Hallo Claus,
Das Massensprektrum stimmt nicht, d.h. sie kann die Massen der Elektronen, Müonen, Taus, der Neutrinos etc. nicht korrekt reproduzieren. Sie ist somit falsifiziert. Ich sagte oben, dass man nichts beweisen kann. Falsifizieren jedoch ist möglich. Ich verweise auf Karl Popper, dem Philosophen. Der hat dieses Thema ausgearbeitet.
Es gibt eben nicht das Massenspektrum aus der Stringtheorie, sondern prinzipiell viele verschiedene aufgrund der vielen unterschiedlichen Kompaktifizierungen der Extradimensionen. Siehe z.B. das Paper, das Mark verlinkt hat. Ich weiß also leider nicht, auf welcher Grundlage du deine Aussage stützt.
Wenn du geschrieben hast, dass man "nichts beweisen kann", dann trifft das ja auf alle naturwissenschaftliche Theorien (laut Popper) zu. Daher kann das auch kein Vorwurf an die Stringtheorie sein.
Er ist außerdem ein brillanter Spekulant, denn es gibt keinerlei experimentelle Hinweise auf eine innere Struktur der Elementarteilchen - auch nicht mit den größten Beschleunigern. Er postulierte das einfach, weil es sich rechnen lässt und sexy ist. Außerdem erscheint es logisch, die dem Punkt nächst einfachere Geometrie zu verwenden, das ist eben die Linie. Lässt man sie vibrieren hat die Linie Energie und somit Masse (E=mc^2).
Die Geschichte der Stringtheorie geht eigentlich anders. Veneziano hatte eine Formel für die Streuamplitude für stark wechselwirkende Mesonen aufgestellt und Susskind hatte sich gefragt, welche Struktur Objekte haben müssten, um diese Steuamplitude zu reproduzieren. Die Antwort waren Strings, weswegen man begonnen hatte, Strings grundsätzlich mal genauer auf QFT-Sicht anzuschauen. Interessant ist es dann geworden, als Stringtheorie gezwungenermaßen ein masseloses Spin-2-Teilchen vorhergesagt hat, was man als Graviton interpretiert.
Da seine Theorie die bekannten Massenwerte der Elementarteilchen nicht beschreiben kann, ist sie kein Teil der Physik.
Das stimmt nach gegenwärtigem Forschungsstand einfach nicht.
Es ist doch wie Wirecard, alle haben daran geglaubt - war ja eine tolle Idee -, nur gab es keinen schnellen Gewinn.
Wenn du Wirecard-Aktien im Portfolio hattest, tut es mir leid.

Besser einfach passiv investieren. Wo aber die Parallele zwischen Wirecard und Stringtheorie sein soll, erschließt sich mir nicht. Im Gegenteil, "schneller Gewinn" interpretiert als "schnelle experimentelle Bestätigung" ist in der Wissenschaft kein Maßstab: Das Higgs-Teilchen wurde 50 Jahre nach Postulierung gefunden, die Gravitationswellen 100 Jahre später nachgewiesen.
Die Inflation der Dimensionen war ein Versuch das zu retten, aber bitteschön, hier gilt der Ausspruch: Ich fitte dir einen Elefanten, hat die Theorie nur genügend Parameter.
Du bringst leider sehr viel durcheinander. Wo hast du das her? Die zusätzlichen Raumdimensionen (in der Superstringtheorie D=10 Raumzeitdimensionen) sind alles andere als Willkür, sondern ergeben sich aus der mathematischen Konsistenz der Stringtheorie. Bei der Quantisierung von Strings muss nämlich sichergestellt werden, dass die Theorie nachher Poincaré-invariant bleibt, was genau dann der Fall ist, wenn (D-10)*Term = 0, oder D=10.
Wenns in 4D nicht klappt, dann vielleicht in 5D, dann in 6D oder warum nicht 24D, wo doch einige Dinge etwas besser passen.
Wie gerade erklärt, die Anzahl der Raumdimensionen ist in Stringtheorie nicht willkürlich. (Übrigens im Gegensatz zu Quantenfeldtheorie, da kann ich Punktteilchen in beliebigen Raumdimensionen betrachten.)
Dass QM überhaupt noch auf so kleine Dimensionen anwendbar ist, ist ebenfalls eine Annahme.
Eine Annahme, die bisher bestens funktioniert. Annahmen müssen nun mal gemacht werden. Man kann auch in Frage stellen, dass unsere bekannten Naturgesetze überall im Universum gelten. Es gibt halt nur keine Anhaltspunkte für das Gegenteil.
Rettung kommt: Kaluza und Klein rollen sie einfach zusammen und schwubs sind sie allen Messgeräten entzogen. Dennoch klappt es nicht mit den Massen, dann probiert man es halt nicht mit Strings sondern mit Knoten oder anderen topologischen Figuren. Die Spielwiese ist ja groß.
