Hallo Christopher,
nochmal was generelles:
Ich glaube es besteht ein tiefgehendes Missverständnis zwischen dem, was Du beobachtest und wie Du es interpretierst. Nämlich der Unterschied zwischen Detektion und Auflösung. Der trivialste Fall einer Detektion ist ein Stern selbst. Den kann man mit unseren Teleskopen nicht auflösen, also keine Oberflächendetails wie Sonnenflecken beobachten. Aber das Teleskop erzeugt ein Beugungsbild des Sterns. Mathematisch ist das die Point Spread Function PSF, als Abbild des Sterns. Das gesamte Bild z.B eines Planeten ist dann mathematisch gesehen die Faltung (eng. convolution) mit dieser PSF. Und damit wird sofort klar, dass keine Strukturen im Bild kleiner als die Ausdehnung der PSF sein können. Das Bild von Willis Mond zeigt diese Faltung im Vergleich zum WinJupos-Bild.
Eine Faltung macht das Bild immer unschärfer als das Original. Ein Entfaltung (deconvolution) macht die Bilder schärfer. Das gelingt aber nur zum Teil und erhöht das Rauschen, weil die Faltung das Rauschen mindert.
Anschaulich: Wenn wir eine Sternenkette in einer Reihe zusammenschieben, dass sie nicht mehr aufgelöst werden können, erhalten wir einen Lichtschlauch von der Dicke der PSF, obwohl die Sternenkette selbst "unendlich" dünn ist. Umgekehrt ist das auch möglich. Wenn wir ein Loch haben, dreht sich die PSF um, mit der Folge, dass das Loch die gleiche Ausdehnung hat, wie ein Stern, aber schwarz statt weiß. Was für den Lichtschlauch gilt, gilt dann auch für den dunklen Schlauch. Zum Beispiel die Encke-Teilung am Saturnring. Die Encke-Teilung hat eine Breite, die der PSF entspricht. Das ist das direkte Ergebnis der Faltung.
Beim Doppelstern ist es etwas anders. Da hat man zwei isolierte PSF, die so nahe zusammen liegen, dass sie sich überlappen und beide Sterne eiförmig erscheinen lassen oder manchmal auch noch gerade getrennt werden können. Aber das Loch zwischen beiden ist ja keine Struktur, es ist nur Dunkelheit, die für den Kontrast sorgt.
Gruß,
Peter
Um nochmal auf Mike Ganymed zu sprechen zu kommen. Die Struktur, die er da herein interpretiert und mit dem WinJupos-Bild vergleicht, gleicht in etwa der Sternenkette. Das heißt, sie muss mindestens so breit sein, wie die PSF. Und da sprechen wir noch nicht über den Seeing-Einfluß und das Rauschen. Wie groß die PSF ist, erkennt man an Willis Ganymed.