Feldstecher-Alignment ohne Stellschrauben ???

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PeterSurma

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Ciao all,

ich habe einen guten/alten US-Feldstecher 7x50 (NoName Produkt), aber leider ist er mir runtergefallen und macht jetzt Doppelbilder. Das Gehäuse hat sich etwas verzogen. Ich hab ihn schon aufgeschraubt, aber leider sind da keine Justier+Stellschrauben für die Prismen, sondern sie liegen direkt in passenden Aussparungen im Gehäuse.

Es bleibt mir also nur die Möglichkeit durch Unterlegen von dünnen Plättchen unter die Prismen-Kanten (dadurch die Richtung der Prismen verändern) die beiden Strahlen wieder aligned zu bekommen.

Meine Frage hier deshlab:
Hat jemand das schonmal versucht und hat Ratschläge für mich ?

Ich schätze allerdings hier hat man keine wirklich reelle Chance, weil man dauernd Einbauen/Testen/Ausbauen/... muss und zwar SEHR oft bis wieder Alignment erreicht ist (um nicht zu sagen ad infinitum). Ausserdem sind Plättchen nicht unbedingt ein Medium mit dem man besonders viel Reproduzierbarkeit beim Einbau/Ausbau erreicht... Sh*t !

Schöne Grüsse,
Peter

 
Hi

Sind die Prismen wirklich nicht aus Ihrem sitz gefallen? Ich hatte ähnliches Problem auch mal, und da hat sich herausgestellt, dass die Prismen tatsächlich verschoben waren, was auf den ersten Blick nicht zu sehen war. Vielleicht hattest Du glück und es liegt wirklich nur an den verschobenen Prismen.

Viele Grüsse

Thomas Knoblauch
 
Hallo Peter,
An den Prismen muss in der Regel gar nichts justiert werden, wenn der Feldstecher schielt. An die Prismen musst Du nur, wenn eins der beiden Bilder gegen das andere verdreht ist. In dem Fall haben sich auf einer Seite des Feldstechers (oder beiden!) zwei Prismen gegeneinander verdreht. Sowas passiert nach meinem Eindruck aber selten, weil die Prismen in der Regel vor ihrem Einbau justiert und miteinander verklebt werden, und das Zeug, mit dem die Prismen aneinandergeklebt werden, (UHU plus o. ä.) ist sehr fest. Und weil die Prismen in ihren Lagern sehr sicher gehalten werden. Die brechen erfahrungsgemäß eher kaputt, als dass sie sich gegeneinader verschieben. Dann rieseln Glassplitter aus der Prismenkammer und der Feldstecher ist ein Fall für den Prismenpathologen.

Meist sind die Bilder bei beschädigten Feldstechern aber nur horizontal und/oder vertikal gegeneinander verschoben.
In dem Fall musst Du die Objektivlagen neu justieren.

Dazu Feldstecher auf ein Stativ setzen und dadurch eine Fernsehantenne, Straßenlaterne o. ä. in einiger Entfernung anpeilen und in beiden Seiten des Feldstechers scharf stellen. So bekommst Du einen klaren Eindruck von der Art und Lage der Verschiebung der Abbildungen.

Dann geht´s los:
Abdeckringe an den Objektiven abschrauben, dann die Halteringe in den Objektivhülsen lösen und ganz herausschrauben (geht mit speziellem Spannschlüssel). Dann siehst Du die Objektive, von denen jedes exzentrisch in einer Fassung sitzt, die ihrerseits in einem exzentrischen Ring in der Ojektivhülse sitzt.
Durch Drehen der Okularfassung in diesem exzentrischen Ring bzw. durch Drehen des äußeren exzentrischen Rings in der Objektivhülse kannst Du die optischen Achsen der Objektive wieder zur exakten Überlagerung bringen. Die Objektivfassung und der exzentrische Ring haben zu diesem Zweck kleine Bohrungen oder Schlitze, in die man einen Draht oder einen kleinen Schraubendreher stecken kann; damit ist das Drehen und Justieren ganz leicht zu machen.
Du brauchst nur einiges Geschick und Geduld beim Justieren. Du musst die beiden Seiten des Feldstechers so scharfgestellt haben und halten, dass Du mit beiden Augen entspannt durchgucken kannst (mit den linken Auge links, mit dem rechten Auge rechts. Du siehst dann zwei versetzte Abbildungen scharf, und indem Du ein Objektiv etwas verdrehst, beobachtest Du den Effekt dieser Verdrehung auf die Lage der beiden Abbildungen zueinander.
Du verdrehst die Objektive immer wieder ein bisschen und so lange, bis die Bilder bei entspanntem Sehen gut zur Deckung kommen. Dann erscheint das Bild schließlich dreidimensional, das beidäugige Sehen, für das man die Binokulare ja erfunden hat, tritt ein. Das ist ein schöner Moment.
Dann empfehle ich eine Pause, um die Augen sicher zu entspannen, (z. B. Tässchen Tee trinken ... ), und dann prüft man nochmal die Qualität der gefundenen Einstellung. Man schaut eine Minute lang durch und kontrolliert, ob das die Augen noch irgendwie anstrengt. Man kann hierbei auch abwechselnd die Objektive abdecken: wenn das Bild dabei hin- und her zu springen scheint, ist die Justierung noch nicht optimal. Man muss so lange vorsichtig justieren, bis der scharfe, "dreidimesionale" Blick durch das Fernglas angenehm und entspannt gelingt. Erst dann stimmt die Justierung wieder.

