Frage zum Notarem 10x40

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hgzip

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Hallo,

ich habe mir neulich ein Zeiss(Jena) Notarem 10x40 Dachkantglas gekauft. Es ist ziemlich gut erhalten, nur habe ich ein Problemchen mit dem Fokussieren: Ich kann nur knapp auf Unendlich fokussieren - gar kein Überhub; und der Nahbereich ist auch nicht so prickelnd (knapp 10m). Bei meinem Deltrintem ist der Fokusbereich wesentlich grösser, in beide Richtungen. Ist das beim Notarem normal? Ist das der Preis für die sehr kompakte Bauform?

Danke!
Hans-Georg
 
Hallo Hans Georg,
habe gerade geprüft: Nahbereich ca. 5 m. Was du mit unendlich meinst, verstehe ich nicht so richtig . Du musst jedenfalls die Dioptrieneinstellung durch Verdrehen der beiden Rädchen zueinander vornehmen.
Gruß Jochen
 
Hallo Hans-Georg,

zum Überhub kann man (so glaube ich zumindest) keine allzu verläßlichen Angaben machen. Ich habe in den letzten Jahren vier Exemplare vom Typ 10x40 genutzt und alle vier hatten ein etwas anderes Maß für den Überhub. Was mir noch nicht unterkommen ist, das sind 0 dpt. "Überhub". Bei den 10x40 Notarem Ferngläsern, die ich aus eigener Nutzung kenne, lag der Überhub bei -2 bis maximal -3 dpt. Ich glaube mich zu erinnern, dass auch eins mit etwas weniger (ca. -1 dpt.?) dabei war. Vielleicht war man bei CZJ der Meinung, dass ein Fernglas mit Brillenträgerokularen im Fall der Weitsichtigkeit auch mit Brille genutzt wird. Auf die Idee, dass ein Brillenträger auch mal ohne Brille durchschauen möchte, ist man wohl nicht gekommen. Da ich mit ca. -3 dpt. Fehlsichtigkeit schon länger Probleme bei der Himmelsbeobachtung ohne Brille hatte, habe ich mir vor Jahren bei einem Augenoptiker zwei "Korrekturlinsen" mit einer ordentlichen MC-Vergütung fürs 10x40 Notarem fertigen lassen. Der Optiker hat einfach zwei vergütete Brillengläser mit -2,5dpt. soweit abgedreht, dass sie straff in die Augenmuscheln passen. Die Gummimuscheln haben innen eine Rille, so können die passend gefertigten Korrekturlinsen nicht von allein rausfallen. Ob ein Umbau auf einen größeren Überhub möglich ist, das weiß ich nicht.

Allerdings habe ich mit einem Umbau meine Zweifel. Die Innenfokussierung funktioniert (wie bei einigen alten Leitz Trinovid Ferngläsern) durch Verschieben einer Linse (oder Linsengruppe) im Innern des Okulars. Es gibt also keine Fokussierlinse zwischen Objektiv und Prismensystem, wie wir das von modernen Dachkantgläsern kennen. Da durch diese Art der Fokussierung wahrscheinlich die Okularbrennweite und die Vergrößerung in nicht unerheblichem Maß beeinflusst werden, hat das System wohl seine Grenzen. Ich vermute, dass auch der etwas weit entfernt liegende Nahpunkt dadurch bedingt ist. Nach meiner Erfahrung sind die 10m für Normalsichtige beim 10x40 Notarem in etwa normal. Da es werkseitig beim Überhub Schwankungen gab, kann auch der Nahpunkt etwas variieren. Die alten Leitz Dachkantgläser mit "Okularfokussierung" hatten ebenfalls einen für heutige Verhältnisse ziemlich weit entfernten Nahpunkt. Bei meinem alten Leitz 8x40 B Trinovid waren das um die 6 oder 7 Meter.

Viele Grüße, Frank.
 
Hallo Frank,

danke für Deine Antwort. Auf Dich hatte ich eigentlich auch gehofft bei meiner Frage...

Da ich das Glas mehr als Sammlerstück gekauft habe, kann ich mit den Einschränkungen leben. Als Brillenträger würde ich sowieso nicht ganz glücklich mit dem Notarem, denn das Sehfeld ist mit Brille doch etwas beschränkt - von der Fummelei mit den Augenmuscheln ganz zu schweigen. Ich wollte nur wissen, ob mein Glas defekt ist oder ob das konstruktiv bedingt ist, und jetzt bin ich beruhigt.

