Hallo Kay,
> Da ich öfter aus dem heimischen Garten beobachte ...
da vermutlich die wenigsten hier im Forum Deinen Garten kennen <img src="/phpapps/ubbthreads/images/icons/wink.gif" alt="" />, weiß wohl außer Dir auch keiner, wie dunkel es da wirklich ist. Tharandt liegt ja nicht im Schwarzwald, auch nicht im Zittauer Gebirge und so vermute ich, einen Alpenhimmel hast Du nicht. Wenn Du in der Regel mit stärkerer Himmelsaufhellung zu kämpfen hast, dann würde ich mir kein zu lichtstarkes Fernglas suchen. Also ein 7x50, 8x56 oder 11x80 ist nicht die beste Lösung, hier ist der Himmelshintergrund zu stark aufgehellt.
> Da ich mit meinen Dobson schon genug schleppe ...
Willst Du das Fernglas vorwiegend als Ergänzung zum Dobson oder anstelle desselben nutzen, weil dieser so schwer ist? Ich nehme erstmal an, Du suchst ein schönes Fernglas als Ergänzung. Da Dir der Dobson die meisten Deep-Sky Objekte ohnehin besser zeigt wie ein Fernglas, ist ein 20x60 wohl nicht die Lösung. Daher würde ich das Fernglas dort ansiedeln, wo es den Dobson aussticht. Das heißt konkret: bei großflächigen Gasnebeln, großen offenen Sternhaufen und der Pracht der Sommermilchstraße. Und hier würde ich mir etwas suchen, was den Himmelshintergrund unter Deinen konkreten Beobachtungsbedingungen einigermaßen abdunkelt und dabei ein möglichst großes Sehfeld zeigt.
Zu dem Zweck könnte man sich ein 7x42, 8x42, 10x42 oder 10x50 anschauen. In der Vergrößerung würde ich nicht höher gehen. Auf Dauer ist das bei zunehmender Vergrößerung immer deutlicher wahrnehmbare Zittern lästig. Ob Du die 6mm große Austrittspupille eines 7x42 mit Genuß nutzen kannst, weiß ich leider nicht. Da ich ebenfalls in der "Nähe" von Dresden wohne, kenne ich den Störenfried sehr gut. Meist fahre ich an einen Platz, der etwa 35km vom Stadtrand entfernt ist. Dort ist es dunkel genug, um mit einem 7x42 etwas Spaß zu haben. Das Problem ist nur, ein gutes 7x42 mit großem Sehfeld (wenigstens 140m/1000m) kostet richtig Geld. Ein 8x42 in weitwinkliger Ausführung ist schon eher für günstige Preise zu bekommen. Bei Nikon oder Minolta gibt es schöne 8x40 / 8x42 Porro-Gläser mit den typischen 143m/1000m Sehfeld und echten Weitwinkelokularen. Das macht etwa 8,2 Grad am Himmel und ein scheinbares Sehfeld von ca. 65 Grad. Weitwinkelokulare sollten schon sein und das geht bei 60 Grad scheinbarem Sehfeld los. Mit einer 5 oder 5,25mm großen Austrittspupille wird der Himmelshintergrund in der Helligkeit schon etwas gedrückt, wodurch das Bild einfach schöner ausschaut. Die Sommermilchstraße mit einer Unmenge glitzernder Lichtpunkte auf dunklem Hintergrund und das bei weitem Sehfeld ist durch nichts zu toppen! Dafür käme auch ein 10x50 oder 10x42 infrage. Mit dem 10x42 und 4,2mm Austrittspupille ist der Himmelshintergrund in Deinem Garten möglicherweise noch einen Tick dunkler. Aber auch hier würde ich schauen, daß ich ein möglichst weitwinkliges Exemplar bekomme. Bei 10-facher Vergrößerung sollten wenigstens 105m/1000m Sehfeld drin sein, ansonsten geht es wieder in Richtung Tunnelblick und das reduziert den Spaß an der Freude.
Was nun das beste Fernglas für Dich ist, das mußt Du allein rausfinden. Ein 7- oder 8-faches Exemplar vereint meist ein großes Sehfeld mit einem freihändig gut nutzbaren, ruhigen Bild. Man kann so länger und angenehmer beobachten. Bei 10-fach ist für mich die Grenze für Freihandnutzung erreicht. Hast Du einen dunklen Himmel, wo die Milchstraße im Sommer mit gutem Kontrast bis in Horizontnähe sichtbar ist, dann sollten 6 oder 7mm Austrittspupille gut nutzbar sein. Je schlechter die Bedingungen und je heller der Himmelshintergrund ist, desto eher würde ich mir ein Fernglas mit kleinerer Austrittspupille suchen. Also entweder ein 8x42, 10x50 oder eben ein 10x42. Aber nicht vergessen, das Fernglas sollte auch eine kontrastreiche Optik haben. Mit einem Minolta Activa oder einem Nikon Action könntest Du glücklich werden. Da ich kein Öffnungsfanatiker bin und ein ästhetisches Bild mit den berühmten Nadelpunkten auf schwarzem Samt vorziehe, beobachte ich öfter mal mit einem 8x30 oder 10x35. Das 7x42 wandert meist nur dann in den Astrokoffer, wenn ein dunkler Himmel mit klarer Sicht zu erwarten ist. Ansonsten verrichtet noch immer das alte Zeiss Jena 10x50 die besten Dienste ...
Frank.