hburbliess
Mitglied
Hallo, ich lese schon seit langen in diesem Forum und möchte nun auch mal meine Odyssee mit Ferngläsern schildern. Vielleicht hilft sie ja dem einen oder anderen.
Mein erstes Fernglas habe ich mir 1984 gekauft. Es war das Zeiss Dialyt 7x42 und sollte für alle Tage sein und nicht so sehr für die Astronomie. Ich war und bin mit dem Glas sehr zufrieden, obwohl ich am Anfang garnicht gewusst habe, wie gut es ist. Mitte der 90er kam dann mein Interesse für die Astronomie (wieder) auf und natürlich habe ich es auch hierfür benutzt. Das grosse Gesichtsfeld von 8,6 Grad und der bequeme Einblick auch mit Brille sind für mich selbstverständlich geworden und das Beobachten macht einfach nur Spass. Durch die mässige Vergrösserung und das geringe Gewicht ist das Zittern beim Beobachten aus der Hand gering. Natürlich verzerrt das Glas am Rand etwas, aber wo hier die Verzerrungen anfangen (vielleicht bei so bei 7 Grad) hört bei anderen Gläsern das Gesichtsfeld auf.
Da ich fast noch in der Stadt wohne ist der Himmel eigentlich nie so richtig gut und wenn andere von ihren Erfolgen bei Deepsky Objekten schreiben, bin ich schon froh, wenn ich den Andromedanebel oder M31 sehe. Trotzdem macht es mir sehr viel Spass die Sternfelder zu sehen und fast immer 'entdeckte' ich dann auch einen Satelliten. Aber der Wunsch nach mehr Öffnung und Vergrößerung wuchs.
Anfang 2003 hatte ich ich dann rund 1000 Euro beisammen und entschied mich für das Minox 10x58 ED BR. Beim Händler verglich ich es mit einem Zeiss 7x50 und dem 10x56 Victory. Ich prüfte es vor dem Händler auf der Strasse (Häuser, Reklameschriften, Antennen und die weit entfernte Kirchturmuhr) und mir schien das Minox weniger Verzeichnung als das Victory zu haben und an sonsten mindesten so klar und scharf zu sein. Das 7x50 kam nicht wirklich in Frage, da mir der Unterschied zu 7x42 zu gering war. Also nahm ich nach einigem handeln das Minox für ca. 900 Euro. Am gleichen Abend kam dann die grosse Entäuschung. Ich konnte bei uns aus dem Garten fast nirgends am Himmel hinsehen ohne Reflex von den Strassenlaternen in Glas zu haben. Entweder hatte das Glas einen Produktionsfehler oder das ist Konstruktionsbedingt. So gut es bei Tage war, so schlecht war es für mich und meinen Standort bei Nacht geeignet (eigentlich komisch, sagt nicht die Theorie, das ein Glas mit vielen Reflexen am Tage flau wirkt?).
Also am nächsten Tag wieder zum Händler und Umtauschen. Aber in was? Da ich von dem Dialyt so begeistert war und bin, habe ich mich ohne viel Nachdenken für das Zeiss Victory 10x56 entschieden, Zeiss macht halt die besten Gläser. Die Differenz von ca. 400 Euro musste halt die Haushaltskasse verkraften.
In der nächsten klaren Nacht wurde es dann ausprobiert. Und schon die nächste Enttäuschung. Ja, wenn ich mich aufstützte machte sich die höhere Lichstärke bemerkbar, aber aus der Hand sah ich weniger als mit dem 7x42. Durch das höhere Gewicht und die Form zitterte ich deutlich mehr als mit dem kleinen Glas. Der Stativadapter den ich für das Dialyt benutze, passt nicht ans Victory. Auch der, wegen der stärkeren Vergrößerung, dunklere Hintergrund, kam nicht wirklich zum Tragen. Naja dachte ich, wenigstens habe ich jetzt das 'Flagschiff' von Zeiss für den Urlaub und Wanderungen. Aber erstens machte es durch das Gewicht doch nicht soviel Spass es immer dabei zu haben, und dann meinte ich auch noch Farbsäume an kontrastreichen Objekten zu sehen. Mittlerweile hatte ich noch ein altes 10x50 Zeiss Jena in schlechtem Zustand für 20 Euro erstanden und dieses zeigt überhaupt keine Farbsäume. So richtig zufrieden war ich mit dem Victory also nie, aber es fiel mir schwer das einzugestehen, schließlich hatte ich viel Geld dafür bezahlt und man kann überall lesen, wie gut die Victory Serie ist.
