> was die Qualitätsansprüche bei der Optik betrifft, hast Du ins Schwarze getroffen.
Hallo Steve,
dachte ich mir's doch <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Der Wunsch nach möglichst viel Öffnung (Leistung) bei möglichst niedrigen Kosten läßt sich nur schwer verwirklichen. Das ist bei Astro nicht anders wie bei der Fernoptik. Daher geht mein Rat noch immer in diesselbe Richtung: lieber etwas kleiner kaufen, dafür auf Qualität achten.
> Für die von Dir vorgeschlagenen Maksutovs müsste ich aber wohl noch eine Weile sparen
Nicht unbedingt. Da die Zeiten wohl auch für Astrohändler momentan nicht die besten sind, würde ich auf Verdacht kräftig verhandeln <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />. Mit Deinem Preisrahmen von 1000 Euro könnte es allerdings knapp werden. Ich würde versuchen, ein Vorführmodell mit voller Garantie zu bekommen. Ganz konkret würde ich nach einem Intes MK 66 oder MK 67 suchen und dazu erstmal eine solide parallaktische Montierung besorgen. Für 1000 Euro bekommst Du wahrscheinlich keine russische Optik auf einer Montierung in japanischer Qualität, eine Montierung vom Typ Astro-5 bzw. EQ-5 sollte ihren Zweck aber genauso erfüllen. Fürs erste brauchst Du auch keine motorische Nachführung. Mit zwei biegsamen Wellen kannst Du das Teleskop von Hand nachführen und das geht immer noch deutlich bequemer wie beim Dobson. Den Motor kannst Du später nachrüsten, wenn Deine Frau wieder ein offenes Ohr für Anschaffungen hat <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Das gleiche gilt für Okulare. Hast Du eigentlich alle Okulare zum Zeiss Spektiv? Dann besorge Dir einen Astroadapter und Du kannst mit den wunderschönen Okularen auch am Mak beobachten. Oder am Dobson, oder was auch immer ins Haus kommt. Okulare in der Qualität der Zeiss Okulare kosten auf dem Astrosektor richtig Geld. Warum also etwas doppelt kaufen?
Ein Problem hast Du beim Mak: Du kannst keine so große Austrittspupille nutzen wie bei einem Newton mit 1:5 oder 1:6. Daher solltest Du noch klären, ob Du eine Austrittspupille von 5, 6 oder 7mm brauchst und vor allem, ob Deine Beobachtungsbedingungen dafür geeignet sind. Bei Deep-Sky ist ein möglichst großes Sehfeld mit großer Austrittspupille genau dann Pflicht, wenn Du lichtschwache und großflächige Objekte wie Nordamerika- oder Cirrusnebel mit oder ohne Nebelfilter beobachten willst. Es gibt aber noch viel mehr zu sehen. Bei offenen und Kugelsternhaufen und bei vielen Galaxien brauchst Du die große AP nicht. Mit dem Intes MK 66 kannst Du mit einem 40mm Okular eine AP um reichlich 3mm erzeugen, was für viele dieser Deep-Sky Objekte beinahe optimal ist. Die einzige Einschränkung beim Mak ist halt der Verzicht auf große Sehfelder mit geringer Vergrößerung bei schwachen, ausgedehnten Objekten. Alles andere kannst Du mit dem Mak genauso erschlagen wie mit einem Newton. Ich rede jetzt nur vom visuellen Beobachten und nicht von der Fotografie im Primärfokus!
Daher würde ich mir genau überlegen, ob es ein Newton sein muß. Klar ist hier Öffnung billiger zu kriegen, aber Öffnung ist nicht alles. Beim Mak hast Du einen Vorteil: das Öffnungsverhältnis von 1:10 oder 1:12 stellt deutlich weniger Ansprüche an die Korrektur der Okulare. Ein langbrennweitiges Weitfeldokular mit sehr guter Randschärfe kostet beim Newton nicht gerade wenig. Beim Mak langt ein einfacher gestricktes Design und was Du bei den Okularen sparst, relativiert den Preis für die Anschaffung insgesamt. Und noch ein Punkt kommt hinzu. Wenn Du das Zeiss Variookular vom Spektiv hast, dann brauchst Du fürs erste keine teuren Planetenokulare. Beim MK 66/67 erreichst Du so eine 214-fache Vergrößerung, was für Planeten schon mal prima geeignet ist. Wenn Du einen Dobson kaufst, dann mußt Du evtl. zusätzlich in ein oder zwei gute Planetenokulare investieren. Die sollten dann auch ein angenehm großes Sehfeld haben, damit das Nachschubsen am Dobson auf Dauer nicht lästig wird.
Ich würde an Deiner Stelle in Ruhe alle Kosten summieren und schauen, was den meisten Beobachtungsspaß bringt. Und noch viel wichtiger, schau Dir die Geräte irgendwo live an. Nur dann hast Du eine Vorstellung, was machbar ist und was von der heimischen Wendeltreppe verkraftet wird. Nun noch zu einigen Deiner Fragen.
> Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ein 6 " Mak wirklich den erhofften Quantensprung gegenüber dem Spektiv bringt.
