Also Deep-Sky für max. 250 Euro
Hallo Namenskollege und hallo Sven (Enthe),
nun mit den klaren Einschränkungen zum Preis max. 250 Euro, möglichst mit Anfangsausstattung an Okularen, und Wegfall des Einsatzbereichs Planeten läßt es sich besser planen.
Zum Thema Zusatzausstattung meines Namenskollegen:
- Filter habe ich - seit gut 2 Jahren aktiv - nur einen 1,25"-Graufilter und selbst den habe ich nur einmal bei hochstehendem Mond benutzt. Hätte ich ihn nicht gehabt, hätte ich mir die Öffnung etwas abgeblendet, was bei der Niedervergrößerung (Vollmond im Ganzen; nur da ists zu hell) praktisch nicht sichtbar ist. Eine andere Möglichkeit wäre es, Außenlicht zu schaffen, da die Blendung nur ein subjektives Phänomen ist (keine abbildende Teleskopoptik kriegt die Flächenhelligkeit höher als ganz ohne Scope - im Gegenteil, es kommt zu Verlusten, da kein Spiegel 100% reflektiert). Sollte Jupiter mal zu hell erscheinen, vergrößert man nicht genug. Sollte das Seeing dann die Beobachtung vermiesen, ist wohl einfach nicht der geeignete Moment, Jupiter zu beobachten. Anderes zu helles gibt es nicht. Daher meine Einschätzung: der Mond/Graufilter ist das verzichtbarste Ausstattungsteil, besonders anfangs. Zudem liegen vielen vielen Scope-Paketen bereits Mondfilter bei, auch wenn diese häufig durch einen breiten Fassungsring nicht volle Öffnung bieten, was aber bei genannter Niedervergrößerung nicht wirklich stört. Kaum jemand schaut sich länger den ganzen Mond an, denke ich, da ist es schon sehr interessant höher zu vergrößern und dann blendet da nix mehr. Schließlich besteht noch die Möglichkeit per Angebotsaktion/Messe/Teleskoptreff zu noch weiter verringertem Preis oder gar aus der Grabbelkiste/"gebraucht" das Teil zu erwerben. Die Kosten gehen dann langsam in Richtung 2 Kilo Tomaten...
- Nebelfilter (O-III, UHC...) machen wohl für 2"-Beobachtung richtig Spaß, einen nötigen 2"-OAZ wird es nun aber wohl kaum wegen der Budgetbeschränkung geben. Selbst die Kosten für einen 1,25"-Filter sind bezogen auf den Ausstattungswunsch (Optik, Monti+Stativ, Oku-Ausstattung) kaum im Budget unterzubringen.
- drehbare Sternkarte: ein Rechner scheint vorhanden, wahrscheinlich auch ein Drucker. Problemlos verfügbar (Suchfunktion hier im Forum) sind zahlreiche Sternkarten zum Ausdrucken, etliche freie Planetariums/Kartenprogramme. Zusätzliche Informationen gibt es durch Links auf der Portalseite oder z. B. bei
www.heavens-above.com. Somit halte ich Geldausgabe für eine drehbare Sternkarte für verzichtbar. Sinnvoll wäre schon ein Taschenbuch-Atlas, wie der bewährte Karkoschka zum Taschenbuchpreis.
- Ein Feldstecher ist zwar sinnvoll, womöglich aber vorhanden bzw. mit langbrennweitigem Okular - daß wohl in 1,25" sowieso für die angedachte Primäroptik angeschafft werden dürfte, etwa SP32mm - am noch vorhandenen Aldi sozusagen ersetzbar, auch wenns dann etwas höhervergrößert und nur einäugig ist. Allerdings mit Zenitspiegel gegen Verrenkungen. Die beste Durchsicht (atmosphärisch geringster Weg für das Licht) bietet das Himmelszelt ja auch in Zenitnähe.
- Ein Okularkoffer zählt m. E. nicht zu den nötigen Anfangsanschaffungen, besonders kaum in Hinblick auf das relativ enge Budget. Einerseits kann man locker und sinnvoll 3 Okulare (eins ist wohl im OAZ) in körpernahen Taschen der Kleidung tragen, wo sie bewärmt auch noch vor Beschlagen geschützt und gut greifbar sind. Ansonsten noch der Hinweis auf Alukofferangebote oder Werkzeugkisten im Baumarkt um die Ecke.
- Ein Justierlaser ist sicher sinnvoll, aber anfangs - angesichts des Budgets - verzichtbar. Hier besteht die Möglichkeit, mittels einer Filmdose (herkömmliche Verpackung marktgängiger Kleinbildfotofilme) mit zentrischem Loch und am Stern unterm Himmel zu justieren. Die zugehörige Anleitung findet sich problemlos per Suche hier im Forum, oder Blättern im Teleskop-Pflege-Forum. Zudem könnte man sich per Laser von Kollegen mal vorjustieren, am Stern wird man sowieso die Feineinstellung machen. Schließlich verweise ich auch hier auf Gebrauchtmarkt, Aktion/Messe/Treffen. (Siehe Treffpunktforum)
- Kompass: nun, ich will doch hoffen, daß der Polarstern aufgefunden werden kann. Der Aldi ist ja schon einige Zeit in Verwendung, da dürfte das hoffentlich kein Problem sein. Die durchschnittliche Mißweisung eines Kompasses und dessen Anzeigegenauigkeit und Störbeeinflussung haben da eine ganz andere Größenordnung als Gepeile mit schnell gebasteltem Lot am klaren Himmel. Absolut überflüssig.
