Fernglas für meine Tochter (3 Jahre) | Seite 2 | Astronomie.de - Der Treffpunkt für Astronomie

Fernglas für meine Tochter (3 Jahre)

P_E_T_E_R

Mitglied
Du übersiehst jedoch die Tatsache, dass das Strahlenbündel zunächst konvergiert und durch die Austrittspupille gefädelt wird. Hier ist die Lichtintensität um den Faktor m^2 (Quadrat der Vergrößerung) höher als an der Eintrittspupille. Der Beobachter verbrennt sich daher Hornhaut/Iris/Linse, bevor das Lichtbündel wieder auffächert und an der Retina eine ungefährliche Intensität erlangt.
Die Lichtsammlung der Optik steigt mit dem Quadrat der Öffnung. Mit einem 8 x 40 Glas ist das bereits ein Faktor von 400. Hinten kommen also pro Optik 500 mW im sichtbaren Spektrum und etwa 100 mW im Infraroten raus. Wenn man das im Primärfokus wie in einem Brennglas bündelt, kann man damit kokeln. Hinter dem Okular bei einer AP von 5 mm reicht die Energiekonzentration dafür aber bei weitem nicht aus.
Dann schaut ihr mal schön mit euren Kindern durchs Fernglas in die Sonne.
Hallo, ich habe da mal eine Verständnisfrage. Es wird hier immer gesagt man kann da nichts verkokeln. Die Leistung reicht hinter dem Okular nicht aus. Kann man denn die Netzhaut mit einem Stück Holz vergleichen? Die ist nur kaputt wenn es qualmt?
Dieser Shitstorm zeigt ja wieder mal wunderbar, dass Missverständnisse und dadurch hervorgerufene Fehlinterpretationen zur Funktion von Ferngläsern und dem menschlichen Auge dahinter auch vor einem vermeintlichen Fachforum wie a.de nicht haltmachen.

Da wird dann, auch das ist typisch für einen Shitstorm, auch nicht genau hingeschaut, worum es bei der Streitfrage eigentlich ging. Ob man sich nämlich mit dem in der Austrittspupille (AP) vom Fernglas gebündelten Sonnenlicht die Hornhaut vom Auge verbrennen kann.

Anstatt diese technische Detailfrage auch nur sachlich zu betrachten, schrillen sofort die Alarmisten, man würde mit einer derartigen partiellen Unbedenklichkeitsbemerkung geradewegs zum Missbrauch animieren, zumal hier in einem Thread, wo es um das Augenlicht eines dreijährigen Kindes geht. Da geht es dann auch gar nicht mehr um die Hornhaut, sondern um die Netzhaut. Das wird dann wild miteinander vermengt und da werden Horrorstories aus der Klamottenkiste präsentiert, ob es passt oder nicht. Hauptsache es schreckt ab.

Bei manchen Themen wie Augensicherheit, insbesondere der von Kindern, kann man anscheinend gar nicht mehr mit sachlichen Argumenten kommen. Da werden dann reflexartig die Schotten hochgezogen und die Alarmsirenen aktiviert.

Das sowas auch bei a.de abläuft, ist ziemlich erbärmlich ...
 

klawipo

Mitglied
Hallo Peter,

dann zieh dir den Schuh doch einfach nicht an. Ich habe nämlich weder fehlinterpretiert was du gerechnet hast, noch wollte ich unterstellen dass du dergleichen vorhast. Es ist für mich so selbstverständlich, dass ich das keinem aktiven Beobachter unterstelle, dass ich das gar nicht erst erwähne.

Meine zugegebenermaßen polemisierende Sichtweise sollte, ja, der Abschreckung dienen. Das halte ich auch nach wie vor für für geboten. Vorsicht ist besser als gar keine Sicht, oder wie sagt man nochmal?

VG
Klaus
 

konfokal

Mitglied
Hallo.

In der Tat, jenseits von 40 Grad beginnen Proteine irgendwann zu "verkokeln", nur, dass man den zunehmenden Strukturverlust bei niedrigen Temperaturen etwas vornehmer Denaturieren nennt, auch, wei es sich da noch nicht um einen typischen Verbrennungsvorgang handelt. Kann man erleben, wenn man Milch erwärmt, die muss nicht kochen, um Haut zu bilden... Aber von Denaturierung, auch einer partiellen, ist man bei einer kurzen Blendung, wie sie hier dikutiert wird, noch weit entfernt dazu reicht die Wärmemenge einfach nicht aus. Im Übrigen finden solche Denaturierungsvorgänge in gewissem Umfang ständig notwendigerweise im Körper statt und werden nicht nur kompensiert, sondern auch zum Monitoring über die aktuelle Lage und notwendige Adaptionsreaktionen herangezogen. (Stoffwechselregulation, Wundheilung, Blutgerinnung...)

