Gesichtsfeld Steiner Ferngläser 7x50 - Rallye, Military Marine, Commander...

FrankyS

Aktives Mitglied
Hallo zusammen,

für den schnellen Überblick habe ich ein Steiner 15x80 Fernglas (Modell Rallye), mit dem ich wirklich zufrieden bin.
Das Fernglas brachte mir vor über 30 Jahren der Weihnachtsmann, nachdem Eltern sowie Omas & Opas zusammengelegt hatten.
Gerade der Fokus ist toll, einfach durchschauen und nicht immer herumdrehen müssen wie bei anderen Gläsern.

Da das Gesichtsfeld bei der 15fachen Vergrößerung schon etwas eingeschränkt ist, habe ich mir bei Ebay spontan ein Steiner 7x50 Military Marine Fernglas gekauft.
Der Preis war für ein neues Fernglas wirklich gut, leider bin ich von dem Glas aber enttäuscht worden als ich durchgeschaut habe:
Das scheinbare Gesichtsfeld vom 7x50 Military Marine ist wesentlich kleiner als der des 15x80 Rallye!
Dies war mir vorher nicht klar.

Die Modellpolitik von Steiner verstehe ich nicht wirklich. Es gibt oder gab z.B. etliche "Commander" 7x50-Gläser. Deren Gesichtsfelder scheinen größer zu sein als die vom "Military Marine".
Wie ist das Gesichtsfeld vom alten 7x50 "Rallye"? Ist das genauso groß wie das meines 15x80?
Vom 15x80 gab oder gibt es noch die Version "Oberserver"?
Was ist da der Unterschied?

Viele Grüße
Frank
 
Hallo Frank,

es gibt sehr wenige 7x50 Ferngläser mit einem großen scheinbaren Gesichtsfeld. Warum? Weil bei großem Gesichtsfeld die Prismen deutlich größer dimensioniert werden müssten. Das macht das Glas teurer und schwerer.
Z.B. bei den Gläsern von Zeiss Jena ist das wahre Gesichtsfeld der 10x50 und 7x50 fast identisch, das scheinbare Gesichtsfeld der 10x50 also deutlich größer.

CS Gerhard
 
Ein weiterer limitierender Faktor ist oft auch die Feldblende der (bei 7x) deutlich langbrennweitigeren Okulare - neben den Prismen müssen die ja auch in 'Standardgehäuse passen. Hier verhält es sich ähnlich wie bei langbrennweitigen 1,25"-Okularen, welche auch zumeist kleine scheinbare Felder liefern, bedingt durch den limitierten Platz in der Steckhülse (max. Feldblende wäre da ja der innere Rand der Gewindegänge.
Scheinbare Gesichtsfelder und wahre Gesichtsfelder muss man eben auseinander halten, und ein guter FG-Hersteller gibt beide Werte auch an. Das mit dem Fokus (und dem Steiner-Slogan sportsAutoFocus) zweifle ich bei 15x mal an, außer man ist mit dem Gerät lediglich am Sternhimmel unterwegs. Bei 7x und jungen akkomodationsfähigen Augen und der weitaus größeren Tiefenschärfe eines 7x ggü. eines 15x - da kann das Auge noch gut was ausgleichen. Aber spätestens bei Naturbeobachtungen und Wechsel von Fern- auf Nahbereich kann auch Steiner die Physik nicht austricksen.

Als Minimum würde ich mal bei einem FG so 50° sGF ansetzen - bei 7x ist das schon ein guter Wert, und mein Fujinon schafft diese 50°, und auch randscharf, sodass das volle FG-Gesichtsfeld am Sternhimmel nutzbar ist. Bei Naturbeobachtungen wäre mir alles unter 60° zuwenig scheinbares Feld, es würde sich immer tunnelig anfühlen. (Mein 6,5x Papilio hat einen Tunnel, aber das ist ja auch ein Spezialglas.) Wenn gerade am Himmel mit seinen kritischen Sternen am Rand auch noch z.B.20% wegfallen (weil immer unschärfer), bleibt vom übersehbaren Feld nicht mehr viel übrig. Das gilt dann v.a. für's wahre nutzbare Feld.