Von der Öffnung ist der Sprung natürlich geringer wie zu einem großen Dobson. Logisch. Im Vergleich zu 85mm Öffnung des Spektivs ist der Mak aus meiner Sicht auf alle Fälle eine neue Welt. Wie schon geschrieben, bewerten würde ich das in der Summe aller Eigenschaften. Das bequeme Beobachten auf einer parallaktischen Montierung ist mir wichtig genug, daß ich bei gegebenem Preislimit zur Not auf etwas Öffnung verzichten würde. Aber das kann man auch ganz anders sehen und entscheiden mußt Du das allein.
> Ich möchte schon auch richtig kräftig vergrößern können.
Hier wäre das Zeiss Vario eine schöne Ergänzung zum Mak. Hast Du es? Für die seltenen Nächte wo das Seeing die richtig hohen Vergrößerungen zuläßt, brauchst Du evtl. noch eine gute Barlowlinse oder ein kurzbrennweitiges Okular. Aber auch hier gilt: die Qualität der Optik ist wichtiger wie die Quantität der Vergrößerung. Glaub's mir <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ...
> Ein Kriterium hatte ich in meiner ersten Frage vergessen zu erwähnen. Mein Teleskop soll auch benutzt werden, um anderen Familienmitgliedern und z.B. Besuchern im astronomischen Verein etwas zu zeigen.
Das hängt von den Fähigkeiten der Familienmitglieder/Besucher ab. Mancher hat schon Schwierigkeiten, den Orionnebel im Fernglas zu finden. Wenn er dann M51 im Dobson verfolgen soll, könnte es schwierig werden. Deutlich einfacher ist es natürlich mit einem parallaktisch montierten Teleskop. Du stellst das Objekt in die Bildmitte, räumst den Hocker und drückst dem nächsten die biegsame Welle in die Hand. Dann muß er noch für sich fokussieren, durch feinfühliges Drehen der biegsamen Welle dem Objekt folgen und das war's. Mit Motor muß er nur noch fokussieren und kann auch über längere Zeit ins Okular schauen, was ja bekanntlich bei ungeübten Beobachtern sehr sinnvoll ist. Zeig mal einem Besucher an der Volkssternwarte M51 oder gar M101 und Du wirst sehen, daß viele nichts sehen. Erst nach längerer Zeit stellt sich die Wahrnehmung ein und dazu braucht man als ungeübter Beobachter vor allem Zeit und Ruhe. Das Schubsen am Dobson dürfte ungeübten Beobachtern die Konzentration auf ein Objekt und die Wahrnehmung desselben nicht gerade erleichtern. Für Dich privat ist das auf längere Sicht wohl kein Problem, ist halt eine Frage der Übung. Aber Gästen würde ich die Beobachtungsmethode nicht unbedingt zumuten.
> Und was genau ist Obstruktion? Gibt es da eine Art toter Fleck oder wie muss man sich das vorstellen?
Genauso ist es. Obstruktion ist die Abschattung der Öffnung durch den Gegenspiegel. Die Austrittspupille ist ja ein verkleinertes Abbild der Eintrittspupille. Wenn Du jetzt am Tag eine große AP hast, dann siehst Du inmitten der AP den kleinen schwarzen Fleck vom Gegenspiegel. Je größer die AP desto größer der schwarze Fleck. Am Tag ist die Augenpupille ja recht klein. Wenn Du auf der optischen Achse ins Okular blickst und mit 2,5mm großer Augenpupille einen 1,5 oder 2mm großen schwarzen Fleck vor der Pupille hast, dann bekommst Du Probleme. Wie gesagt, der Effekt macht sich bei großen AP'en halt störend bemerkbar. Wenn Du dann das Auge etwas abseits der optischen Achse positionierst, merkst Du, wie das Bild plötzlich heller wird. Bei leicht versetztem Einblick guckst Du an dem schwarzen Fleck vorbei und bekommst mehr Licht aus der ringförmigen Öffnung eines obstruierten Systems ins Auge. Manchmal stört der Effekt auch bei der Sonnenbeobachtung. Es ist aber nicht so, daß Du den Fleck im Bild siehst. Du merkst nur die Wirkung desselben auf die Bildhelligkeit. Und da man das Auge selten ganz ruhig hält, variiert die Bildhelligkeit, wenn man das Auge nicht fest mit dem Okular verbindet <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" />. Bei hohen Vergrößerungen und kleiner AP ist das Thema erledigt, da dann die Augenpupille größer ist als die AP.
Und noch ein letzter Satz. Wenn ich in erster Linie zu einem russischen Mak tendiere, so hat das im wesentlichen folgende Gründe:
1. die optische Qualität der Geräte von Intes / Intes-Micro ist in aller Regel über Zweifel erhaben.
2. Planetenbeobachtung macht bei Jupi und Saturn eine Menge Spaß! Dafür würde ich jederzeit so einen Mak auf parallaktischer Montierung favorisieren. Denn Genußspechteln mit bequemem Einblick gehört bei mir an oberste Stelle. Dobsonschubsen ist hier nicht mein Ding.
3. der geschlossene Tubus braucht zwar länger zum auskühlen, auf lange Sicht ist die Optik aber gut aufgehoben.
4. in ein richtiges Fernrohr guckt man hinten rein <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/grin.gif" alt="" /> ...
Frank.