Hallo Michi,
Mediale gehen auch kurzbrennweitig (bzw. mit großem Öffnungsverhältnis). Ich hatte Dir ja einige Links genannt. Da das aber zugegebenermaßen ziemlicher Aufwand ist das dort alles zu verstehen, hier noch einmal eine sehr vereinfachte (und nicht ganz präzise) Beschreibung, was Mediale sind.
Der Begriff Medial geht auf Schupmann zurück. Er nannte diese Bauform „Mediale“, da diese aus Linsen und Spiegeln bestehen (heute würde man eher sagen, dass es ein katadioptrisches System ist). Die Grundidee ist, dass eine einfache Linse zunächst ein konvergierendes Büschel erzeugt. Dieses konvergierende Büschel fällt auf eine Linse, deren Rückseite verspiegelt ist (bezeichnet als Manginspiegel). Dieser Manginspiegel hebt im refraktiven Teil die von der vorderen Linse erzeugte Konvergenz des Büschels quasi auf, die Spiegelfläche erzeugt wieder ein konvergierendes Bündel (sehr vereinfacht und nicht ganz präzise, was genau passiert, ist etwas komplizierter, erfordert aber eine längere Darstellung, die sicher keiner liest). Dadurch ist es möglich, die Strahlen von Licht unterschiedlicher Wellenlängen auf der Achse in einem Brennpunkt zu vereinigen (den Farblängsfehler zu beseitigen, die Linse hebt den Farblängsfehler des Objektivs praktisch auf, eine spiegelnde Fläche erzeugt keinen Farbfehler). Obwohl der Farblängsfehler so korrigiert werden kann, bleibt ein Farbquerfehler (gewöhnlich bezeichnet mit CVD, die Brennpunkte unterschiedlicher Wellenlängen liegen zwar auf der optischen Achse übereinander, in Bildhöhen liegen diese aber untereinander). Der Farbquerfehler kommt dadurch zustande, dass die Strahlen für Licht unterschiedlicher Wellenlängen aus dem Objektiv (der Einzellinse) unterschiedliche Austrittswinkel haben. Wenn diese am Manginspiegel ankommen, haben diese unterschiedliche Einfallshöhen, die Brennweiten des Systems für unterschiedliche Wellenlängen sind unterschiedlich, die Bilder haben entsprechen unterschiedliche Größen.
Schupmann hat zwei Bauformen von Medialen angegeben. Bei der einen Bauform befindet sich der Manginspiegel hinter dem Brennpunkt der Objektivlinse. In der Nähe des Brennpunktes der Objektivlinse befindet sich ein Prisma, das den Strahlengang um 90° ablenkt. Das so abgelenkte Büschel trifft auf den Manginspiegel, der etwas schiefgestellt ist, so dass der Strahlvereinigungspunkt des nun konvergierenden Büschels neben dem Prisma liegt, und von einem Okular aufgefangen wird. Die CVD wird bei diesem System durch eine Linse, die auf das Prisma gekittet ist, und die Objektivlinse auf die Spiegelnde Fläche der Manginlinse abbildet, beseitigt. Die durch die Schiefstellung auftretenden unsymmetrischen Abbildungsfehler kann man beseitigen, indem man statt eines einfachen Manginspiegeln ein mehrgliedriges System entwirft, und Flächen schief stellt. Fernrohre, die nach diesem System gebaut sind, sehen auch wie klassische Refraktoren aus. Schupmann hatte Systeme um die f/10 entworfen.
Das zweite von Schupmann vorgestellte System ist der Brachyt. Bei diesem System liegt der Manginspiegel vor dem Brennpunkt der Objektivlinse. Das Büschel wird vom Manginspiegel wieder in Richtung Objektiv zurückgeworfen, hier durch einen Fangspiegel, wie beim Newton, aus dem Strahlengang seitlich herausgespiegelt (dieses System war schon vor Schupmann bekannt). Die CVD kann entweder durch spezielle Okulare, oder einfacher durch eine Feldlinse vor dem Brennpunkt korrigiert werden. Dieses System kann auch einfach mit großen Öffnungsverhältnissen realisiert werden.
Inzwischen gibt es Weiterentwicklungen der Mediale. Es gibt den Superschupmann, Kurt hatte den ja mal gebaut, und im Nachbarforum beschrieben.
Besonders intensiv hat sich H-J Busack mit Medialen beschäftigt, und apochromatische Systeme entwickelt, die auch praktisch frei von sonstigen Abbildungsfehlern sind, und sich auch für größere Öffnungsverhältnisse realisieren lassen. Falls Ihr so ein System bauen wollt, würde ich Kontakt mit ihm aufnehmen. H-J Busack dürfte der kompetenteste Experte für Mediale sein.
CS. Frank