Im Februar dieses Jahres habe ich mich dann entschieden, das Glas erfüllt nicht meine Erwartungen. Aber was was tun? Bei einem Verkauf ist der Verlust, trotz relativ gutem Wiederverkaufswert, doch recht deutlich und was will ich eigentlich? Also wieder zu meinem Händler. Ich wollte mir noch ein paar Gläser ansehen oder das Zeiss zur Reparatur (falls das Sinn machte) schicken lassen. Für den Himmel suchte ich jetzt nichts mehr, da ich erkannt habe, dass es mir mit dem Dialyt eigentlich am meisten Spass macht zu spechtel und für 'richtiges' Beobachten habe ich mir das Vixen 102FL zugelegt. Ich wollte nur noch mit möglichst wenig Verlust aus der Geschichte rauskommen. Ich habe also nochmal viele Gläser ausprobiert (Swarovski, Docter, Leica) und fand dann, dass das Leica 8+12x42 die interessanteste Alternative war. Da mein Händler mir beim Kauf dieses Glases den vollen Zeiss-Preis anrechnen wollte (das war wirklich kulant nach fast einem Jahr), habe ich noch mal 250 Euro hingeblättert. 900 + 300 + 250 = 1450 , das zahlt man so ungefähr auch z.B. bei Ebay, also ein angemessener Preis, den ich von Anfang an allerdings nie gezahlt hätte, mein Limit war eigentlich 1000.
Bin ich denn jetzt zufrieden mit dem Leica? Ja, durch die beiden Vergrößerungen ist es sehr vielseitig, es ist nicht zu schwer (1090g zu 850 g des Dialyts, selbst gewogen) und an Klarheit und Schärfe erkenne ich keinen Unterschied zum Dialyt. Es ist auch das erste Glas, an dem ich die 'springende' Schärfe, von der ich bisher nur gelesen habe, selbst erleben kann. Eigentlich könnte ich das Zeiss jetzt verkaufen, aber das Glas ist mir lieb geworden, ich halte es von allen Gläsern die ich mittlerweile ausprobiert habe für das beste (was immer das heißen soll, aber immer wenn durchsehe, bin ich immer wieder aufs Neue begeistert, das Bild ist natürlich, klar und ruhig und scharf) und wie gesagt das große Gesichtsfeld.
Was habe ich nun aus der Geschichte gelernt?
Erstens: man sollte sich 3mal überlegen was man will und ein Glas dieser Preisklasse über einen längeren Zeitraum unter den Bedingungen, unter denen man es einsetzen möchte, testen (wenn es denn der Händler mitmacht).
Zweitens: 'mit einem Highendglas kann man nichts falsch machen' - kann man doch.
Drittens: Zeiss ist nicht gleich Zeiss und das gilt auch für die anderen Marken. War mein Minox und Victory nur ein Ausrutscher ? Ich weiss es nicht und möchte auch nicht pauschal urteilen. Entscheidend ist nur die Qualität des Glases, das ich in der Hand habe.
Viertens: hört nicht auf andere wenn die auf eine Marke schwören. Das hätte ich bei Zeiss auch getan, nach dem Motto: da das Glas , das ich habe super ist, müssen auch die anderen Gläser dieses Herstellers super sein.
Fünftens: probiert auch ruhig mal Gläser der mittleren Preisklasse und vergleicht, so groß sind die Unterschiede oft garnicht (auch wenn der Prestigewert nicht so hoch ist).
Zum Schluß noch: ich möchte keine Diskussion lostreten, welche Marke nun die Beste ist. Ich dachte nur, vielleicht helfen meine Erfahrungen einem Fernglas-Suchenden ein klein wenig und bewahren ihn mögerlicherweise vor den Fehlern, die ich gemacht habe.
