Filterthema - die nächste...

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StKorth_privat

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In der Nacht vom 19. auf den 20. August habe ich dann noch einmal das Nebelfilter-Thema weiterverfolgt und meinen 12“-Dobson angeworfen:

NGC 6894

Auf dem Beobachtungstisch liegen: Lumicon OIII, Lumicon UHC, Baader H-beta, Astronomik H-beta. Als Okulare dann 13mm-Nagler (115x), 9mm-Nagler (167x), 7mm-Nagler (214x).

OIII – schon bei 115x ist der dunklere „Innenraum“ des Nebels zu sehen – oder eben die Ringstruktur. Die wirkt schon etwas ungleichmäßig hell – bei 167x und erst recht bei 214x wird es dann flockig. Der Nebel ist nicht perfekt rund, sondern leicht elliptisch.

H-beta – da war ich ja nun besonders gespannt, bei meinen (ferngesteuerten) Fotoversuchen mit OIII- und H-alpha-Schmalbandaufnahmen war Letzeres ja klar im Vorteil – ob da die Balmer-Serie da auch noch in H-beta Wirkung zeigt? Fehlanzeige, in beiden Filtern NICHTS zu sehen.

UHC – nicht ganz so gut wie OIII, aber auf jeden Fall deutlich zu erkennen, auch mit Ringstruktur, nur das Flockige will nicht so recht herauskommen.

Fazit: Will man sich da Enttäuschungen ersparen, dann sollte man bei der PN-Beobachtungsvorbereitung einmal einen Katalog zur Handnehmen, bei dem die Linenintensitätsverhältnisse aufgeführt sind. Andernfalls – einfach testen ?



M 27

Für mich immer so eine opulente Zwischenmahlzeit zwischen irgendwelchen Abell-Versuchen oder der Jagd nach Galaxien jenseits der 12. Größe… Den kann man auch immer einmal für Gelegenheitsbeobachter parat haben. Für die perfekte Übersicht habe ich bei diesem Objekt noch das 22mm-Nagler (68x) aus dem Koffer geholt.



OIII – Auch hier der klare Kontrastsieger, wen wundert´s… Schön, wie bei 68x die „Außen-Henkel“ mit relativ scharfer Kante auffallen, die eigentliche „Hantel“ ist davon gut abgegrenzt und sehr fleckig. Leider gelingt es mir aber auch damit nicht, die Feinstrukturen aus Fotos wahrzunehmen. Der Nebel lässt heute Nacht bei allen anderen Vergrößerung bis 214x zu – ich habe den Eindruck, dass da die Grauwerte in der Hantel noch etwas abgestufter sind.

H-beta – hier ist NUR die Hantel zu erkennen, aber immerhin – der Kontrast ist besser als bei der unbefilterten Beobachtung. 68x ist die beste Vergrößerung dafür, mit dem Baader-Filter. Der ¼“-Zöllige Astronomik bringt bei 115x und höher nichts mehr an Informationsgewinn.

UHC – auch sein sehr schöner Kontrast, bei allen Vergrößerungen – und die gängige Erfahrung, dass die Sterne eben auch besser zu sehen sind, weil die Bandbreite größer ist als beim OIII-Filter. Gerade beim Einstellen von sehr kleinen PNs und der Verwendung hochvergrößernder Okulare kann das beim Starhopping hilfreich sein. UHC bleibt also immer in Reichweite bei der nächsten PN-Jagd.



NGC 6884 habe ich dann auch noch angesteuert, aber nur mit dem OIII-Filter. Der Winzling hat eine sehr hohe Flächenhelligkeit, man sieht so gar einen Hauch bläulicher Färbung bei 214x. Leicht zu finden, aber ansonsten – langweilig.

Noch ein Wort zum Filterhandling. Leider lässt mein GSO-Dobson nicht die Verwendung von Filterschieber und Filterrad zu – ich muss als immer schrauben. Wegen meines Bino-Ansatzes habe ich immerhin auch je ein weiteres 13mm- und 9mm-Okular zur Hand, so dass ich da bestimmte Filter vormontieren kann. Was mich in diesem Zusammenhang etwas nervt, dass ist die nächtliche Benutzerfreundlichkeit der unmöglichen Baader-Filterdosen und deren etwas „eckigeres“ Gewinde. Gut, ich kann ggf. das Baader-Filter in einer anderen Dose parken, aber die Gewindethematik kann schon einmal nerven. Andersherum hatte ich das einmal mit dem Baader-Hyperion-Okular, dass meine 1 ¼“-Lumicon-Filter nicht so recht mochte. Aber gut, das verwende ich nur noch als Einstellokular (wenn überhaupt), von daher ist das Thema erledigt.



