten nach der Besichtigung real existierender Geräte. Vergiß was unsere lieben Astrohändler auf ihren Webseiten schreiben <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> und mache Dir selbst ein Bild.

Nochmal zur Entscheidung Newton/Dobson vs. Maksutov-Cassegrain. Ein Newton mit mittlerem Öffnungsverhältnis (z.B. 1:6) ist universeller, da er für Deep-Sky mit ausreichend großem Sehfeld und großer Austrittspupille genauso geeignet ist wie für Planeten und Mond. Die Nachteile sind der seitliche Einblick mit ungewohnter Orientierung am Himmel und die höheren Anforderungen an gute Okulare. So ein 6" Maksutov-Cassegrain mit einem Öffnungsverhältnis um 1:10 oder 1:12 bringt Einschränkungen in der maximalen Austrittspupille und der Größe des Sehfelds mit sich, was bei ausgedehnten, lichtschwachen Objekten eine Rolle spielt. Dafür kannst Du aber bequem hinter dem Teleskop auf einem Stuhl hocken und in parallaktischer Fahrweise sehr komfortabel neben Deep-Sky auch Mond und Planeten beobachten. Für Übersichtsbeobachtungen mit 4,25mm Austrittspupille hast Du ja Dein Spektiv, so daß ein mittelgroßer Mak eigentlich ein sinnvolles Gerät wäre. Leider läßt das Diascope auch nur ein ziemlich begrenztes Sehfeld von um die 2,5 Grad (?) zu. Aber um zwanglos durch die Milchstraße zu surfen reicht es allemal. Auch begnügt sich der Mak mit nicht so aufwändig korrigierten Okularen. Will man beim Newton mit 1:6 große Sehfelder mit guter oder gar sehr guter Randschärfe erzielen, dann wird es bei den Okularen teuer. Und zum Schluß kannst Du dem Mak auch ein Dachkantprisma verpassen und mit richtiger Orientierung am Tag beobachten. Nur hält sich der Nutzen eines solchen Mak am Tag aus meiner Sicht in Grenzen. Höhere Vergrößerungen als 40- oder 60-fach kannst Du eh kaum nutzen, da die Luft selten still sitzt und bei niedrigen Vergrößerungen mit großer Austrittspupille macht sich die zentrale Obstruktion in Form eines schwarzen Flecks inmitten der Austrittspupille störend bemerkbar. Das gilt für den Newton natürlich genauso, aber der ist nun wirklich kein Gerät für Tagbeobachtungen.

Wenn ich mir Deine Randbedingungen so anschaue, dann würde ich wohl zu einem 6" oder 7" Maksutov-Cassegrain auf parallaktischer Montierung tendieren. Da ich ein fauler Hund bin, sitze ich gern bequem hinterm Okular und lasse die parallaktische Montierung für mich arbeiten. Die dauernde Schubserei mit einem Dobson ist nicht mein Ding. Dann verzichte ich halt auf etwas Öffnung, schaue aber, daß ich eine sehr gute Optik bekomme. Da Du im Bereich der Fernoptik auf Qualität achtest, vermute ich, im Bereich astronomischer Optik wird es nicht viel anders sein. Sollte diese Vermutung zutreffen, dann ist russische Optik in Form eines 150/1500 oder 150/1800 Maksutovs die richtige Wahl. Suche Dir dazu eine vernünftige parallaktische Montierung und Du kannst neben Deep-Sky (z.B. Galaxien, offene und Kugelsternhaufen) auch gelassen der kommenden Planetensaison entgegen sehen. Es kann übrigens durchaus passieren, daß sich Deine Rangfolge der Beobachtungsobjekte etwas ändert, wenn Du Jupi und Saturn in einer sehr guten Optik mit 6" oder mehr bewundern konntest ...

Frank.
 
