Hallo,
Uwe, was Du mit dem leicht ausgleichen der Augen im 2. Fall schreibst, stimmt leider nicht so ganz. Wenn die Tuben nach innen schielen, wandern die Bildfelder nach außen, das können die Augen nicht ausgleichen, denn Auswärtsschielen geht nicht (außer in pathologischen Fällen). Deshalb muß diese Fehljustage unbedingt vermieden werden, weil sonst keine deckungsgleichen Bilder zustandekommen!
Schielen die Tuben dagegen etwas nach außen, so dass die Sehfelder nach innen wandern, können die Augen das durch Einwärtsschielen in gewissen Grenzen kompensieren, denn die Konvergenz der Augenstellung, d.h. das natürliche zunehmende Einwärtsschielen beim Nahesehen, funktioniert ja immer nur nach innen. Allerdings verschmelzen dabei die Sehfeldbegrenzungen nicht deckungsgleich zu einem Kreis sondern werden etwas versetzt als eine Art liegende Acht gesehen. Was nicht nur ästhetisch weniger ansprechend ist, sondern auch dazu führt, das man nicht mehr zentrisch entlang der optischen Achsen durch die Strahlengänge blickt, sondern zum Rand hin versetzt, wodurch die Bildfehlerkorrektur leidet, weil Bildfehler normalerweise lateral zunehmen. Außerdem strengt dieses unwillkürliche Einwärtsschielen mit zunehmender Beobachtungsdauer an und ermüdet.
Justage ist zwar kein Hexenwerk, muß aber mit zunehmender Vergrößerung immer genauer erfolgen, und wenn man die Tuben bei einem Großfernglas ab- und wieder einschraubt, ist wegen des Gewindespiels fast immer eine gewisse Justagekorrektur nötig. Manchmal nicht nur über die Prismen, sondern insbesondere bei mechanisch einfacheren Chinamodellen auch über die Tubenstellung, die man mit vorsichtigem, aber kräftigem Biegen leicht korrigiern muß. Ich würde empfehlen das vorher an einem alten Glas zu üben, damit man weiß, wann man wohin biegen oder schrauben muß...
Es ist auch nicht ganz richtig, dass die von vorn sichtbaren stark glänzende Innenwände keine negativen Auswirkungen hätten, weil dieses Licht ja nur nach vorn, also aus dem Glas heraus reflektiert würde, was hinter dem Okular unbemerkt bliebe. Denn ein wenn auch kleiner Teil dieses rückreflektierten Lichts wird an jeder der davor liegenden Glasoberflächen nicht nach draußen durchgelassen, sondern zurückreflektiert nach hinten in den Strahlengang, da keine Vergütung perfekt ist. Auch wenn das pro Glasoberfläche bei einer MC-Vergütung nur ca. 0,5% ausmacht, überlagert dieses Streulicht das Bild diffus und hellt es ganz leicht auf, m. a. W. es senkt den Kontrast. Wenn man weiß, worauf man achten muß, kann man diesen hauchzarten "Schleier" durchaus manchmal bemerken, besonders natürlich bei hellen Objekten, wie z.B. dem Mond.
Ich habe bei einigen meiner Gläser die Innenschwärzung verbessert, mit sichtbarem Erfolg. Allerdings muß man vorsichtig sein, und dabei möglichst keine der optischen Oberflächen innen verschmutzen, weil das Reinigen sonst sehr schwierig werden kann. Nicht nur, weil dann oft eine noch weitergehende Demontage fällig ist, sondern auch, weil selbst hauchdünne Fettschlieren o.ä. den Kontrast unter Umständen stärker vermindern können, als er durch die bessere Schwärzung angehoben wird. Außerdem muß man die Farbe sehr gut und lange trocknen lassen, sonst können sich im Lauf der Zeit Ausdünstungen auf den innern Glasflächen niederschlagen und alles zunichte machen: wenn z.B. solche Beläge zwischen den mit Luftspalt verklebt montierten Prismen auftreten, müsste man zur Reinigung die Prismen herausbrechen... Richtiges Reinigen ist auch alles andere als trivial und sehr zeitaufwändig. Passgenau geschnittenes Velours würde ich daher eher empfehlen, aber diese Kegelschnitte durch womöglich enge Öffnungen konischer Tuben korrekt zu platzieren, ohne mit der Klebeschicht der Folie die oft fest im Tubus verklebten Objektive zu berühren und zu verschmieren, wird auch nicht ohne sein.
Ich habe ein United Optics (gelabelt als Celestron Skymaster, oder TS LE usw.) 20x70 und ein 15x70 deren Innenwände beide genauso extrem spiegeln. Es hat einige Zeit gekostet, das 20x70 innen mit Farbe zu mattieren, der Kontrastgewinn und das deutlich bessere Gegenlichtverhalten sind sichtbar. Trotzdem werde ich mir beim 15x70 diese Mühe nicht wieder machen, weil es sehr umständlich ist, mit einem gebogenen Pinsel die konischen und sehr langen Tuben durch eine kleine Öffnung innen und auch noch von unten kommend vorsichtig anzumalen, was nötig war, weil die verklebten Objektive nicht von den Tuben getrennt werden konnten...
Alles in allem glaube ich nicht, dass sich der Aufwand lohnt, wenn man so etwas noch nie vorher gemacht hat; das Risiko sein Glas zu verschlimmbessern ist groß...
Gruß
PS.: Noch was, aus gegebenem Anlass: Wenn man bei Tag ohne Okulare das Glas am Himmel herumschwenkt, um die Herkunft von Streulichtproblemen zu ermitteln, wie es oben jemand empfiehlt, muß man dabei
H Ö L L I S C H AUFPASSEN NICHT IN DIE SONNE ZU GERATEN; AUCH NICHT KURZZEITG!
Denn das ist brandgefährlich. Wenn kein Okular mehr hinter den großen Objektiven sitzt, wirken sie wie starke Brenngläser, deren Bündelungskraft das Auge in Sekundenbruchteilen zerstören kann!