Ursus corpulentus
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Liebe Sterngucker,
viel ist passiert seit meinem letzten Post und ich habe sogar hin und wieder etwas dazugelernt. Aber grundsätzlich bin ich noch immer ziemlich planlos, was den Himmel angeht - was mir gestern Abend wieder einmal zwei schöne Erlebnisse beschert hat. Doch der Reihe nach.
Zwischenzeitlich bin ich bei den Anonymen Teleskopikern gelandet und habe mir professionelle Hilfe in der Selbsthilfegruppe geholt. Und es geht mir schon viel besser: seit einer vollen Woche habe ich mir kein neues (altes) Teleskop gekauft. Nur zwei alte Okulare ... es ist auf jeden Fall ein Fortschritt und ich habe die Hoffnung auf Genesung noch nicht vollends begraben.
Gestern Abend also saß ich wie so viele Abend voher in den letzten paar Wochen in meinem Wohnzimmer und bin meiner Frau erneut damit auf die Nerven gegangen, dass der nächtliche Himmel in letzter Zeit praktisch dauerhaft bewölkt ist.
Mi-mi-mi-mi-mi ...!
Gefangen habe ich mir dann eine spitze Bemerkung und den Arbeitsauftrag, den Hund nochmal in den Garten zu lassen, bevor ich ins Bett gehe, was ich tat. Und plötzlich stand ich unter einem nur leicht verschleierten Firmament mit dem Mond am Himmel.
Dann wurde es hektisch. Rauf aufs Dach, Teleskop aufgestellt (ein Bresser 80/900 aus den 1990ern und den kleinen TAL 2,5'' von 1987), Okulare ins Freie gebracht und zurück ins Haus zum adäquaten Bekleiden. Als ich dann auf meinen Carport saß, war ich natürlich auf nichts vorbereitet. Aber ich hatte den Mond, den Jupiter und - den Mars.
Seit einigen Tagen erst ist mir klar, dass es momentan ja DIE Zeit sein muss, für Marsbeobachtungen; war da nicht etwas mit alle 15 Jahre, oder so? - Egal, in jedem Fall habe ich mich mit dem Burschen eine Stunde eingehend beschäftigt und alle möglichen Okulare und Kombinationen mit einer Barlow ausprobiert. Vieles hat recht gut funktioniert - das Seeing war zeitweise richtig gut -, das Meiste davon habe ich aber schon wieder vergessen. Ich sollte mir Notizen machen. Doch wenigstens habe ich jetzt bei der Idee, wofür eine Barlow taugt, den "Fuß in der Tür".
Es wurde dann tendenziell immer trüber, doch Gevater Mond stand ja auch noch da oben rum. (Den finde ich wenigstens auf Anhieb; meistens jedenfalls). Und da ich die Barlow-Linse noch montiert hatte, und zu faul war, vergößerungsmäßig wieder "ganz unten" anzufangen, lies ich sie drin, steckte ein 30er Erfle drauf und riskierte einen Blick.
Wow! War das SCHÖN! Einfach nur schön.
Die halbe Faszination beim Mond ist für mich seine Farbe. Ich mag gerne Silber, als Metall, weil es für mich aussieht, als wäre es gefrorenes Mondlicht. Und gestern Abend sah ich ihn, den Mond, wieder einmal wie einen großen Batzen reinen, feinen Silbers. Und die zugehörige Punze, die seine Qualität markiert, war der Goldene Henkel, auf den ich dann so zufällig wie zwangsläufig stieß und der mich hernach eine weitere Stunde nach vorgenannter Manier beschäftigt hat. Ich kannte ihn aus der Literatur, rechnete aber gestern Abend überhaupt nicht damit, ihn zu sehen; der zweite glückliche Zufall des Abends.
Irgendjemand führt mich gerade am Händchen über den Nachthimmel, habe ich manchmal das Gefühl. Wie schön. Aber man muss auch bereit sein, sich am Händchen halten zu lassen. Oscar Wild hat mal bemerkt, dass man Versuchungen nachgeben sollte - wer weiß, ob sie wiederkommen. Insofern war es richtig, gestern Abend für zwei Stunden in die Kälte zu sitzen.
Denn es war kalt. So kalt, dass der Hund sich geweigert hat, nochmal nochmal in den Garten zu gehen.
Was den glücklichen Anfänger aber nicht weiter gestört hat.
