Diddy Stardust
Mitglied
Hallo liebe Sternenfreunde,
bin neu hier und ein Neueinsteiger in die Astronomie - mit 56
Hab mir einen Kindheitstraum erfüllt, mir ein Teleskop zugelegt und gerade dabei die ersten Erfahrungen zu sammeln. Darf ich Euch hier ein paar Fragen stellen (die ich vielleicht schon hätte vor dem Kauf stellen sollen)? Habe schon so Einiges hier mitgelesen und viele Anregungen bekommen, vielen Dank! Doch das ganze Thema ist so umfangreich und die "Fachsprache" so komplex, dass ich (noch) keine konkreten Antworten habe finden können. Bitte seht es mir nach, vielleicht habe ich auch nur nicht die richtigen Suchbegriffe eingegeben...
So bin ich nun seit ca. 6 Wochen in Sachen Teleskop, auf mehr oder weniger verschlungenen Pfaden, unterwegs - und hab' wohl auch schon den ein oder anderen Euro in den Sand gesetzt... Ich beschreibe meine Erfahrungen hier mal etwas ausführlicher, vielleicht hilft's ja schon jemandem Fehler zu vermeiden, der sich VORHER genauer informiert und hier schon mal die Nase reinsteckt
Meine Wunschvorstellung (reichlich naiv - Anfänger halt): Erst mal einarbeiten, viel entdecken und eindrucksvolle Beobachtungen von Planeten und Deep Sky-Objekten machen, später mit demselben Gerät tolle Astrofotos schießen
Mein erster Versuch: Ein Skywatcher 200/1000 PDS Explorer auf EQ5 Montierung:
Ich muss sagen, das sogenannte Handbuch ist eine Katastrophe: Manche Dinge sind nicht oder schlecht erklärt. Es ist grundsätzlich das falsche Stativ dargestellt, wie die Aufhängung der Ablageplatte gedacht ist oder die Montierung aufgesetzt wird, musste ich selbst herausfinden. Dass man die Knöpfe auf die Feineinstellungsachsen mit sanfter, bis grober Gewalt aufdrücken muss, ist nicht erwähnt. Die Justierung des Sucherfernrohrs ist nicht erklärt. Auf welche Seite die lange oder kurze Bolzenschraube gehört wird nicht erwähnt. Die Feststellschraube des 2" Okularauszug auch nicht, Okularadapter etc. - Jugend forscht.
Das mag alles kein Hexenwerk sein, aber als Neuling, der v.a. an dem neuen Gerät nichts kaputt machen will, ist das mehr Nervenkitzel als die Aufbauanleitung eines IKEA-Regals. Die mitgelieferte Anleitung ist von Grund auf unvollständig, setzt zu viel voraus und erwähnt Details nicht. Zumindest war die Euphorie nach einem Tag mit dem neuen Gerät etwas gebremst.
Die EQ5 tat ihr Übriges: Der RA-Einstellkreis schien mir nicht in Ordnung zu sein. Er hatte viel Spiel und wenn ich die Schraube löste, ihn kalibrierte und die Schraube wieder festzog, folgt er trotzdem nicht der RA-Bewegung, sondern "hakte". Schraubte man den Polsucher heraus, wird der Einstellring nur von dem Fett gehalten. Aufgrund des Spalts von 3mm zwischen dem Ring und der Skala am Polsucher, passiert dies auch im Betrieb, dass das Fett nicht mehr haftet. Folge: Der Ring steht schief und wackelt. Nutzbar ist er schon gar nicht. Offensichtlich stört das viele Nutzer, sodass ich (evtl. sogar hier?) einige Lösungsvorschläge gefunden habe, von Abdrehen bis zu Zwischenringen. Mir wiederstrebt es an einem nagelneuen Gerät derart Hand anlegen zu müssen. Ach wenn man den Ring nicht wirklich benutzt - sollte doch an einem neuen Gerät alles funktionieren, oder?
Das Hauptproblem - und darum habe ich die Sachen dann auch zurückgeschickt: Im Internet sind sich wohl alle einig, dass die EQ5 zu schwach ist für Astrofotografie mit dem 200/1000. Auf der Händlerseite ist für die Montierung "bis 10 Kg" angegeben, das 200/1000 PDS hat 8. Als Laie war mir das genügend "Headroom". Und schließlich wurde das Ganze ja als Komplettpaket angeboten.
