Fragen/Probleme nach Beobachtung

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totoro1979

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Hallo zusammen,

nach meinen ersten 3 Beobachtungsnächten sind bei mir einige Fragen aufgetaucht.
Mit dem Fernglas komme ich nun gut zurecht und konnte zahlreiche Objekte ausfindig machen. Allerdings sind mir in der Praxis einige Dinge aufgefallen, die ich vorher nicht bedacht habe.
Überrascht war ich von der hohen Luftfeuchtigkeit nachts, die mit Fortschreiten der Nacht immer extremer wurde. Das Beschlagen der Okulare ging nach kurzer Wartezeit selbst wieder weg, aber irgendwann beschlugen auch die Objektivgläser.
Selbst das Abwischen schuf hier keine Abhilfe, denn kaum hatte ich das Tuch vom objektiv entfernt, beschlug das Glas sofort wieder.
Das machte das Beobachten irgendwann unmöglich.

Was kann man dagegen tun?
Nach einigem Suchen konnte ich nur etwas mit Taukappen finden, die man aus Pappe selbst basteln müßte. Ich wäre für Tips sehr dankbar.

Desweiteren konnte ich keinen einzigen Nebel sehen im Schwan.
Dabei las ich vorher, dass man mit dem Fernglas schön Nebel beobachten kann.
Das einzigste was ich fand war die Dunkelzigarre zwischen Schwan und Eidechse.
Der Himmel war beim HTT dunkler, wie man ihn sonst nicht haben kann.

Wir hatten noch einen 10 Zoll Dobson meines Bruders.
Er hat auch noch keine Nebel gesehen. Das verstehe ich nicht.
Kann jemand Hilfestellung geben, was das Beobachten von Neben angeht?

Gruß Sven.

 
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Hallo Sven!

Ich versuche mal, dir deine erste Frage zu beantworten, die mit dem Tau.

Dazu muss man ein paar einfache Dinge aus der Thermodynamik verstehen:

1) Luft enthält stets eine gewisse Menge Wasserdampf,
mal mehr mal weniger. Das nennt sich "Luftfeuchtigkeit".
Die kann man entweder absolut angeben, z.B.
in Gramm pro Kubikmeter. Oder relativ, d.h. in Prozent
von der maximalen Menge, die die Luft aufnehmen kann
.
Ist mehr Wasser da, gibt's Tau oder Nebel.

2) Diese maximal mögliche ("100%") Luftfeuchtigkeit hängt
von der Temperatur ab. Je kälter, desto weniger kann
die Luft aufnehmen. Die Temperatur, die genau zu 100% rel. Feuchte
gehört, heisst Taupunktstemperatur.

3) Wenn nun im Laufe der Nacht die Temperatur sinkt,
bleibt die absolute Luftfeuchtigkeit im Wesentlichen
unverändert (wo soll sie denn hingehen bzw. herkommen?),
die relative hingegen steigt natürlich, wegen Punkt 2).
Steigt sie über 100%, gibt's Tau.

Warum kann jetzt aber ein Objektiv beschlagen, obwohl
die Luftfeuchtigkeit noch gar keine 100% beträgt?

4) Alle "Objekte" (Gegenstände, Fernrohre, Objektive...)
versuchen stets, mit ihrer Umgebung ins thermische Gleichgewicht
zu kommen, soll heissen, Temperaturen gleichen sich an.

5) Das geschieht über die drei grundlegenden Mechanismen
der Wärmeübertragung: Wärmeleitung, Konvektion, und/oder Strahlung.
Für uns sind hier vor allem Konvektion und Strahlung wichtig.

6) Konvektion sind hier Luftströmungen, in aller Regel (leichter) Wind.
Sie sorgt dafür, dass die Temperatur des Objektivs in Richtung
Umgebungstemperatur geht.

7) Strahlung ist die Ursache für dein Problem. Denn das Objektiv
"sieht" den Himmel, und der ist deutlich kälter als die Umgebung,
strahlungsthermodynamisch so um die minus 40 Grad. Das Objektiv
(wärmer!) strahlt also munter Richtung Weltall, von dort kommt
aber kaum was zurück. Ergebnis: Das Objektiv kühlt sich unter
die Umgebungstemperatur ab, und beschlägt in dem Moment, in dem es
den Taupunkt unterschreitet. Dann hilft auch abwischen nix mehr.
(Sollte man eh nie machen, kann Kratzer geben!)

Was kann man dagegen tun?
A) Kompliziert: Objektiv leicht beheizen, so dass seine Temperatur
nicht unter den Taupunkt fällt.
B) Einfach: Eine Taukappe basteln, also ein kurzes, dickes Rohr,
das sich vor dem Objektiv befindet.
Material ist im Prinzip Wurscht, bei "dicken" Fernrohren (S/C's!)
tuts ganz gut eine Iso-Matte, bei kleinen (auch Fernglas) im Prinzip
sogar stabiler Karton. Kann man ja immer wieder neu basteln.

