Hallo Leute
Das abätzen von Rost an Stahl-/Eisenteilen praktiziert man am effektivsten mit 10- bis minimal 5%iger Salzsäure.
Konzentrierte Salzsäure bekommt man 25%ig aus dem Baumarkt oder ca. 30%ig zur Not in der Apotheke. Diese muß unbedingt auf 10-5%ig mit Wasser verdünnt werden. Das reduziert eine Verletzungs- und Unfallgefahr drastisch.
Zum entrosten wird nun das Werkstück in das Bad mit verdünnter Salzsäure gelegt. Wichtig! Das Werkstück muss komplett untergetaucht sein. Das ganze funktioniert nur unter vollkommenem Luftabschluss. Eine mechanische Vorbehandlung mit Drahtbürste, Flex oder sonst was ist nicht erforderlich! Einzige Bedingung: Es dürfen keine Lackreste oder Fett/ÖL mehr am Teil sein. Das ist das einzige was vorher entfernt werden muss!
Bei 10%iger Säure kann man nun zusehen wie der Sauerstoff ausperlt und der Rost zerfällt! Selbst millimetertiefe Rostkanäle werden innerhalb 20Sek.-3 Minuten metallisch sauber!! bei 5%iger Säure dauert´s etwas länger so etwa 5-60 Minuten. Wenn der Rost aufgelöst ist hat das Stahl / Eisenteil eine matte gleichmäßig graue Oberfläche und ist nun porentief absolut ohne Rost.
Das Werkstück muss nun aus dem Säurebad entnommen werden und sofort in einem Wasserbad zum neutralisieren der Säure eingetaucht werden. Nach 10-20 Sekunden das Teil aus dem Wasserbad entnehmen und mit Pressluft peinlich sauber abtrocknen! In den Rostnarben dürfen keine Rückstände zurück bleiben.
Dabei kann man nun zusehen wie sich innerhalb weniger Sekunden an der Luft eine neue Rostschicht bildet! Die Rostschicht ist allerdings nur einige Atome dick.
Jetzt erst kommt verdünnte Phosphorsäure / Kaltentroster am besten als Bad zum Einsatz möglichst so das beim abermaligen entrosten keine Luft ans Werkstück kommt. Man kann aber auch die Phosphorsäure mit dem Pinsel auftragen und die Flächen mit einer Drahtbürste bearbeiten. Die sich bildende Phosphatschicht bewirkt erst mal einen provisorischen Rostschutz. Die Phosphorsäure hat nun keine Mühe die wenigen Rostatome, vom Zwischenbad im Wasser, innerhalb weniger Sekunden komplett aufzulösen und eine Verbindung mit dem blanken Eisen einzugehen.( Phosphatschicht).
Es ist völlig ausreichend wenn dieser Vorgang nur 1-2 Minuten andauert. Nun wird unser Teil aus der Phosphorsäure entnommen, gereinigt und abgetrocknet. Tiefreichende Rostnarben mit Pressluft nachreinigen. Da darf kein Säurerest zurück bleiben!
Das Bad in der Phosphorsäure darf nicht zu lange andauern denn je dünner die Phosphatschicht ist die zurück bleibt desto tragfähiger ist der Untergrund zum Aufbau einer neuen Beschichtung!
Warnung!!! Bei allen Arbeitsschritten mit starken Säuren ist peinlichst genau auf Körper-, besonders Augen-, Schleimhäute- und Kleidungsschutz zu achten denn alles was mit konzentrierten Säure in Verbindung kommt wird Verätzt!! Hautkontakt unterbinden, es besteht akute Verletzungsgefahr sowie Lochfraß an der Kleidung durch Spritzer! Es ist absolut erforderlich dass der Anwender immer praktische Erfahrungen und ausreichende Kenntnisse im Umgang mit Säuren und Laugen besitzt.
Anmerkung: Salzsäure ist konzentriert stark ätzend und giftig aber sehr stark verdünnt ungiftig ( Teil der Magensäure ).Siehe dazu:
https://www.carlroth.com/downloads/sdb/de/X/SDB_X942_AT_DE.pdf
Phosphorsäure ist stark ätzend Siehe dazu:
https://www.carlroth.com/downloads/sdb/de/6/SDB_6366_DE_DE.pdf
Warnung!!! niemals Wasser in Säure gießen, Explosionsgefahr durch heftige Reaktion!! sondern Säure langsam ins Wasser einbringen! Die Säure darf nur mit starkem Wasserüberschuss mit Wasser in Berührung kommen. Kleinmengen Wasser explodieren sofort wenn sie in konzentriertem Säureüberschuss tropfen oder fließen! Die Säure spritzt dann unkontrolliert in der Gegend herum. Konzentrierte Salzsäure dampft. Diese Dämpfe verätzen Atemwege !
Für das Bad nur säurefeste Kunststoffbehälter und keine Keramik oder Metallbehälter verwenden.
Die Warnungen mussten leider sein.
Fall´s jemand noch irgendwelche besseren Erfahrungen hierzu noch beisteuern kann immer her damit.
Ich habe das jedenfalls in der beschriebenen Form sogar bei mehrere Millimeter tiefen Rostnestern schon öfter mit bestem nachhaltigen Erfolg so praktiziert.
Gruß Peter