Fangspiegel tauschen

Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.

Deadlock

Aktives Mitglied
Hallo!
Ich habe mal eine theorethische Frage. Wenn ich es richtig verstanden habe beeinträchtigt die Größe des Fangspiegels den Kontrast des Bildes. Große Fangspiegel braucht man vor allem für die fotografische Nutzung. Da ich in erster Linie mein Teleskop visuell benutze wollte ich wissen ob es einfach möglich ist den Fangspiegel zu tauschen. Ich selbst habe ein GSO 10" mit 78mm Fangspiegel. Ich weiß das es das gleiche Teleskop mit einem kleineren Fangspiegel gibt. Ist ein Tausch also möglich? Gibt es eine Untergrenze?


Gruß Deadlock
 
Hi,

Du müßtest dann auch den Hauptspiegel versetzen und Dir einen niedrigeren Auszug holen. Sonst nutzst Du nicht mehr die ganze Öffnung oder kämst nach HS-Versetzung nicht mehr in den Fokus.

Gruß
Markus
 
Hi Deadlock,

man kann mit Freewareprogrammen wie MyNewton oder NEWTWIN die Möglichkeiten durchspielen.
Die Eingabe der erforderlichen Parameter ist vorgegeben und recht simpel.
Nicht immer ist der länger Tubus und der flachere OAZ zwingend erforderlich, denn Newtons von der Stange haben oft auch einen überdimensionierten Fangspiegel.
Wenn z.B. schon ein kürzer bauender OAZ ausreicht, kann man das eventuell mit einer Umrüstung auf ein besseres Modell, eventuell mit Untersetzung und/oder mehr Stabilität, verbinden.
Zu beachten ist, dass ein kleinerer FS dann auch gleich mit einem Qualitätsupgrade verbunden sein sollte. Das bringt oft mehr als die Verkleinerung, jedenfalls ergänzt sich das sehr gut.

Mein 6" F/6 mit sehr guten HS hat einen 40er FS anstelle des verbauten 50er FS bekommen. Okay, da war auch eine Tubusverlängerung fällig. Die Obstruktion wurde von 33% auf 27% gedrückt.
Die Leistungssteigerung ist so extrem augenfällig, dass sie nicht allein auf die geringere Obstruktion zurückzuführen sein kann.

Gruß
*entfernt*

 
Hallo! Ist das zufällig der GSO Newton ?
Bei dem fand ich den riesen Fangspiegel nämlich ziemlich unnütz.


Gruß Deadlock
 
Hallo Deadlock,

jou, richtig geraten.
Überprüfe Deine Situation mal mit einem der Programme.
"A bisserl wos geht ollaweil", sogt da Franz (und ich auch). ;)

Gruß
*entfernt*
 
Hast du zufällig beschrieben, wie du den Umbau gemacht hast? Ich hatte nämlich mit dem Gedanken gespielt mit den GSO mit einer Rockerbox von dir zusammen zu kaufen, bin aber dann wegen des Fangspiegels davon abgekommen. Ich beobachte sehr viel Planeten...


Gruß Deadlock
 
Hi Deadlock,

der Bericht ist eigentlich nicht fertig, denn das Teleskop ist nun fast fertig und funktioniert definitiv prächtig. Bekam auf zwei Treffen sehr gute Kritiken für die Abbildungsleistung, auch von sehr versierten und verwöhnten Leuten.
So oder ähnlich geht das auch mit Deinem 10-Zöller, muss ja nicht zwingend ein Schiebetubus werden.
Bei Fragen melde Dich. Ich helfe Dir wenn ich kann, auch ohne eine RB zu verkaufen. ;)

Gruß
*entfernt*
 
Na mal schaun. Ich denke eine RB wirste sicher an mich los, da ich wenig Mut habe solch komplexe handwerklichen Dinge anzugehen. Aber man kann ja nie wissen. Danke für dein Hilfsangebot, vielleicht probier ichs ja wenn ich auf dein know how zurück greifen kann.


Gruß Deadlock
 
Hallo! Ich wärme nochmal den Thread hier auf d:-)

Du warst ja so freundlich mir einen link zu deinem Umbau gewiesen.