Mein zweiter Versuch: Ein Celestron Schmidt-Cassegrain Teleskop SC 152/1500 Advanced VX AVX GoTo
Diesmal wollte ich es wissen und habe das Budget mehr als verdoppelt. Für knapp 3.000 habe ich auch gleich noch etwas Zubehör dazu geordert (Powerbank, Okulare, Polsucher). Und damit ging es weiter mit den von Halbwissen geprägten Entscheidungen und Geldausgaben. OK, die Montierung ist schon mal klasse - finde ich. Da sind Welten zwischen der EQ5 und der AVX in Sachen Verarbeitung. Und das Handbuch ist um Einiges besser. Klar, das GoTo hatte ich mir zuerst nicht gegönnt, ist natürlich supergenial (also soweit ich das bisher beurteilen kann).
Was mich zu dem Kauf bewogen hat, waren die folgenden Sätze: "Diese Optik bietet eine sehr gute Abbildung, Kontrast und Schärfe überzeugen und bieten großen Spaß insbesondere bei der Beobachtung von Mond, Planeten oder Planetarischen Nebeln. Das Schmidt-Cassegrain System ist aber vor allem ein sehr gutes und robustes Allroundgerät für Beobachtung und Fotografie." Also genau das, was ich wollte
Einen Allrounder, ja auch für Fotografie (will meine CANON EOS M6-II andocken), der leistungsfähig ist, aber auch kompakt, um ihn alleine im PKW problemlos transportieren und aufbauen zu können.
Und nun lese ich aber immer wieder Sätze wie "zu geringe Öffnung", "die Montierung ist zu wacklig", "nur bedingt für Fotografie geeignet". Zudem dachte ich mit 2"-Equipment arbeiten zu können und habe bereits in einen "Omegon Carbonline Zenitspiegel 90° SC" und ein "Omegon SWA 38mm Okular 2" investiert. Bin begeistern von beidem, habe aber jetzt das Problem, dass ich das Teleskop nicht mehr ausbalancieren kann, wenn ich den Zenitspiegl plus Okular anbaue, so weit hinten kann ich die Prismen-Schiene ja gar nicht einklemmen...? Die Motorsteuerung habe ich vorsichtshalber mal gar nicht angeworfen, war mir zu heikel bei dem Gewicht. Und das SC-Gewinde scheint auch nicht dafür gebaut zu sein, das "visual back" regelmäßig zu tauschen, hat ja nur ein paar wenige Windungen und sieht nach 10x Wechsel zwischen 1,25" und 2" schon etwas mitgenommen aus... Habe noch dazu gelesen, dass 2" gar keinen Sinn hat, da der Innendurchmesser des Lightbaffel (heißt das so?) beim SC 6" nicht mehr als max. 28mm misst und da eh nicht genug Licht durchkommt?
Ist damit 2" gestorben? Okular und Spiegel umsonst gekauft? Ist das ganze C6 ein Flopp? Konnte es aufgrund des Wetters nur 2x einigermaßen ausprobieren, das erste Mal war immerhin in der Rhön (dunkelgrün auf der LPM) allerdings mehr Aufbau, Einnorden, Alignment - dann war auch schon die Scheibe beschlagen. Bei zweiten Mal hatte ich immerhin schon eine Tauschutzkappe, aber einen viel schlechteren Standort. Zum Glück etwas mehr Übung, hatte einen tollen Blick auf Saturn und Jupiter - aber mit dem mitgelieferten 25mm Plössl etwas klein, mit einem Explore Scientific 5,5mm etwas dunkel und unscharf...
Insgesamt also etwas unbefriedigend und enttäuschend. Das schlechte Wetter tut sein Übriges und nun sitze ich hier, stöbere durch Foren und Astroshops und spiele schon mit dem Gedanken das C6 wieder zu verkaufen und das dritte Mal etwas "Vernünftiges" zu kaufen (nach einer finanziellen Konsolidierungsphase) - das Größte was auf die AVX draufpasst? Ein 9.25" (gibt's gerade OTM für 2000 €) oder sogar ein 11"? Oder sogar „EDGE“? Oder gar kein Celestron mehr? Skywatcher aber auch nicht? Etwas ganz Anderes? Mehr als nochmal 1000-1500 (+ Plus dem Erlös für den Verkauf des 6“) möchte ich eigentlich nicht mehr drauflegen…
Das Fieber hat mich auf jeden Fall gepackt! Aber wohin soll der Weg gehen?