Hans-Georg
 
Ergänzung zur Innenfokussierung

Hallo Hans-Georg,

mir sind noch ein paar Ergänzungen eingefallen. Gestern hatte ich geschrieben:

"Vielleicht war man bei CZJ der Meinung, dass ein Fernglas mit Brillenträgerokularen im Fall der Weitsichtigkeit auch mit Brille genutzt wird."

Eigentlich meinte ich Kurzsichtigkeit, denn weitsichtige Beobachter (kaufen eh ein aktuelles Zeiss, Leica oder Swarovski Glas, ich weiß :biggrin:) haben ja kaum das Problem, bei -2 oder -3dpt. Überhub ohne Brille nicht auf unendlich fokussieren zu können. Da ich selbst kurzsichtig bin (-3 und -3,5dpt.), kommt mir schon mal kein Leica Fernglas ins Haus. :/ Bei Leica geizt man noch heute mit dem Überhub, so dass ich nur selten eins der schönen Ferngläser ohne Brille am Sternhimmel nutzen kann. Bei Zeiss klappt das problemlos ab Fotoladen mit einem Überhub von -5dpt. und mehr ...

> Ich wollte nur wissen, ob mein Glas defekt ist oder ob das konstruktiv bedingt ist

Der Nahpunkt von 8 oder 10m scheint wirklich normal zu sein. Beim Notarem hast Du ja links und rechts je ein Okular mit einer verschiebbaren Linsengruppe. Wenn man einfach mal annimmt, dass die Objektive ein Öffnungsverhältnis von 1:4 haben, dann beträgt die Bildweite bei Einstellung auf unendlich 160mm. Wenn man nun auf ca. 10m Entfernung einstellt, dann erhöht sich die Bildweite (näherungsweise) auf 162,5mm. Da Objektive und Okulare fest eingebaut sind und die Objektive keine Fokussierlinse nutzen, bleibt also nur eine Verkürzung der Okularbrennweite, um das "fest eingebaute" Okular auf die größere Bildweite bei Naheinstellung zu fokussieren. Nun vermute ich, eine Differenz von 2,5mm ist mit dieser Art der Fokussierung noch machbar. Würde man nun auf 2m Entfernung fokussieren wollen, dann müsste man eine Veränderung der Bildweite von runden 14mm mit der "Okularfokussierung" kompensieren und das dürfte beim Notarem oder bei den alten Leitz Gläsern schlicht nicht funktionieren. Ich hoffe, dass ich jetzt keinen Denkfehler gemacht habe. In welchem Maß sich die Bildweite zwischen 2m Entfernung und unendlich tatsächlich verändert, das weiß ich nicht. Die Objektive des Notarem sind ja "Teleobjektive", also Zweilinser mit vergrößertem Linsenabstand. Mehr als ein paar Millimeter Differenz dürften aber durch eine solche "Okularfokussierung" kaum auszugleichen sein, ohne dass sich die Vergrößerung signifikant ändert. Das Prinzip scheint aber so zu funktionieren: eine vergrößerte Bildweite bei der Naheinstellung wird durch eine Veränderung (Verkürzung) der Okularbrennweite kompensiert, wodurch die Baulänge des Fernglases konstant bleibt, die Vergrößerung im Nahbereich aber größer wird. Da man die im Nahbereich schnell größer werdende Bildweite nicht in beliebigem Maß durch ein Okular mit einer beweglichen Linsengruppe kompensieren kann, hat die Naheinstellung wohl ihre Grenzen (siehe auch die alten Leitz Trinovid Gläser). Bei Porrogläsern mit beweglichen Okularen ist das kein so großes Problem, hier kann man die Okulare auch mal um 5 oder 10mm verschieben.

