Hallo Martin und allerseits,
die von Dir beschriebene Methode zur Bestimmung des Scheinbaren Gesichtsfeldes (SGF) funktioniert in der Tat sehr gut und ist ausserdem auch noch erstaunlich genau. Wenn man Abstände zwischen 1 und 2 m wählt, kommt man bei Streckengenauigkeiten von ca. 5 mm ohne weiteres auf eine Winkelgenauigkeit von etwa 0,2°. Noch besser ist wohl auch nicht möglich mit der Methode, weil eine gewisse Unsicherheit durch den Akkomodationswechsel zwischen der Feldblende und den entfernten Markierungen ins Spiel kommt.
Ich habe es eben mal an einigen Okularen aus meinem Fundus durchexerziert. Für die Messungen habe ich das Okular an einem Stativ in einer Höhe von ca. 130 cm über den Markierungen auf dem Fußboden befestigt. Hier sind die Ergebnisse:
Okular .................. H ........ D .......... SGF ........... SGF
Hersteller/Typ ..... (cm) ... (cm) .... (gemessen) ... (nominell)
TV 55 mm Plössl ... 131 .... 133,5 ....... 54,0° ......... 50°
TV 5 mm Radian ... 130,5 .. 153,5 ....... 60,9° ......... 60°
TV 8 mm Radian ... 130,5 .. 160,5 ....... 63,2° ......... 60°
TV 17 mm N4 ....... 131 .... 229 .......... 82,3° ......... 82°
TV 22 mm N4 ....... 131 .... 229 .......... 82,3° ......... 82°
Dabei ist H die Einblickhöhe über der betrachteten Ebene, D ist der Abstand der Markierungen in dieser Ebene (welche unter demselben Blickwinkel wie der Feldblendendurchmesser erscheint). Daraus folgt dann SGF = 2 arctan [(D/2)/H].
Soweit überhaupt nennenswerte Abweichungen zwischen den gemessenen und den nominellen Feldwerten auftreten, so sind die deklarierten Feldangaben der TV Okulare eher "konservativ". Das scheinbare Feld der "Radians" variiert etwas mit der Brennweite: 60,9° für das 5 mm, und 63,2° für das 8 mm Okular. Da ich diese Okulare für binokularen Einsatz jeweils doppelt habe, konnte ich mich davon überzeugen, dass es sich hier um einen systematischen Effekt und nicht um einen einzelnen Ausreißer handelt. Nominell identische Okulare aus meiner Sammlung haben jedenfalls auch dasselbe scheinbare Gesichtsfeld.
Ich kann jedenfalls Deine Messmethode für das scheinbare Gesichtfeld ohne Einschränkung bestens weiterempfehlen!
Mit freundlichen Grüßen,
Peter