Re: Niemals mit einem Fernglas in die Sonne schauen!
Hallo.
Hier geht es doch darum, was sich wie an der Bündelsungskraft ändert, wenn ich ein Fernglas dem natürlichen Strahlengang des Auges vorsetze. Wie hoch die Bündelungskraft des Auges alleine ist, ist dabei zunächst irrelvant, es geht doch nur um den Unterschied, die Art und Weise wo und wie stark ein Fernglas dieses Bündelungsverhalten beeinflußt. Also, wie ist das im Vergleich, wo und wie stark bündelt ein Fernglas das Licht, und wo und wie stark das Auge?
Das Auge bündelt auf die Netzhaut und erhöht dabei die Leucht- oder Leistungsdichte hunderttausendfach.
Das Fernglas bündelt NICHT auf die Netzhaut, weil es das gesammelte Licht dort vergrößernd VERTEILT und eben nicht dort konzentriert. Es bündelt den Strahlengang nur an zwei anderen Stellen, zum einen extrem stark im Zwischenbild, (das aber im Geräteinneren liegt, wodurch man vor dessen großer zerstörerischer Hitze bei einem intakten Gerät normalerweise eine Zeitlang ausreichend geschützt ist) und zum anderen noch in seiner AP.
Weil ich in der AP meine Hornhaut platziere, will ich wissen, wie stark dort die Bündelung ist. Sie ist dort vergleichsweise sehr viel schwächer, denn sie entspricht dem Quadrat der Vergrößerung. Ein 8x Fernglas bündelt also rein geometrisch betrachetet das Licht in seiner AP 64-fach, wovon man in diesem Fall überschlägig noch gut ein Viertel abziehen kann, da Teile des UV und IR-Spektrums von den wegen des Umkehrsystems dickeren Glasschichten absorbiert werden.
Während also das bloße Auge das einfallende Licht hunderttausendfach auf der Netzhaut konzentriert, (weshalb es so gefährlich ist, direkt in hohe Strahlungs-Leistungsdichten zu blicken, wie sie die Sonne oder Laser abgeben), ändert ein vorgehaltenes Fernglas an der Leistungsdichte auf der Netzhaut nichts, (es vergrößert dort nur die bestrahlte Fläche), es erhöht sie jedoch in der AP-Ebene je nach seiner Vergrößerung (sagen wir 7-16 fach) ca. um das 40-200fache. Mit anderen Worten ein normales Handfernglas richtet seine Bündelungskraft nicht auf die Netzhaut, sondern auf die Hornhaut, und das tut es dabei rund tausendmal weniger stark als das bloße Auge seine Kraft auf die Netzhaut richtet.
Wie gefährlich ist die zusätzliche Heizleistung auf der Hornhaut? Die oben verlinkte Broschüre zum Umgang mit Laserlicht - danke für den interessanten Link - spricht von einem Grenzwert für die Leistungsdichte von ca. 1Watt/mm2, oberhalb dessen es bei einer Einwirkungszeit von Sekunden bis, ich glaube, einigen hundert Millisekunden es dem Auge allmählich zu warm wird. Diese Leistungsdichte wird von Handferngläsern nicht erreicht, sie liegt dort grob überschlägig für 7x-16fache Vergrößerung bei ca. 0,05 - 0,2Watt/mm2. Das heißt natürlich NICHT dass man mit Ferngläsern gefahrlos die Sonne beobachten kann, genausowenig wie mit freiem Auge, es heißt aber, dsss die Gefahr einer KURZEN unbeabsichtigten Blendung Gott sei Dank viel weniger groß ist, als sich das viele Leute vorstellen, weil sich das Auge in der kurzen Zeit noch nicht so dramatisch aufheizen kann, wie es viele befürchten.
Eine bewußt längere Sonnenbeobachtung von sagen wir mehr als einer Sekunde ist dagegen etwas anderes, hier wird es je nach Sonnenstand im wahrsten Sinn des Wortes schnell zunehmend brandgefährlich. Weshalb man das bei hohem Sonnenstand nie ungeschützt tun darf, wie wir ja alle wissen.
Gruß