Hi,

also einen Dobson zu lagern nimmt gar nicht so viel Platz in Anspruch. Wenn der Tubus in der Rockerbox hängt und du in in eine aufrechte Position bringt, beträgt die Fläche beim 8er ca. einen Quadratmeter und beim 10er ist es auch nicht viel mehr. Musst dir natürlich vorher überlegen, was der Quadratmeter in Hamburg kostet. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />

Viel Öffnung (6" aufwärts) UND ne automatische Nachfürung wird für 1.000 Euro arg eng, vielleicht gebraucht! Also bei Gebrauchtkauf sehe ich die Chance, mit viel Glück ein Angebot zu bekommen.
Bei einem Neukauf ist "nur" ein Dobson drin, aber der dafür locker. Hier ist der 8" und der 10" Dobson zu nennen. Wenn deine Prioritäten bei DeepSky liegen und du 1.000 Euro ausgeben willst, würde ich den 10er nehmen. Beide, sowohl der 8er als auch der 10er können später für visuelle Zwecke noch sehr gut z.B. auf einer EQ6 untergebracht werden - aber wenn du wirklich Astrofotografie betreiben willst, dann würde ich nicht die EQ6 nehmen. Sie ist in der Standardvariante nicht dafür geeignet...man kann sie zwar "aufrüsten" aber das kostet ein paar hundert Euro und du musst zuerst mal jemanden finden, der dir das macht (wird von den Händlern wegen des hohen Zeitaufwandes meist nicht mehr gemacht). Alternativ wäre später auch die GP-DX zu nenen, die für etwa den selben Preis bereits fototauglich ist. Aber bei der GP-DX ist nach meinem Stabilitätsempfinden mit dem 8Zöller Schluss. Ich meine aber gehört zu haben, dass demnächst eine Reihe neuer Montierungen vorgestellt werden soll. Es würde sich lohnen, hier mal bei ICS und beim TS diesbezüglich nachzufragen.

Der Vorteil beim Dobson wäre, dass er für den Preis locker drin ist und du dir montierungsmäßig für die Astrofotografie keine Steine in den Weg legst. Nur musst du bedenken: Je größer jetzt der Dobson, umso höher später die Anfoerderungen an die Monti. Der Nachteil beim Dobson ist eben, dass du ihn manuell nachführen musst. Da du sowohl mit dem 8er als auch mit dem 10er hauptsächlich in Bereichen von 30fach bis 200fach (selten bis 300fach) vergrößern wirst, stellt das eigentlich kein Problem dar.

Für mich kämen in deinem Fall folgende Alternativen in Betracht:

1. Jetzt den 8er Dobson und später dazu die GP-DX
2. Jetzt den 10er Dobson und später ne teurere Montierung
3. Gebrauchtkauf (kann ich nicht sagen, was da drin ist)
4. Jetzt einen der beiden Dobsons und später ein Zweitgerät für die Astrofotografie. Es kann durchaus Sinn machen, später einen "kleinen" kurzbrennweitigen Newton zu kaufen, der wenige Anforderungen an die Monti stellt (z.B. 150mm/600mm) und für astrofotografische Zwecke geeignet ist.
 
Hallo Ekkehard, Frank und Rolf,

vielen Dank für Eure ausführlichen und hilfreichen Antworten!

Frank, was die Qualitätsansprüche bei der Optik betrifft, hast Du ins Schwarze getroffen. Für die von Dir vorgeschlagenen Maksutovs müsste ich aber wohl noch eine Weile sparen und vor allem am "Womans Acceptance Factor" kurz WAF bei meiner besseren Hälfte arbeiten... Das geht in der Regel wirklich überzeugend nur dadurch, dass es eine parallele Anschaffung ungefähr gleichen Werts gibt. So muss ich mich also immer doppelt ruinieren. <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />


