Hallo,
meine Erfahrung mit verschiedenen Suchern werfe ich gerne noch dazu.
Zunächst, es liegt wohl auch stark daran wann man mit was angefangen hat. Ich kenne Leute die seit 30 Jahren mit optischen Suchern arbeiten und gut zurecht kommen, denen will ich auch gar nicht reinreden. Vom Konzept her sind Peiler aber meiner Meinung nach intuitiver zu bedienen und ein Übersichtsokular ersetzt sie in praktisch jedem Fall.
Fall 1: Hellste Objekte - ist der Peiler (egal ob Punkt oder Kreise) korrekt ausgerichtet kann man Planeten, helle Sterne oder direkt sichtbare Objekte auch mit hoher Vergrößerung anpeilen.
Fall 2: Helle Objekte - Sprich: die meisten Messiers. Mit wenigen Ausnahmen bildet man im Kopf geometrische Figuren zwischen zwei oder mehr Sternen und dem Objekt, meist Dreiecke, Geraden oder Trapeze. Dann ist das Objekt in der Übersichtsvergrößerung entweder sofort sichtbar oder aber durch minimales Schwenken des Gesichtsfelds (wiederum Übersichtsokular)
Fall 3: Schwache Objekte. Hier kreuzen sich die Wege zwischen optischem Sucher und Peiler. Auch hier gehe ich immer so vor, dass ich anhand von geometrischen Figuren am Himmel das Zielgebiet einstelle. Mit einer guten (!) Karte lässt sich das Sternfeld im Übersichtsokular gut identifizieren und dann hat man entweder bereits die gewünschte Region im Blick und wechselt das Okular oder aber hangelt sich anhand der Karte zum Objekt vor (dann auch schon mit höherer Vergrößerung), das funktioniert mit optischem Sucher ähnlich, nur dass ich da immer das Problem hatte und habe: Wo genau guckt das Teleskop jetzt hin? Ich sehe Sterne die ich erstmal identifizieren muss, mit dem Peiler weiss ich: aaah genau 1° neben Stern XY.. siehe Karte.
Zum Thema fehlende Feldsterne beim Peilen:
Natürlich gibt es Standorte wo man schwache Sterne die einen schnell ans Ziel bringen nicht sieht, das berührt aber nicht das großflächige Anpeilen mit Telrad und Co. ich spreche hier ja nicht von 5-6m Sternen die man anpeilt sondern bspw. Dreiecken oder Strecken die man mit Hauptsternen der Sternbilder bildet. Zum Beispiel Messier 3 - da ist es arg dünn, aber eigentlich überhaupt kein Problem: Auf halber Strecke zwischen Cor Caroli und Arkturus, da besteht kaum Sorge, dass DIE mal nicht zu sehen sind

Ist ein großer Bereich den man da bei der Peilung miteinbezieht aber das ist irrelevant, bringt man den Punkt oder die Kreise mit der Karte in Deckung kann man den auch mit 50 bis 100 fach anpeilen - auch aus der Stadt.
Fotografie ist ein eigenes Thema, stelle ich mir dann durchaus nerviger vor, da würde ich sogar bei der Zeit die man in ganz andere Sachen investieren muss sogar sagen: Goto ist hier eine adäquate Unterstützung um die Nacht zu nutzen.
Selbst nutze ich nur noch tiefere A3 Karten. Dazu habe ich mir eine Schablone mit den Gesichtsfeldern meiner Okular/Teleskop-Kombinationen gemacht (alles laminiert), damit kann man ganz hervorragend auch über viele Gesichtsfelder hinweg einen "Starhop" machen und findet sein Ziel
Übrigens: Den Telrad finde ich toll und nutze ihn auch, aber bei der Technik der geometrischen Figuren am Himmel halte ich ihn sogar für entbehrlich, habe jahrelang nur mit einem Baader Skysurfer III gearbeitet und das ging genauso fix.
P.S.: Irgendwann muss mir mal einer erklären wozu Winkelsucher propagiert werden, der Einblick ist ergonomischer aber ich seh ja dann GAR nicht mehr wo das Teleskop hinblickt...
CS und Grüße
Benny