Danach muss man die Halteringe vorsichtig in die Objektivhülsen einschrauben und vorsichtig und sorgfältig festziehen, ohne dabei die gewonnene Justierung zu verschieben, aber auch so fest, dass Objektivfassung und Exzenterring vom jeweiligen Haltering fest und sicher gehalten werden. Dann noch den Abdeckring auf die Objektivhülse drauf, damit die Feingewinde gut geschützt sind, und dann noch mal ein erneuter kritischer Blick durch den neu justierten Feldstecher.

Das sollte bei Deinem Feldstecher so funktionieren. Du musst aber kraftvoll und umsichtig vorgehen. Die Halteringe sitzen oft sehr fest, die Nuten zur Aufnahme der Ausdrehwerkzeuge sind in der Regel durch dilettantisch eingesetzte falsche Werkzeuge (billige Schraubendreher, "Meißelanwendung", Hämmern ... ) beschädigt und dadurch ausgeleiert, so dass der Spannschlüssel beim Versuch, den Ring zu lösen, abrutschen kann. Das kann z. B. fiese Kratzer auf den Linsen geben.

Aber es geht: mit Umsicht.

Die wünsche ich Dir!

Gruß und Erfolg <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" /> ,

Günther
 
Hi PeteSuma,

hatte auch mal so ein Problem nachdem mei BOB 10x50 Kaufhausfernglas von ca. 1m runtergefallen ist. Ich habe das mit der "Holzhammer-Methode" gelöst.
Will sagen habe mit einer Kneifzange vorn am Objektiv an dem einen Rohr dieses wieder geradegebogen. Die beiden Rohre wurden so bei ständiger Kontrolle wieder parallel gebracht. Hat funktioniert, es liefert wieder gute Bilder.

Aber Vorsicht!! Bitte nicht bei teurern Ferngläsern nachmachen. Auch hatte ich nur eine leichte Verstellung in Höhe und keine Drehung des Bildes vorliegen. Wenn du noch Garante hast, bitte erst mal zum Händler einschicken lassen.

Gruß

Lots
 
Gottogott!!! Kneifzange würde ich niemandem empfehlen - die Alugehäuse sind ja auch bruchempfindlich.
Ich hab's bei meinem Tento 20x60 mit einseitigem Unterlegen des einen Objektivrohrs dort, wo es
in das Prismengehäuse geschraubt ist, mit Pappe - richtige Stelle finden - recht gut hinbekommen!
(Kontrolle: Stern links scharf stellen, rechts mit Dioptrienausgleich maximal unscharf stellen und dann
den scharfen Stern in die MItte des unscharfen Flecks bringen - geht auch mit Vollmond).
Andererseits - was geht ist auch OK.

Gruß
 
Hallo Dirk,

die Spannschlüssel gibt es bei Micro-Tools (www.micro-tools.com). Die Firma ist auf Werkzeug zum Reparieren von Fotoapparaten und Optikteilen spezialisiert. Sie bietet eine ganze Palette von feinem und sehr speziellem Werkzeug an.
Da sieht man im Katalog Werkzeuge, von denen man noch nie was gehört hat, und findet die Antwort auf die Frage, die man sich immer gefragt hat: mit welchem Werkzeug wird welche Reparatur normalerweise ausgeführt?
Es ist schon zum Staunen, was es alles gibt, und wie einfach und sicher die Arbeit damit wird. Allerdings, Fingerspitzengefühl, Umsicht, Sorgfalt und Geduld braucht man auch.

Grüße,

Günther
 
Ciao,

ah ja - an die Objektive hatte ich noch nicht gedacht. Ich schau mal, ob die Exzenterkonstruktion bei meinem Glas auch so aufgebaut ist. Ich dachte man müsse die Prismen verkanten und bei meinem NoName Glas fehlen die Stellschrauben aus Kostengründen...

Vielen Dank - wenn's klappt hat sich mein Posting ja schon wieder ausgezahlt !
Schöne Grüsse,
Peter
 
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