Zitat von maraciek:
wenn es heisst: das teleskop ist schwer justierbar dann heisst es doch nicht, dass es unmöglich ist.....
Hi!
Im Prinzip kann man alles justieren, allerdings ist die Frage, ob man dafür genug Zeit hat. Zwei Dinge können einem da das Leben zur Hölle machen:
1.) Die Mechanik, wenn die Justierung nicht erhalten bleibt.
2.) Die nötige Präzision. Bei einer Teleskopoptik bewirkt eine Zehntelsdrehung einer Schraube schon eine ganze Menge. So ein Kat-Newton wie der BigBoss stellt hohe Ansprüche an die Justierung und kombiniert das mit einem Gesamtpreis, für den man ein besseres Okular kriegt. Bei dem, was ich bislang an Kat-Newtons ähnlicher Preisklasse gesehen habe, wollte ich mir die Justierung nicht antun - alleine der Okularauszug hatte mehr Spiel, als bei der Justiererei sinnvoll wäre.
Dazu kommt noch, dass sich ein Kat-Newton zwar billig herstellen lässt, aber eigentlich sehr hohe Ansprüche an die Herstellung stellt.
(Allerdings verdamme ich nicht alle katadioptrischen Systeme: Schmidt- und Maksutov-Cassegrains sind auch katadioptrisch, funktionieren im Gegensatz dazu aber und sind deutlich pflegeleichter.)
Zitat von maraciek:
korrigiert nicht die barlowähnliche linse(oder linsensystem)nicht den spiegelfehler der bei solchen spiegeln auftritt?
Eine Barlowlinse verlängert zuallererst mal die Brennweite, der eigentliche Anwendungszweck ist es, mit einem Okular zwei Vergrößerungen zu erzielen und bei hohen Vergrößerungen ein bequemeres Einblickverhalten zu haben als mit einem kurzbrennweitigen Okular.
Die im Kat-Newton eingebaute Linse sollte die Spiegelfehler ausgleichen - was nur bedingt möglich ist und auch nur dann, wenn Spiegel und Linse perfekt aufeinander abgestimmt sind, auch was die Lage angeht. Und das ist der Bereich, wo das Budget Grenzen setzt. Theoretisch könnte es funktionieren, praktisch kenn ich kein System, bei dem das jemanden zufrieden stellt, der gute Geräte kennt.
Zitat von maraciek:
sind nicht vllt doch gute bilder mit diesem teleskop möglich? kann ich damit den saturn deutlich sehen? ist vllt schon zu viel verlangt, aber: kann ich dann zb beim saturn meine kleine leichte webcam dranhalten/anbringen?...ich denke wenn diese teile verkauft werden(da sonst nicht im sortiment), dann werden damit auch ein paar sachen gehen...dass es nicht ein hochleistungsgerät ist, ist mir auch klar...
Irgendwas geht mit dem Teleskop schon, Mond, Jupitermonde und eventuell Saturnringe gehen schließlich schon im Fernglas :/
Wenn die Justierung mal stimmt und einige Zeit lang hält und wenn die Montierung nicht zusammenbricht, dann ist das Bild wahrscheinlich schon ganz nett. Nur stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht, da es für nur unwesentlich mehr Geld Geräte gibt, die pflegeleichter sind, weniger Frust bereiten und bessere Bilder liefern.
Das ist das Kernproblem, warum hier viele billige Kaufhausteleskope nicht mal mit ner Kneifzange anfassen: Mit den Dingern geht zwar schon einiges (Galilei wäre froh darüber gewesen), aber um die Geräte nutzen zu können, ist oft viel Zeit und Geschick nötig. Geh mal davon aus, dass Du sagen wir zwei Wochenenden mit deinem Teleskop und Besuchen im Baumarkt verbringst, bis Du es einigermaßen einsetzen kannst. Dann bist Du
1.) gefrustet, weil es solange dauert und am Anfang das Erfolgserlebnis ausbleibt
2.) inclusive Materialien und Arbeitszeit den Aufpreis zu einem brauchbaren Gerät los
3.) am Anfang eines Tiefdruckgebiets, weil Du dir Schön-Wetter-Periode mit Basteln verbracht hast.
Es heißt nicht umsonst, wer billig kauft, kauft zweimal.
Es ist heute zum Glück nicht mehr nötig, unter ähnlich miesen Bedingungen wie Galilei zu arbeiten oder sich den Einstieg unnötig schwer zu machen.
Und damit so ein Kat-Newton dieser Preisklasse (ich rede jetzt nicht speziell von Seben, sondern vom Mittelwert von allem, was ich bislang an Kat-Newtons gesehen habe, der BigBoss passt aber wohl gut in die Reihe - kommt eh alles vom selben Band in China) wirklich zufriedenstellen ist, steht viel Arbeit an:
1.) vernünftige Justiermöglichkeit, um Korrektorlinse und Spiegel wirklich gut einstellen zu können.
2.) wahrscheinlich ein besserer Okularauszug
3.) dünnere und gleichzeitig stabilere Fangspiegelstreben
4.) Neues, standfestes Stativ
5.) neue Montierung
6.) Parabol- statt Kugelspiegel, den dann am besten mit längerer echter Brennweite, damit die seltsame Korrektorlinse weg kann
7.) damit zwangsweise ein neuer Tubus und ein kleinerer Fangspiegel
8.) vom ursprünglichen Teleskop sind jetzt noch ein paar Schrauben und die Okulare übrig
Das ist jetzt vielleicht ein bissel überspitzt, aber nicht ganz so daneben. Auf der Sternwarte hatten wir mal überlegt, aus einem Newton dieser Preisklasse (kein Kat-Newton, sondern ein richtiger, bei dem nur die Mechanik das Problem war, die Optik war sogar halbwegs okay) eine Spendenkasse zu machen. Stattdessen haben wir ihn zum Ausschlachten verschenkt.
Aber die Frage "Schraubst Du noch oder guckst Du schon?" stellt sich bei viel zu vielen Billig-Teleskopen schon. Nur, wenn das Hobby Basteln ist und nicht Beobachten, würde mich so was reizen. Aber dann würde ich lieber zum Newton von Astromedia greifen, die haben einen aus Karton im Angebot. Glasspiegel, Plastiklinsen und das ganze für unter 20 Euro - Preis-Leistung stimmen, und das Gerät ist gar nicht mal so schlecht, nach allem was ich so gelesen hab.
So, jetzt hab ich erst mal genug abgelästert
Gruß,
Alex