Diese Art der Innenfokussierung wurde übrigens von Leitz als die erste "echte" Innenfokussierung beworben. Die Dachkantgläser von Zeiss hatten zu jener Zeit entweder bewegliche Okulare (z.B. 7x42 Dialyt) oder bewegliche Objektive (z.B. 8x30 ClassiC). Beide Varianten waren auch mit ihren Gummidichtungen zwischen dem Gehäuse und den bewegten Komponenten nicht auf lange Zeit gegen das Eindringen von Staub oder Feuchtigkeit abgesichert. Bei den Leitz Trinovid und den CZJ Notarem Gläsern bewegen sich äußerlich nur noch der Mitteltrieb und die Dioptrienkorrektur, die an die "Außenwelt" grenzenden optischen Elemente stehen fest und können so besser abgedichtet werden (das müsste auch für die russischen Foton Dachkantgläser gelten).

Die bewegliche Linsengruppe im Okular kann man schön sehen, wenn man das Notarem mit den Okularen nach oben unter die heimische Stubenlampe hält. Beim Fokussieren sieht man gut, wie die Reflexe von der Vergütung der im Innern beweglich angeordneten Linsen ihre Lage verändern. Man kann auch sehen, dass sich die Okularbrennweite in gewissen Grenzen ändert. Schau mal durch das Notarem auf eine diffus beleuchtete Wand oder auf ein Blatt Papier und beobachte die Größe des scheinbaren Sehfeldes beim Fokussieren. Ich bilde mir zumindest ein, dass sich die Größe beim Fokussieren von Nah auf Fern sichtbar ändert: im Nahpunkt ist die Okularbrennweite etwas kürzer und das scheinbare Sehfeld ist (bei konstanter Sehfeldblende) etwas größer. Mit einer Messlupe kann man auch die Größe der AP bei der Fokussierung auf den Nah- und auf den Fernpunkt messen. Bei meinem Notarem variiert der Durchmesser der AP zwischen 4 und 4,2mm.

> Da ich das Glas mehr als Sammlerstück gekauft habe, kann ich mit den Einschränkungen leben.

Eigentlich finde ich, dass ein richtig justiertes Notarem als Sammlerstück allein zu schade ist. Das 10x40 hat eine erstklassige Schärfe im Zentrum, eine noch immer sehr gute Randschärfe und eine exzellente Sternabbildung in Bildmitte. Die Transmission ist zwar nicht auf aktuellem Stand, aber in der Summe der Eigenschaften ist so ein Notarem auch heute noch konkurrenzfähig, wenn man sich bei neuen Ferngläsern im Preisbereich bis 500 Euro umschaut. Nur sollte die Kollimation ok sein und die Mechanik nicht allzu viel Spiel haben. Leider zeigen alte, gebrauchte Notarem Gläser hier oft Mängel (manchmal schon ab Werk). Wie schaut es denn diesbezüglich bei Deinem Sammlerstück aus?

Viele Grüße Frank.
 
Re: Ergänzung zur Innenfokussierung

>Leider zeigen alte, gebrauchte Notarem Gläser hier oft Mängel (manchmal schon ab Werk). Wie schaut es denn diesbezüglich bei Deinem Sammlerstück aus?

Naja, es war nicht allzusehr gebraucht, keine Kratzer in der Optik, keine Dellen am Gehäuse, nur die Augenmuscheln defekt und der Tragriemen schmuddelig. Das habe ich dank Firma Ros alles behoben. Ich habe übrigens 160 Euro bezahlt, inkl. Köcher - das schien mir angemessen? Seriennummer 6.4 Mio.

Die Fokussierung ist etwas hakelig, insbesondere gibt es eine Stelle, wo man mit Kraft drehen muss, um drüber zu kommen. Dabei verstellt sich dann gern auch die Dioptrienkorrektur. Ich hätte lieber _ein_ grosses Fokusrad, und die Dioptrien am Okular - die Konstruktion am Notarem gefällt mir nicht so. Die Kollimation scheint i. O., aber wegen des Wetters konnte ich das noch nicht an einem Stern erproben.

Vielleicht nehme ich das Glas doch mit in den Urlaub - ich überlege gerade, was ich da einpacken soll. Eigentlich ziehe ich Porros vor, aber das Notarem ist schon hübsch handlich...

Hans-Georg
 
Zuletzt von einem Moderator bearbeitet:
Re: Ergänzung zur Innenfokussierung

Ich habe übrigens 160 Euro bezahlt, inkl. Köcher - das schien mir angemessen? Seriennummer 6.4 Mio.

