Zitat von Jens_Alexander:
@Holger:
wie gesagt, ich möchte IRGENDWANN mal Fotos machen, muss mich erst mal einarbeiten und da braucht das Tele das ich mir jetzt dan kaufen will nicht gleich Fototauglich sein, sollte aber vielleicht schon von der Bedienung her so ähnlich sein wie eines womit man Fotos machen kann.....
Hi Jens-Alexander,
auch wenn ich nicht Holger heiße...
Ein ganz klares: VERGISS ES!!!
Warum? Ganz einfach:
Es lohnt sich nicht. Jedes Teleskop ist ein Kompromiss. Ein 8" f/6 ist zugegebenermaßen ein ganz guter Kompromiss und taugt sowohl für visuelle Beobachtung als auch für die Astrofotografie. Wobei für Deep Sky schon ein "schnelleres" Teleskop (f/5, f/4,5...) besser wäre, weil es lichtstärker ist und damit kürzere Belichtungszeiten nötig sind. Wenn man hingegen Planeten fotografieren möchte, dürfen es gerne auch deutlich langsamere Geräte sein. F/8 oder f/10 sind für Planeten deutlich besser geeignet. Für maximalen Kontrast dann auch gerne als Refraktor. Belichtungszeit spielt bei Planeten kaum eine Rolle, weil sie recht hell sind - dafür braucht man viel Brennweite um möglichst hohe Vergrößerungen zu erzielen.
Für die visuelle Beobachtung ist möglichst viel Öffnung gefordert. Für die Fotografie kommt es eher auf eine stabile Montierung und eine präzise Nachführung an die auch bei etwas Wind möglichst nicht wackelt. Das führt entweder zu extrem schweren Montierungen oder zu eher kleineren Teleskopen.
Eingermaßen bezahlbar wird die Astrofotografie vielleicht noch mit dem 8" f/6. Wobei da schon keine 1000-Euro-Montierung von der Stange mehr ausreicht - es muss schon einiges optimiert werden, damit man nicht nur Frust mit dem Teil hat.
Ich empfehle daher eher folgendes Vorgehen (die Du aber bitte gemäß Deinen persönlichen Vorlieben mit Astrofreunden im Feld verifizierst):
1. Investiere in einen 8" f/6 Dobson und habe damit Spaß. Der kostet 300,- € als Neugerät.
2. Sammele Erfahrungen und habe Spaß mit der visuellen Beobachtung die mit 8" schon eine Menge zeigt, wenn der Himmel dunkel genug ist.
3. Kauf' dir günstig eine kleine motorisierte Montierung oder bastele/kaufe Dir eine Barndoor und versuche Dich damit an Sternfeldaufnahmen mit einer Digitalkamera durch deren Objektiv (Darf - muss aber nicht - gerne eine DSLR sein). Das passt locker noch zusammen mit dem Dobson ins Auto und Du kannst während der Fotografie parallel noch visuell spechteln. M42 und M31 zeigen mit guten Teleobjektiven (die man sich in größeren Städten auch mal im Fotoladen mieten kann) schon extrem beeindruckende Ergebnisse (findet man immer mal wieder Belege für hier im Forum). Vielleicht montierst Du auch ein kleines Leitrohr mit auf die Montierung und probierst Dich an manueller Nachführung? Die so erzeugten Bilder kannst Du schon nach allen Regeln der Astrokunst aufarbeiten und Erfahrungen mit der Bildverarbeitung machen so dass Dir Begriffe wie Darkframe und Stacken in Fleisch und Blut übergehen.
4. Nun solltest Du endgültig wissen ob Deine fotografischen Ambitionen ernsthaft sind, denn Du hast nun einen Eindruck davon bekommen wieviel Aufwand damit verbunden ist. Astrofotografie DURCH das Teleskop erzeugt jetzt nur noch einige kleinere Randprobleme (Fokus finden und so...) die Dich nun nicht mehr schocken können. Wenn Du immer noch fotografieren möchtest ist JETZT der Zeitpunkt gekommen ein dafür geeignetes Teleskop auf einer guten Montierung zu kaufen oder den Dobson auf eine stabile Fotobasis zu setzen. Wobei es ab jetzt dann auch richtig teuer werden kann.
Bis Du beim 4. Schritt angekommen bist hast Du ganz nebenbei auch eine komplette Astro-Ausstattung zusammen (Okulare, diverse Filter, Karten, Lampen, kältegeeignete Kleidung...) und Zeit etliches Geld zu sparen. Entscheidest Du Dich dann doch nicht für die Fotografie, dann kannst Du Dein Sparschwein immer noch für Nagler-Okulare plündern ;-)
Vorteil dieser Vorgehensweise: Du fängst relativ schnell an mit sehr befriedigendem Equipement zu beobachten und die Kosten für den Einstieg in die Astrofotografie sind sehr niedrig. Wenn der Aufwand dann doch höher ist als man zu Anfang glauben mag, hat man sehr wenig Geld in den Sand gesetzt...
Ciao, Udo