Noch einige Fragen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ein 6 " Mak wirklich den erhofften Quantensprung gegenüber dem Spektiv bringt. Im Moment liegt mein Schwerpunkt schon klar auf Deep Sky und ich finde das Gebiet so faszinierend, dass ich mir ein Nachlassen dieses Interesses kaum vorstellen kann. Ich möchte schon auch richtig kräftig vergrößern können.
Egal, welches Gerät, es müsste im Keller gelagert werden, den ich nur über eine recht schmale gewundene Treppe erreichen kann. Es gibt ja Dobsons in Leichtbauweise, z.B. Orion bei TS, ob das beim Transportieren etwas bringt?
Wie sieht es mit dem "Wartungsbedarf" (Justage, Reinigung etc.) der beiden Teleskoptypen Dobson im Vergleich zu Mak aus? Ich bin nicht so der Schrauber...
Noch eine Frage zum Dobson: ich meine manchmal schon die Objekte bei 60x im Sehfeld wandern zu sehen und frage mich, wie dies wohl bei einem Vielfachen dieser Vergrößerung aussieht. Muss man da nicht permanent manuell nachführen, kann den Tubus kaum aus der Hand lassen?
Ein Kriterium hatte ich in meiner ersten Frage vergessen zu erwähnen. Mein Teleskop soll auch benutzt werden, um anderen Familienmitgliedern und z.B. Besuchern im astronomischen Verein etwas zu zeigen. Würdet Ihr Unterschiede zwischen den beiden genannten Teleskoptypen beim häufigeren Wechsel von Beobachtern sehen?

Ach so: noch eine Frage. In den Produktbeschreibungen wird öfter ein Lüfter zu schnelleren Auskühlung erwähnt. Läuft so ein Teil elektrisch oder passiv? Und was genau ist Obstruktion? Gibt es da eine Art toter Fleck oder wie muss man sich das vorstellen? Bitte um Entschuldigung aber ich habe wirklich keine Ahnung von diesen Dingen.

Gruß

Steve
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
> was die Qualitätsansprüche bei der Optik betrifft, hast Du ins Schwarze getroffen.

Hallo Steve,

dachte ich mir's doch <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Der Wunsch nach möglichst viel Öffnung (Leistung) bei möglichst niedrigen Kosten läßt sich nur schwer verwirklichen. Das ist bei Astro nicht anders wie bei der Fernoptik. Daher geht mein Rat noch immer in diesselbe Richtung: lieber etwas kleiner kaufen, dafür auf Qualität achten.

> Für die von Dir vorgeschlagenen Maksutovs müsste ich aber wohl noch eine Weile sparen

Nicht unbedingt. Da die Zeiten wohl auch für Astrohändler momentan nicht die besten sind, würde ich auf Verdacht kräftig verhandeln <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. Mit Deinem Preisrahmen von 1000 Euro könnte es allerdings knapp werden. Ich würde versuchen, ein Vorführmodell mit voller Garantie zu bekommen. Ganz konkret würde ich nach einem Intes MK 66 oder MK 67 suchen und dazu erstmal eine solide parallaktische Montierung besorgen. Für 1000 Euro bekommst Du wahrscheinlich keine russische Optik auf einer Montierung in japanischer Qualität, eine Montierung vom Typ Astro-5 bzw. EQ-5 sollte ihren Zweck aber genauso erfüllen. Fürs erste brauchst Du auch keine motorische Nachführung. Mit zwei biegsamen Wellen kannst Du das Teleskop von Hand nachführen und das geht immer noch deutlich bequemer wie beim Dobson. Den Motor kannst Du später nachrüsten, wenn Deine Frau wieder ein offenes Ohr für Anschaffungen hat <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Das gleiche gilt für Okulare. Hast Du eigentlich alle Okulare zum Zeiss Spektiv? Dann besorge Dir einen Astroadapter und Du kannst mit den wunderschönen Okularen auch am Mak beobachten. Oder am Dobson, oder was auch immer ins Haus kommt. Okulare in der Qualität der Zeiss Okulare kosten auf dem Astrosektor richtig Geld. Warum also etwas doppelt kaufen?