Wieso hilft das?
Das Objektiv, "tief in der Taukappe drin",
"sieht" jetzt nicht mehr 180 Winkelgrad kalten Himmel,
sondern nur noch einen Bruchteil davon. Der Rest ist "warme"
Taukappe, die durch Konvektion auf Lufttemperatur gehalten wird.
D.h. es kommt genug Wärmestrahlung zurück (von der Taukappe),
so dass das Objektiv (erheblich) weniger abkühlt.

Das ganze funktioniert natürlich nicht mehr, wenn es generell
schon so feucht ist, dass alles "trieft". Dann hilft entweder
heizen oder sowieso aufhören da sich Nebel bildet.

Alles klar? :)

Sonnige Grüsse vom MittelMeerDobservatorio
Thorsten
 
Servus.

irgendwann beschlugen auch die Objektivgläser.
Selbst das Abwischen schuf hier keine Abhilfe, denn kaum hatte ich das Tuch vom objektiv entfernt, beschlug das Glas sofort wieder.

Mach das bitte nicht. Ist das Tuch selbst nicht sauber, kann es passieren, das du das Objektiv verkratzt.

Wir hatten noch einen 10 Zoll Dobson meines Bruders.
Er hat auch noch keine Nebel gesehen. Das verstehe ich nicht.

Für die Beobachtung von Galaktischen- und Planetarischen Nebeln sollte der Himmel idealerweise sehr dunkel und transparent sein.
Auch die Dunkeladaption der Augen sollte passen und nicht mehr gestört werden.

Die hellen Nebel im Cygnus, wie den Nordamerika- und den Zirrusnebel kann man schon mit 10 Zoll Öffnung sehen, nur "stechen" die nicht gleich in das Auge.
Eine Verbesserung in der Beobachtung gibt es durch Nebelfilter, wie dem O III und den UHC.

Bei der Beobachtung muss man auch den Typ des Nebels beachten, um dazu den Filtereinsatz abstimmen zu können.

Bei Emissionsnebel wie dem Nordamerikanebel, Lagunennebel oder dem Omeganebel bringt ein Einsatz von einem O III oder UHC Filter einen deutlichen Gewinn in der Beobachtung.
Der O III Filter lässt nur die beiden grünen Sauerstofflinien bei 495,9 und 500,7 nm passieren, das restliche Licht wird abgeblockt. Da auch Galaktische Nebel im diesem Bereich emittieren, ergibt es dadurch eine deutliche Steigerung vom Kontrast zum Hintergrund, und der Nebel ist deutlicher zu sehen.
Der Nachteil ist, das auch die Sterne dadurch stark gedämpft werden, wodurch man die Orientierung im Okular verlieren kann.
Etwas universeller ist der UHC Filter, der neben den beiden Sauerstofflinien auch noch die H beta Linie und zum Teil die H alpha Linie bei 656,3 nm durchlässt.
Für manche spezielle Fälle wie dem Californianebel kann man auch den H beta Filter verwenden.

Bei Reflektionsnebel wie Messier 78 oder dem NGC 1973/75/77 Komplex (Running Man) gilt das mit den Filtern nicht.
Reflektionsnebel reflektieren Licht von vor- oder eingelagerten Sternen, und leuchten deshalb im gesamtem Spektrum. Ein Nebelfilter würde hier nur den Nebel abschwächen.

Planetarische Nebel (Pn) sollte man in der Beobachtung wie Emissionsnebel behandeln. Ein Pn emittiert Licht nur in schmalen Linien, damit kann man bis auf ein paar Ausnahmen auch hier wieder O III/UHC Filter einsetzten.
Viele Pn sind entweder sehr klein, so das man hoch vergrößern muss, um sie zu erkennen, wieder andere sind sehr ausgedehnt und haben eine niedrige Flächenhelligkeit, was ihre beobachbarkeit sehr schwierig macht.
Die hellen Nebel wie M 57 und auch der Hantelnebel sind mit 10 Zoll aber einfach sichtbar.
Ausnahmen bilden Protoplanetarische Nebel, die man in der Beobachtung wie Reflektionsnebel behandeln sollte.

Viele Grüße
*entfernt*
 
Moin Sven!

> Das Beschlagen der Okulare ging nach kurzer Wartezeit selbst wieder weg

Die Taupunkt-Problematik ist Dir ja schon bestens erklärt worden. Bei Okularen hilft ein beheizter Okularkoffer oder das Aufbewahren der Okulare am Körper. Die Teile müssen warm bleiben, dann hat man auch keinen Ärger mit dem Zutauen. Kleine Okulare gehen bei Beobachtung u.U. schnell wieder frei, bei einem 2"-Oku der 1-Kilo-Klasse kann das ganz anders aussehen. Außerdem sind taunasse Okulare bei Kälte unangenehm zum Anfassen und können so auch beim Zugreifen wegrutschen. Daß ein Okular runterfällt, will ja keiner.
Bastelanleitungen für Kofferheizungen findest Du im Board Selbstbau/ATM, ebeenso Vorschläge, wie man sich Objektiv- oder Taukappenheizungen aus Widerstandsdraht selbstbauen kann. Günstige Heizbänder (auch für Okulare) gibt es bei Astroleuchten.de - kann ich nur empfehlen!
Eine Taukappe sollte den 2-3fachen Objetivdurchmesser lang sein und zum Himmel ganz leicht konisch auseinandergehen, damit man sich das Bildfeld nicht abblendet. Man zerschnippelt am besten eine Camping-Isomatte. Das Material ist leicht und stabil als Taukappe.