Schöne Grüße sendet Euch allen, der
Ursus
viel ist passiert seit meinem letzten Post und ich habe sogar hin und wieder etwas dazugelernt. Aber grundsätzlich bin ich noch immer ziemlich planlos, was den Himmel angeht - was mir gestern Abend wieder einmal zwei schöne Erlebnisse beschert hat. Doch der Reihe nach.
Zwischenzeitlich bin ich bei den Anonymen Teleskopikern gelandet und habe mir professionelle Hilfe in der Selbsthilfegruppe geholt. Und es geht mir schon viel besser: seit einer vollen Woche habe ich mir kein neues (altes) Teleskop gekauft. Nur zwei alte Okulare ... es ist auf jeden Fall ein Fortschritt und ich habe die Hoffnung auf Genesung noch nicht vollends begraben.
Gestern Abend also saß ich wie so viele Abend voher in den letzten paar Wochen in meinem Wohnzimmer und bin meiner Frau erneut damit auf die Nerven gegangen, dass der nächtliche Himmel in letzter Zeit praktisch dauerhaft bewölkt ist.
Mi-mi-mi-mi-mi ...!
Gefangen habe ich mir dann eine spitze Bemerkung und den Arbeitsauftrag, den Hund nochmal in den Garten zu lassen, bevor ich ins Bett gehe, was ich tat. Und plötzlich stand ich unter einem nur leicht verschleierten Firmament mit dem Mond am Himmel.
Dann wurde es hektisch. Rauf aufs Dach, Teleskop aufgestellt (ein Bresser 80/900 aus den 1990ern und den kleinen TAL 2,5'' von 1987), Okulare ins Freie gebracht und zurück ins Haus zum adäquaten Bekleiden. Als ich dann auf meinen Carport saß, war ich natürlich auf nichts vorbereitet. Aber ich hatte den Mond, den Jupiter und - den Mars.
Seit einigen Tagen erst ist mir klar, dass es momentan ja DIE Zeit sein muss, für Marsbeobachtungen; war da nicht etwas mit alle 15 Jahre, oder so? - Egal, in jedem Fall habe ich mich mit dem Burschen eine Stunde eingehend beschäftigt und alle möglichen Okulare und Kombinationen mit einer Barlow ausprobiert. Vieles hat recht gut funktioniert - das Seeing war zeitweise richtig gut -, das Meiste davon habe ich aber schon wieder vergessen. Ich sollte mir Notizen machen. Doch wenigstens habe ich jetzt bei der Idee, wofür eine Barlow taugt, den "Fuß in der Tür".
Es wurde dann tendenziell immer trüber, doch Gevater Mond stand ja auch noch da oben rum. (Den finde ich wenigstens auf Anhieb; meistens jedenfalls). Und da ich die Barlow-Linse noch montiert hatte, und zu faul war, vergößerungsmäßig wieder "ganz unten" anzufangen, lies ich sie drin, steckte ein 30er Erfle drauf und riskierte einen Blick.
Wow! War das SCHÖN! Einfach nur schön.
Die halbe Faszination beim Mond ist für mich seine Farbe. Ich mag gerne Silber, als Metall, weil es für mich aussieht, als wäre es gefrorenes Mondlicht. Und gestern Abend sah ich ihn, den Mond, wieder einmal wie einen großen Batzen reinen, feinen Silbers. Und die zugehörige Punze, die seine Qualität markiert, war der Goldene Henkel, auf den ich dann so zufällig wie zwangsläufig stieß und der mich hernach eine weitere Stunde nach vorgenannter Manier beschäftigt hat. Ich kannte ihn aus der Literatur, rechnete aber gestern Abend überhaupt nicht damit, ihn zu sehen; der zweite glückliche Zufall des Abends.
Irgendjemand führt mich gerade am Händchen über den Nachthimmel, habe ich manchmal das Gefühl. Wie schön. Aber man muss auch bereit sein, sich am Händchen halten zu lassen. Oscar Wild hat mal bemerkt, dass man Versuchungen nachgeben sollte - wer weiß, ob sie wiederkommen. Insofern war es richtig, gestern Abend für zwei Stunden in die Kälte zu sitzen.
Denn es war kalt. So kalt, dass der Hund sich geweigert hat, nochmal nochmal in den Garten zu gehen.
Was den glücklichen Anfänger aber nicht weiter gestört hat.
Schöne Grüße sendet Euch allen, der
Ursus
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