Ein Problem hast Du beim Mak: Du kannst keine so große Austrittspupille nutzen wie bei einem Newton mit 1:5 oder 1:6. Daher solltest Du noch klären, ob Du eine Austrittspupille von 5, 6 oder 7mm brauchst und vor allem, ob Deine Beobachtungsbedingungen dafür geeignet sind. Bei Deep-Sky ist ein möglichst großes Sehfeld mit großer Austrittspupille genau dann Pflicht, wenn Du lichtschwache und großflächige Objekte wie Nordamerika- oder Cirrusnebel mit oder ohne Nebelfilter beobachten willst. Es gibt aber noch viel mehr zu sehen. Bei offenen und Kugelsternhaufen und bei vielen Galaxien brauchst Du die große AP nicht. Mit dem Intes MK 66 kannst Du mit einem 40mm Okular eine AP um reichlich 3mm erzeugen, was für viele dieser Deep-Sky Objekte beinahe optimal ist. Die einzige Einschränkung beim Mak ist halt der Verzicht auf große Sehfelder mit geringer Vergrößerung bei schwachen, ausgedehnten Objekten. Alles andere kannst Du mit dem Mak genauso erschlagen wie mit einem Newton. Ich rede jetzt nur vom visuellen Beobachten und nicht von der Fotografie im Primärfokus!

Daher würde ich mir genau überlegen, ob es ein Newton sein muß. Klar ist hier Öffnung billiger zu kriegen, aber Öffnung ist nicht alles. Beim Mak hast Du einen Vorteil: das Öffnungsverhältnis von 1:10 oder 1:12 stellt deutlich weniger Ansprüche an die Korrektur der Okulare. Ein langbrennweitiges Weitfeldokular mit sehr guter Randschärfe kostet beim Newton nicht gerade wenig. Beim Mak langt ein einfacher gestricktes Design und was Du bei den Okularen sparst, relativiert den Preis für die Anschaffung insgesamt. Und noch ein Punkt kommt hinzu. Wenn Du das Zeiss Variookular vom Spektiv hast, dann brauchst Du fürs erste keine teuren Planetenokulare. Beim MK 66/67 erreichst Du so eine 214-fache Vergrößerung, was für Planeten schon mal prima geeignet ist. Wenn Du einen Dobson kaufst, dann mußt Du evtl. zusätzlich in ein oder zwei gute Planetenokulare investieren. Die sollten dann auch ein angenehm großes Sehfeld haben, damit das Nachschubsen am Dobson auf Dauer nicht lästig wird.

Ich würde an Deiner Stelle in Ruhe alle Kosten summieren und schauen, was den meisten Beobachtungsspaß bringt. Und noch viel wichtiger, schau Dir die Geräte irgendwo live an. Nur dann hast Du eine Vorstellung, was machbar ist und was von der heimischen Wendeltreppe verkraftet wird. Nun noch zu einigen Deiner Fragen.

> Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ein 6 " Mak wirklich den erhofften Quantensprung gegenüber dem Spektiv bringt.

Von der Öffnung ist der Sprung natürlich geringer wie zu einem großen Dobson. Logisch. Im Vergleich zu 85mm Öffnung des Spektivs ist der Mak aus meiner Sicht auf alle Fälle eine neue Welt. Wie schon geschrieben, bewerten würde ich das in der Summe aller Eigenschaften. Das bequeme Beobachten auf einer parallaktischen Montierung ist mir wichtig genug, daß ich bei gegebenem Preislimit zur Not auf etwas Öffnung verzichten würde. Aber das kann man auch ganz anders sehen und entscheiden mußt Du das allein.

> Ich möchte schon auch richtig kräftig vergrößern können.

Hier wäre das Zeiss Vario eine schöne Ergänzung zum Mak. Hast Du es? Für die seltenen Nächte wo das Seeing die richtig hohen Vergrößerungen zuläßt, brauchst Du evtl. noch eine gute Barlowlinse oder ein kurzbrennweitiges Okular. Aber auch hier gilt: die Qualität der Optik ist wichtiger wie die Quantität der Vergrößerung. Glaub's mir <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

> Ein Kriterium hatte ich in meiner ersten Frage vergessen zu erwähnen. Mein Teleskop soll auch benutzt werden, um anderen Familienmitgliedern und z.B. Besuchern im astronomischen Verein etwas zu zeigen.