Mein erstes Fernglas habe ich mir 1984 gekauft. Es war das Zeiss Dialyt 7x42 und sollte für alle Tage sein und nicht so sehr für die Astronomie. Ich war und bin mit dem Glas sehr zufrieden, obwohl ich am Anfang garnicht gewusst habe, wie gut es ist. Mitte der 90er kam dann mein Interesse für die Astronomie (wieder) auf und natürlich habe ich es auch hierfür benutzt. Das grosse Gesichtsfeld von 8,6 Grad und der bequeme Einblick auch mit Brille sind für mich selbstverständlich geworden und das Beobachten macht einfach nur Spass. Durch die mässige Vergrösserung und das geringe Gewicht ist das Zittern beim Beobachten aus der Hand gering. Natürlich verzerrt das Glas am Rand etwas, aber wo hier die Verzerrungen anfangen (vielleicht bei so bei 7 Grad) hört bei anderen Gläsern das Gesichtsfeld auf.
Da ich fast noch in der Stadt wohne ist der Himmel eigentlich nie so richtig gut und wenn andere von ihren Erfolgen bei Deepsky Objekten schreiben, bin ich schon froh, wenn ich den Andromedanebel oder M31 sehe. Trotzdem macht es mir sehr viel Spass die Sternfelder zu sehen und fast immer 'entdeckte' ich dann auch einen Satelliten. Aber der Wunsch nach mehr Öffnung und Vergrößerung wuchs.
Anfang 2003 hatte ich ich dann rund 1000 Euro beisammen und entschied mich für das Minox 10x58 ED BR. Beim Händler verglich ich es mit einem Zeiss 7x50 und dem 10x56 Victory. Ich prüfte es vor dem Händler auf der Strasse (Häuser, Reklameschriften, Antennen und die weit entfernte Kirchturmuhr) und mir schien das Minox weniger Verzeichnung als das Victory zu haben und an sonsten mindesten so klar und scharf zu sein. Das 7x50 kam nicht wirklich in Frage, da mir der Unterschied zu 7x42 zu gering war. Also nahm ich nach einigem handeln das Minox für ca. 900 Euro. Am gleichen Abend kam dann die grosse Entäuschung. Ich konnte bei uns aus dem Garten fast nirgends am Himmel hinsehen ohne Reflex von den Strassenlaternen in Glas zu haben. Entweder hatte das Glas einen Produktionsfehler oder das ist Konstruktionsbedingt. So gut es bei Tage war, so schlecht war es für mich und meinen Standort bei Nacht geeignet (eigentlich komisch, sagt nicht die Theorie, das ein Glas mit vielen Reflexen am Tage flau wirkt?).
Also am nächsten Tag wieder zum Händler und Umtauschen. Aber in was? Da ich von dem Dialyt so begeistert war und bin, habe ich mich ohne viel Nachdenken für das Zeiss Victory 10x56 entschieden, Zeiss macht halt die besten Gläser. Die Differenz von ca. 400 Euro musste halt die Haushaltskasse verkraften.
In der nächsten klaren Nacht wurde es dann ausprobiert. Und schon die nächste Enttäuschung. Ja, wenn ich mich aufstützte machte sich die höhere Lichstärke bemerkbar, aber aus der Hand sah ich weniger als mit dem 7x42. Durch das höhere Gewicht und die Form zitterte ich deutlich mehr als mit dem kleinen Glas. Der Stativadapter den ich für das Dialyt benutze, passt nicht ans Victory. Auch der, wegen der stärkeren Vergrößerung, dunklere Hintergrund, kam nicht wirklich zum Tragen. Naja dachte ich, wenigstens habe ich jetzt das 'Flagschiff' von Zeiss für den Urlaub und Wanderungen. Aber erstens machte es durch das Gewicht doch nicht soviel Spass es immer dabei zu haben, und dann meinte ich auch noch Farbsäume an kontrastreichen Objekten zu sehen. Mittlerweile hatte ich noch ein altes 10x50 Zeiss Jena in schlechtem Zustand für 20 Euro erstanden und dieses zeigt überhaupt keine Farbsäume. So richtig zufrieden war ich mit dem Victory also nie, aber es fiel mir schwer das einzugestehen, schließlich hatte ich viel Geld dafür bezahlt und man kann überall lesen, wie gut die Victory Serie ist.
