Kontrastdurchmesser und soweiter
Hallo Thomas,
bezogen auf die primäre, durch den Fangspiegel abgeschattete lichtsammelnde Fläche hast Du Recht. Da das aber nur für stellare Objekte gilt, ist der Wert etwas akademisch. Aber gut, wo wir gerade beim Photonenzählen und Rechnen sind:
zur Fläche:
A(Kreis)=r² x pi = 65²mm² x 3,14= 13300 mm² (3 gültige Stellen)
Wir subtrahieren die Obstruktion O=24,5²mm² x 3,14=1890 mm² und erhalten A-O=11410mm².
Wir subtahieren weiter die Abschattung durch die 3 Streben von je (130mm-49mm):2=40,5mm Länge, mal 3mm mal 3 (Strebenanzahl) und erhalten die zusätzliche Abschattungsfläche 365mm² und kommen auf die abschattungsfreie Restfläche von R=11045 mm².
Nun hat ein Refraktor gewöhnlich einen Zenitspiegel, dessen Verluste wir mal mit dem Fangspiegel des Newtons gleichsetzten wollen. Bleibt der Unterschied zwischen Verlusten im Objektiv des Refraktors, vielleicht 3% und den Verlusten des aluminisierten Hauptspiegels, typischerweise 11%. Also müssen wir noch 8% an zusätzlichem Photonenverlust miteinrechnen:
Photonenwirksame Fläche P=Rx0,92=10160 mm². Dies entspräche einem Refraktor mit einem Öffnungsradius von
Wurzel(P

i)=57 mm. Oder der Durchmesser wäre so um 114 mm.
Soweit zur Fläche, die für die stellare Grenzgröße maßgeblich ist. (Ich gehe dabei auch davon aus, was eventuell unzulässig ist, daß die sphärische Aberration und andere Fehler der verbauten Optikbestandteile nicht stärker auf die Abbildung einwirken, als Fehler typischer Refraktoren.) Nun schaut aber nicht jeder Sterne oder Doppelsterne.
Für flächige Objekte wie Planeten, Mond, Sonne, Nebel, Galaxien und auch teilweise Kugelhaufen (also die allermeisten typischen Objekte!!) zählt mehr der Kontrastdurchmesser. Der berechnet sich wie bereits angeführt linear. Schau Dir doch mal mit Deinem Gerät ein solches Objekt an und vergrößere dann die Obstruktion auf linear 37 Prozent (Bierdeckel auf Fangspiegel). Wenn du voll dunkeladaptiert bist, wirst Du eine starke Verschlechterung der Abbildung feststellen. Da wurde und wird auch drüber diskutiert, ob denn 20% wirklich viel ausmachen oder nicht. Ab 30% gibt es eigentlich nur Kopfschütteln für visuelle Beobachtung. Wenn Du nicht voll dunkeladaptiert bist, oder sogar Tagbeobachtung vorhast, macht die Obstruktion in der AP immer mehr aus, da geht bald gar nix mehr. Wenn Du da richtig einsteigen willst in die Theorie, mußt Du Dich mit Kontrastübertragungsfunktion, Ortsfrequenzen und dergleichen befassen. Ich steige da gerade langsam ein, da müßten andere helfen, da würde ich am liebsten auf den gerade laufenden Thread (im Optikforum glaubich) verweisen, hier ist wohl nicht der richtige Ort dazu.
Sicher ist wohl: die Freunde unabgeschatteter Optiken freuen sich ihrer Obstruktionslosigkeit und DS-Newtonianer freuen sich ihrer beträchtlichen Öffnungen bei akzeptablen Abschattungen. Das angesprochene Gerät hat so besehen beidseits wenig Ambitionen in den genannten Lagern gut anzukommen.
Wünsche trotzdem gute Abbildung und natürlich klare Himmel und Top-Bedingungen,
Matthias.