Das hängt von den Fähigkeiten der Familienmitglieder/Besucher ab. Mancher hat schon Schwierigkeiten, den Orionnebel im Fernglas zu finden. Wenn er dann M51 im Dobson verfolgen soll, könnte es schwierig werden. Deutlich einfacher ist es natürlich mit einem parallaktisch montierten Teleskop. Du stellst das Objekt in die Bildmitte, räumst den Hocker und drückst dem nächsten die biegsame Welle in die Hand. Dann muß er noch für sich fokussieren, durch feinfühliges Drehen der biegsamen Welle dem Objekt folgen und das war's. Mit Motor muß er nur noch fokussieren und kann auch über längere Zeit ins Okular schauen, was ja bekanntlich bei ungeübten Beobachtern sehr sinnvoll ist. Zeig mal einem Besucher an der Volkssternwarte M51 oder gar M101 und Du wirst sehen, daß viele nichts sehen. Erst nach längerer Zeit stellt sich die Wahrnehmung ein und dazu braucht man als ungeübter Beobachter vor allem Zeit und Ruhe. Das Schubsen am Dobson dürfte ungeübten Beobachtern die Konzentration auf ein Objekt und die Wahrnehmung desselben nicht gerade erleichtern. Für Dich privat ist das auf längere Sicht wohl kein Problem, ist halt eine Frage der Übung. Aber Gästen würde ich die Beobachtungsmethode nicht unbedingt zumuten.

> Und was genau ist Obstruktion? Gibt es da eine Art toter Fleck oder wie muss man sich das vorstellen?

Genauso ist es. Obstruktion ist die Abschattung der Öffnung durch den Gegenspiegel. Die Austrittspupille ist ja ein verkleinertes Abbild der Eintrittspupille. Wenn Du jetzt am Tag eine große AP hast, dann siehst Du inmitten der AP den kleinen schwarzen Fleck vom Gegenspiegel. Je größer die AP desto größer der schwarze Fleck. Am Tag ist die Augenpupille ja recht klein. Wenn Du auf der optischen Achse ins Okular blickst und mit 2,5mm großer Augenpupille einen 1,5 oder 2mm großen schwarzen Fleck vor der Pupille hast, dann bekommst Du Probleme. Wie gesagt, der Effekt macht sich bei großen AP'en halt störend bemerkbar. Wenn Du dann das Auge etwas abseits der optischen Achse positionierst, merkst Du, wie das Bild plötzlich heller wird. Bei leicht versetztem Einblick guckst Du an dem schwarzen Fleck vorbei und bekommst mehr Licht aus der ringförmigen Öffnung eines obstruierten Systems ins Auge. Manchmal stört der Effekt auch bei der Sonnenbeobachtung. Es ist aber nicht so, daß Du den Fleck im Bild siehst. Du merkst nur die Wirkung desselben auf die Bildhelligkeit. Und da man das Auge selten ganz ruhig hält, variiert die Bildhelligkeit, wenn man das Auge nicht fest mit dem Okular verbindet <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Bei hohen Vergrößerungen und kleiner AP ist das Thema erledigt, da dann die Augenpupille größer ist als die AP.

Und noch ein letzter Satz. Wenn ich in erster Linie zu einem russischen Mak tendiere, so hat das im wesentlichen folgende Gründe:

1. die optische Qualität der Geräte von Intes / Intes-Micro ist in aller Regel über Zweifel erhaben.
2. Planetenbeobachtung macht bei Jupi und Saturn eine Menge Spaß! Dafür würde ich jederzeit so einen Mak auf parallaktischer Montierung favorisieren. Denn Genußspechteln mit bequemem Einblick gehört bei mir an oberste Stelle. Dobsonschubsen ist hier nicht mein Ding.
3. der geschlossene Tubus braucht zwar länger zum auskühlen, auf lange Sicht ist die Optik aber gut aufgehoben.
4. in ein richtiges Fernrohr guckt man hinten rein <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ...