Hallo Hans-Georg,

für ein gut erhaltenes Exemplar ist der Preis aus meiner Sicht ok. Probiere es doch mal am Sternhimmel und überlege Dir, was Du für den Preis heutzutage an neuen Ferngläsern bekommst. Dann kannst Du für Dich entscheiden, ob 160 Euro ein guter Preis ist.

Die Fokussierung ist etwas hakelig, insbesondere gibt es eine Stelle, wo man mit Kraft drehen muss, um drüber zu kommen. Dabei verstellt sich dann gern auch die Dioptrienkorrektur. Ich hätte lieber _ein_ grosses Fokusrad, und die Dioptrien am Okular - die Konstruktion am Notarem gefällt mir nicht so.

Die in den Mitteltrieb integrierte Dioptrienkorrektur scheint mir auch nicht der Weisheit letzter Schluß zu sein. Es gibt Ferngläser, da hat die Dioptrienkorrektur etwas Spiel und beim wechselseitigen Fokussieren (nah auf fern und umgekehrt) kann es vorkommen, dass die Schärfe in beiden Fernglashälften nicht gleichermaßen erhalten bleibt. Das kann bei einem 10x40 mit seiner geringeren Schärfentiefe manchmal ärgerlich sein, beim 8x32 fällt das nicht so auf.

Die Kollimation scheint i. O., aber wegen des Wetters konnte ich das noch nicht an einem Stern erproben.

Unter Kollimation verstehe ich nicht nur den "Sterntest" in Bildmitte. Man kann ein Prismensystem auch "schief" einbauen und trotzdem die Teilbilder so justieren, dass ein Objekt links und rechts jeweils in Bildmitte erscheint. Auf den ersten Blick fällt das möglicherweise nicht auf, man kann aber u.U. eine asymmetrische Schärfeabnahme zum Rand, eine gleich- oder gegenläufige Raddrehung der Teilbilder und/oder im Randbereich unterschiedlich stark ausgeprägte Abbildungsfehler (z.B. Astigmatismus) beobachten. Mir sind schon einige solcher Montagsgläser vom Typ Notarem begegnet.

Um das zu prüfen, kann man mit etwas Augenmaß in 20 oder 30cm Abstand auf die Okulare blicken. Dabei muß das Auge möglichst genau auf der optischen Achse des Okulars platziert sein. Dann sieht man die letzte Linse des Okulars und hinter dem Okular "schweben" die AP (als Bild der Eintrittspupille) und wenigstens ein Bild einer Blende (das der Sehfeldblende). Wenn die Kollimation keine groben Fehler aufweist, dann sollten die AP, das Abbild der Sehfeldblende und gegebenenfalls die Bilder weiterer interner Blenden schön rotationssymmetrisch zur letzten Linse des Okulars angeordnet sein. Ist das nicht der Fall, dann handelt es sich möglicherweise um ein Montagsglas. Wenn man durch die Objektive blickt und dabei den Eindruck hat, dass der Strahlengang einen "Knick" macht, dann ist auch das ein schlechtes Zeichen.

Einige meiner verflossenen Notarem Gläser waren solche "Schätzchen". Die Prismensysteme wurden z.T. in einem schlechten Justagezustand eingebaut und der daraus resultierende Versatz der Teilbilder wurde durch die Exzenterfassungen der Objektive ausgeglichen. Im Extremfall (habe ich auch schon erlebt) werden beide Exzenterfassungen bis zur Schmerzgrenze (maximal mögliche Abweichung von der optischen Achse) ausgereizt. Wenn dann ein Objektiv nach oben und das zweite im gleichen Maß nach unten (also mit dem maximal möglichen Versatz zueinander) angeordnet sind, dann ist was faul. Wie schon gesagt, das fällt auf den ersten Blick nicht unbedingt auf und muß bei der Tagbeobachtung auch nicht stören. Man prüft in Bildmitte, ob ein Objekt in beiden Hälften ohne horizontalen oder vertikalen Versatz abgebildet wird, und glaubt bei gutem Ausgang, alles sei in Ordnung. Das muß aber nicht so sein. Manche Fehler entdeckt man nur bei genauerem Hinsehen oder erst nachts am Sternhimmel ...

Viele Grüße, Frank.
 
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