> Desweiteren konnte ich keinen einzigen Nebel sehen im Schwan.

Um ehrlich zu sein: Der Schwan gibt an "Nebeln" auch nicht viel her für Anfänger, wenn zudem noch der Himmel aufgehellt ist. Nimm Dir erstmal Sternenhaufen und vor allem Planetarische Nebel in der Umgebung vor (Ringnebel M57 und Hantelnebel M27). Danach kann man sich mit mehr Erfahrung an schwierige Objekte wie bspw. den Zirrusnebel wagen. Kugelsternhaufen sind zur Zeit auch viele am Himmel und fast immer sehenswert, auch bei Mondlicht. Damit würde ich an Deiner Stelle anfangen.
 
Hallo Sven,

Des weiteren konnte ich keinen einzigen Nebel sehen im Schwan.

Was vertstehst du unter Nebel?

Wenn du damit die offenen Sternhaufen wie M39, M29 meinst, die sollten sowohl im Fernglas als auch im Dobson sichtbar sein.

Wenn du damit Galaxien (ja die gibt es im Schwan sind aber eher schwach und was für den fortgeschrittenen Hobbygucker), so benötigts du eine genaue Aufsuchkarte und natürlich einen guten Himmel (schau dir mal die Himmelsqualität auf der Borleskala an)

siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Lichtverschmutzung.

Wenn du damit die Gasnebel und Supernovaüberreste wie NGC7000 und NGC6992/5 meinst, benötigst du vorallem einen guten Himmel.

Aber ich denke hier gilt wie überall Übung macht den Meister.

Hier einige vielleicht nützliche Aufsuchkarten für dich. http://lotharsinger.npage.de/aufsuchkarten.html

Bist du im Starhopping firm?

Gruß
 
Danke für die ausführlichen Antworten.
Die Erklärung zur Tauproblematik ist sehr gut für das Verständnis.
Interessant ist, daß die Gläser unter die Umgebungstemperatur abkühlen.

Ich werde mir nun Taukappen basteln, die man mit einem Gummi jedes Mal wieder drüber spannen kann. Dafür hole ich eine dieser
Iso Matten fürs Auto aus dem Baumarkt.
Bin mal gespannt, ob das die mögliche Beobachtungszeit verlängert.
Wie reinigt man das Fernglasobjektiv am besten.
Nach der verzweifelten Wischerei muß ich da nun ran.
Tut es ein normales Mikrofasertuch?

Zur Nebelproblematik habe ich zu ungenau erklärt.
Meine Frage bezieht sich auf Emissionsnebel.
Zum Beispiel Nordamerikanebel, Cirrusnebel,...
Nach einigen Stunden sollte unsere Dunkeladaption abgeschlossen gewesen sein und wir hatten einen dunklen Himmel beim Herzberger Teleskoptreffen.

Emissionsnebel sind wohl doch nichts fürs Fernglas.
Den Tip mit den Filtern gebe ich weiter.

Offene Sternhaufen konnte ich zahlreiche sehen, auch Kugelsternhaufen wie M13 und M92 konnte ich ohne weiteres im Fernglas entdecken.
Im Dobson war auch M57 schön anzusehen.
Galaxien waren auch zu finden, darunter M81,82, M33.
Was Galaxien angeht, war ich über den Anblick von M33 im Dobson enttäuscht. Man wie bei M31 nur einen hellen Kern inmitten eines nebligen Gebildes. Bei 10 Zoll hätte ich wenigstens eine Andeutung von Spiralarmen erwartet. Bei M82 war in der Mitteeine dunkle Stelle auf der gesamten Länge zu erkennen, glaube ich.
M81 haben wir nicht rein bekommen.

Auf jeden Fall ist mir bewußt geworden, daß man in diesem Hobby viel Geduld braucht und sich auch mit kleinen Dingen zufrieden geben muß. Aber der Weg ist das Ziel.

Viele Grüße, Sven.
 
Moin Sven!

> Wie reinigt man das Fernglasobjektiv am besten.

1. Blasebalg und Objektivpinsel
2. Isopropanol auf Papiertaschentuch

--> siehe Board "Teleskoppflege und -bedienung"!

> Tut es ein normales Mikrofasertuch?

Bloß nicht! :o
 
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