Hallo Christian,
das Thema Erdbeobachtung lässt sich nur sehr begrenzt mit dem Kauf eine astronomischen Teleskops verbinden. Es ist sicher richtig, sich das in seinen verschiedenen Facetten vor Augen zu führen.
Nehmen wir einmal das Spektiv an sich. Hier finden wir grundsätzliche Anforderungen:
- Kurze Bauweise, leicht, handlich
- Auslegung für einen Vergrößerungsbereich eher unter 50x als unter 100x.
- Bildumkehr, aufrecht und seitenrichtig.
Daraus ergibt sich, dass ein Spektiv schon mit einem achromatischen Objektiv gut funktionieren kann, dass es eine eher kleine Öffnung haben darf und dass es sich kaum mit einer Spiegeloptik realisieren lässt, denn Cassegrain-Varianten bekommen viel Obstruktion, wenn viel Feld und eine relativ kurze Brennweite gewünscht sind. Außerdem wird es schwieriger, sie gegen seitliches Störlicht abzuschirmen. Cassegrains werden eben leicht tagblind. Bei Newtons stört die Bildumkehr und mehr noch die Einblickposition und der nötige Backfokus für eine Bildumkehr bedeutet eine immer merkwürdigere Bauform.
Ein eindeutiger Pluspunkt für ein Spektiv ist ein ED Objektiv. Das eröffnet zwar auch höhere Vergrößerungsbereiche, aber eher wenige Produkte liefern die so, dass Sternfreunde damit zufrieden sind. Die Umkehrprismen kosten Backfokus und als Sternfreund möchte man sie ohnehin gern vermeiden. Hinzu kommt, dass viele Produkte keine astronomisch normale Okularaufnahme, ja sogar ein fest verbautes Zoom-Okular haben.
Demgegenüber lässt sich natürlich überlegen, wie weit mit astronomisch ausgelegten Teleskopen Tagbeobachtung machbar ist. Hier stellt sich heraus, dass das im Prinzip mit beinah jedem astronomischen Teleskop funktioniert. Allerdings sind Einschränkungen zu beachten:
- Vergrößerung: Ein 70/700 mit dem typischen 1,25" Auszug, lässt sich nicht unter 17,5x bringen und hat da schon Tunnelblick. Unabhängig von der Öffnung ist also die nutzbare Vergrößerung bei astronomischen Teleskopen oft nach unten hin begrenzt. Recht extrem kann einem das bei den typischen Mak-Cassegrains mit f/14 begegnen.
- Tagblindheit: Wie oben schon erwähnt, kann es bei so manchem astronomischen Teleskop zu einem ungewollten Lichteinfall kommen. Der stört zwar auch Nachts und unter Umständen erheblich, aber scheinbar kommen in der Praxis viele Sternfreunde damit klar.
- Backfokus: Der reicht oft nicht für eine Bildumkehr, besonders bei Newtons. Aber auch kleine Refraktoren sind betroffen, insbesondere wenn für eine niedrige Vergrößerung 2" Equipment gewünscht ist.
Beim Verkauf sollte also das Thema Erdbeobachtung eigentlich keine Rolle spielen - obwohl, man hat schon manches gesehen...
Was den Balkon angeht: Die beschriebene Einschränkung gilt für einen Balkon mit Dach. Das sollte man bedenken, wenn es auf einen selbst zutrifft. Ein Balkon mit Dach wird aber meist schon vom Fragesteller intuitiv als sehr einschränkend empfunden und das Teleskop kommt dann in den Hof.
Die Frage ist dabei letztendlich ganz allein, ob man sich wegen des derart eingeschränkten Balkons mit all seinen Problemen, nämlich Platz, Störlicht, Seeing durch das Haus, Fenster, Nachbarn, etc, wirklich einen relativ teuren Refraktor mit effektiv geringerem Leistungspotenzial hinstellt, nur um den am Ende besser verkaufen zu können, wenn das teure Gerät am schlechten Standort nichts bringt. Da ist es doch einfacher, sich die Okulare und einen faltbaren Dreibein-Hocker in den Rucksack zu stecken, und Rockerbox an der einen, Tubus an der anderen Hand mit 150/1200 als Dobson in den Hof zu wandern. Das Seeing ist da allemal besser.
Zur Tubusrotation vom Newton gab es ja schon zu lesen. Aber was beim Refraktor auch sehr nervig sein kann, ist die Zenitbeobachtung. Da freut man sich beim Newton schon über die Sucherposition und bei einem langen Refraktor weiß man nicht, ob man für den perfekten Einblick im Liegen noch ein Feldbett hernehmen kann, oder ob eine Isomatte mit Kopfkissen genehmer ist. Wenn es danach geht, haben Cassegrains mit ihrer kurzen Bauweise noch die geringste Änderung der Einblickposition.
Aber trotz allem zurück zu Deinem letzten Statement: Ja! Es geht um maximal solide ausgeführte Öffnung für's Geld, weil nämlich das Budget bei den üblichen Anfragen praktisch immer so begrenzt ist, dass man in diesem Rahmen einfach nur mit einem solide ausgelegten Newton auf eine angenehme Leistungsbandbreite kommt. Für das Geld für einen 150/1200 Dobson bekomme ich 90 bis 100mm achromatische Refraktoröffnung auf zu schwacher Montierung und noch dazu mit zu wenig Brennweite. Da kann ich an 150x für Planetenbeobachtung nur kratzen und Öffnung für Deepsky ist knapp. Mit 150/1200 kann ich mindestens bis 200x gehen und ich muss bezüglich Deepsky nur auf Widefield verzichten (was mit 120/1000 auch nicht geht).
Eine echte Konkurrenz für einen soliden 150/1200 ist eigentlich nur ein 120mm ED Refraktor oder bezüglich Größe ein 150mm Mak oder SC, bzw. dann auch ein 150/900 bis 150/750 Newton. Der 120/1000 Achromat singt in dieser Leistungsklasse nur recht kläglich mit. Da braucht man dann einfach nur die Preise zu vergleichen.
Natürlich gibt es auch den Sternfreund, der den Refraktor will. Gerne, wenn es ein Herzenzwunsch ist, oder sich durch besondere Umstände wie unbedingt notwendige Beobachtung am Dachfenster rechtfertigen lässt. Wenn aber die Anforderungen so speziell werden - naja, ich hatte schon eine Lanze für den 90/900 ED gebrochen, für dessen Restbestände aktuell zwar wieder lächerliche Preise aufgerufen werden, der aber ganz offensichtlich in einem konkurrenzfähigen Preisrahmen möglich war. Über so ein Gerät als Alternative zum Newton denke ich gerne nach!
Clear Skies
Sven
@Feldhörnchen mal noch ein Nachtrag: Mach doch einfach etwas Webrecherche, wenn Du mal beim Schreiben auf Dinge stößt, wo Du selbst in der Sache unsicher bist. Wird Dich und andere voran bringen. Einfach den Text in Wordpad umkopieren und nach Wikipedia, etc. zu Ende bringen.