So, nun bedanke mich bei jedem, der es geschafft hat bis hierhin zu lesen. Und würde mich sehr freuen über Eure Einschätzungen und Erfahrungswerte, um einen vernünftigen Weg zu mehr Beobachtungsfreude zu finden.
Beste Grüße aus dem leider nebligen Frankenland!
Dietmar
bin neu hier und ein Neueinsteiger in die Astronomie - mit 56
So bin ich nun seit ca. 6 Wochen in Sachen Teleskop, auf mehr oder weniger verschlungenen Pfaden, unterwegs - und hab' wohl auch schon den ein oder anderen Euro in den Sand gesetzt... Ich beschreibe meine Erfahrungen hier mal etwas ausführlicher, vielleicht hilft's ja schon jemandem Fehler zu vermeiden, der sich VORHER genauer informiert und hier schon mal die Nase reinsteckt
Meine Wunschvorstellung (reichlich naiv - Anfänger halt): Erst mal einarbeiten, viel entdecken und eindrucksvolle Beobachtungen von Planeten und Deep Sky-Objekten machen, später mit demselben Gerät tolle Astrofotos schießen
Mein erster Versuch: Ein Skywatcher 200/1000 PDS Explorer auf EQ5 Montierung:
Ich muss sagen, das sogenannte Handbuch ist eine Katastrophe: Manche Dinge sind nicht oder schlecht erklärt. Es ist grundsätzlich das falsche Stativ dargestellt, wie die Aufhängung der Ablageplatte gedacht ist oder die Montierung aufgesetzt wird, musste ich selbst herausfinden. Dass man die Knöpfe auf die Feineinstellungsachsen mit sanfter, bis grober Gewalt aufdrücken muss, ist nicht erwähnt. Die Justierung des Sucherfernrohrs ist nicht erklärt. Auf welche Seite die lange oder kurze Bolzenschraube gehört wird nicht erwähnt. Die Feststellschraube des 2" Okularauszug auch nicht, Okularadapter etc. - Jugend forscht.
Das mag alles kein Hexenwerk sein, aber als Neuling, der v.a. an dem neuen Gerät nichts kaputt machen will, ist das mehr Nervenkitzel als die Aufbauanleitung eines IKEA-Regals. Die mitgelieferte Anleitung ist von Grund auf unvollständig, setzt zu viel voraus und erwähnt Details nicht. Zumindest war die Euphorie nach einem Tag mit dem neuen Gerät etwas gebremst.
Die EQ5 tat ihr Übriges: Der RA-Einstellkreis schien mir nicht in Ordnung zu sein. Er hatte viel Spiel und wenn ich die Schraube löste, ihn kalibrierte und die Schraube wieder festzog, folgt er trotzdem nicht der RA-Bewegung, sondern "hakte". Schraubte man den Polsucher heraus, wird der Einstellring nur von dem Fett gehalten. Aufgrund des Spalts von 3mm zwischen dem Ring und der Skala am Polsucher, passiert dies auch im Betrieb, dass das Fett nicht mehr haftet. Folge: Der Ring steht schief und wackelt. Nutzbar ist er schon gar nicht. Offensichtlich stört das viele Nutzer, sodass ich (evtl. sogar hier?) einige Lösungsvorschläge gefunden habe, von Abdrehen bis zu Zwischenringen. Mir wiederstrebt es an einem nagelneuen Gerät derart Hand anlegen zu müssen. Ach wenn man den Ring nicht wirklich benutzt - sollte doch an einem neuen Gerät alles funktionieren, oder?
Das Hauptproblem - und darum habe ich die Sachen dann auch zurückgeschickt: Im Internet sind sich wohl alle einig, dass die EQ5 zu schwach ist für Astrofotografie mit dem 200/1000. Auf der Händlerseite ist für die Montierung "bis 10 Kg" angegeben, das 200/1000 PDS hat 8. Als Laie war mir das genügend "Headroom". Und schließlich wurde das Ganze ja als Komplettpaket angeboten.
