Ehemaliges Mitglied 77903
Liebe Sternfreunde,
immer mehr Leute halten drehbare Sternkarten für überholt, weil moderne Astrosoftware viel umfassender und präziser sei. Das mag schon sein, geht aber am Problem vorbei. Ich teile die selbstgefundene Antwort mit auf eine astronomische Frage, die mich seit 20 Jahren beschäftigt. Präzise Theorien melden:
FÄ GAST DatGASTnächst
2009MRZ20 11h43 UT 11h50m38,5s MRZ22
2010MRZ20 17h30 UT 11h49m41,3s MRZ23
2011MRZ20 23h20 UT 11h48m44,1s MRZ23
2012MRZ20 05h14 UT 11h51m43,3s MRZ22
(FÄ = Frühlingsäquinoktium; GAST = Greenwich Apparent Sidereal Time, Meridian London 00h UT oder MOZ London; DatGASTnächst = der UT-Tagesbeginn, an dem GAST in größter Nähe zu 12h steht; GAST inkrementiert jeden Tag um 00h04m oder 01m pro Vierteltag)
FRAGE: Warum erreicht GAST erst 2 bis 3 Tage nach dem Termin des FÄ 12h?
Die Ephemeride meldet das Phänomen der wahren Sonne FÄ am 2010MRZ20 um 17h30 UT, d.h. in einem mittleren Zeitsystem. GAST ist ein Stundenwinkel des Frühlingspunkts, eine Aussage über den Drehungszustand der Erde vor den Sternen, die mit der ungleichförmigen scheinbaren Bewegung der Sonne in der Ekliptik nichts zu tun hat. Der Winkel wird für 00h UT gemeldet. UT unterstellt eine mittlere Sonne. Die wahre Sonne läuft der mittleren am MRZ20 8 Minuten voraus. Vorauslaufen heißt später durch den Meridian gehen: WOZ = MOZ-8m. 8 Minuten Sternzeitinkrement entsprechen 2 Tagen. Die fragliche Differenz wird von der Zeitgleichung verursacht. Bei den anderen Hauptstellungen der Sonne gibt es ähnliche Abweichungen: Mit entgegengesetztem Vorzeichen und etwas geringerem Betrag beim HÄ, geringfügig auch beim SS und WS.
Im Gegensatz zur üblichen Astrosoftware zeigt mir meine selbst gebaute drehbare Sternkarte, wenn ich sie auf Sternzeit 12h einstelle, um den MRZ20 herum eine Datumsdifferenz von zwei Tagen (rot markierter Kreis) und ich ahne obigen Zusammenhang. Moderne Astrosoftware blendet Rahmenparameter und Tatsachen, die die gesamte Himmelsbewegung betreffen, aus, oftmals ist kein Himmelspol im Bild, Sternzeit und Kalendarien werden nicht angezeigt, die Projektionen ändern sich je nach Vergrößerung. Ich hätte einer Astrosoftware den Zusammenhang nur entnehmen können, wenn ich ihn schon kenne und gezielt die einschlägigen Daten abfrage. Das analoge Veranschaulichungsmittel drehbare Sternkarte ist viel effizienter als eine Astrosoftware, um himmelsgeometrischen Zusammenhängen wie dem geschilderten auf die Spur zu kommen.
Mit freundlichen Grüßen, RM 2022FEB12
immer mehr Leute halten drehbare Sternkarten für überholt, weil moderne Astrosoftware viel umfassender und präziser sei. Das mag schon sein, geht aber am Problem vorbei. Ich teile die selbstgefundene Antwort mit auf eine astronomische Frage, die mich seit 20 Jahren beschäftigt. Präzise Theorien melden:
FÄ GAST DatGASTnächst
2009MRZ20 11h43 UT 11h50m38,5s MRZ22
2010MRZ20 17h30 UT 11h49m41,3s MRZ23
2011MRZ20 23h20 UT 11h48m44,1s MRZ23
2012MRZ20 05h14 UT 11h51m43,3s MRZ22
(FÄ = Frühlingsäquinoktium; GAST = Greenwich Apparent Sidereal Time, Meridian London 00h UT oder MOZ London; DatGASTnächst = der UT-Tagesbeginn, an dem GAST in größter Nähe zu 12h steht; GAST inkrementiert jeden Tag um 00h04m oder 01m pro Vierteltag)
FRAGE: Warum erreicht GAST erst 2 bis 3 Tage nach dem Termin des FÄ 12h?
Die Ephemeride meldet das Phänomen der wahren Sonne FÄ am 2010MRZ20 um 17h30 UT, d.h. in einem mittleren Zeitsystem. GAST ist ein Stundenwinkel des Frühlingspunkts, eine Aussage über den Drehungszustand der Erde vor den Sternen, die mit der ungleichförmigen scheinbaren Bewegung der Sonne in der Ekliptik nichts zu tun hat. Der Winkel wird für 00h UT gemeldet. UT unterstellt eine mittlere Sonne. Die wahre Sonne läuft der mittleren am MRZ20 8 Minuten voraus. Vorauslaufen heißt später durch den Meridian gehen: WOZ = MOZ-8m. 8 Minuten Sternzeitinkrement entsprechen 2 Tagen. Die fragliche Differenz wird von der Zeitgleichung verursacht. Bei den anderen Hauptstellungen der Sonne gibt es ähnliche Abweichungen: Mit entgegengesetztem Vorzeichen und etwas geringerem Betrag beim HÄ, geringfügig auch beim SS und WS.
Im Gegensatz zur üblichen Astrosoftware zeigt mir meine selbst gebaute drehbare Sternkarte, wenn ich sie auf Sternzeit 12h einstelle, um den MRZ20 herum eine Datumsdifferenz von zwei Tagen (rot markierter Kreis) und ich ahne obigen Zusammenhang. Moderne Astrosoftware blendet Rahmenparameter und Tatsachen, die die gesamte Himmelsbewegung betreffen, aus, oftmals ist kein Himmelspol im Bild, Sternzeit und Kalendarien werden nicht angezeigt, die Projektionen ändern sich je nach Vergrößerung. Ich hätte einer Astrosoftware den Zusammenhang nur entnehmen können, wenn ich ihn schon kenne und gezielt die einschlägigen Daten abfrage. Das analoge Veranschaulichungsmittel drehbare Sternkarte ist viel effizienter als eine Astrosoftware, um himmelsgeometrischen Zusammenhängen wie dem geschilderten auf die Spur zu kommen.
Mit freundlichen Grüßen, RM 2022FEB12