Ich zitiere aus diesem Thread mal einen Bericht:
"hallo Günther,

irgendwie wusste ich nicht so recht was damit anfangen, aber jetzt frage ich doch:

Wieviel wiegt denn der OTA jetzt, und wie lang ist der OTA eingeschoben? Bezüglich Packmass hätt ich ja kein Problem mit nem Normalo 6"f/6. Welche Ausleuchtung hast du denn jetzt mit dem 40mm FS (mm 100% Zone).

Ich habe bei meinem 6"f/6 einen 33mm FS und kurzbauenden OAZ dran, Fotos sind damit nicht, aber Planeten sind super und DS halt nur in der Mitte voll ausgeleuchtet. Ist für mich opti. Der Brennpunkt ist etwa 165mm über opt. Achse, und ich musste den OAZ und FS nach vor verlegen. Zur Beobachtung brauchts eine Taukappe als Streulichtschutz.

lg Tommy"

Mir geht es dabei um den letzten Absatz. bei 33mm hätte man eine Obstruktion von 22%.
Ich würde das Teleskop visuell benutzen wollen und nicht fotografisch. Also genauso wie Tommy es beschreibt.
Nun meine Frage: Wie muss ich mir dass mit der mangelnden Ausleuchtung vorstellen? Benutze ich dann nicht den ganzen HS? Wäre ein anderer OAZ zwingend nötig?

Gruß Deadlock
 
Hallo Deadlock,

um den Feldbereich mit voller Ausleuchtung zu bestimmen, zeichnest Du Dir am besten den Strahlengang auf Papier auf
und trägst die extremen Randstrahlen ein, welche gerade noch durch sämtliche optischen Komponenten hindurchgehen.
Für die Lösung derartiger geometrischer Aufgaben gibt es fertige Programme. Mit dem elementaren Strahlensatz aus der
Geometrie kann man sowas aber auch leicht selbst formulieren und lösen.

Für eine Newton Optik kannst Du den Formalismus aus dem angegebenen Link entnehmen.

Für den konkreten Fall einer 6" f/6 Optik mit einer seitlichen Fokusablage von 165 mm von der optischen Achse ergeben
sich die folgenden Werte für den kleinen Durchmesser des Fangspiegels DF_d für ein zu 100% ausgeleuchtetes Feld
vom Durchmesser d:

..... d .......... DF_d
... (mm) ....... (mm)

...... 0 .......... 27.5
...... 1 .......... 28.3
...... 2 .......... 29.1
...... 3 .......... 30.0
...... 4 .......... 30.8
...... 5 .......... 31.6
...... 6 .......... 32.4
...... 7 .......... 33.2
...... 8 .......... 34.1
...... 9 .......... 34.9
..... 10 .......... 35.7
..... 12 .......... 37.3
..... 14 .......... 39.0
..... 16 .......... 40.6
..... 18 .......... 42.3
..... 20 .......... 43.9
..... 22 .......... 45.5
..... 24 .......... 47.2
..... 26 .......... 48.8
..... 28 .......... 50.4
..... 30 .......... 52.1


Die minimale Fangspiegelgröße, bei der nur noch auf der optischen Achse volle Ausleuchtung besteht, ist 27.5 mm.
In diesem Fall beträgt die Feldgröße d = 0. Wenn der Fangspiegel noch kleiner ist als dieser Minimalwert, dann siehst
Du nicht einmal auf der optischen Achse den vollen Hauptspiegel, mit anderen Worten, Du verschenkst Öffnung.

Mit zunehmender (voll ausgeleuchteter) Feldgröße muss der Fangspiegel immer größer werden. Ein Fangspiegel mit
einem kleinen Durchmesser von 33 mm (wie in dem zitierten Beispiel) leuchtet ein Feld von 7 mm voll aus.
Ein Feld von 20 mm erfordert einen Fangspiegel von 44 mm, usw.

Ist also alles sehr elementar und einfach ...

Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
Hallo! Vielen Dank für die Ausführungen.
Es werden dann 7mm Feld ausgeleuchtet, was bedeutet das wenn ich in den OAZ schaue? Der Verbaute OAZ is 71 mm hoch. Wenn ich da nur den FS ändern würde, käme ich dann nicht mehr in den Fokus oder wieso muss der kürzer sein?