Mein zweiter Versuch: Ein Celestron Schmidt-Cassegrain Teleskop SC 152/1500 Advanced VX AVX GoTo
Diesmal wollte ich es wissen und habe das Budget mehr als verdoppelt. Für knapp 3.000 habe ich auch gleich noch etwas Zubehör dazu geordert (Powerbank, Okulare, Polsucher). Und damit ging es weiter mit den von Halbwissen geprägten Entscheidungen und Geldausgaben. OK, die Montierung ist schon mal klasse - finde ich. Da sind Welten zwischen der EQ5 und der AVX in Sachen Verarbeitung. Und das Handbuch ist um Einiges besser. Klar, das GoTo hatte ich mir zuerst nicht gegönnt, ist natürlich supergenial (also soweit ich das bisher beurteilen kann).
Was mich zu dem Kauf bewogen hat, waren die folgenden Sätze: "Diese Optik bietet eine sehr gute Abbildung, Kontrast und Schärfe überzeugen und bieten großen Spaß insbesondere bei der Beobachtung von Mond, Planeten oder Planetarischen Nebeln. Das Schmidt-Cassegrain System ist aber vor allem ein sehr gutes und robustes Allroundgerät für Beobachtung und Fotografie." Also genau das, was ich wollte
Und nun lese ich aber immer wieder Sätze wie "zu geringe Öffnung", "die Montierung ist zu wacklig", "nur bedingt für Fotografie geeignet". Zudem dachte ich mit 2"-Equipment arbeiten zu können und habe bereits in einen "Omegon Carbonline Zenitspiegel 90° SC" und ein "Omegon SWA 38mm Okular 2" investiert. Bin begeistern von beidem, habe aber jetzt das Problem, dass ich das Teleskop nicht mehr ausbalancieren kann, wenn ich den Zenitspiegl plus Okular anbaue, so weit hinten kann ich die Prismen-Schiene ja gar nicht einklemmen...? Die Motorsteuerung habe ich vorsichtshalber mal gar nicht angeworfen, war mir zu heikel bei dem Gewicht. Und das SC-Gewinde scheint auch nicht dafür gebaut zu sein, das "visual back" regelmäßig zu tauschen, hat ja nur ein paar wenige Windungen und sieht nach 10x Wechsel zwischen 1,25" und 2" schon etwas mitgenommen aus... Habe noch dazu gelesen, dass 2" gar keinen Sinn hat, da der Innendurchmesser des Lightbaffel (heißt das so?) beim SC 6" nicht mehr als max. 28mm misst und da eh nicht genug Licht durchkommt?
Ist damit 2" gestorben? Okular und Spiegel umsonst gekauft? Ist das ganze C6 ein Flopp? Konnte es aufgrund des Wetters nur 2x einigermaßen ausprobieren, das erste Mal war immerhin in der Rhön (dunkelgrün auf der LPM) allerdings mehr Aufbau, Einnorden, Alignment - dann war auch schon die Scheibe beschlagen. Bei zweiten Mal hatte ich immerhin schon eine Tauschutzkappe, aber einen viel schlechteren Standort. Zum Glück etwas mehr Übung, hatte einen tollen Blick auf Saturn und Jupiter - aber mit dem mitgelieferten 25mm Plössl etwas klein, mit einem Explore Scientific 5,5mm etwas dunkel und unscharf...
Insgesamt also etwas unbefriedigend und enttäuschend. Das schlechte Wetter tut sein Übriges und nun sitze ich hier, stöbere durch Foren und Astroshops und spiele schon mit dem Gedanken das C6 wieder zu verkaufen und das dritte Mal etwas "Vernünftiges" zu kaufen (nach einer finanziellen Konsolidierungsphase) - das Größte was auf die AVX draufpasst? Ein 9.25" (gibt's gerade OTM für 2000 €) oder sogar ein 11"? Oder sogar „EDGE“? Oder gar kein Celestron mehr? Skywatcher aber auch nicht? Etwas ganz Anderes? Mehr als nochmal 1000-1500 (+ Plus dem Erlös für den Verkauf des 6“) möchte ich eigentlich nicht mehr drauflegen…
Das Fieber hat mich auf jeden Fall gepackt! Aber wohin soll der Weg gehen?
So, nun bedanke mich bei jedem, der es geschafft hat bis hierhin zu lesen. Und würde mich sehr freuen über Eure Einschätzungen und Erfahrungswerte, um einen vernünftigen Weg zu mehr Beobachtungsfreude zu finden.
Beste Grüße aus dem leider nebligen Frankenland!
Dietmar