Im Februar dieses Jahres habe ich mich dann entschieden, das Glas erfüllt nicht meine Erwartungen. Aber was was tun? Bei einem Verkauf ist der Verlust, trotz relativ gutem Wiederverkaufswert, doch recht deutlich und was will ich eigentlich? Also wieder zu meinem Händler. Ich wollte mir noch ein paar Gläser ansehen oder das Zeiss zur Reparatur (falls das Sinn machte) schicken lassen. Für den Himmel suchte ich jetzt nichts mehr, da ich erkannt habe, dass es mir mit dem Dialyt eigentlich am meisten Spass macht zu spechtel und für 'richtiges' Beobachten habe ich mir das Vixen 102FL zugelegt. Ich wollte nur noch mit möglichst wenig Verlust aus der Geschichte rauskommen. Ich habe also nochmal viele Gläser ausprobiert (Swarovski, Docter, Leica) und fand dann, dass das Leica 8+12x42 die interessanteste Alternative war. Da mein Händler mir beim Kauf dieses Glases den vollen Zeiss-Preis anrechnen wollte (das war wirklich kulant nach fast einem Jahr), habe ich noch mal 250 Euro hingeblättert. 900 + 300 + 250 = 1450 , das zahlt man so ungefähr auch z.B. bei Ebay, also ein angemessener Preis, den ich von Anfang an allerdings nie gezahlt hätte, mein Limit war eigentlich 1000.
Bin ich denn jetzt zufrieden mit dem Leica? Ja, durch die beiden Vergrößerungen ist es sehr vielseitig, es ist nicht zu schwer (1090g zu 850 g des Dialyts, selbst gewogen) und an Klarheit und Schärfe erkenne ich keinen Unterschied zum Dialyt. Es ist auch das erste Glas, an dem ich die 'springende' Schärfe, von der ich bisher nur gelesen habe, selbst erleben kann. Eigentlich könnte ich das Zeiss jetzt verkaufen, aber das Glas ist mir lieb geworden, ich halte es von allen Gläsern die ich mittlerweile ausprobiert habe für das beste (was immer das heißen soll, aber immer wenn durchsehe, bin ich immer wieder aufs Neue begeistert, das Bild ist natürlich, klar und ruhig und scharf) und wie gesagt das große Gesichtsfeld.
Was habe ich nun aus der Geschichte gelernt?
Erstens: man sollte sich 3mal überlegen was man will und ein Glas dieser Preisklasse über einen längeren Zeitraum unter den Bedingungen, unter denen man es einsetzen möchte, testen (wenn es denn der Händler mitmacht).
Zweitens: 'mit einem Highendglas kann man nichts falsch machen' - kann man doch.
Drittens: Zeiss ist nicht gleich Zeiss und das gilt auch für die anderen Marken. War mein Minox und Victory nur ein Ausrutscher ? Ich weiss es nicht und möchte auch nicht pauschal urteilen. Entscheidend ist nur die Qualität des Glases, das ich in der Hand habe.
Viertens: hört nicht auf andere wenn die auf eine Marke schwören. Das hätte ich bei Zeiss auch getan, nach dem Motto: da das Glas , das ich habe super ist, müssen auch die anderen Gläser dieses Herstellers super sein.
Fünftens: probiert auch ruhig mal Gläser der mittleren Preisklasse und vergleicht, so groß sind die Unterschiede oft garnicht (auch wenn der Prestigewert nicht so hoch ist).
Zum Schluß noch: ich möchte keine Diskussion lostreten, welche Marke nun die Beste ist. Ich dachte nur, vielleicht helfen meine Erfahrungen einem Fernglas-Suchenden ein klein wenig und bewahren ihn mögerlicherweise vor den Fehlern, die ich gemacht habe.