Hallo Peter,
An den Prismen muss in der Regel gar nichts justiert werden, wenn der Feldstecher schielt. An die Prismen musst Du nur, wenn eins der beiden Bilder gegen das andere verdreht ist. In dem Fall haben sich auf einer Seite des Feldstechers (oder beiden!) zwei Prismen gegeneinander verdreht. Sowas passiert nach meinem Eindruck aber selten, weil die Prismen in der Regel vor ihrem Einbau justiert und miteinander verklebt werden, und das Zeug, mit dem die Prismen aneinandergeklebt werden, (UHU plus o. ä.) ist sehr fest. Und weil die Prismen in ihren Lagern sehr sicher gehalten werden. Die brechen erfahrungsgemäß eher kaputt, als dass sie sich gegeneinader verschieben. Dann rieseln Glassplitter aus der Prismenkammer und der Feldstecher ist ein Fall für den Prismenpathologen.
Meist sind die Bilder bei beschädigten Feldstechern aber nur horizontal und/oder vertikal gegeneinander verschoben.
In dem Fall musst Du die Objektivlagen neu justieren.
Dazu Feldstecher auf ein Stativ setzen und dadurch eine Fernsehantenne, Straßenlaterne o. ä. in einiger Entfernung anpeilen und in beiden Seiten des Feldstechers scharf stellen. So bekommst Du einen klaren Eindruck von der Art und Lage der Verschiebung der Abbildungen.
Dann geht´s los:
Abdeckringe an den Objektiven abschrauben, dann die Halteringe in den Objektivhülsen lösen und ganz herausschrauben (geht mit speziellem Spannschlüssel). Dann siehst Du die Objektive, von denen jedes exzentrisch in einer Fassung sitzt, die ihrerseits in einem exzentrischen Ring in der Ojektivhülse sitzt.
Durch Drehen der Okularfassung in diesem exzentrischen Ring bzw. durch Drehen des äußeren exzentrischen Rings in der Objektivhülse kannst Du die optischen Achsen der Objektive wieder zur exakten Überlagerung bringen. Die Objektivfassung und der exzentrische Ring haben zu diesem Zweck kleine Bohrungen oder Schlitze, in die man einen Draht oder einen kleinen Schraubendreher stecken kann; damit ist das Drehen und Justieren ganz leicht zu machen.
Du brauchst nur einiges Geschick und Geduld beim Justieren. Du musst die beiden Seiten des Feldstechers so scharfgestellt haben und halten, dass Du mit beiden Augen entspannt durchgucken kannst (mit den linken Auge links, mit dem rechten Auge rechts. Du siehst dann zwei versetzte Abbildungen scharf, und indem Du ein Objektiv etwas verdrehst, beobachtest Du den Effekt dieser Verdrehung auf die Lage der beiden Abbildungen zueinander.
Du verdrehst die Objektive immer wieder ein bisschen und so lange, bis die Bilder bei entspanntem Sehen gut zur Deckung kommen. Dann erscheint das Bild schließlich dreidimensional, das beidäugige Sehen, für das man die Binokulare ja erfunden hat, tritt ein. Das ist ein schöner Moment.
Dann empfehle ich eine Pause, um die Augen sicher zu entspannen, (z. B. Tässchen Tee trinken ... ), und dann prüft man nochmal die Qualität der gefundenen Einstellung. Man schaut eine Minute lang durch und kontrolliert, ob das die Augen noch irgendwie anstrengt. Man kann hierbei auch abwechselnd die Objektive abdecken: wenn das Bild dabei hin- und her zu springen scheint, ist die Justierung noch nicht optimal. Man muss so lange vorsichtig justieren, bis der scharfe, "dreidimesionale" Blick durch das Fernglas angenehm und entspannt gelingt. Erst dann stimmt die Justierung wieder.
Danach muss man die Halteringe vorsichtig in die Objektivhülsen einschrauben und vorsichtig und sorgfältig festziehen, ohne dabei die gewonnene Justierung zu verschieben, aber auch so fest, dass Objektivfassung und Exzenterring vom jeweiligen Haltering fest und sicher gehalten werden. Dann noch den Abdeckring auf die Objektivhülse drauf, damit die Feingewinde gut geschützt sind, und dann noch mal ein erneuter kritischer Blick durch den neu justierten Feldstecher.
Das sollte bei Deinem Feldstecher so funktionieren. Du musst aber kraftvoll und umsichtig vorgehen. Die Halteringe sitzen oft sehr fest, die Nuten zur Aufnahme der Ausdrehwerkzeuge sind in der Regel durch dilettantisch eingesetzte falsche Werkzeuge (billige Schraubendreher, "Meißelanwendung", Hämmern ... ) beschädigt und dadurch ausgeleiert, so dass der Spannschlüssel beim Versuch, den Ring zu lösen, abrutschen kann. Das kann z. B. fiese Kratzer auf den Linsen geben.
Aber es geht: mit Umsicht.
Die wünsche ich Dir!
Gruß und Erfolg <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ,
Günther