Gruß Deadlock
 
Solange Du nur die Größe vom Fangspiegel änderst, bleibt die Fokusablage und damit die Fokuseinstellung dieselbe.
Das ändert sich nur, wenn Du den Abstand zwischen Haupt- unf Fangspiegel änderst.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter

 
Hi Deadlock,

weil es so ist, wie Peter schreibt, kann es aber durchaus sinnvoll sein, einen niedrigeren OAZ zu wählen und damit die Möglichkeit zu bekommen, den Fangspiegel kleiner zu machen /und/oder weiter vom Hauptspiegel entfernt zu positionieren, ohne Ausleuchtung zu verlieren oder eben einen bestimmten Wert zu erhalten.
Okay, da muss dann der Tubus auch umgebaut werden.
Sehr nützlich, um die Möglichkeiten durchzuspielen, erweisen sich Freewareprogramme wie MyNewton oder NewtWin.

Ich habe so meinen 6" F/6 mit einem 40 mm FS konfiguriert und hätte letztlich auch einen 36er FS einbauen können, der noch knapp ausreichend für den Strahlenkegel gewesen wäre.
Zu knapp hat aber auch wieder Nachteile, z.B. wenn man mal an eine nicht ganz so perfekte FS-Fläche am Rand denkt. Auch ein FS kann eine abfallende Kante haben oder die Ausleuchtung wird doch etwas zu knapp gewählt und dann geht der Schuss mit der übermäßigen Obstruktionsphobie nach hinten los.

Gruß
*entfernt*
 
Re: Fangspiegel tauschen -> Ausleuchtung

Hallo zusammen,

hab mir den Thread grade durchgelesen, da ich mir z. Zt. auch (mal wieder) Gedanken um die Ausleuchtung mache.
So wie ich das sehe, hat dem Deadlock immer noch keiner die Frage beantwortet wie sich die Veränderung der Ausleuchtung beim Blick durchs Okular tatsächlich bemerkbar macht.
Ich habe an meinem Newton gut 9mm (ca. 0,55° wGf) 100% ausgelechtetes Feld. Nach myNewton bei 30mm (1,88° wGf) Feld noch 63% Ausleuchtung, was einem Magnitudenverlust von 0,5m entspricht.
Beobachte ich nun z.B. mit einem Okular mit 2,8° wGf von der Mitte des Gf zum Rand des Gf schwenke, kann ich jedoch nicht erkennen dass Sterne oder DSO schwächer werden. Die Frage, die sich mir dadurch stellt ist, wie empfindlich ist das Auge nun für Helligkeitsunterschiede?
Und dann stellt sich noch die Frage wieviel 100% ausgeleuchtes denn dann jeweils für a) DSO und b) Planeten visuell sinnvoll ist. Es muss doch möglich sein hier eine weitestgehend objektive Aussage zu treffen.

Viele Grüße

Werner
 
Re: Fangspiegel tauschen -> Ausleuchtung

Zitat von Remirat:
So wie ich das sehe, hat dem Deadlock immer noch keiner die Frage beantwortet wie sich die Veränderung der Ausleuchtung beim Blick durchs Okular tatsächlich bemerkbar macht

Hallo Werner, das verstehe ich jetzt nicht. Über die Auswirkung war er sich schon klar:

Zitat von deadlock:
Ich habe bei meinem 6"f/6 einen 33mm FS und kurzbauenden OAZ dran, Fotos sind damit nicht, aber Planeten sind super und DS halt nur in der Mitte voll ausgeleuchtet. Ist für mich opti ...

Allerdings war er sich über die Ursachen wohl nicht im Klaren:

Zitat von deadlock:
Nun meine Frage: Wie muss ich mir dass mit der mangelnden Ausleuchtung vorstellen? Benutze ich dann nicht den ganzen HS? Wäre ein anderer OAZ zwingend nötig?

Jetzt aber zu Deiner Frage:

Zitat von Remirat:
Ich habe an meinem Newton gut 9mm (ca. 0,55° wGf) 100% ausgelechtetes Feld. Nach myNewton bei 30mm (1,88° wGf) Feld noch 63% Ausleuchtung, was einem Magnitudenverlust von 0,5m entspricht.
Beobachte ich nun z.B. mit einem Okular mit 2,8° wGf von der Mitte des Gf zum Rand des Gf schwenke, kann ich jedoch nicht erkennen dass Sterne oder DSO schwächer werden. Die Frage, die sich mir dadurch stellt ist, wie empfindlich ist das Auge nun für Helligkeitsunterschiede?

Das Auge hat einen logarithmischen Response (daher ja auch die Magnitudenskala) und eine Randabschattung von ca. 30% wird visuell von den meisten gar nicht bewusst wahrgenommen. Hier kommt es aber auf die genauen Umstände der Beobachtung an.