Frank.
 
Also ich halte es zumindest für kompliziert, anderen durch nen Dobson etwas zeigen zu wollen. Das sieht dann so aus bzw. hört sich meist folgendermaßen an:

"O.k. ich habs eingestellt, schau schnell durch. Achtung, Jupiter kommt von rechts oben und ist gleich wieder weg."
-> Antwort: "A ja, da war er kurz. Und jetzt?"

Gerade wenn du Leuten etwas zeigen willst ist es wichtig, ihnen Zeit zu geben und nebenher etwas über das Objekt zu erzählen. Bei einem Dobson müsstest nach jedem Besucher zuerst wieder du reinschauen um das Objekt auf neue einzustellen und das ist wirklich nicht das Gelbe vom Ei!

Und klar, auch bei 60fach sieht man die Objekte bereits wandern. Wenn du willst, schick ich dir mal ein Video per Email. Da hab ich Jupiter durch das Okular gefilmt bei ca. 200fach. Ist zwar nicht so scharf, aber du wirst ganz deutlich sehen, wie er sich bewegt.
 
Hallo Frank,

ja, ich habe das Vario mit 25.1 - 8.4 Brennweite. Ich wollte mir bei Gelegenheit für zunächst terristische Zwecke noch das 16,7 (30x am 85 Diascope) Okular von Zeiss holen. Auf jeden Fall sollen diese Okulare mittels Astroadapter von Zeiss auch an meinem zukünftigen Teleskop eingesetzt werden! Außerdem konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, mir das Symmetric Diascope Okular f=3,6mm von Baader zu bestellen, das mittels Bajonett-Adapter direkt am Spektiv angeschlossen wird, s. hier . Dieses Teil ist aber noch unterwegs. Ich konnte es noch nicht testen. Wenn es am Spektiv überzeugt, würde ich es natürlich auch gerne am zukünftigen Teleskop einsetzen.

Steve
 
Hallo Steve

die Seite bei Baader habe ich auch schon mit Verwunderung gelesen. Mich würde interessieren, was es mit dem "Symmetric Diascope Okular f=3,6mm" auf sich hat. Angaben zum Sehfeld findet man keine und irgendwie sieht das Teil äußerlich einem der preiswerten 3,6mm Okulare ähnlich, wie man sie beispielsweise beim TS findet ("Super" Okular). Wenn Du das Okular hast, kannst Du ja mal berichten. Sollte sich das "Symmetric" auf symmetrisch bei der Linsenanordnung beziehen, dann dürfte der Augenabstand etwas knapp ausfallen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, dann hat das "Super" 3,6mm eine Art Barlowelement integriert. Melde Dich nochmal und sage uns, was das Baader Okular nun wirklich ist und wie gut es am Diascope abschneidet.

"Symmetric" würde ich eher bei dem Baader 25mm Okular vermuten, das könnte ja ein Plössl sein. Warum allerdings dieses Okular am 65mm Spektiv ein kleineres Sehfeld liefert wie am 85mm Spektiv, wird wohl auf ewig das Firmengeheimnis von Baader bleiben <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...

Wenn Du Dir einen Adapter für die Zeiss Okulare suchst, dann würde ich mich nach Alternativen zum Original von Zeiss umsehen. Zumindest der 2" Zeiss Adapter ist unnötig lang gebaut, da kann es bei manchem Okularauszug mit der Fokussierreserve knapp werden. Klar ist der Adapter edel verarbeitet, aber mit zu knappem Fokussierweg am Teleskop nützt das nichts. Der "ASC" Adapter sieht interessant aus und er scheint so konzipiert zu sein, daß man mit dem Okular möglichst nahe an den Fokus des Objektivs/Spiegels vom Teleskop kommt. Steht zwar nicht Zeiss drauf, dafür ist diese Lösung für die praktische Nutzung sinnvoller.

Frank.
 
Hallo Frank,

vielen Dank für die Hinweise. Das mit dem Adapter ist eine wichtige Information. Wenn ich das das 3,6 bekomme, werde ich berichten.