Ich kenne genau zwei 7x50 mit deutlich über 50°, und die haben (wie schon Gerhard schrieb) ganz anders dimensionierte Prismen - das Nikon WX und das Miyauchi. Vmtl. gibt es auch noch ein paar alte Marinegläser, aber deren Einsatz am Sternenhimmel ist auch sone Sache (Vergütung, Randschärfe).

csm
 
es gibt sehr wenige 7x50 Ferngläser mit einem großen scheinbaren Gesichtsfeld. Warum? Weil bei großem Gesichtsfeld die Prismen deutlich größer dimensioniert werden müssten. Das macht das Glas teurer und schwerer.
Dieser Thread ist ja nun schon zwei Wochen alt. Gleichwohl zwickt es mich, der hier nahegelegten Suggestion zu widersprechen, die Größe des scheinbaren Gesichtsfeldes sei der treibende Faktor für die Dimension und die Kosten der Prismen.

Die Dimension der Prismen skaliert natürlich mit der Größe der Feldblende und somit mit der Größe vom wahren Feld, aber das scheinbare Feld wird vom Okulartyp bestimmt. Wie man z.B. in der wohlbekannten Liste von TeleVue sehen kann, gibt es ja durchaus Okulare mit sehr weiten scheinbaren Feldern von 82° oder sogar 100°.

Allerdings haben diese extremen Weitwinkelokulare häufig auch einen sehr großen Außendurchmesser, so dass sie schon deshalb für Binokulare ungeeignet sind. Für zivile, also nichtastronomische Anwendungen sind derart große scheinbare Felder wegen der unvermeidlichen kissenförmigen Verzeichnung auch nur bedingt brauchbar.

Was bei einem 7x50 ohne Rücksicht auf die Kosten technisch möglich ist, wurde ja in Gestalt des Nikon 7x50 WX mit einem scheinbaren Feld von 75° realisiert (*), allerdings zu einem stolzen Preis von über 6000 €.

Dieses 7x50 Glas wurde ja, zusammen mit einer 10x50 Ausführung, von Holger Merlitz bereits detailliert beschrieben:

Nikon 7x50 und 10x50 WX Specs
Nikon 7x50 and 10x50 WX Field Test

Bei solchen Kosten stellt sich allerdings die Frage, ob alternative optische Konstruktionen nicht günstiger und besser wären.

So könnte ich, wenn ich denn wollte, mit zwei guten 50 mm f/3 Objektiven und den vorhandenen Bauteilen meines Doppelrefraktors sofort einen 7x50 bauen, der dem Nikon 7x50 WX optisch sogar überlegen wäre, da er statt der komplizierten Prismen mit EMS Umlenkspiegeln funktioniert und mit 22 mm Nagler Okularen in 2" sogar ein scheinbares Feld von 82° hätte.

Gruß, Peter

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(*) Bestimmt als wahres Feld mal Vergrößerung
 
Zuletzt bearbeitet:
Also mit etwas Recherche (bzw. bei exotischen oder sehr alten Gläsern ohne Doku mit Ausprobieren und Rechnen) sollten alle Werte ermittelbar sein, die man für das Online-Tool braucht. Am Ende des Tages gehts dann aus meiner Sicht auch nicht darum, dass die Werte aufs Zehntelgrad genau sind, sondern, dass man mal eine Vorstellung dafür bekommt, was man zu erwarten hat.
 
Das hilft bei dem hier thematisierten Gesichtsfeld von Ferngläsern aber nicht wirklich, da die optischen Daten der Objektive und der verwendeten Okulare gewöhnlich nicht bekannt sind.
Aber man kann doch Geländemarken nehmen, diese in Google Earth ausmessen (Abstand der Marken, Abstand zum Beobachter, Winkel zu den Eckpunkten), und damit schon mal das wahre Feld bestimmen. Das scheinbare könnte man grob berechnen, oder aber mit Okularen aus dem Fundus vergleichen/schätzen. Das dürfte einfacher und effektiver sein, als sich mühevoll z.B. Brennweiten von FG-Objektiven und FG-Okularen zu besorgen (diese werden auch bei aktuellen Gläsern die Hersteller nicht heraus rücken).

csm
 
Hallo Manne, natürlich kann man das Sehfeld wie du beschreibst auch messen und mit den Angaben des Herstellers vergleichen.

Für das hier thematisierte Steiner Military Marine 7x50 wird ein Sehfeld von 118 m auf 1000 m Entfernung angegeben. Das ergibt einen wahren Sehwinkel von w = 6,75°, und ein scheinbares Feld (*) von 40° für rektilineare Projektion nach ISO, bzw. 47° nach der Formel für eine konstante Winkelvergrößerung.

Also schon die nominellen Specs für das Fernglas weisen ein sehr mickriges Sehfeld aus, und das hat der Starter des Threads (Frank) ja auch tatsächlich bemerkt und beklagt.