CS,

Stefan
 
Hallo Stefan,

vielen Dank für Deine sorgfältige und erkenntnisreiche Untersuchung.

Mir ist kein Katalog bekannt, der wirklich angibt, wie sich einzelne Objekte in den verschiedenen Linien verhalten. Es wäre ja nicht mit Angaben zum Gesamtobjekt getan, da die Verteilung der Emissionsintensitäten in verschiedenen Bereichen eines Einzelobjektes sehr variieren kann. Der Hantelnebel M27 ist da ein Prachtbeispiel. Schaue Dir diese Untersuchung von M27 mit 3nm Astrodon OIII, H-Alpha, SII und NII Filter an. Mit OIII werden die Henkel so dominant, dass der Hantel fast verschwindet!

Leider sind solche Untersuchungen recht selten zu finden. Ich benutze sie gerne als Ideengeber für die Filterwahl. H-Alpha korrespondiert in der Balmer-Serie ja mit H-Beta. Der "Reduzierungsfaktor" von Alpha zu Beta ist im Schnitt knapp 3fach, kann aber je nach Objekttemperatur und Extinktion durch Staub im Vordergrund zwischen 2fach und 4fach liegen. Hohe Temperatur verschiebt den Faktor in Richtung 2fach, Staub in Richtung 4fach weil H-Beta im Blauen liegt und das Blaue stärker vom Staub "verdunkelt" wird als das rote H-Alpha.

Mit Nachtsichtgerät ist auch SII interessant und NII ein weiteres potenzielles Thema.

Gruß, Christopher
 
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Hallo ihr beiden,

Die einzige Übersichtstabelle für Objekte mit H-beta Filtern, die mir bekannt ist, ist im Deep sky Reiseführer, ich lege diese bei. Ich selber überlege mir auch mal einen zu kaufen.

CS, Wolfi
 

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Leider sind solche Untersuchungen recht selten zu finden. Ich benutze sie gerne als Ideengeber für die Filterwahl. H-Alpha korrespondiert in der Balmer-Serie ja mit H-Beta. Der "Reduzierungsfaktor" von Alpha zu Beta ist im Schnitt knapp 3fach, kann aber je nach Objekttemperatur und Extinktion durch Staub im Vordergrund zwischen 2fach und 4fach liegen. Hohe Temperatur verschiebt den Faktor in Richtung 2fach, Staub in Richtung 4fach weil H-Beta im Blauen liegt und das Blaue stärker vom Staub "verdunkelt" wird als das rote H-Alpha.

Mit Nachtsichtgerät ist auch SII interessant und NII ein weiteres potenzielles Thema.

Gruß, Christopher
...auf die H-alpha-Inspiration hatte ich auch gehofft (s. Anhang), hat aber bei NGC 6894 nicht gefunzt... Was die Balmer-Intensitäts von PNs anbelangt - irgendwo gibt es da einen Katalog, der solche Spektralinfos hat - ich muss VizieR einmal durchschütteln.
Die beiden Bilder sind nicht pralle, mieses Seeing in Utah, mieser Fokus dazu - aber der Vergleich war interessant.

CS,
Stefan
 

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  • NGC 6894_T11_4x600s_OIII+Halpha_2x2.png
    NGC 6894_T11_4x600s_OIII+Halpha_2x2.png
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...und noch ein Beobachtungsnachtrag: Am 21.8 abends habe ich nach dem Badminton-Training dann nur noch den 60mm-Apo in den Garten zerren wollen, nur um nach dem Duschen noch einmal einen kleinen Nebelblick zu wagen.
Was soll ich sagen, der Baader H-beta-Filter macht auch hier eine gute Figur. Auf die Schnelle habe ich nur Nordamerika-Nebel, Pelikan und das Gewaber um Gamma Cygni einstellen wollen. Hat sich gelohnt, wenn auch der Himmel nicht so gut war wie Samstag abend, als Okulare kamen ein 31mm-Nagler (12x) und 22mm-Nagler (16x) zum Einsatz:

NGC 7000
Der komplette Nebel ist als schwaches Glimmen sofort bei direktem Sehen zu erkennen, wobei "Mittelamerika" am hellsten ist. Leicht fleckige Struktur, sehr feine Helligkeitsabstufungen - Fotos wirken da viel zu hart ;-)

IC5068
Der Pelikan sticht nicht so auffällig hervor, ist aber auch im hellsten Teil (dem "Hinterkopf") direkt zu erkennen, der Rest erfordert etwas mehr Konzentration, ist aber gut zu fassen.