Keiner, der z. B. schon mal bei Sonnenauf oder - untergang länger als nur für einen Sekundenbruchteil in die Sonne geschaut hat, ist je davon erblindet. Soll jetzt nicht heißen, ich würde alles verharmlosen und empfehlen dauernd sorglos und ungeschützt lange in die Sonne zu gucken. Die Netzhaut ist durchaus empfindlich, hat niemand etwas anderes behauptet und man sollte pfleglich mit ihr umgehen.

Allerdings in anderem Sinn, als es hier zum Ausdruck kommt. Die Netzhaut ist die bei weitem stoffwechselaktivste Region des gesamten Körpers. Da wird in kürzerer Zeit mehr Energie umgesetzt, als irgendwo sonst in unserem Organismus. Die Abfallprodukte, die beim ganz normalen Sehen laufend in relativ großer Menge erzeugt werden, können nur dann genügend schnell abtranspotiert oder nach Zwischenlagerung schnell genug abgebaut werden, und mit genügend Materialnachschub wie Sauerstoff usw. synthetisch kompensiert werden, wenn das System zum einen genügend Erholungspausen zum Aufräumen und Regenerieren bekommt (Schlaf, Immunsystem) und zum anderen die Wege für den hohen Stofftransport, d. h. die feinen Augengefässe frei bleiben und nicht anderweitig vorgeschädigt sind. Durch vielerlei langandauernde Umwelteinflüsse und speziell infolge der individuellen Lebensumstände sind sie es aber bei manchen mehr, bei manchen weniger.

Das reicht z. B. von langjähriger Medikamenteneinnahme, über Stoffwechselerkrankungen wie z. B. Diabetes, schlechter Ernährung, Übergewicht, bis zu Alkohol und Nikotinmissbrauch, zu wenig Erholung, Stress, mangelnder Bewegung, schlechter Luft, auch in Innenräumen, erblichen Einflüssen und vielem weiteren mehr, was dann am Ende zusammengenomnen zum vorzeitigen Altern der Gefäße führt, die die Versorgung der hochaktiven Retina dann zunehmend schlechter erfüllen, was zu störenden Einlagerungen der Abfallprodukte führt, die allmählich kumulativ die Netzhaut abwürgen.

Jeder einzelne dieser hier beispielhaft genannten Einflüsse, und es gibt noch viele andere, hat jedoch eines mit den anderen gemein: es sind keine momentanen Einzel-Ereignisse, die von jetzt auf gleich zum Problem werden, sondern permanente, bzw permanent wiederholte, langandauernde Einflüsse, die schleichende Veränderungen bewirken. Dagegen sind die Zehntelsekunden einer kurzen reversiblen Blendung mit Nachbild, wie sie hier diskutiert wird, und vielleicht ein oder ein paar Dutzendmal im Leben vorkommt, normalerweise schon rein zeitlich gesehen vernachlässigbar.


Gruß,
Mathias
 

P_E_T_E_R

Mitglied
Ich habe eben mal mit einem handelsüblichen digitalen Fieberthermometer die Temperatur hinter einem 8 x 42 Porro gemessen. Im Strahlenbündel der AP auf der Vorderseite von einem gelben Stück Papier bekomme ich bei strahlender Sonne Werte zwischen 39° und 42° C.
 

klawipo

Mitglied
In vielen hier vorkommenden Beiträgen zu ähnlichen Themen ist es üblich, einen entsprechenden Warnhinweis "Nie ohne geeigneten Sonnenfilter die Sonne beobachten" hinterherzuschieben. Das kann man natürlich niemandem vorschreiben, man ist dann aber aus der Nummer des angeblichen Gefahren-Relativierers heraus.

Das Problem ist ja die Grauzone. Wann ist die Sonne rot genug, wie lange ist "nur mal kurz" in die Sonne geguckt? Und um aufs Thema ein bisschen zurück zu kommen: Kinder loten Grenzen gerne aus. Von daher weiß ich nach wie vor nicht, warum man dem Hinweis "würde ich nie ohne Aufsicht ..." nun unbedingt widersprechen musste.

VG Klaus
 

Optikus

Mitglied
Moin,

das Problem ist, dass wir für derartige Helligkeiten keinen Sensor haben, der sie aushält.

Insofern ist der erste Fehler potenzieller Weise immer auch der letzte.