Kaluza und Klein haben lediglich festgestellt, dass eine 5-dimensionale Einsteinsche Gravitationstheorie auf R^(3,1) x S^1 (=4D Minkowski + kreisförmige Extradimension) effektiv als 4D Einsteinsche Gravitationstheorie + Maxwell-Theorie (Elektrodynamik) aufgefasst werden kann. Das ist alles andere als trivial. Strings kamen erst viel später und aus völlig anderen Gründen, siehe oben.
Sie arbeitet wohl über Gravitation und Hochenergiephysik. Stringtheorie will das ja verbinden. Sie hat daher sicher eine Menge Ahnung davon.
Ja, sie hat Paper auf diesem Gebiet, aber damit arbeitet man nicht zwangsläufig auf dem Gebiet der Stringtheorie. Wie gesagt, ich behaupte keineswegs, dass sie keine Ahnung hätte, aber manche ihrer Thesen, z.B. zu Naturalness sind sehr umstritten. Mehr will ich auch gar nicht sagen und es steht mir wirklich nicht zu, fachlich über sie zu urteilen. Ihre Videos schaue ich gerne an, auch wenn (oder gerade weil) ich einige ihrer Aussagen nicht teile.
Stringtheorie ist in meinen Augen eines Physikers Zeitverschwendung, es ist ein Privatvergnügen, eine Phantasie einer großen schönen alles umfassenden Theorie - leider fast gänzlich ohne physikalische Grundlagen.
Ich versuche gar nicht, dir das auszureden, diese Meinung steht dir zu. Aber dass Stringtheorie willkürlich sei und nicht auf physikalischen Grundlagen beruhen würde, ist einfach falsch.
Anstelle dessen führt man das wiss. interessierte steuerzahlende Publikum mit populären Artikel über Strings und Welttheorien (TOE, GUT) in die Irre, als wäre das alles physikalisch bereits durchgemessen und anerkannt. Das ist einfach nicht in Ordnung. In der Wirtschaft sagt man dazu "irreführende Werbung" §5 UWG.
1. Stringtheoretiker an der Uni werde auch dafür bezahlt, dass sie an der Uni normale Lehre machen (Theoretische Physik im Bachelor- und Masterstudium).
2. Mir ist es nicht aufgefallen, dass Stringtheorie ständig als wahre Theorie dargestellt würde. Gerade in Deutschland habe ich eher den Eindruck, dass viel kritisiert wird.
3. Viel Geld fließt nicht in Stringtheorie. Sonst hätte ich nach meiner Promotion vielleicht die akademische Karriere versucht. Aber so war mir das Risiko deutlich zu groß, Hartz4 statt W3 zu werden.
Sieht fast so aus, aber wenn man die Literatur anschaut ist alles nicht ganz so widerspruchsfrei. Es lohnt sich vielleicht genauer hinzuschauen. Das ist sehr spannend! Gibt es hier Berufsastronomen, die darüber arbeiten?
Ich bin hier alles andere als ein Experte, daher kann ich nicht beurteilen, wie schwerwiegend diese (vermeintlichen) Widersprüche sind. Meiner Meinung nach sind die Indizien für DM sehr erdrückend.
Ansonsten bleibt das bestenfalls eine Arbeitshypothese, das Steckenpferd einiger Theoretiker ohne physikalische Relevanz.
Dann war für dich das Higgs-Teilchen bis 2012 auch ohne physikalische Relevanz? Ich erinnere mich, dass über das Higgs-Teilchen auch sehr viel gespottet wurde...
Ja es gibt viele Spielarten, weil eben der ursprüngliche Ansatz nicht die Massen der Elementarteilchen ergeben hat.
Das ist einfach falsch. Es gibt "viele Spielarten", genannt String-Vakua, weil es eben viele verschiedene Kompaktifizierungen gibt. (Dass ein Polynom n-ten Grades n komplexe Lösungen hat, ist halt einfach so und kein Problem des Polynoms.)
Hallo Mark,
ja, ich habe im Bereich der Stringtheorie promoviert. Genauer gesagt, an der Schnittstelle zwischen Stringtheorie und Kosmologie. Daher bin ich vielleicht emotional etwas involviert, aber auch nicht mehr so arg, weil ich nicht mehr an Stringtheorie arbeite. (Keine Lust auf 10 Jahre + x Postdocstellen, um dann doch keine Professur zu bekommen.) Das Thema Landscape/Swampland ist relativ neu wieder aufgetaut und ein gutes Beispiel dafür, dass Stringtheorie nicht völlig abgekoppelt von Phänomenologie ist. Daher reite ich so sehr darauf rum. Ich hoffe, dass man halbwegs die Idee versteht, was ja nicht ganz so leicht ist, wenn man nicht direkt daran gearbeitet hat.
Beste Grüße
Patrick