Hallo zusammen,
Ich bin seit einigen Wochen immer mal wieder nachts draußen um mir die Milchstraße anzuschauen. Ende Juli konnte ich die ersten Perseiden sehen. Das war pro Nacht aber immer nur einer. Die anderen Sternschnuppen kamen aus anderen Quellen.
Von Freitag auf Samstag hatte ich die erste Perseidensession auf dem Liegestuhl in unserem Garten. Wobei ich da aber nicht nur Sternschnuppen schaue, sondern die schöne Sommermilchstraße betrachte und immer mal wieder mit dem Fernglas versuche ein Objekt zu finden. In den eineinhalb Stunden von halb 12 bis eins habe ich 7 Sternschnuppen gezählt. Davon fünf Perseiden. Auch richtig schöne mit Rekombinationsschweif. Grenzhelligkeit lag bei 5,3mag. Mein Himmel ist im Vergleich zum Bortle 3 Himmel im Urlaub gar nicht soo schlecht. Aber halt nur ab 40° Höhe. Darunter sieht man dann schon sehr deutlich die Lichtverschmutzung. Aber oberhalb von 40° kann man ringsrum die Milchstraße noch schön sehen. Man muss da aber auch erwähnen, dass der Bortle 3 Himmel noch in der astronomischen Dämmerung war. Das ist aber trotzdem ein Erlebnis, wenn man die Milchstraße bis im Horizont untergehen sieht und es so dunkel ist, dass man den Boden nicht mehr erkennen kann und man beim Gehen nur unbeholfen ins Leere tritt.
Von Samstag auf Sonntag war dann die Nacht der Nächte. Ich hatte schon Tage vorher den Wetterbericht im Auge um eine Sternschnuppennacht zusammen mit meiner Frau zu planen. Das machen wir jedes Jahr zusammen insofern es die Umstände zulassen. Um halb 12 standen zwei Liegestühle mit Kuscheldecke am besten Platz im Garten bereit und für meine Frau zusätzlich noch ein Glas Weißwein. Daneben hatte ich wie immer noch mein Fernglas. Zur Feier des Tages habe ich noch meinen 80mm Apo aufgebaut um auf Saturn zu warten. Der Himmel war an dem Abend richtig gut mit 5,5mag Grenzgröße. Die Milchstraße konnte man detailiert sehen von der Schildwolke über den Schwan bis zum Perseus. Man konnte sogar den Ausläufer im Cepheus gut erkennen. Ich habe bei der Gelegenheit auch das erste mal den 80mm Refraktor mit dem Canon 15x50is bei ein paar Deepskyobjekten und niedrigen Vergrößerungen verglichen. Erstaunlicherweise hat das Fernglas das Duell mit Leichtigkeit gewonnen. Die Deutlichkeit mit der man die Objekte besser gesehen hat, hat mich dann doch sehr überrascht.
Zwischen halb 12 und ein Uhr haben wir 15 Sternschnuppen gezählt, davon 12 Perseiden. Um ein Uhr hat meine Frau dann aufgegeben. Ich blieb noch bis zwei Uhr draußen. Dann habe ich auch aufgeben müssen, nachdem ich immer eingenickt bin. Bei 20 habe ich aufgehört zu zählen. Davon auch einige richtig helle im Schwan mit so 1mag rum und schönen Rekombinationsschweifen.
Eine besondere Sternschnuppe war dann noch dabei. Die war zwar nicht besonders hell, aber dafür besonders schnell. Die ging von etwas oberhalb von Deneb los und sauste dann mit wechselnder Helligkeit bis mitten in den Adler. So grob geschätzt war die Sternschuppe 5-10mal so schnell wie ein Perseid. Ein Perseid war es aber nicht. Die war viel zu schnell und auch die Richtung hat nicht gestimmt. Nach meiner Schätzung wäre die Schnuppe 250-500km/s schnell gewesen.
Das kann eigentlich nichts aus dem Sonnensystem gewesen sein. Denn solche Geschwindigkeiten hat man da nur nach einer Kollision vor kurzer Zeit und die Partikel verlassen auf direktem Wege das Sonnensystem. Weltraumschrott scheidet aus dem selben Gründen aus. Bzw. die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering. Daher würde ich auf ein Partikel aus dem Interstellaren Raum tippen. Sternschnuppen beobachte ich seit meiner Kindheit. Mittlerweile habe ich bestimmt schon mehr als 5000 Stück gesehen. Darunter richtig helle Teile, fast so hell wieder Mond, einige sind explodiert wie eine Silvesterrakete und es stand stundenlang eine Wolke am Himmel. Sowas war da aber nie dabei. Das ist schon etwas besonderes gewesen.
Saturn konnte ich mir natürlich auch noch ansehen. Es war an dem Tag nicht nur gute Durchsicht sondern auch noch super Seeing. Ab 20° Höhe hat da kein Stern mehr geflimmert. Saturn war bei 120fach zwar schon relativ dunkel in dem 80mm, aber stand seelenruhig mitten im Okular. Im Moment sieht er ziemlich lustig aus. Wie ein Kreis mit einem Strich durch. Erst bei 120fach konnte ich den Ringschatten vorm Planeten erkennen und auch das helle und das dunkle Wolkenband oberhalb.
Als Kind habe ich mir übrigens bei Sternschnuppen immer etwas gewünscht. Geglaubt habe ich das zwar auch damals nicht wirklich, aber verlieren kann man dabei ja auch nichts. Das meiste ist tatsächlich in Erfüllung gegangen. Wenn auch erst Jahrzehnte später. Vielleicht hätte ich mir auch wünschen sollen, wann das in Erfüllung geht

Wahrscheinlicher ist aber, dass meine Wünsche so bescheiden waren, dass eine Erfüllung sehr wahrscheinlich war, wenn ich mir nur etwas Mühe gebe.
Der Abschluss war für mich dann gestern abend. Der Urlaub ist zu ende und Sterngucken unter der Woche ist nicht mehr drin. Um 11 habe ich vor dem Schlafengehen mal kurz rausgeschaut, da gemeldet wurde, dass es später aufklaren soll. Zufällig habe ich Richtung Radiant geschaut und nach einer Sekunde fliegt da schon eine helle orangene Feuerkugel raus mit sichtbar grünen Rekombinationsscheif. Das habe ich so auch noch nicht gesehen. Ich denke, das liegt daran, dass um den Radiant die Spur so kurz ist, dass die Helligkeit ausreicht um die Farbe zu sehen. Ansonsten schaue ich ja immer Richtung Schwan. Auch wieder was dazu gelernt. Vielleicht mal den Liegestuhl auf den Radiant ausrichten und nicht nach Süden.
Naja, auf jeden Fall hat es tatsächlich aufgeklart und ich habe noch schnell meinen großen Refraktor aufgesattelt, eine Sequenz programmiert und das ganze über Nacht auf die Reise geschickt.
Der ganze Sommer war für mich aus astronomischer Sicht bisher auf jeden Fall ein tolles Erlebnis
Grüße,
Joachim