Daher halte ich die in der Szene endemische große Vorsicht für mehr als angebracht. Sicher kann jemand mit sehr viel Erfahrung abschätzen, was er noch hinkriegt, aber da auch viele Leute ohne Erfahrung hier lesen besteht immer die Gefahr, dass jemand sowas ohne Erfahrung nachmacht und sich danach in der Augenklinik sagen lassen muss dass seine Netzhaut jetzt leider kaputt ist und er Blindenschrift lernen soll.

Keine gute Option.

CS
Jörg
 

Demokrat

Mitglied
Übrigens und nebenbei: der TO (Alex1981) hat am 4. Juni den letzten Hinweis (Augenabstand) wohlwollend entgegengenommen und sich seitdem nicht wieder geäußert. Wir können den Thread auch ruhen lassen... :coffee:

lg
Niki
 

klawipo

Mitglied
Zu dem ganzen Thema fällt euch also genau DAS ein. Nochmal schnell reingrätschen in den toten Thread und meinen Post wegen zu viel Ironie löschen. Armselig.

VG Klaus
 

Moderator_DK

Moderator
Hallo liebe Forum-Teilnehmer,
ich glaube der Thread-Eröffner, alex1981, hat gute Ratschläge erhalten und eine sich daran anschießende Diskussion über "Sonne etc." (so interessant sie vielleicht ist) kann von Kindern und anderen auch falsch verstanden werden.
Es sollte hier nicht der Eindruck entstehen, dass mögliche Gesundheitsgefahren verharmlost werden.
Um solche Missverständnisse zu vermeiden, habe ich einige Beträge gelöscht.
Wir können diesen Thread auch demnächst mal schießen oder....?
Clear Skies
Das Moderatorenteam
 
Zuletzt bearbeitet:

klawipo

Mitglied
Verstehe ich. Aber dann löscht halt auch den ganzen Kram der sich nicht direkt ums Fernglas dreht und nicht selektiv mit missverständlicher Begründung.

VG Klaus
 

holger_merlitz

Mitglied
Versuch macht kluch: Ich habe gerade mein 8x30 Nikon EII genommen und Richtung Sonne gehalten. So gelang es mir, an der Austrittspupille des Fernglases den Objektivdeckel anzuschmelzen (siehe Abbildung). Der Vorgang dauerte etwa 10 Sekunden. Es gelang mir dagegen nicht, ein Stück Papier anzukokeln.

Also: Der Deckel ist schwarz, absorbiert Hitze und braucht etwa 10s, bis das Plastik schmilzt. Ich denke, ich gebe Konfokal Recht, wenn er meint, dass auf diese Weise ein irreparabler Schaden des Auges ausgeschlossen werden kann: Der Schließreflex des Augenlids sollte verhindern, dass die Temperatur an der Hornhaut kritische Werte erreicht.

Vorsicht: Diese Schlussfolgerung gilt natürlich nicht mit Optiken, die eine höhere Vergrößerung aufweisen! Die Lichtintensität an der Austrittspupille war in meinem Experiment etwa 8x8 = 64 mal so hoch wie an der Eintrittspupille. Bei einem Fernrohr mit 30 facher Vergrößerung wäre der Faktor bereits 900x und sicher erheblich gefährlicher!

Mein Fazit: Vorsicht ist auf jeden Fall geboten, mit einem 8x Fernglas dürfte jedoch keine unmittelbare Gefahr entstehen.

Viele Grüße,
Holger
 

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Dju

Mitglied
Meine Erfahrungen mit Dreijährigen und Fernoptik: Ich habe meinen beiden Kindern (Zwillinge) mit 3 Jahren ein sehr leichtes Monokular gekauft. Jetzt sind sie 4 und jedes mal gibt es heftigen Streit um die Benutzung dieses Monos und auch schon wegen dem Tragen wollen. Wäre es ein Fernglas wäre es ihnen wahrscheinlich zu schwer und würde immer im Rucksack ihrer Eltern landen. So wollen sie es aber immer selbst tragen.

Wg. dem Streit kaufe ich jetzt noch ein zweites Mono. Sie nennen es Gucki und haben viel Spass damit. Verkehrtherum reinschauen und das eher schwierige Finden der Austritsspupille gehörten am Anfang dazu, inzwischen wissen sie aber wie der Hase läuft. Dass sie damit nicht die Sonne suchen sollen habe ich Ihnen gesagt. Der Verlauf dieses Fadens und eure Beiträge zeigen mir, dass ich mir bei normaler Benutzung da keine Sorgen machen muss.

CS, Thomas
 
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