Jedenfalls war er von diesem Glas enttäuscht, und daran wird eine wie auch immer durchgeführte Berechnung oder Messung wohl kaum etwas ändern.

Gruß, Peter

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(*) Berechnung des scheinbaren Feldes w' aus dem wahren Feld w:

tan w' = m tan w ................................ nach ISO 14132

w' = m w ................................................ für konstante Winkelvergrößerung

m = Vergrößerung
 
Zuletzt bearbeitet:
Jep - das wird nix ändern. Aber der User armadillo hat ja von weiteren (älteren) Gläsern gesprochen, welche vmtl. nicht mit Specs gesegnet sind; daher mein Hinweis auf wahre und scheinbare Sehfelder/Gesichtsfelder.
Mit der ISO 14132-1-2002 liefert ja Nikon eine schöne Erklärung. (Values of apparent field of view, weit unten)

csm
 
Mit der ISO 14132-1-2002 liefert ja Nikon eine schöne Erklärung.
Wobei man aber bedenken muss, dass diese von den Fernglasherstellern typischerweise verwendete Formel mit dem Tangens zur Bestimmung des Scheinbaren Gesichtsfeldes (SGF) auch nur eine Näherungsformel ist, welche idealerweise für rektilinear abbildende Okulare von der Gegenstandsebene in die Bildebene zutrifft. Damit bleiben dann Geraden am Bildrand weiterhin Geraden, aber das funktioniert bei Okularen nur bis zu scheinbaren Feldern von etwa 60°.

apparent_field_of_view.jpg

Nikon Sports Optic

Bei sehr großen Feldern wird eine rektilinear verzeichnungsfreie Abbildung aber zunehmend problematisch. Für astronomische Anwendungen, wo es um Abbildung von Objekten auf der Himmelskugel geht, wird eine winkeltreue Abbildung angestrebt, und dafür berechnet sich das scheinbare Feld aus dem wahren Feld dann einfach durch Multiplikation mit der Vergrößerung. Das gilt insbesondere für Weitwinkelokulare mit SGF von 80° oder größer wie denen von TeleVue oder anderer Hersteller.

Gruß, Peter
 
Hallo zusammen und vielen Dank für Eure Beiträge!

Wahrscheinlich hätte ich vor dem Kauf zunächst gründlich im Forum lesen sollen und wäre damit nicht negativ überrascht worden.
Die Sache hat mir keine Ruhe gelassen und so habe ich bei Ebay auch ein Steiner 7x50 Rallye ersteigert.
Was soll ich sagen, ich hätte auf Euch hören sollen!
Das "Rallye" hat ein identisch großes scheinbares (und damit höchstwahrscheinlich auch wahres) Gesichtsfeld wie das "Military Marine".
Ich schätze es im Vergleich zu meinem Nagler Zoom auf ca. 48°. Das kommt den 47° von Peter recht nahe.

Aber was solls! Ich habe jetzt das Military Marine für den gleichen Preis den ich bezahlt hatte auch wieder verkauft.
Das Rallye werde ich erstmal behalten, denn ich habe auch nur 90€ für das Glas in technisch ordentlichem Zustand bezahlt.

Mich reizt aber noch ein kleineres Glas mit sehr großem Gesichtsfeld. Z.B. das LEICA 6x24 Trinovid.
Bevor ich mich für eins entscheide werde ich mich aber diesmal zunächst gründlich informieren.

CS und viele Grüße
Frank
 
Hallo zusammen und vielen Dank für Eure Beiträge!


Mich reizt aber noch ein kleineres Glas mit sehr großem Gesichtsfeld. Z.B. das LEICA 6x24 Trinovid.
Bevor ich mich für eins entscheide werde ich mich aber diesmal zunächst gründlich informieren.

CS und viele Grüße
Frank
Wenn es ein Faltglas sein soll, wäre das sicher eine gute Wahl - sonst schau mal nach dem APM 6,5x32. Ich hab das vor einem Jahr als kleines Himmelsglas erworben (IF), und bin recht zufrieden damit. Die angegebenen 9° wahres Feld sind natürlich nicht randscharf - ich würde das auf 7° schätzen. Aber bei Freihandbeobachtungen ist man da ja schnell im Schwenkbereich.

csm
 
Naja - wenn es um grossen Bildwinkel geht kann man ja auch was altes kaufen - von früher - klar mit heutigen nicht zu vergleichen.
Habe da ein altes Tasco hier liegen - kann man reinschauen ohne das es einem schlecht wird.
Rudi
 

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