IC1318
Von diesem Nebelgebiet sehe ich den Part östlich von Gamma Cygni auch mit direktem Sehen, alles andere schält sich dann mit indirektem Sehen als diffuses Gewölk hervor. Habe ich so vorher noch nie erkennen können.

Fazit: Allein für diese hellen Nebel hat sich das Filter schon gelohnt (in meinen Augen). Man darf nicht vergessen, unter was für einem miesen Himmel ich da zuhause unterwegs bin, nur 17 km von der Düsseldorfer Innenstadt und mit Krefeld + Mönchengladbach nicht viel weiter weg. Ich werde den Apozwerg bei einer meiner herbstlichen Dresdenfahrten auf jeden Fall ins Reisegepäck packen, da will ich dann noch einmal ins Erzgebirge...

CS,
Stefan
 
Hallo Stefan,

danke für diesen Nachtrag. Der Pelikan ist ein merkwürdiger Geselle: wie Du sagst, ist das H-Beta Signal am stärksten am Hinterkopf. Das OIII-Signal ist wiederum am Bauch des Vogels am deutlichsten.

Ich benutze den Baader 5,5nm H-Beta Filter wie Du um die hellsten H-Beta-Objekte aus meinem mittelmiesen Himmel heraus zu schälen. Ich denke aber auch, dass er unter besserem Himmel gute Dienste leisten wird - dann auch an den nächst-schwächeren Nebeln, z.B. den 68-Cygni-Nebel Sh 2-119.

Was Quellen für erfolgversprechende Objekte in H-Beta betrifft, kann ich wärmstens den Astrophotograpy Sky Atlas von Charles Bracken empfehlen. Bracken kartiert die Nebel in mehrere Intensitätsstufen. Diese Intensität integriert zwar SII, H-Alpha und OIII. Da jedoch H-Alpha fotografisch dominiert, ist das effektiv ein H-Alpha Atlas. Und da H-Beta direkt mit H-Alpha korreliert, können die erfolgversprechendsten H-Beta Nebel für die visuelle Beobachtung auf einem Blick erkannt werden.

Beste Grüße, Christopher
 
Was Quellen für erfolgversprechende Objekte in H-Beta betrifft, kann ich wärmstens den Astrophotograpy Sky Atlas von Charles Bracken empfehlen. Bracken kartiert die Nebel in mehrere Intensitätsstufen. Diese Intensität integriert zwar SII, H-Alpha und OIII. Da jedoch H-Alpha fotografisch dominiert, ist das effektiv ein H-Alpha Atlas. Und da H-Beta direkt mit H-Alpha korreliert, können die erfolgversprechendsten H-Beta Nebel für die visuelle Beobachtung auf einem Blick erkannt werden.

Beste Grüße, Christopher
Es gab einmal als fotografische Quelle den sog. "NASA Emission Line Survey", Fotografien aus den 80ern mit Restlichtverstärker, Teleobjektiv und Schmalbandfilter. Längst vergriffen, aber irgendwo noch online kostenfrei verfügbar - könnte auch helfen, wurde unter NASA SP-434 veröffentlicht.

CS,
Stefan
 
Lieber Stefan,

Diesen Survey habe ich in Buchform. Ein schöner, großer Schicken, fest gebunden in blauem Einband. Genauer Titel: R. Parker et al.: An Emission-Line Survey of the Mikly Way. Washington, 1979. Recht preiswert antiquarisch aufzutreiben.

Leider behandelt er "nur" ein Band von 15° Breite entlang des galaktischen Äquators. Außenlieger der Milchstraße, z.B. Sh 2-126 in Lacerta oder NGC 7822 / Cederblad 214 in Cepheus, fallen daher raus. Doch ist es interessant und lehrreich, darin zu schmöckern. Auf 215 großformatige Seiten präsentiert er pro Seite jeweils ein 7° großes Feld in fünf verschiedene Emissionslinien plus den entsprechenden Ausschnitt aus Becvar. So können die Linien schön verglichen werden. Darunter ist auch die H-Beta Linie.

Gruß, Christopher
 
Lieber Stefan,

Diesen Survey habe ich in Buchform. Ein schöner, großer Schicken, fest gebunden in blauem Einband. Genauer Titel: R. Parker et al.: An Emission-Line Survey of the Mikly Way. Washington, 1979. Recht preiswert antiquarisch aufzutreiben.
...und soll ich Dir etwas verraten? Ich habe mein Exemplar vor ungefähr 20 Jahren verkauft, in der irrigen Annahme, den bräuchte ich sowie so nicht... schön blöd.
Na, dem Hinweis mit dem Antiquariat folge ich einmal, vielleicht habe ich noch Glück...

CS,
Stefan
 
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