Gruß und schönes Wochenende!

Steve
 
Intes Mk 66 vs. 67

Hallo,

ich habe mich bezüglich der 66 und 67 Maks von Intes einmal im Netz etwas umgesehen. Der Unterschied zwischen beiden Geräten liegt wohl in der Weise, wie fokussiert wird. Beim 66 wird über eine Verstellung des Hauptspiegel fokussiert, beim 67 gibt es einen sogenannten Crayford Okularauszug, mit dessen Hilfe die Schärfe eingestellt wird. Der Nachteil des Systems mit dem Crayford soll sein, dass der Fokusweg für bestimmte Okulare zu kurz ist. Für diese Fälle gibt es Verlängerungsstücke. Das hört sich in meinen laienhaften Ohren ein bisschen nach Fummelei und Wackelei an. Ich würde deshalb eher das 66 bevorzugen um sicher zu gehen, dass wirklich alles ohne zusätzliche Adaption passt. Andererseits frage ich mich aber auch, ob z.B. die Justierstabilität des Hauptspiegels darunter leidet, wenn auf ihn beim Fokussieren Kräfte einwirken.

Wisst Ihr darüber mehr?

Steve
 
Re: Intes Mk 66 vs. 67

Hallo Steve,

beim MK67 mit Crayford Auszug hast Du den Vorteil, daß der Hauptspiegel fest sitzt und nicht verkippen kann. Der zweite Vorteil ist der geringere Preis, da der mechanische Aufwand nicht so hoch ist. Desweiteren kennst Du die Brennweite Deines Maksutov Systems sehr genau und diese bleibt auch konstant. Bei der Hauptspiegelfokussierung des MK66 wird der Abstand zwischen Haupt- und Gegenspiegel variiert, wobei sich die Brennweite des Gesamtsystems ändert. Bei Zubehör mit unterschiedlich langem optischen Weg weißt Du nie so genau, bei welcher Brennweite Du gerade beobachtest. Das ist eine Eigenschaft, die auch Schmidt-Cassegrains haben. Bei langem optischen Weg im Okularstutzen kann die Brennweitenverlängerung durchaus bei 10% liegen, was das ohnehin schon recht große Öffnungsverhältnis weiter in Richtung 1:ungünstig für Deep-Sky verschiebt. Der Vorteil ist natürlich klar, Du bist beim MK66 wesentlich flexibler, da Du unterschiedliches Zubehör allein mit dem weiten Einstellbereich der Hauptspiegelfokussierung erschlagen kannst. Beim MK67 kann es sein, daß Du mit manchen Okularen gar nicht mehr in den Fokus kommst, weiter rein als bis Anschlag geht der Fokussierer meist nicht. Das könnte dann problematisch werden, wenn man mit 2" Zubehör (z.B. einem 2" Amici-Prisma) arbeitet. Einen Zwischenstutzen einzufügen ist wohl das geringere Problem. Und für einen Binoansatz müsstest Du beim MK67 wohl einen Korrektor einplanen, der die Brennweite wiederum verlängert.

Das optimale Gerät gibt es nicht. Du mußt wie immer schauen, was Dir wichtig ist.

MK67:

+ billiger
+ Hauptspiegel fest
+ Brennweite konstant

- Einschränkungen beim nutzbaren Zubehör

MK66:

+ deutlich flexibler beim nutzbaren Zubehör

- Brennweite nicht konstant
- mechanisch aufwändiger
- teurer

So würde ich das sehen. Die Hauptspiegelfokussierung der Intes-Micro Geräte halte ich nicht für einen Schwachpunkt. Die Russen bauen schon wirklich tolle Sachen und das machen sie in der Regel sehr solide. Hier solltest Du vielleicht nochmal im Forum stöbern oder nachfragen, ob es negative Erfahrungen bezüglich Shifting oder Dejustierung gibt. Eigentlich habe ich aus der Vergangenheit nur positive Meldungen in Erinnerung.

Frank.
 
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