Wenn Du z.B. einen offenen Sternhaufen mit geringer Variation in der Helligkeit der einzelnen Sterne betrachtest, kannst Du im direkten Vergleich mit einiger Übung durchaus Unterschiede von nur 1/10 Magnitude erkennen. Die visuelle Beobachtung variabler Sterne, etwa von Mitgliedern der AAVSO, beruht ja auf einem derartigen Vergleich mit Feldsternen bekannter Helligkeit.

Wenn man Sternmagnituden derart genau taxieren will, muss man natürlich achtgeben, dass die Feldausleuchtung hinreichend gleichmäßig ist. Andernfalls muss man durch entsprechende Positionierung im Feld sicherstellen, dass die zu vergleichenden Sterne dieselbe Abschattung haben.

Das wäre also ein spezielles Anwendungsgebiet, bei dem die visuelle Feldausleuchtung durchaus eine prominente Rolle spielen würde. Solange es jedoch in erster Linie nur um die Ästhetik geht, ist es ziemlich egal. Wenn Du eine Randabschattung von einer halben Magnitude gar nicht wahrnimmst, dann stört es Dich ja offensichtlich auch nicht!

Dass man für photographische deep-sky Anwendungen eine gute Ausleuchtung und größere Fangspiegel braucht, ist ja hinlänglich bekannt.

Planeten hingegen beobachtet man bei hohen Vergrößerungen innerhalb sehr kleiner Felder an der optischen Achse. Dafür würde dann ein kleinerer Fangspiegel mit reduzierter Obstruktion optimal sein, aber eben auch nur dafür!

Zitat von Remirat:
Und dann stellt sich noch die Frage wieviel 100% ausgeleuchtes denn dann jeweils für a) DSO und b) Planeten visuell sinnvoll ist. Es muss doch möglich sein hier eine weitestgehend objektive Aussage zu treffen.

Ich würde für rein ästhetische Anwendungen für (a) und (b) eine Ausleuchtung von 70% am Feldrand empfehlen. Die Abschattung wird dann gewöhnlich nicht bemerkt.

Mit freundlichen Grüßen,
Peter







 
Re: Fangspiegel tauschen -> Ausleuchtung

Hallo Peter,

in aller Kürze: vielen Dank für deine ausführliche Antwort!

Viele Grüße + schönes WE

Werner
 
Re: Fangspiegel tauschen -> Ausleuchtung

Hallo Peter und Werner!

Vielen Dank für diese beiden wertvollen posts!
Was für einen Newton hast du Werner?


Grüße Deadlock
 
Re: Fangspiegel tauschen -> Ausleuchtung

Hallo Deadlock,

es ist ein GSO 6"f/6. Es ist jedoch nur noch die Optik. Hier kannst du grob lesen, was aus dem Rest geworden ist. Viel Spaß noch beim GSO-6"f/6-Monster-Thread im "Teleskope-Board" ;).

Viele Grüße

Werner
 
Re: Fangspiegel tauschen -> Ausleuchtung

Toll!
Was ich mich frage: Hat sich denn der kauf des GSO überhaupt gelohnt wenn am Ende nur der Hauptspiegel noch Verwenung findet?

Wie lang is denn der tubus jetzt?

Gruß DEadlock
 
Re: Fangspiegel tauschen -> Ausleuchtung

Ja, ist wirklich toll! geworden :biggrin: ! Da ich den gebrauchten SW 6"f/8 günstig (80,- oder 90,- € inkl. Versand) hier im Forum gekauft habe und die überzähligen Komponenten (GSO Crayford, GSO FS mit Spinne, GSO-Verl.-Hülse, 6"f/8-HS, Sucherschuh) bei ibääh verbimmelt habe, war am Ende sogar noch das Geld für die Velourisierung, einem Pullöverchen aus Rollkork (die übliche Heizungstapete ist ja potthässlich und viel zu weich) und einem Lüfter übrig. Somit war der Umbau kostenneutral und hat sich gelohnt.

Der Tubus ist jetzt ca. 92 cm lang, die Brennebene liegt ca. 70 mm über dem Tubus, der jetzt auch immerhin 180 mm DU statt 176 mm hat.

Viele Grüße

Werner
 
Status
Es sind keine weiteren Antworten möglich.
Zurück
Oben