- Rotlichtlampe: LED-Fahrradrücklicht, falls nicht vorhanden für 1,99 laufend in Diskountern. Sollte noch in den Finanzrahmen passen.
Somit sollte man sich vielleicht zunächst auf Montierung, Optik und okularseitigem Equipment konzentrieren.
Der neu genannte 130/900, also etwa f/7 hat im Preisbereich einen sphärischen Spiegel. Das bedeutet, er ist nicht zu scharfer Abbildung im richtigen Hochvergrößerungsbereich fähig. So gesehen dann ein DS-Gerät. Ein richtig kurzbrennweitiges Okular kann man sich also gleich sparen. (Hätte er einen parabolischen Spiegel, wäre es ein Universalist und man könnte sicher bis 200fach vergrößern oder höher, was Planeten und hochvergrößernde Mondbeobachtung bieten würde, dann könnte man auch an ein kurzbrennweitiges Okular denken.)
Ferner sollte man bedenken, daß die effektive Öffnung (Faustformel Öffnung minus Fangspiegeldurchmesser) also 130-49=81 mm beträgt. Nicht-parabolisch und als Spiegelteleskop der Niedrigpreisklasse mit (wg. 2 Spiegeln) gut 20% Lichtverlust an den Spiegeln zuzüglich zu gut 15% Obstruktionsverlust durch den FS und die breiten Spinnenstreben). 37% Obstruktion ist definitiv nicht von Pappe. Ob da die Abbildung Spaß macht? Das Ergebnis könnte dann recht nah am Aldi sein, wenn man es so sieht.
So weit ich weiß, haben die Niederpreis-130/900s auch keinen 2"-OAZ, das heißt mit weitwinkligem Weitfeld wirds auch nichts. Mit einem 32er Super-Plössl ist also feldgrößenmößig Schluß. Dennoch sollten dann schon etliche Objekte gehen können. Fraglich und bedenkenswert wäre, ob die zugehörige Montierung mit dem Teil einigermaßen wackelfrei ist, ein wichtiger Faktor. Welche Montierung ist es und welches Gewicht hat die Optik/Tubus? Vermutlich gibt es schon Erfahrungen mit dem Gerät auf seiner Paket-Montierung, mal die Suchfunktion verwenden.
Zur Einschätzung des Vergleichs Dob 8"f6 - 130/900 durch meinen Namenskollegen:
- Mobilität: 13-15 kg transportiert man entweder kaum weit zu Fuß oder mit Zweirad, im Auto sind auch die zweimal rund 12 kg des 8"-Dobs kein Problem. Der Tubus liegt gut auf praktisch jeder Rückbank und die Rockerbox passt eigentlich in jeden Kofferraum oder notfalls vor den Beifahrersitz. Sollte im Garten beobachtet werden und besteht ebenerdiger Zugang, ist für den Dobson ein Umzugsrollbrett als Transporthilfe möglich. Da dürfte ein stativiertes Gerät kaum drauf passen, wobei dieses wohl so leicht sein dürfte, daß man es tragen wird.
- ein höhenverstellbares Stativ klingt für Linsenfernrohre immer gut, hoffentlich ist es dann richtig hoch ausfahrbar. An Newtons interessiert eher häufig, wie klein es dann bleiben kann, damit man bequem im Sitzen beobachten kann. "Problematisches Argument" in der Darstellungsweise meines Namenskollegen.
- Erweiterbarkeit für Motoren: wir reden von 250 Euro, und Du nennst Kompass, Okularkoffer (bei 3-4 Okularen) und Nebelfilter. Etwas befremdlich, nun an optionalen Motor zu denken, wo nichtmal Zweizoll-Auszug bedacht wurde für all die großflächigen schwachen Nebel. Dann ist es nur "realistisch", auch zu sagen, daß man selbst den 8"-Dobson-Tubus heute gegenüber früher sehr günstig parallaktisieren kann, bis zur Foto- und Goto-Option. Preislich ist das dann aber gemessen am Budget schon richtig astronomisch. Oder die Anschaffung einer EQ-Plattform, die über 1-2 Stunden die Himmelsdrehung ausgleichen kann. Dann machen auch am (parabolischen) 8"-f/6 die Planeten richtig viel Freude.
Und Alternativen?
Parabolisch wäre der Newton-150/1200 (f/8), aber das ist viel eher ein Planetenteil, kommt also von wegen DS als Zielobjektklasse nicht in Frage.
Ein 114/900 - zwar sphärisch, aber bei f/8 gerade noch tragbar - wäre für DS sowohl wegen f/8 (Planetenteil) als auch wegen der eher geringen Öffnung kaum geeignet.
Mögliche Refraktoren passen m. W. nicht ins Budget.
Fazit: ich würde wirklich noch etwas sparen, wenn DS mit Optionen und wackelfrei im Fokus ist, sonst wäre mir das Risiko zu groß, bald mit irgendwie einfach zu suboptimalem Gerät "Blut zu lecken" und wieder aufzustocken. Für die Wirtschaft wäre das allerdings gut, von daher... (Bedenken könnte man noch, was denn eigentlich richtig gute kompromisslose DS-Geräte so kosten bzw. was Einsteiger-DS-Geräte vor 10, 15, 20 Jahren gekostet haben.)
Viel Erfolg beim Bedenken und der Auswahl, guten Aufstieg,
klare Himmel und Top-Bedingungen wünscht
Matthias.
Edit: noch etwas ergänzt und präzisiert.
PS: Huch, jetzt habe ich gerade mal in den aktuellen Angeboten gestöbert, und interessantes entdeckt: im folgenden Beitrag von mir werde ich da noch etwas richtigstellen müssen.